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Fakten für die Demokratie

Falschmeldungen stellen eine Gefahr für die Demokratie dar. Unsere Faktenchecker gehen Gerüchten nach und veröffentlichen ihre Rechercheergebnisse auf dieser Seite. Mehr erfahren

Neue Angriffe auf Deniz Yücel wegen sieben Jahre alter Kolumne

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Der inhaftierte Journalist Deniz Yücel erhält viel Unterstützung, wie hier auf einer Demonstration in Berlin im Mai 2017 – doch andere wünschen ihm die Haft.© John Macdougall / AFP

von Tania Röttger

Wieder einmal kursieren Deutschland-kritische Zitate von Deniz Yücel auf Facebook, Twitter und Whatsapp. Verbunden mit Angriffen gegen den Journalisten wie: „Möge er noch lange sitzen“. Dabei sind die Zitate aus dem Kontext gerissen. Der Text ist viele Jahre alt und war eine Satire.

Seit einigen Tagen sind wieder Bilder und Zitate vom inhaftierten Journalisten Deniz Yücel auf den sozialen Netzwerken zu finden. Zum Beispiel: „Der baldige Abgang der Deutschen ist Völkersterben von seiner schönsten Seite. Mit den Deutschen gehen nur Dinge verloren, die keiner vermissen wird. Etwas besseres als Deutschland findet sich allemal.“

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Twitter-Post vom 9. Januar 2018

Die Verbreiter nennen Yücel einen Volksverhetzer. Und schreiben: „300 Tage Knast sind noch viel zu wenig“. Die Angreifer sind der Meinung, dass Yücel die Unterstützung der deutschen Regierung nicht verdient hat – oder, wenn er aus dem türkischen Gefängnis frei käme, in ein deutsches gehöre, weil er gegen Deutschland hetze.

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Twitter-Post vom 14. Januar 2018

Tatsächlich stammen die provokanten Sätze aus einem Text von Yücel, den er im August 2011 bei der „Taz“ veröffentlichte. Doch der war eine Satire. Das wird deutlich, wenn man den ganzen Text liest.

Und Yücel schrieb den Text vor einem ganz anderen Hintergrund, als Beitrag zu einer damals tobenden Debatte. 2010 veröffentlicht Thilo Sarrazin sein Buch „Deutschland schafft sich ab“. Yücel ist zu der Zeit Redakteur und Kolumnist bei der „Taz“.

Im August 2011 reagiert er auf das höchst umstrittene Buch. Die Geburtenstatistik belege, dass sich Deutschland wirklich abschaffe, so Yücel. Sein Kommentar: „Endlich! Super! Wunderbar!“ Auf diese Worte folgt ein Text, der Klischees von schlechten Deutschen Eigenschaften (die unerotische Sprache, die Besserwisserei, die Meckerei) aufgreift und sie zu einer Satire zuspitzt: es wäre ja gar nicht schlimm, wenn die Deutschen verschwinden würden.

Die Idee, den Text so zu schreiben, hatte Yücel vielleicht von Sarrazin selbst. Der hatte skurrile Behauptungen aufgestellt, unter anderem über Migranten, insbesondere über solche mit muslimischem Hintergrund. Sarrazin erklärte das angebliche Versagen türkischer Migranten in der Schule so: „Clans“ hätten eine „lange Tradition von Inzucht“ und „entsprechend viele Behinderungen“. Er kommt zu dem Fazit, dass viele Migranten schlecht für Deutschland sind. Allerdings hatte Sarrazin das nicht satirisch gemeint.

Bereits bei seiner Verhaftung in der Türkei im Februar 2017 – inzwischen ist er dort Korrespondent der „Welt“ – griffen rechte Medien den Text aus dem Jahr 2011 wieder auf.

„Für diesen Deutsch-Hasser kämpfen unsere Politiker“ („Berlin Journal“) oder „Der Deutschland-Hasser im Türken-Knast“ („Contra-Magazin“).

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Politiker von der AfD nahmen den Text zum Anstoß, Yücel einer Straftat zu beschuldigen.

Markus Frohnmaier, Vorsitzender der Jungen AfD und mittlerweile Bundestagsabgeordneter, schrieb im Februar 2017 auf Twitter:

„Yücel hätte in Deutschland schon längst wegen Volksverhetzung Gefängnis von innen erleben sollen“.

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Twitter-Post vom 27. Februar 2017

Auch Anfang 2017 machten Medien deutlich, dass es sich bei dem Beitrag um Satire handelt. Jetzt kursiert der Text trotzdem wieder.  

Fazit: Der Text von Deniz Yücel ist kein Beleg dafür, dass der deutsch-türkische Journalist Deutschland und die Deutschen hasst, verachtet oder verhetzen will, sondern der Text ist eine Satire, die im Jahr 2011 als Teil einer Debatte über ein kontroverses Buch von Thilo Sarrazin geschrieben wurde.

Claudia Roth (Grüne) am 19. November 2017 in Berlin.© Tobias Schwarz / AFP

Artikel

Wieder kursiert ein falsches Zitat von Claudia Roth auf Facebook

Laut einem Facebook-Post soll Claudia Roth auf Twitter geschrieben haben, dass die Deutschen keine Kultur und keine Identität mehr haben. Claudia Roth hat aber gar kein Twitter-Konto.

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von Jacques Pezet

Seit dem 17. Oktober 2018 kursiert ein Bild auf Facebook, das angeblich einen Tweet der Grünen-Politikerin Claudia Roth zeigt. In diesem vermeintlichen Tweet schreibt die Vizepräsidentin des Bundestages: „Ihr Deutschen habt doch sowieso keine Kultur und keine Identität mehr, also wofür jubeln? Wir grünen werden schon dafür sorgen das alles Deutsche verschwindet und endlich der Islam einzieht“. Das Bild wurde von einer Privatperson gepostet. 1.410 Nutzer teilten den Beitrag. Viele hielten das Zitat offenbar für echt. In der Vergangenheit wurden erfundene Zitate von Claudia Roth teilweise als Satire dargestellt. In diesem Fall findet sich jedoch kein Hinweise auf Satire.

Screenshot aus Facebook, 22.10.2018

Auf Nachfrage von Correctiv schrieb Claudia Roths Presseteam: „Frau Roth hat kein Twitter Konto“. Das bedeutet, dass die Abgeordnete diese Nachricht oder andere Nachrichten, die in ihrem Namen auf Twitter veröffentlicht wurden, nie geschrieben hat. Die Grüne-Politikerin ist oft Opfer erfundener Zitate, die vor allem im rechten Milieu geteilt werden.

Unsere Bewertung:
Völlig falsch. Das Zitat ist erfunden.

Claudia Roth (Grüne) am 19. November 2017 in Berlin.© Tobias Schwarz / AFP

Artikel

Wieder kursiert ein falsches Zitat von Claudia Roth auf Facebook

Laut einem Facebook-Post soll Claudia Roth auf Twitter geschrieben haben, dass die Deutschen keine Kultur und keine Identität mehr haben. Claudia Roth hat aber gar kein Twitter-Konto.

