In einer Kooperation mit Facebook überprüft Echtjetzt die Genauigkeit Artikeln, die auf dem sozialen Netzwerk geteilt werden. Unter den potenziell fehlerhaften Links befand sich in dieser Woche ein Text von „orangez-tangle.com“, der am 21. März 2018 veröffentlicht worden ist. 

Die Webseite erzählt die Geschichte des österreichischen Lidl-Mitarbeiter Martin Reiter aus Wien, der innerhalb von ein paar Minuten 1.206.630 Euro in einem Onlinekasino gewonnen hat. Danach sei er zu seinem Chef gegangen und habe ihm gesagt: „Er könne mich mal am A*sch lecken und warf meine Dienstkleidung vor ihm auf den Boden“. Der Text endet mit diesem Absatz „Die Erfolgsgeschichte von Martin Reiter motiviert und die Tatsache, dass die Gewinnwahrscheinlichkeit im Onlinekasino deutlich höher als bei der Konkurrenz ist, sorgt ebenfalls für Euphorie im Internet“.

Diese Geschichte glauben wir nicht. Warum? Weil wir genau auf der gleichen Webseite, die Geschichte eines Lidl-Mitarbeiters, diesmal aus Berlin lesen können. Der heißt auch Martin Reiter, und hat auch genau 1.206.630 Euro beim Online-Spielen gewonnen und danach sein Chef beleidigt. 

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Zwei gleich aussehende Martin Reiter in zwei Städten...

Genauso wie sein Namensvetter aus Wien hat der Berliner Martin Reiter der niederländischen Tageszeitung „De Telegraaf“ ein Interview gegeben, wie man an dem Logo des Mikrofons erkennen kann. Im Originalvideo vom „Telegraaf“ heißt der Lidl-Mitarbeiter Rein van der Plas und gibt ein Interview, weil er einen Mann, der in dem Discounter onanierte, gestoppt hat.

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Martin Reiter heißt nicht Martin Reiter und lebt weder in Berlin, noch in Wien, sondern in den Niederlanden...

Andere Versionen dieser Geschichte kursieren im Netz seit 2015. Der Onlinekasino-Spieler heißt immer Martin Reiter, hat die gleiche Summe gewonnen aber diesmal arbeitet er für die Fast-Food-Kette McDonald’s. Diese Texte haben nicht nur den Name von Martin Reiter gemeinsam. Sie erwähnen immer das „Onlinekasino Stargames“ mit fetten Buchstaben.

Es handelt sich um eine Online-Werbung. Am 3. April 2018 schickte „CORRECTIV“ eine Anfrage an „Greentube“ (die Eigentümer von „Stargames“), um die Herkunft des Werbetexts zu erfahren. Die Firma antwortete: „Greentube hat keine dieser Geschichten produziert und daher gibt es keinen weiteren Kommentar von unserer Seite“.

Es ist nicht das erste Mal, dass wir solche Fälle bei „Echtjetzt“ beobachten. Im August 2017 hatten wir über den Fall des Onlinekasinos „Grand Mondial Casino“ berichtet, der mit einer Falschnachricht für seine Spiele warb und damit Ressentiments gegen Asylbewerber anfachte. 

Unsere Bewertung: Erfundene Werbung mit falschen Bildern

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