Bewertung: völlig falsch

Nein — Diese Filmcrew inszeniert kein Ertrinken von Flüchtlingen

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Screenshot eines Youtube-Videos, in dem einem Filmteam vorgeworfen wird, das Ertrinken von Flüchtlingen im Meer vor Kreta zu inszenieren.© https://youtu.be/pplP6Kvw3os

von Jacques Pezet

Videoaufnahmen eines Filmteams, das scheinbar ertrinkende Personen im Meer vor Kreta filmt, machen aktuell in sozialen Netzwerken die Runde. Laut mehreren Bloggern soll das Video zeigen, wie Journalisten die Öffentlichkeit mit inszenierten Bilder manipulieren. Das stimmt nicht. EchtJetzt hat die Filmcrew gefunden und mit ihr gesprochen.

Seit Anfang August wird das folgende Video von mehreren deutschen Bloggern, darunter David Berger von „Philosophia Perennis“ („,Flüchtlinge ertrinken‘: Werden hier Fake-Videos für unsere Medien produziert?“; am 5.8.2018) und Oliver Janich von „Oliver Janich Investigativ“ („Filmcrew dreht Fake-Video über ertrinkende Migranten am Strand von Kreta“; am 3.8.2018), so wie von ihren Followern geteilt.

Das Video zeigt verwackelte Aufnahmen von Frauen mit Kopftüchern. Einige von ihnen stehen an einem Strand, während andere im Meer schwimmen. Nach einem Kameraschwenk ist zu sehen, wie ein Filmteam die Frauen filmt. Aus dem Off spricht ein Mann.

Laut den englischen Untertiteln wirft der aus dem Off sprechende Mann der gezeigten Filmcrew vor, eine Szene von „Migranten, die im Meer ertrinken” zu filmen. So würden Fernsehjournalisten die Bevölkerung mit inszenierten Bilder manipulieren.

David Berger, dessen Texte wir bereits oft überprüft haben, hat auf Twitter und in einem Artikel gefordert, dass sich Faktenchecker mit dem Video befassen. Konkret nannte er uns, den ARD-Faktenfinder und Mimikama. Er schreibt: „Eigentlich wäre das ein Aufgabenfeld für unsere hoch bezahlten Fakenews- und Faktenfinder. Dass diese sich bisher des Themas nicht angenommen haben, zeigt, dass es durchaus nicht unwahrscheinlich ist, dass es sich hier um Aufnahmen handelt, die die Öffentlichkeit bewusst täuschen sollen.“

Wie haben wir die Meldung geprüft?

Um die Filmaufnahmen zu prüfen, haben wir zunächst versucht herauszufinden, wo das Video gedreht wurde. Die Szene soll laut der Beschreibung unter dem Youtube-Video auf der griechischen Insel Kreta gefilmt worden sein. Laut Videotitel angeblich von einem Tschechen.

Um das Originalvideo zu suchen, haben wir deshalb bei Facebook die Suchbegriffe „Migranten, Kreta, Manipulation“ auf Tschechisch („migranti kreta manipulace“) eingegeben.

So haben wir das gleiche Video ohne Untertitel auf der tschechischen Facebook-Seite „AntiKavárna“ gefunden. Mithilfe von GoogleTranslate haben wir den Videotitel übersetzt. „Kreta — Filmcrew oder Medienmanipulation?“ steht dort. Das Video wird folgendermaßen beschrieben: „Auf Facebook gab es ein interessantes Video aus Kreta von Marek Chrastina. Sein Kommentar zum Video: ‘In Kreta habe ich ein interessantes Video in Ierapetra gedreht und jeder wird selbst ein endgültiges Fazit ziehen’.“

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Screenshot aus einem Facebook-Video auf Tschechisch mit dem angegebenen Drehort Ierapetra

Eine Person mit dem Namen Marek Chrastina soll das Video demnach gefilmt haben. Über Facebook haben wir mehrere Profile mit dem Namen Marek Chrastina kontaktiert, aber niemand antwortete auf unsere Anfragen.