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von Jacques Pezet

Seit dem 17. Oktober 2018 kursiert ein Bild auf Facebook, das angeblich einen Tweet der Grünen-Politikerin Claudia Roth zeigt. In diesem vermeintlichen Tweet schreibt die Vizepräsidentin des Bundestages: „Ihr Deutschen habt doch sowieso keine Kultur und keine Identität mehr, also wofür jubeln? Wir grünen werden schon dafür sorgen das alles Deutsche verschwindet und endlich der Islam einzieht“. Das Bild wurde von einer Privatperson gepostet. 3.600 Nutzer teilten den Beitrag. Viele hielten das Zitat offenbar für echt. In der Vergangenheit wurden erfundene Zitate von Claudia Roth teilweise als Satire dargestellt. In diesem Fall findet sich jedoch kein Hinweise auf Satire.

Screenshot aus Facebook, 22.10.2018

Auf Nachfrage von Correctiv schrieb Claudia Roths Presseteam: „Frau Roth hat kein Twitter Konto“. Das bedeutet, dass die Abgeordnete diese Nachricht oder andere Nachrichten, die in ihrem Namen auf Twitter veröffentlicht wurden, nie geschrieben hat. Die Grüne-Politikerin ist oft Opfer erfundener Zitate, die vor allem im rechten Milieu geteilt werden.

Unsere Bewertung:
Völlig falsch. Das Zitat ist erfunden.

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Artikel

DSGVO – Namen an Klingelschildern sind zulässig

In Wien sollen wegen der neuen Datenschutz-Grundverordnung 220.000 Namen an Klingelschildern entfernt werden. Die deutsche Bundesbeauftragte für den Datenschutz bezeichnet den Vorgang als „unnötig”.

von Caroline Schmüser

Namen an Klingelschildern und Briefkästen seien möglicherweise unzulässig, schreibt die Webseite nrw-aktuell.tv am 18. Oktober 2018. Darauf habe der Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland hingewiesen.

Tür mit Klingelschild – hier stehen keine Namen, das liegt aber nicht an der DSGVO
An Klingelschildern in Deutschland werden weiterhin Namen stehen. Die DSGVO hat darauf keinen Einfluss.

Der Kontext: Das Wiener Wohnungsunternehmen „Wiener Wohnen” wird an 220.000 Wohnungen die Namen an den Klingelschildern entfernen lassen und mit Nummern austauschen. Ein Mieter hatte sich im Rahmen der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) über die Anbringung seines Namens an der Haustüre beschwert. 

Haus & Grund befürchtete eine ähnliche Anwendung der DSGVO auch in Deutschland. „Es darf nicht sein, dass Vermietern hohe Bußgelder drohen, nur weil sie die Namen ihrer Mieter an den Klingelschildern anbringen. Deshalb muss die Bundesregierung umgehend dieses Datenschutz-Chaos beenden“, forderte Haus & Grund-Präsident Kai Warnecke am 18. Oktober in Berlin.

Die Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BdDI) Andrea Voßhoff gab nun in einem öffentlichen Statement Entwarnung für deutsche Vermieter.

Namen an Klingelschildern sind nach DSGVO zulässig

„Die Aufforderung zur Entfernung sämtlicher Klingelschilder ist unnötig”, heißt es in dem Schreiben der Bundesbeauftragten für Datenschutz.

Das Ausstatten der Klingelschilder mit Namen stelle „weder eine automatisierte Verarbeitung noch eine Speicherung in Dateisystemen dar”. Damit falle es nicht in den Anwendungsbereich der europäischen Datenschutzregelungen, so Voßhoff.

Voßhoff rate dringend allen Verbänden und Institutionen, sich in solchen Fällen bei den zuständigen Aufsichtsbehörden zu erkundigen: „Wir haben in Deutschland eine föderale Datenschutzaufsicht, die bei der Interpretation der DSGVO mit Rat und Tat zur Seite stehen.”

Eigentümerverband begrüßt Klarstellung

Der Eigentümerverband Haus & Grund zeigte sich erfreut über die Klarstellung der Bundesbeauftragten. „Vermieter können sich im Streitfall hierauf berufen“, bemerkte Verbandspräsident Kai Warnecke.

Unsere Bewertung:
Das ist falsch. Vermieter in Deutschland dürfen Namen an Klingelschildern anbringen.

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Artikel

DSGVO – Namen an Klingelschildern sind zulässig

In Wien sollen wegen der neuen Datenschutz-Grundverordnung 220.000 Namen an Klingelschildern entfernt werden. Die deutsche Bundesbeauftragte für den Datenschutz bezeichnet den Vorgang als „unnötig”.

von Caroline Schmüser

„Deutschland droht ein Klingelschild-Chaos”, titelte die Bild. „Statt Namen sollen auf unseren Klingelschildern bald nur noch Nummern stehen!” Schuld daran sei die Europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO).

Tür mit Klingelschild – hier stehen keine Namen, das liegt aber nicht an der DSGVO
An Klingelschildern in Deutschland werden weiterhin Namen stehen. Die DSGVO hat darauf keinen Einfluss.

Der Kontext: Das Wiener Wohnungsunternehmen „Wiener Wohnen” wird an 220.000 Wohnungen die Namen an den Klingelschildern entfernen lassen und mit Nummern austauschen. Ein Mieter hatte sich im Rahmen der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) über die Anbringung seines Namens an der Haustüre beschwert.  Darauf hatte der Eigentümerverband Haus & Grund hingewiesen.

Haus & Grund befürchtete eine ähnliche Anwendung der DSGVO auch in Deutschland. „Es darf nicht sein, dass Vermietern hohe Bußgelder drohen, nur weil sie die Namen ihrer Mieter an den Klingelschildern anbringen. Deshalb muss die Bundesregierung umgehend dieses Datenschutz-Chaos beenden“, forderte Haus & Grund-Präsident Kai Warnecke am 18. Oktober in Berlin.

Die Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BdDI) Andrea Voßhoff gab nun in einem öffentlichen Statement Entwarnung für deutsche Vermieter.

Namen an Klingelschildern sind nach DSGVO zulässig

„Die Aufforderung zur Entfernung sämtlicher Klingelschilder ist unnötig”, heißt es in dem Schreiben der Bundesbeauftragten für Datenschutz.

Das Ausstatten der Klingelschilder mit Namen stelle „weder eine automatisierte Verarbeitung noch eine Speicherung in Dateisystemen dar”. Damit falle es nicht in den Anwendungsbereich der europäischen Datenschutzregelungen, so Voßhoff.

Voßhoff rate dringend allen Verbänden und Institutionen, sich in solchen Fällen bei den zuständigen Aufsichtsbehörden zu erkundigen: „Wir haben in Deutschland eine föderale Datenschutzaufsicht, die bei der Interpretation der DSGVO mit Rat und Tat zur Seite stehen.”

Eigentümerverband begrüßt Klarstellung

Der Eigentümerverband Haus & Grund zeigte sich erfreut über die Klarstellung der Bundesbeauftragten. „Vermieter können sich im Streitfall hierauf berufen“, bemerkte Verbandspräsident Kai Warnecke.

Unsere Bewertung:
Das ist falsch. Vermieter in Deutschland dürfen Namen an Klingelschildern anbringen.

Bewertung: größtenteils falsch

Nein, es soll keine EU-Sanktionen für Falschmeldungen geben

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© JOHN THYS / AFP

von Anna Mayr

In einer Rede sprach die Kanzlerin von Sanktionen gegen Parteien, die Desinformation verbreiten. Doch über solche Sanktionen verhandelt die EU gar nicht.