Wo wurde die Szene gefilmt ?

Neben einem möglichen Namen des Urhebers wird auf der Facebookseite auch die Stadt genannt, in der das Video angeblich gedreht wurde: Ierapetra. Die Stadt liegt im südöstlichen Teil von Kreta. Bei Google Maps lässt sich dort mit der Funktion Street View tatsächlich der Drehort des Videos finden: Die filmende Person stand offenbar neben dem Restaurant Astrophengia, das man an den Bäumen, den grünen Tischen und dem Ausblick auf die Bucht wiedererkennen kann.

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Screenshot aus GoogleMaps von dem Dreh-Standort.

Um den Drehort zu bestätigen, haben wir das Restaurant Astrophengia angerufen. Doch die Personen am Telefon sprachen kaum Englisch und eine Verständigung war nicht möglich.

Daraufhin haben wir das nahegelegene Restaurant Levante auf Facebook kontaktiert. Das Restaurant antwortete uns per Messenger, dass das Video den Dreh eines Dokumentarfilms zeige, der beim Ierapetras Dokumentarfilmfestival vorgestellt wurde. Die im Video zu sehende Kamerafrau sei die Regisseurin und Produzentin. Das Restaurant erklärte uns gegenüber auch, dass der Film von griechischen Flüchtlingen während des Griechisch-Türkischen Kriegs von 1919 bis 1922 handele.

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Screenshot aus einem Facebook-Chat mit dem Restaurant Levante vom 8.8.2018 auf eine Presseanfrage von EchtJetzt

So haben wir die Filmcrew identifiziert

Das Restaurant schickte uns auch den Link zu der Webseite des Dokumentarfilmfestivals von Ierapetra. Dort haben wir den Film “Das Land der schmerzhaften Jungfrau Maria“ (auf Englisch „Land of the Painful Virgin Mary“) gefunden. Auf der Webseite sind auch Fotos der Regisseurin und Produzentin Eleni Vlassi und des Kameramanns George Mpalothiaris zu sehen. So konnten wir die beiden in dem Video identifizieren.

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CORRECTIV konnte die Regisseurin Eleni Vlassi und den Kameramann George Mpalothiaris in dem Video identifizieren.

Filmcrew bestätigt Dreharbeiten zu historischem Film

CORRECTIV hat die Regisseurin und den Kameramann kontaktiert, um zu bestätigen, dass sie die Personen im Video sind und um zu erfahren, was sie gedreht haben. Auf Facebook bestätigte uns der Kameramann George Mpalothiaris, dass er für den Dreh eines Dokumentarfilms der Filmregisseurin Eleni Vlassi in Ierapetra gearbeitet habe. Er empfahl uns, für mehr Informationen mit der Regisseurin zu sprechen und gab uns ihre Emailadresse.

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Screenshot aus einem Facebook-Chat mit George Mpalothiaris am 9.8.2018.

Auf Facebook kontaktierten wir auch den Kameramann Giannis Kassis, dessen Name auf der Webseite des Filmfestivals im Zusammenhang mit dem Film genannt wird. Als wir ihm das Youtube-Video schickten, antwortete er: „Das ist unsere Filmcrew beim Dreh eines Dokumentarfilms über Flüchtlingen aus den 1900er, die von Anatolien nach Kreta kamen“. Er schreibt, dass der Film in Ierapetra in den Jahren 2017 und 2018 gedreht wurde.

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Screenshot aus einem Facebook-Chat mit Giannis Kassis am 10.8.2018

Mit der Regisseurin Eleni Vlassi zu sprechen, war komplizierter. Wir versuchten es mehrmals. Weil sie das Dokumentarfilmfestival in Ierapetra vom 4. bis 9. August organisierte, erreichten wir sie erst am 10. August telefonisch. Auf Nachfrage von EchtJetzt, war sie überrascht von der Nutzung der Bilder ihres Filmdrehs. Sie versprach uns ein Statement per E-Mail, das sie uns am 13. August 2018 schickte.