„Merkel teilt aus”, titelte das ZDF auf Facebook. „EU-Staaten wollen gezielte Desinformation bestrafen”, schrieb Zeit Online. Und der Blog Philosophia Perennis rief die „Stasi 2.0” aus. Alle bezogen sich auf eine Rede von Angela Merkel im Bundestag am 17. Oktober, bei der sie ungewöhnlich klare Worte fand:

Wir wollen zudem Leitlinien für den Umgang mit Parteien schaffen, die in ihren Kampagnen aktiv Desinformation betreiben und das bedeutet in letzter Konsequenz auch, in solchen Fällen über finanzielle Sanktionen nachzudenken.

Die Kanzlerin kündigte also an, dass man Parteien bestrafen würde, wenn sie Falschmeldungen verbreiten. Diese Aussage lässt sich nicht belegen. Merkel hat mit diesem Satz quasi eine Falschmeldung über Falschmeldungen erzeugt.

Wir haben bei der Bundesregierung nachgefragt, worauf Merkel sich in ihrer Rede bezogen hatte. Eine Regierungssprecherin sagte, alles stehe in den Schlussfolgerungen des europäischen Rates vom 18. Oktober. Darin stehen tatsächlich zwei Dinge: Erstens, dass Maßnahmen zur Bekämpfung von Desinformation weiter geprüft werden sollen. Und zweitens, dass die „Verschärfung der Vorschriften für die Finanzierung europäischer Parteien” geprüft werden soll.

Aber schaut man sich die „vorgeschlagenen Maßnahmen” an, um die es geht, stellt man fest: Von Sanktionen für Falschmeldungen ist nie die Rede. Die Parteien sollen lediglich transparent machen, wie viel Geld sie für Wahlwerbung ausgeben, und für welche Zielgruppen sie werben.

In dem ausführlichen Vorschlag für eine Gesetzesänderung geht es vor allem darum, die Europawahlen vor einem Fall wie Cambridge Analytica zu schützen –  damals benutzten die Wahlkämpfer von Donald Trump persönliche Daten, die sie nicht hätten benutzen dürfen, um auf Facebook gezielt Wahlwerbung zu schalten. Wenn der Vorschlag umgesetzt wird, könnte die EU Sanktionen verhängen, wenn eine Partei illegal Daten kauft.

Über eine Bestrafung von Desinformation steht dort nichts. Die EU hat nicht vor, Parteien das Geld zu kürzen, wenn sie lügen.

Sanktionen soll es zwar eventuell geben – aber nur für fehlende Transparenz und Datenschutzverstöße. Wenn die Parteien also offen sagen würden, welche Falschmeldung sie verbreiten, an welches Publikum, und wie viel Geld sie dafür ausgeben, könnte ihnen den aktuellen Vorschlägen nach rein gar nichts passieren.

Wer sich die Unterlagen der EU zur Sache anschaut, sieht also: Angela Merkel hat sich in ihrer Rede ein Stück zu weit aus dem Fenster gelehnt.

Eine Regierungssprecherin sagte dazu: „Wir sehen keinen Dissens zwischen den Schlussfolgerungen des europäischen Rates und der Aussage von Angela Merkel.” Weitere Präzisierungen – etwa dazu, wer darüber entscheiden soll, was wahr oder falsch ist – seien zu diesem Zeitpunkt nicht möglich.

Ein Sprecher der Europäischen Kommission zitiert auf Anfrage erneut die Vorschläge, in denen es um Datenschutz und Transparenz geht. Einen Vorschlag innerhalb der EU, Desinformation mit Sanktionen zu belegen, kennt der Sprecher nicht

Unsere Bewertung:
größtenteils falsch

Auch bei der Bayernwahl kursieren wieder Behauptungen über Wahlbetrug

GERMANY-POLITICS-VOTE-BAVARIA
GERMANY-POLITICS-VOTE-BAVARIA
Die Spitzen-Kandidaten der Landtagswahl im Fernsehstudio am Abend des 14. Oktober 2018. Foto: LUKAS BARTH-TUTTAS / AFP

von Tania Röttger

Vor und nach der Landtagswahl in Bayern gab es wieder Spekulationen über Wahlbetrug – wie bei anderen Wahlen zuvor. Nun verbreitet sich auch die Behauptung, dass sie manipuliert wurde, vor allem zugunsten der Grünen. Eine Übersicht

Vor der Landtagswahl in Bayern am 14. Oktober warnten Menschen auf sozialen Netzwerken verstärkt vor Wahlbetrug.

Zum Beispiel schrieben„@DanielDJDanby“ und „@Superliebling“ am 11.Oktober wortgleich auf Twitter: „Sensation: FAZ-Analyse geht von Wahlbetrug zum Schaden der AfD aus“. Allerdings führte der beigefügte Link nicht wie angekündigt zur Frankfurter Allgemeinen Zeitung, sondern zu einem Artikel des verschwörungstheoretischen Compact Magazin von Mai 2018.

Screenshot von Tweetdeck. 11. Oktober 2018

Es gab aber einen solchen Artikel in der FAZ, einen Gastbeitrag von Politikwissenschaftler Uwe Wagschal im Mai 2018. Er verbreitete darin mehrere Theorien, zum Beispiel dass Wahlhelfer bei der Bundestagswahl 2017 AfD-Stimmen ungültig gemacht hätten. Focus Online hatte sich damals mit Wagschals Thesen beschäftigt und sie widerlegt. Auf Anfrage von CORRECTIV antwortete Wagschal nicht.

Viele Accounts teilten auch den Artikel „Vorprogrammierter Wahlbetrug in Bayern. Nicht zugestellte Briefwahlstimmen werden mit Grün aufgefüllt.“ Der falsche Bericht erschien am 1. Oktober 2018 auf Halle Leaks, einem rechten Blog, der häufiger Falschmeldungen veröffentlicht. Auf Facebook wurde er mehr als 3300 Mal geteilt.

Außerdem kursierte ein Artikel über Schweden: Eine Vermischung unbelegter Behauptungen mit Tatsachen von Anonymousnews.ru. Die irreführende Schlagzeile: „Massiver Wahlbetrug in Schweden – Sozialdemokraten zahlten 770.000 € für Migrantenstimmen.“

Aufrufe zur Wahlbeobachtung von rechts

Die AfD, rechte Blogs und die rechte Organisation „Ein Prozent“ riefen ihre Anhänger in Bayern zur Wahlbeobachtung auf. Das geschah bereits zur Bundestagswahl, wie CORRECTIV damals berichtete.

Im Gespräch am Freitag vor der Wahl fand Gunnar Loibl, Sprecher der bayerischen Landeswahlleitung die Aufrufe zur Wahlbeobachtung nicht problematisch. „Das ist ja explizit vom Gesetz vorgesehen“, sagt er. Nur stören dürfen die Beobachter die Auszählung nicht, sie dürfen also zum Beispiel nicht demonstrieren. Vermuten Beobachter Wahlbetrug, können Sie das dem Landtag melden.