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Statement von der Regisseurin Eleni Vlassi per E-Mail am 13.8.2018

In ihrer Antwort bestätigte die Regisseurin Eleni Vlassi, dass das im Internet kursierende Video den Dreh ihres Films „Land of the Painful Mary“ zeigt. Weiter schreibt sie, dass das kursierende Video ohne ihre Erlaubnis gedreht wurde und warnt davor, dass sie juristische Schritte gegen alle Personen, die Falschmeldungen über den Dreh ihres Films verbreiten, einleiten könnte. Die Regisseurin betont, dass die gefilmte Szene keinerlei Bezug zu heutigen Migranten habe, sondern die Situation griechischer Flüchtlinge aus Kleinasien im Jahr 1922 thematisiere.

Auf Nachfrage präzisierte die Regisseurin Eleni Vlassi gegenüber EchtJetzt: „Die Dreharbeiten zur Dokumentation begannen im September 2017 und wurden am 24. Juli 2018 abgeschlossen. Der letzte Dreh im Meer wurde gemacht, um einige bessere Aufnahmen zu machen.“

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Antwort von Eleni Vlassi per Email am 15. August 2018 auf eine Presseanfrage von EchtJetzt

Im Trailer des Films sind in mehreren Szenen Frauen mit Kopftüchern und langen Röcken und Männer in traditioneller Kleidung auf einem Boot auf dem Meer zu sehen. Offenbar hat die Person, die das kursierende Video aufnahm, diese Frauen und Männer, die Schauspieler sind, mit muslimischen Flüchtlingen verwechselt.

Die Schauspieler verkörpern für den Film die Rollen von griechischen Flüchtlingen aus Kleinasien am Anfang des 20. Jahrhundert. Es handelt sich also nicht um einen gefälschten Fernsehbeitrag, wie mehrere Blogger behaupten.

Quelle und Hintergrund eines zweiten Videos unklar

In seinem Artikel zu dem in Kreta aufgenommenen Video bezieht sich der Blogger David Berger auch auf ein anderes Video, das angeblich eine „Gestellte Szene für Aufnahmen mit ‚ertrinkenden Flüchtlingen‘“ zeigen soll.

In dem Video kann man sehen, wie ein Mann mit einer Rettungsweste vor einem Boot schwimmt, von dem aus er gefilmt wird. Das Video wird im Internet als vermeintlicher Beleg geteilt, dass gefälschte Bilder ertrinkender Flüchtlinge von Medien inszeniert werden, um die Öffentlichkeit zu manipulieren. Trotz längerer Recherchen gelang es uns nicht, die Originalquelle dieses Videos zu finden. Es bleibt deshalb unklar, für welchen Zweck die Szene gedreht wurde.

Unsere Bewertung:
Falsch. Das in Kreta aufgenommene Video zeigt keine Journalisten, die das Ertrinken von muslimischen Flüchtlingen inszenieren. Die Filmcrew dreht einen Film über griechische Flüchtlinge im Jahr 1922.

Bewertung: falsch

Spielplatz-Schild in Hannover: Dieses Foto ist eine Fälschung

Spielplatz
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Spielplatz
Das Foto wurde nachträglich bearbeitet und die Aufschrift geändert. (Screenshot: CORRECTIV)

von Simon Wörz

Ein Bild auf Facebook zeigt ein Spielplatz-Schild in Hannover. Darauf steht: „Für Kinder und Kinderinnen.“ Das Foto wurde bearbeitet. Was wirklich draufsteht, erklären wir im Faktencheck.

Am 4. März 2019 teilte die Facebook-Seite „Gegen Til Schweiger und andere Gutmenschen eine Bildmontage von einem angeblichen Schild, das auf einem Spielplatz in Hannover angebracht sein soll. Darauf ist zu lesen: „Spielplatz für Kinder und Kinderinnen. Aufenthalt von 7 bis 20 Uhr gestattet. Über dem Bild steht in roten Buchstaben: „Die Verblödung in Deutsch nimmt massiv Fahrt auf!.