Behauptungen über Wahlfälschung

Am Wahltag erhielt der Landeswahlleiter einige Meldungen über angeblichen Wahlbetrug. Sprecher Loibl schrieb am Mittwoch per Email: „Es gab einige Anrufe und Emails mit (vermeintlichen) Fehlern bei einzelnen Wahllokalen.“ Allerdings nicht mehr als bei vorigen Wahlen auch. Beispiele waren demnach: „Angeblich falsche Stifte, angeblicher Verstoß wegen Stimmabgabe nach 18 Uhr, etc. In der Regel konnten diese vermeintlichen Fehler sehr schnell aufgeklärt werden und haben sich eben nicht als Fehler herausgestellt.“

Loibl fasst zusammen: „Der Landeswahlleitung liegen keinerlei Anhaltspunkte für ‘Wahlbetrug’ vor.“

Im Nachhinein meinten manche dennoch, die sei Wahl manipuliert worden. Mehrere Webseiten verbreiteten ein Video des rechten Bloggers Oliver Janich mit dem Titel: „Wahlfälschung in Bayern? Stimmanteil der Grünen verdoppelt sich.“ Ein Beitrag über das Video auf der Webseite „noch.info“ wurde auf Facebook mehr als 1.200 Mal geteilt.

Für solche Fälle ist jedoch nicht der Landeswahlleiter, sondern der Landtag zuständig. Dort müssten sogenannte Wahlbeanstandungen eingereicht werden.

Landtagssprecher Zoran Gojic sagte am Mittwoch am Telefon, bisher seien zwei Beanstandungen eingegangen. Das sei nicht Ungewöhnliches. Bei jeder Wahl gebe es das. Noch bis zum 30. Oktober können Beanstandungen eingereicht werden, dann wird sich der Verfassungsausschuss damit beschäftigen. Nach der Wahl 2013 waren es 18 Meldunge, die vom Verfassungsausschuss „alle einstimmig als unbegründet zurückgewiesen wurden“, so Gojic. Da sich die Verwaltung inhaltlich nicht damit beschäftige, könne er auch nichts zum Inhalt der Beanstandungen sagen, so der Landtagssprecher.

Ungereimtheiten vor der Wahl

Tatsächlich gab es vor der Wahl einige Ungereimtheiten mit Wahlpapieren. Der Donaukurier berichtete, dass 700 Briefwahlunterlagen verschwunden seien, es gab einen Druckfehler auf Wahlscheinen, und manche hatten ihre Wahlpapiere nicht erhalten, wie der BR berichtete.

Die offiziellen Stellen gehen bisher jedoch nicht von Wahlbetrug aus. Neben dem Wahlleiter sagt auch eine Sprecherin des bayerischen Innenministeriums, dass es keine Hinweise darauf gibt, die Wahl sei nicht ordnungsgemäß abgelaufen: „Uns sind bis dato keine Hinweise auf Wahlfälschung oder Wahlmanipulation bekannt“, schrieb die Sprecherin am Dienstag per Email.

Allerdings ist es nicht so, dass Wahlmanipulation nie vorkommt. Unabhängig von der Landtagswahl in Bayern ermittelt die Hamburger Staatsanwaltschaft gerade gegen einen Wahlhelfer, wie die Welt am Dienstag berichtete. Demnach soll ein inzwischen 24-jähriger bei der Hamburger Bürgerschaftswahl 2015 Briefwahlstimmen für die Grünen gefälscht haben.

Welche Wirkung haben die Spekulationen?

Das Londoner Büro des Institute for Strategic Dialogue (ISD) hat die Wahl in Bayern beobachtet. Sie haben mit unterschiedlichen Tools Soziale Medien wie Facebook und Twitter und Foren wie 4Chan und Discord analysiert.

Demnach gab es auf Twitter und Facebook zu unterschiedlichen Zeiten Spitzen in der Verwendung des Begriffs „Wahlbetrug“ in Posts, die auch das Wort „Bayern“ enthielten.

Eine Grafik zeigt: Am 8. Oktober kamen verstärkt Tweets zum Thema Wahlbetrug – an dem Tag erschien der Schweden-Artikel auf Anonymousnews.ru. Mehr als 250 Tweets enthielten die beiden Begriffe „Bayern“ und „Wahlbetrug“. Am 14. Oktober, dem Wahltag, dann ein erneuter Anstieg: Da erschienen knapp 500 Tweets.

Tweets die „Wahlbetrug“ und „Bayern“ enthielten, zwischen 1. und 14. Oktober 2018. Grafik: ISD

Einer der Analysten, Jakob Guhl, sagt dazu: „ Zwar war das Thema ‘Wahlbetrug’ und die damit verbundene Forderung nach ‘Wahlbeobachtung’ nicht das dominante Thema im Vorlauf zu den bayerischen Landtagswahlen. Nichtsdestotrotz pushten durchaus einflussreiche rechtsextreme Gruppen wie ‘Ein Prozent’ und verschwörungstheoretische Youtuber wie Oliver Janich und Tim Kellner das Thema, das schließlich auch von einer Vielzahl von AfD-Accounts diskutiert wurde.“

Doch das sei „wenig überraschend“, so Guhl. Ähnliche Vorwürfe habe es auch vor anderen internationalen Wahlen, darunter die Bundestagswahl 2017, gegeben. „Allerdings ist nicht geklärt, welche Effekte diese Vorwürfe erzielt haben: Wurden tatsächlich Personen in ihrer Wahlentscheidung beeinflusst, nachdem ihnen diese Vorwürfe online begegnet sind? Erreichen diese Vorwürfe Personen außerhalb des rechtsextremen und verschwörungstheoretischen Spektrums?“ Um das herauszufinden, bräuchte es detaillierte Umfragen.

Guhls Kollegin Hannah Winter fügt hinzu, dass „es viele kleine Feuer gibt, aber die Koordination anscheinend teilweise nicht ausreicht, um mehr Schaden anzurichten.“

Das heißt: Das Thema Wahlbetrug kommt vor Wahlen immer wieder auf, befeuert von Spekulationen und alten Artikeln. Welche Wirkung das hat, ist bisher jedoch unklar.

Facebook gegen Wählermanipulation

Facebook will vor den Zwischenwahlen in den USA im November stärker gegen Wählermanipulation vorgehen. Damit sind nicht die Aktivitäten in den Wahllokalen gemeint, sondern irreführende Berichte vor der Abstimmung. So will die Plattform Beiträge löschen, die Wähler vom Wählen abhalten sollen. Das betrifft zum Beispiel falsche Behauptungen, dass Wähler per SMS abstimmen können oder Meldungen, die ein falsches Datum für die Abstimmung verbreiten.

Obwohl die US-Wahlen der konkrete Anlass für die neuen Maßnahmen sind, hat Facebook seine internationalen Faktencheck-Partner, darunter auch Correctiv, gebeten, auf solche Meldungen zu achten.

Bewertung: teilweise falsch

Nein – CDU-Verband verteilt keine Messer an Geflüchtete

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„Dieses Küchenmesser dient eigentlich dazu, zum Beispiel Äpfel zu schneiden”, äußerte sich CDU-Politiker Dirk Bamberger in einem Facebook-Video zum Vorwurf der Webseite Anonymousnews.ru, sein CDU-Verband würde potentielle Tatwerkzeuge als Werbegeschenke verteilen.

von Caroline Schmüser

Die Webseite Anonymousnews behauptet, die CDU Marburg würde Messer an Geflüchtete verteilen. Doch die Küchenmesser sind nur althergebrachte Werbegeschenke, sagt der CDU-Verband.