Bei dem Bild handelt es sich um eine Fälschung, die seit 2017 kursiert. (Screenshot: CORRECTIV)

Der Beitrag machte bereits 2017 die Runde

Die österreichischen Faktenchecker von Mimikama recherchierten bereits im Oktober 2017 den Ursprung des Bildes und kamen zu dem Schluss, dass es sich um eine Fälschung handelt. Die Redaktion fand das Originalfoto auf der Seite spielplatzfragen.de“. Dort  trägt es die Aufschrift: Für Kinder und Jugendliche.

Das Originalfoto auf der Seite „spielplatzfragen.de“ (Screenshot: CORRECTIV)

Stadt Hannover nannte die Fotomontage eine „Fälschung

Schon am 7. Juni 2017 dementierte die Stadt Hannover über ihren offiziellen Twitter-Account die Echtheit des Fotos. Auch die Hannoversche Allgemeine Zeitung berichtete am selben Tag von der Fotomontage.

Das Dementi der Stadt Hannover via Twitter (Screenshot CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Falsch. Bei dem Foto handelt es sich um eine Fälschung, die schon 2017 entlarvt wurde.

Bewertung: falsch

Bilder des Deutschen Bundestages in falschen Kontext gestellt

GERMANY-POLITICS-PARLIAMENT
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GERMANY-POLITICS-PARLIAMENT
Der Bundestag am 24. Oktober 2017. (Foto: John Macdougall / AFP)

von Cristina Helberg

Im Netz verbreitet sich eine Fotomontage mit falschen Behauptungen.

Die Facebook-Seite „Frauenbündnis Südpfalz“ veröffentlichte am 24. Februar eine Fotomontage. Darauf zu sehen: zwei Fotos aus dem Deutschen Bundestag. Auf dem oberen Foto sitzt auf fast jedem Platz ein Abgeordneter. Nur auf der Regierungsbank sitzt niemand. Darüber steht: „Volles Haus Diätenerhöhung“.

Auf dem zweiten Foto der Montage ist es im Parlament deutlich leerer. Die Regierungsbank ist jedoch besetzt. Am Rednerpult steht Alexander Gauland (AfD). Während die AfD-Fraktion offenbar fast geschlossen anwesend ist, sind bei den anderen Fraktionen nur wenige Abgeordnete an ihrem Platz. Über diesem Foto steht in der Montage „bei Rentenerhöhung“.

Die indirekte Behauptung der Montage: Wenn es um Diätenerhöhung geht sind alle Bundestagsabgeordneten anwesend, bei dem Thema Rentenerhöhung nur wenige außer der AfD. Tatsächlich stammen die Bilder jedoch aus Bundestagssitzungen zu ganz anderen Themen.

Facebook-Beitrag vom 24. Februar 2019 mit falschen Behauptungen (Screenshot: CORRECTIV)

Bilder-Rückwärtssuche mit schnellem Ergebnis

Wir haben recherchiert, was hinter den Bildern aus dem Bundestag steckt. Per Bilder-Rückwärtssuche lässt sich das obere Bild schnell zuordnen – allerdings in einen völlig anderen Kontext als in der Fotomontage behauptet.

Google-Rückwärtssuche zu der Fotomontage (Screenshot: CORRECTIV)

Das Bild stammt aus einer Pressemeldung der Bundesregierung vom 24. Oktober 2017 anlässlich der Konstituierung des 19. Bundestages. Das heißt: An diesem Tag kam das neu gewählte Parlament zu seiner ersten Sitzung im Plenarsaal des Bundestages zusammen.