Die Webseite Anonymousnews schreibt: „Gratis-Messer für Merkels Gäste: Die CDU verteilt im Hessen-Wahlkampf jetzt die passenden Werkzeuge für den nächsten Mord an einem Deutschen. Das Messer mit CDU-Aufdruck könnte demnächst auch in Ihrem Bauch stecken.” Der Artikel wurde auch auf dem Blog Noack Finsterwalde geteilt.

Als Beweis zieht Anonymousnews einen Tweet des Twitteraccounts BI & REP Info vom 14. Oktober 2018 heran. Auf einem Foto von einem vermutlichen Wahlstand sind Flyer des Vorsitzenden der CDU Marburg, Dirk Bamberger, zu sehen. Neben den Flyern liegen scheinbar CDU-Werbegeschenke: Kugelschreiber und kleine Küchenmesser.

„Dieses Küchenmesser dient eigentlich dazu, zum Beispiel Äpfel zu schneiden”, äußerte sich CDU-Politiker Dirk Bamberger in einem Facebook-Video zum Vorwurf der Webseite Anonymousnews.ru, sein CDU-Verband würde potentielle Tatwerkzeuge als Werbegeschenke verteilen.

Auf seiner Facebook-Seite äußerte sich der CDU-Politiker Dirk Bamberger bereits zu den Vorwürfen. CORRECTIV.Faktencheck hat mit Bamberger gesprochen, um mehr über die Hintergründe der Wahlkampfaktion zu erfahren.

„Kneibchen” werden schon seit Jahren an Interessierte verteilt

Die kleinen Küchenmesser werden tatsächlich an den Wahlwerbeständen der CDU Marburg verteilt. Im Moment ist der Anlass die Landtagswahl in Hessen. Aber die Messer – im Hessischen sagt man „Kneibchen” – gebe es an den Infoständen der CDU schon seit den 90er-Jahren.

Die Kneibchen würden dabei nicht an bestimmte Bevölkerungsgruppen verteilt: „Die vielen ehrenamtlichen CDU Mitglieder an unseren Wahlständen verteilen Give-Aways an alle interessierten Bürgerinnen und Bürger”, sagt Bamberger. Die Wahlkämpfer täten dies „ohne Ansicht der politischen Einstellung oder Hautfarbe der Menschen, die ihnen am Stand begegnen.”

Solche Küchenmesser würden laut Bamberger immer wieder in Wahlkämpfen verteilt, auch in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.

Unsere Bewertung:
Das ist falsch. Die Küchenmesser werden von der CDU nicht explizit an Geflüchtete verteilt. Die Messer werden als Wahlwerbegeschenke schon seit den 90er Jahren verschenkt.

Bewertung: teilweise falsch

Nein – CDU-Verband verteilt keine Messer an Geflüchtete

von Caroline Schmüser

Die Webseite Anonymousnews behauptet, die CDU Marburg würde Messer an Geflüchtete verteilen. Doch die Küchenmesser sind nur althergebrachte Werbegeschenke, sagt der CDU-Verband.

Die Webseite Anonymousnews schreibt: „Gratis-Messer für Merkels Gäste: Die CDU verteilt im Hessen-Wahlkampf jetzt die passenden Werkzeuge für den nächsten Mord an einem Deutschen. Das Messer mit CDU-Aufdruck könnte demnächst auch in Ihrem Bauch stecken.” Der Artikel wurde auch auf dem Blog Noack Finsterwalde geteilt.

Als Beweis zieht Anonymousnews einen Tweet des Twitteraccounts BI & REP Info vom 14. Oktober 2018 heran. Auf einem Foto von einem vermutlichen Wahlstand sind Flyer des Vorsitzenden der CDU Marburg, Dirk Bamberger, zu sehen. Neben den Flyern liegen scheinbar CDU-Werbegeschenke: Kugelschreiber und kleine Küchenmesser.

„Dieses Küchenmesser dient eigentlich dazu, zum Beispiel Äpfel zu schneiden”, äußerte sich CDU-Politiker Dirk Bamberger in einem Facebook-Video zum Vorwurf der Webseite Anonymousnews.ru, sein CDU-Verband würde potentielle Tatwerkzeuge als Werbegeschenke verteilen.

Auf seiner Facebook-Seite äußerte sich der CDU-Politiker Dirk Bamberger bereits zu den Vorwürfen. CORRECTIV.Faktencheck hat mit Bamberger gesprochen, um mehr über die Hintergründe der Wahlkampfaktion zu erfahren.

„Kneibchen” werden schon seit Jahren an Interessierte verteilt

Die kleinen Küchenmesser werden tatsächlich an den Wahlwerbeständen der CDU Marburg verteilt. Im Moment ist der Anlass die Landtagswahl in Hessen. Aber die Messer – im Hessischen sagt man „Kneibchen” – gebe es an den Infoständen der CDU schon seit den 90er-Jahren.

Die Kneibchen würden dabei nicht an bestimmte Bevölkerungsgruppen verteilt: „Die vielen ehrenamtlichen CDU Mitglieder an unseren Wahlständen verteilen Give-Aways an alle interessierten Bürgerinnen und Bürger”, sagt Bamberger. Die Wahlkämpfer täten dies „ohne Ansicht der politischen Einstellung oder Hautfarbe der Menschen, die ihnen am Stand begegnen.”

Solche Küchenmesser würden laut Bamberger immer wieder in Wahlkämpfen verteilt, auch in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.

Unsere Bewertung:
Das ist falsch. Die Küchenmesser werden von der CDU nicht explizit an Geflüchtete verteilt. Die Messer werden als Wahlwerbegeschenke schon seit den 90er Jahren verschenkt.

Bezahlte Posts auf Facebook und Twitter – Damit haben die bayerischen Parteien geworben

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Collage verschiedener Wahlwerbungen. (Grafik: BR24)

von Cristina Helberg , Tania Röttger , Anne-Lise Bouyer

In Bayern kauften Parteien Wahlwerbung in den sozialen Medien. CORRECTIV and BR24-Faktenfuchs haben die Anzeigen vor der Landtagswahl geprüft - und die Strategien von CSU, Grünen, AfD und Co.

Eine gemeinsame Recherche von CORRECTIV und BR24. Mitautoren: Sophie Rohrmeier und Max Muth. 

Wer Facebook und Twitter dafür bezahlt, kann seine Werbung direkt im Newsfeed seiner Zielgruppen platzieren. Versprechen von Politikern landen so zwischen Bildern von Freunden. Wie haben die bayerischen Parteien das im Wahlkampf für sich genutzt? Verhindern neue Transparenz-Maßnahmen von Facebook und Twitter den Missbrauch sogenannter Dark Ads?