Bild von der Website der Bundesregierung (Screenshot: CORRECTIV)

Warum die Regierungsbank leer blieb

Das erklärt erstens, warum nahezu alle Plätze belegt waren und zweitens, warum die Regierungsbank auf dem Bild leer ist. Denn die Kanzlerin und die übrigen Mitglieder der Regierung sitzen wie alle anderen im Plenum. Der Grund: Mit der konstituierenden Sitzung endet auch offiziell die vorherige Amtszeit der Kanzlerin. Die Regierung bleibt nur geschäftsführend im Amt, bis eine neue Regierung gebildet ist.

Erst am 14. März 2018 wurde Angela Merkel als Kanzlerin wiedergewählt und saß ab dann gemeinsam mit den neuen Regierungsmitgliedern wieder auf der Regierungsbank. Auch darüber berichtete die Pressestelle der Bundesregierung.

Merkel und Regierungsmitglieder auf der Regierungsbank (Screenshot: CORRECTIV)

Fazit: Das erste Bilder der Fotomontage zeigt keine Debatte oder Abstimmung zu einer Diätenerhöhung, sondern die konstituierende Sitzung des aktuellen Bundestages am 24. Oktober 2017.

2. Bild: Generalaussprache statt Rentenerhöhung

Auch das zweite Bild stammt nicht, wie behauptet, aus einer Debatte oder Abstimmung zum Thema „Rentenerhöhung“. Zu erkennen ist, dass am Rednerpult Alexander Gauland von der AfD steht. Wenn man bei Google die Suchbegriffe „afd rede gauland bundestag“ eingibt und die Suchergebnisse auf Videos einschränkt, ist einer der ersten Treffer ein zum Foto passendes Video.

Google-Suche nach zum Foto passenden Videoaufnahmen (Screenshot: CORRECTIV)

Das Foto stammt aus der sogenannten Generalaussprache zum Bundeshaushalt 2018 am 4. Juli 2018. Das Protokoll der Sitzung ist online einsehbar. Dort ist auch Alexander Gaulands Rede ab Seite 4690 dokumentiert.

Auf der Webseite des Deutsche Bundestages ist die Rede von Alexander Gauland in einem Video dokumentiert. Eine Aufnahme stimmt mit dem Bild aus der Fotomontage überein. In seiner Rede kritisierte Gauland die Kanzlerin für ihre Migrationspolitik. Das Thema Rente erwähnte er nicht.

Dokumentierte Rede von Alexander Gauland (AfD) auf der Seite des Deutschen Bundestages (Screenshot: CORRECTIV)

Fazit: Das Foto stammt von der Generalaussprache des Bundeshaushalt am 4. Juli 2018.

Unsere Bewertung:
Falsch. Beide Fotos sind in falschen Kontext gestellt.

Bewertung: falsch

Todesfall in Wuppertal: keine Hinweise auf Ebola

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Der Polizei zufolge gibt es keine Hinweise auf eine Ebola-Infektion. (Symbolbild: Ivo Mayr/CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Nach dem Fund eines toten Mannes in Wuppertal, kursieren im Netz Gerüchte über eine mögliche Ebola-Infektion. Der für Falschmeldungen bekannte Blog Halle Leaks heizt die Stimmung mit irreführender Überschrift und aus dem Kontext gerissenen Textstellen an. Die Polizei hat keine Hinweise auf Ebola. Der Mann litt an einer nicht ansteckenden Vorerkrankung.

Anwohner haben am 17. Februar in einem Treppenhaus in Wuppertal einen toten Mann gefunden, so schilderte es die Polizei in einer Pressemitteilung am 18. Februar. Auf Nachfrage von CORRECTIV bestätigt die Polizei, der Mann stamme aus Guinea und habe viel Blut verloren. In der Pressemitteilung stellte die Polizei klar: „Ursächlich könnte eine nicht ansteckende oder meldepflichtige Blutkrankheit gewesen sein. Eine Gewaltanwendung oder ein Fremdverschulden kann zurzeit ausgeschlossen werden.“ Der Mann litt demnach an einer Vorerkrankung, die jedoch nicht ansteckend war.