Dark Ads waren eines der großen Themen des Wahlkampfes in den USA. Parteien haben damit die Möglichkeit, verschiedenen Zielgruppen in den sozialen Medien auf sie zugeschnittene Werbeanzeigen zu schicken. Damit können sich die Versprechen der Parteien je nach Zielgruppe widersprechen, ohne dass es die allgemeine Öffentlichkeit bemerken würde. In Großbritannien versuchten Brexit-Befürworter mit gesponserten Facebookposts Wähler vor dem Referendum zum EU-Ausstieg zu beeinflussen. Das Problem: Die Werbung enthielt oft Falschmeldungen. Gezielte Desinformation, die kaum jemand bemerkte, weil sie nur bestimmte Zielgruppen zu Gesicht bekamen. Erst zwei Jahre später wurden die Posts öffentlich – weil ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss in Großbritannien unermüdlich darum gekämpft hatte. Weil die Unternehmen nun restriktive Gesetze fürchten, reagieren sie. Seit dem Sommer machen Facebook und Twitter Werbung auf ihren Plattformen in Deutschland öffentlich zugänglich.

Wir haben die Accounts der CSU, der SPD, der Grünen, der Freien Wähler, der AfD, der FDP und der Linken bis auf Kreisebene in Bayern analysiert. Wie haben sie zwischen dem 9. und 12. Oktober auf Facebook und zwischen dem 16. September und 10. Oktober auf Twitter geworben? Welche Strategien verfolgen die Parteien? Sprechen sie mit widersprüchlichen Inhalten verschiedene Gruppen an?

Screenshot Facebook

CSU wirbt eher zurückhaltend auf Facebook

Heimat und die Bewahrung des Status quo – das waren die Hauptthemen der Anzeigen der CSU auf Facebook. Die zur Landtagswahl allgemein verbreiteten Hashtags, über die Nutzer Beiträge zu einem bestimmten Thema finden können, nutzte die CSU nicht. Etwa #ltwby18. Stattdessen zog sich die CSU auf eigene Hashtags zurück: #jazubayern, #jazumarkussöder oder #klartext. Letzteren verwendet sonst zum Beispiel David Bendels, der Chefredakteur des“Deutschlandkurier”, der AfD-Positionen verbreitet.

Den direkten Angriff auf die Opposition vermieden die Verbände in ihren Facebook-Anzeigen, außer in einem Beispiel: Der CSU Kreisverband Roth legte über ein Foto der Grünen zum Protest im Hambacher Forst eine Sprechblase, in der sie eine frühere Genehmigung der Rodung durch die Grünen behaupteten. Hier wird die Distanz der CSU zu dem breiten Protest gegen die Abholzung für Kohlegewinnung deutlich. Kleiner Exkurs: Die Grünen hatten 2016 in NRW in der Koalition mit der SPD den Entschluss mitgetragen, dass der Braunkohlen-Abbau weiterhin erforderlich sei – und damit die Abbaugrenzen in Hambach unverändert blieben. Allerdings setzten sie auch durch, dass etwa 1500 Menschen nicht wie geplant umgesiedelt werden mussten.

Widersprüchliche Inhalte in den CSU-Posts

An diesem Punkt fällt allerdings ein Widerspruch in der Wahlwerbung auf: In Eichstätt präsentierte sich eine CSU-Kandidatin als Naturpark-Freundin, die sich für Ranger und mehr Geld für den Naturpark Altmühltal einsetze. Hier wählte die CSU offenbar unterschiedliche Inhalte je nachdem, welche Interessen sie bei den Bürgern in der jeweiligen Region vermutet.

Insgesamt schalteten nur wenige CSU-Verbände überhaupt Anzeigen auf Facebook. Meist warben die einzelnen Verbände für Wahlkampfveranstaltungen oder berichteten über vergangene. Oder sie stellten Kandidaten vor. Dafür verwendeten sie meist schlicht gestaltete Kacheln mit Foto, die alle recht ähnlich aussahen. Ein vollkommen durchgängiges Design oder eine für alle Verbandsebenen gültige Strategie lässt sich aber nicht erkennen. Das CSU-Blau ist dominant, aber die bayerischen Rauten tauchen sehr selten auf, die Deutschland-Fahne gar nicht – im Unterschied zu den Anzeigen der AfD.

Bei den Kandidatenporträts konzentriert sich die CSU vor allem auf die Biografien. Nur vereinzelt nennen die Politiker konkrete Ziele, wie mehr Homeoffice oder eine bessere Ausstattung von Kindertagesstätten.

Vor allem der Hauptaccount der CSU verwendete Hochglanzanzeigen, hier findet sich am klarsten das offizielle Wahldesign der Christsozialen mit Spitzenkandidat und Ministerpräsident Markus Söder. Von diesen Werbeanzeigen gab es viele. Sonst zeigen die gesponserten Posts kaum bekannte Politiker.

Die Themen der CSU neben der Heimat: Breitband, EU-Subventionen für die Landwirtschaft, Unternehmen, Ehrenamt. Allerdings bleiben die Anzeigen inhaltlich meist sehr vage. Konkrete Versprechen sind – außer beim neuen Familiengeld – selten.

Das Thema Wohnen spielt nur einmal eine Rolle: Die Junge Union Landshut Stadt schaltete einen Post als Anzeige, in dem sie sich gegen eine städtische Wohnungsbaugesellschaft positionierte.

Screenshot Facebook

Grüne und FDP werben netzaffin auf Facebook

Die Grünen schalteten mehr Werbung als die CSU. Die sponsored posts – also bezahlten Anzeigen – während des Wahlkampfs trugen oft das offizielle Design, und die Spitzenkandidaten und sogar die Bundespartei-Spitzen Baerbock und Habeck waren auf den Fotos und in den Videos bis hinunter auf Kreisebene sehr präsent.

Die Videos waren oft mit dem offiziellen Wahldesign eingeleitet, die Kandidaten sprachen mehr über Inhalte als über ihre Biografien und bewegten sich mehr, die Schnitte sind oft schnell. Die Ansprache der Nutzer war klar, direkt und konkreter als bei der CSU. “Alles auf gleich: Gleiches Gehalt für gleiche Arbeit, gleiche Chancen und Anerkennung. Niemand darf aufgrund seines Geschlechts benachteiligt werden. Du willst es? Dann wähl es!”, heißt es etwa in einem Post der Grünen Regensburg.

Die Grünen und die Grüne Jugend setzten auch in den Anzeigen auf Facebook ihre Themen von Mut statt Angst, Klima- und Artenschutz, Digitalisierung und Verkehrspolitik, Menschlichkeit und Gleichstellung.

Widersprüche in den gesponserten Posts der Grünen

Dennoch setzte auch eine Kandidatin auf das Thema Sicherheit: Dagmar Keis-Lechner von den Grünen Kulmbach dreht ihren Wahlwerbespot rund um den Begriff Sicherheit – versucht ihn aber anders zu besetzen als etwa die CSU oder die AfD. Eine ähnliche Strategie wie es die Grünen mit dem Begriff der Heimat versuchen. In anderen Regionen als Oberfranken jedoch stellen sich die Grünen in den gesponserten Anzeigen eher als Gegner der Sicherheitspolitik der Regierung dar, etwa die Grüne Jugend Bayern, die gegen das Polizeiaufgabengesetz mobil machte (#NoPag).

Auch die FDP in Bayern schaltete vergleichsweise häufig gesponserte Posts. Deren Videos sind – wie bei den Grünen – grafisch modern gestaltet oder mit schnellen Schnitten, zudem professioneller gesprochen als die der CSU.