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Im Netz kursierten nach dem Vorfall Gerüchte, der Mann könnte an einer Ebola-Infektion gestorben sein. Der Polizei zufolge gibt es dafür keine Hinweise. Der Blog Halle Leaks veröffentlichte am 21. Februar einen Artikel mit der falschen Überschrift: „Hurra, Hurra – Die Ebola ist da.“ Im Text behauptete die Redaktion: „Die Seuchenbehörden und Polizei halten sich bedeckt. Man möchte die Bürger nicht unnötig verunsichern.“

Richtig ist: Seit dem 18. Februar hat die Polizei Wuppertal keine neue Pressemeldung veröffentlicht. Auf Nachfrage von CORRECTIV erklärt der Pressesprecher Alexander Kresta heute am Telefon: „Die Ergebnisse der Blutuntersuchung liegen noch nicht vor. Erst wenn die Ergebnisse vorliegen, wird über eine Obduktion entschieden“. Weiterhin gebe es keine Hinweise auf Ebola.

Artikel des Blogs „Halle Leaks“ mit falscher Überschrift vom 21. Februar 2019 (Screenshot: CORRECTIV)

Um den angeblichen Ebola-Verdacht zu unterstreichen, zitierte Halle Leaks in dem Artikel auch drei Sätze aus einem Artikel der Welt zum Vorfall: „Der Bereich um den Fundort auf der Schellenbecker Straße in Oberbarmen wurde weiträumig abgesperrt. Feuerwehrleute in speziellen Infektionsschutzanzügen rückten am Sonntagabend an. Sie reinigten und desinfizierten die mit Blut verunreinigten Stellen.“ Das Zitat ist richtig, aber aus dem Kontext gerissen. Denn in dem Welt-Artikel steht im nächsten Absatz: „Die Behörde widersprach Gerüchten von einer hochgefährlichen Ebola-Infektion: Bislang gebe es keine Hinweise auf eine ansteckende Infektionskrankheit.“ Dies erwähnte Halle Leaks nicht.

Auch Boulevardzeitung Express schürte Angst vor Ebola

Die Zeitung Express wählte am 18. Februar für zwei Artikel über den Vorfall ebenfalls irreführende Überschriften: „Afrikaner (19) lag tot in Blutlache Ebola-Angst in Wuppertal“ und „Polizei spricht über Ebola-Verdacht Leiche aus Wuppertal wird in Düsseldorf untersucht“.  Inzwischen hat der Express die Überschrift geändert: „Ebola-Entwarnung in Wuppertal Was hat den 19-Jährigen so schrecklich dahingerafft?“.

Artikel der Zeitung Express vom 18. Februar 2019 mit irreführender Überschrift (Screenshot: CORRECTIV)
Artikel der Zeitung Express vom 18. Februar 2019 mit irreführender Überschrift (Screenshot: CORRECTIV)

In den Artikeln löste die Zeitung die irreführende Behauptung jeweils erst im letzten Absatz auf: „Aber zumindest für Ebola kann man wohl doch Entwarnung geben. ‘Der Mann wohnte seit zwei, drei Jahren in Wuppertal. Wir haben Zeugenaussagen, die bestätigen, dass er in dieser Zeit nicht im Ausland war’, erklärt eine Polizeisprecherin. Ebola hat eine wesentlich kürzere Inkubationszeit.“ Später änderte die Redaktion des Express den Artikeltext und wies im ersten Absatz daraufhin, dass es eine „Ebola-Entwarnung“ gebe. Tatsächlich hatte es zuvor aber nie eine Warnung vor Ebola gegeben.

Gegenüber CORRECTIV bestätigte die Polizei, dass es bisher keine Hinweise auf eine Auslandsreise gebe.

Berichterstattung verschiedener Medien über den Fall (Screenshot: CORRECTIV)

Facebook-Nutzer verbreiten unterdessen die Überschriften der ExpressArtikel ohne Kontext weiter.

Post mit aus dem Kontext gerissener falscher Behauptung (Screenshot: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Falsch. Laut Polizei gibt es keine Hinweise auf Ebola.