Die Anzeigen kamen recht einheitlich daher – aber wie bei allen Parteien: Je niedriger die Verbandsebene, desto seltener waren die Anzeigen stilistisch auf einem Niveau mit der Landespartei. Die FDP Lichtenfels etwa postete einfach ein Foto einer FDP Broschüre, die FDP Unterfranken schlichte Fotos der Kandidaten, uneinheitlich entweder Schwarz-Weiß oder in Farbe und ohne offizielles Design. Die FDP Oberbayern platzierte eine Kandidatin vor gelb-pinkem Hintergrund, hinterlegte Namen und Listenplatz mit Blau und setzte den Slogan Frisches Bayern drunter.

AfD greift in Anzeigen am häufigsten Gegner an

Die Verbände der AfD sponsterten vor der Wahl im Parteienvergleich sehr viele Facebookanzeigen. Darin werden besonders häufig die politischen Gegner angegriffen, vor allem die Grünen und die CSU. Den Christsozialen wirft die AfD „zwei Gesichter” vor. „Im Europaparlament erkennt man das wahre Gesicht der Partei. Hier agiert die CSU an vorderster Front ganz im Sinne der Internationalisten und Merkel-Vasallen”, steht in einem gesponserten Post. Die Grünen diskreditiert die AfD als „Verbotspartei”.

Neben Angriffen auf CSU und Grüne dominieren drei Themen die Werbung: Migration, UN-Migrationspakt und Kriminalität. In mehreren bezahlten Beiträgen berichtet die Partei über angebliche Drohungen gegen Veranstalter von AfD-Terminen oder AfD-Kandidaten. Die AfD Nordschwaben sponserte einen Post, in dem sie mitteilte, eine Veranstaltung umzulegen, weil der Wirt bedroht worden sei. Der AfD Kreisverband Altötting warb mit einem Post, in dem behauptet wird, AfD Mitglieder seien in einem Restaurant nicht bedient worden. Der AfD Kreisverband Oberallgäu-Kempten-Lindau warb für eine Wahlkampfveranstaltung mit dem Besuch eines AfD-Bundestagsabgeordneten aus Chemnitz. „Ulrich Oehme war auch bei der Demonstration in Chemnitz dabei und wird von seinen Erfahrungen berichten”, heißt es in dem Post. Der AfD Kreisveband Ingolstadt/Eichstätt bewarb auf Facebook einen Link zu einem Parteiencheck des „Deutschlandkuriers”.

Das Design der AfD-Anzeigen ist noch am ehesten von allen Parteien durchgängig einheitlich. Die gesponserten Videos wirken teilweise unprofessionell, weil sie weder Untertitel, noch anderen Text enthalten. Andere wiederum sind grafisch aufbereitet und haben ein moderneres Erscheinungsbild.

Screenshot Facebook

SPD und Linke kaum mit sponsored ads auf Facebook

Die bayerischen Verbände der SPD sponserten im analysierten Zeitraum nur sehr wenige Posts. Während die BayernSPD mit Videos und Grafiken warb, ging es in gesponserten Posts auf Kreisebene fast ausschließlich um Kandidaten und Veranstaltungshinweise statt Inhalte. In den wenigen inhaltlichen Werbeanzeigen, versuchte die SPD mit den Themen bezahlbares Wohnen und Bildung zu punkten. Mit einem gesponserten Beitrag zum SPD-Wahlprogramm auf Russisch wollte die Partei gezielt russischsprachige Wähler werben.

Die Linke ist auf Facebook mit deutlich weniger Seiten von Kreisverbänden vertreten als andere Parteien. Außerdem nutzte die Partei nur sehr selten Facebookwerbung. In den wenigen Fällen waren das fast ausschließlich Hinweise auf Wahlkampfveranstaltungen.

Die Freien Wähler posteten ebenfalls eher spärlich Anzeigen in dem sozialen Netzwerk, meist handelte es sich um Slogans oder schlichte Wahlaufrufe. Die Partei betonte ihre kommunalpolitischen Wurzeln und warb mit konkreten Erfolgen. Sie stehe für Inklusion, sozialen Wohnungsbau und, wie es in einer Anzeige hieß, für kostenfreie Kitas. Eine FW-Kandidatin griff die CSU an, in dem sie sich gegen den Begriff “Ankerzentren” und den “Masterplan” von Horst Seehofer wandte. Die beiden Parteien stehen nun vor Koalitionsverhandlungen.

Screenshot Facebook

Wahlwerbung durch sponsored posts auf Twitter

Auch auf Twitter können Parteien Werbung schalten. Doch in Bayern sind bezahlte Tweets als Wahlkampfinstrument unserer Auswertung zufolge während des Landtagswahlkampfs noch unpopulär – zumindest bei den Parteien selbst.

Wir haben geprüft, wie viele beworbene Tweets der Parteien in Bayern und ihrer Jugendorganisationen es seit dem 16. September gab. Twitter listet im Sinne der Transparenz alle Tweets auf, die von einem Account in den zurückliegenden sieben Tagen gesponsert wurden. Teilweise tauchen in diesen Listen aber auch Tweets auf, die früher veröffentlicht wurden.

Welche Parteien waren Werbekunden von Twitter?

Vor allem die FDP nutzt das Instrument der gesponserten Tweets – und in derselben Optik wie auf Facebook und auf Straßenplakaten. Die Liberalen in Bayern zahlten vom 16. September bis zum 10. Oktober für 47 Tweets. Neben der FDP konnten wir nur eine Partei finden, die einen gesponserten Tweet bei Twitter in Auftrag gegeben hat, einen einzigen: die AfD. Die Grünen, die SPD, die Freien Wähler, die Linke und die Bayernpartei hingegen verzichteten in dem Zeitraum ganz darauf. Die Junge Union schickte drei gesponserte Tweets an die Nutzer – allerdings ohne jeden expliziten Zusammenhang zur Landtagswahl in Bayern.

Screenshot Facebook

FDP positioniert sich als Partei der Mitte

Die FDP Bayern nutzte sehr häufig ihren eigenen Wahlkampfslogan “Frisches Bayern” als Hashtag, vereinzelt auch “#ltwby18”. In den Farben ihrer Wahlplakate (blau, gelb, pink) sind auch die Bildtafeln in den gesponserten Tweets gehalten, auch darüber veröffentlichte Videos haben diese Optik. Immer wieder setzt die FDP Bayern Emojis in ihre Texte.

Thematisch setzte die FDP auf Glasfaserausbau, Bildung, der Cannabis-Legalisierung, das Einwanderungsgesetz, Wohnraum und Artenvielfalt, ihrer Position gegen Fahrverbote und gegen Angriffe auf Polizeibeamte.

Die bayerische FDP versuchte außerdem, sich als Partei der Mitte abseits der Extreme darzustellen. “Es kann nicht sein, dass wir nur die Wahl haben, Gutmenschen oder Wutbürger zu sein. Wir müssen aufhören, nur noch in Extremen zu denken”, heißt es in einem Tweet vom 10. Oktober. Die FDP Bayern bezeichnet damit “Gutmenschen” als ein Extrem. Der Begriff wurde 2016 als Unwort des Jahres gewählt und ist wird von Rechten häufig benutzt.

AfD-Kandidat wirbt per sponsored Tweet für sich

Der einzige Werbetweet der AfD kam vom lokalen AfD-Twitter-Account Ingolstadt-Eichstätt. Sein Inhalt: eine lange Hashtag-Liste mit Städtenamen aus Oberbayern, von Ingolstadt zum Beispiel über Ebersberg bis Starnberg – um gut in der Region gefunden zu werden. Der Text wirbt darum, die Zweitstimme dem AfD- Kandidaten Oskar Lipp zu geben, und unter den Hashtags sitzt ein Link zum “Donaukurier”, der ein Porträt über den jungen Mann veröffentlicht hatte.

Was machen Facebook und Twitter transparent, und was nicht?

Seit dem 28. Juni 2018 ist laut Facebook auf jeder Seite unter der Rubrik “Seiteninfos & Werbung” sichtbar, welche Anzeigen aktuell geschaltet sind. Allerdings gibt es kein zentrales Archiv wie in den USA. Das macht die Abfrage aufwändig und verhindert einen schnellen Überblick. Anzeigen aus der Vergangenheit sind außerdem auf Facebook nicht zugänglich. Und eine zentrale Information veröffentlichen weder Facebook noch Twitter in Deutschland: die Zielgruppe der Werbung.

Ein weiteres Problem: Die sogenannten Dark Ads in den USA und Großbritannien kamen vor allem von Unterstützerkanälen, nicht den offiziellen Facebook-Seiten der Parteien. Die Werbung schien daher unabhängig von der Politik, obwohl sie politisch war. In dem Werbungs-Archiv, das Facebook für die USA und Brasilien freischaltete, können Nutzer auch nach Begriffen suchen. Sie erhalten dann eine Übersicht über alle politischen Anzeigen zu dem Thema, und können sehen, in welchem Zeitraum der Post beworben wurde. Ohne ein solches Archiv ist es kaum möglich, das Dark-Ads-Phänomen transparent zu machen.

Auf Nachfrage erklärte Facebook Deutschland im August 2018 gegenüber CORRECTIV, ein Archiv für Werbeanzeigen, die Kennzeichnung politischer Werbung und die Registrierung für Auftraggeber politischer Werbung seien für Deutschland geplant, jedoch ohne festen Zeitpunkt. „Die bayerischen Landtagswahlen sehen wir natürlich am Horizont“, hieß es damals auf Nachfrage. Doch tatsächlich änderte sich bisher nichts.

Nach unserer Analyse ergeben sich keine Hinweise darauf, dass die bayerischen Parteien gesponserte Werbung gezielt für widersprüchliche Werbung verschiedener Wählergruppen nutzten. Nur vereinzelt scheinen sich einige Verbände an regionale Interessen ihrer Wähler anzupassen. Eine tief bis in die Landkreise greifende, koordinierte Strategie, die alle Organisationsebenen umfasst, lässt sich bei keiner Partei feststellen. Generell sind die Parteien recht zurückhaltend mit bezahlten Facebookpost und Tweets. Gesponserte Tweets und Anzeigen scheinen gerade auf Facebook sehr vom individuellen Engagement und Können der Verbandsmitglieder abzuhängen. Im digitalen Wahlkampf sind die meisten weiter Anfänger.

Bewertung: größtenteils falsch

Irreführender Artikel über angeblichen Wahlbetrug in Schweden

SWEDEN-POLITICS-VOTE
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SWEDEN-POLITICS-VOTE
Wahlhelfer zählen Wahlzettel in einem Stockholmer Wahllokal aus, 13. September 2018 (von Jonathan NACKSTRAND / AFP)

von Jacques Pezet

Vor der Landtagswahl in Bayern teilten viele Twitter-Nutzer einen Artikel über angeblichen Wahlbetrug in Schweden. Der Bericht vermischt verschiedene Aspekte, ohne die aufgestellten Behauptungen zu belegen.

Am 8. Oktober 2018 veröffentlichte die ausländerfeindliche Webseite Anonymousnews.ru den Artikel „Massiver Wahlbetrug in Schweden – Sozialdemokraten zahlten 770.000 € für Migrantenstimmen“. Es geht um die Parlamentswahlen in Schweden vom vergangenen Monat. In dem Artikel wirft Anonymousnews.ru der sozialdemokratischen Regierung vor, sie habe viel Geld für „Migrantenstimmen“ ausgegeben – damit Ausländer für seine Partei (und nicht für die rechten Schweden-Demokraten) stimmen. 

Den Titel kann man als irreführend bewerten. Er erwähnt einen sogenannten „massiven Wahlbetrug“, der aber nichts mit den 770 000 Euro zu tun hat.

763 000 Euro für Projekte, um junge oder arbeitslose Menschen aus ärmeren Vierteln zur Wahl zu motivieren

Als Beweis für die „770 000 Euro für Migrantenstimmen“ zitiert Anonymousnews.ru einen Artikel der schwedischen öffentlich-rechtlichen Hörfunkanstalt Sverigesradio. Am 11. März 2018  schrieb Sverigesradio: „Die staatliche Agentur für Jugend und Zivilgesellschaft (MCUF) wird insgesamt acht Millionen Kronen an eine Reihe von Organisationen zahlen, damit mehr Menschen an der diesjährigen Wahl teilnehmen.“

In der Überschrift fasste der öffentliche Rundfunk zusammen: „Jetzt wird das Wählen bei den im Ausland geborenen Menschen zunehmen“. Sverigesradio erklärt, dass mit den acht Millionen Kronen (ungefähr 763 000 Euro) 20 Organisation unterstützt wurden. Eine der geplanten Aktionen sollte junge Schweden aus „Gegenden mit hoher Arbeitslosigkeit, wo Menschen mit wenig oder gar keiner Bildung leben“ zu Wahllokalen gebracht werden.

Die Ausgaben hat die staatliche Agentur MCUF auf ihrer Webseite bestätigt. Die Organisation betont jedoch die Vielfalt der finanzierten Projekte in verschiedenen schwedischen Städten. So wurde auch ein Verein in Skärholmen gefördert, der junge Menschen und Schweden ausländischer Herkunft zum Wählen motivieren sollte. In Skärholmen war die Wahlbeteiligung zuvor stark gesunken. In anderen Städten wurden etwa Probewahlen an Schulen organisiert, um bei jungen Menschen das Interesse für Wahlen zu wecken. Damit sie später auch daran teilnehmen.

Wer darf in Schweden wählen?

Anonymousnews.ru schreibt von Wahlbetrug und bezieht sich auf die Wahlergebnisse der schwedischen Parlamentswahl vom 9. September 2018. Als Beispiel nennt die Webseite den Stadtteil Rinkeby in Stockholm, wo die Sozialdemokraten 77 Prozent der Stimmen erhielten (die rechten Schweden-Demokraten nur drei Prozent). Damit will Anonymousnews.ru beweisen, dass es die Regierung geschafft habe, mehr Wähler für die Sozialdemokraten zu gewinnen.

Mit dem Wort „Migranten“ deutet Anonymousnews.ru an, dass es sich um Ausländer handelt, die etwa während den Einwanderungswellen seit 2015 nach Schweden angekommen sind. Das ist völlig irreführend – das belegt ein Blick in das schwedische Wahlgesetzbuch.

Das schwedische Wahlgesetzbuch schreibt vor: „An der Wahl zum Reichstag können Sie teilnehmen, wenn Sie: die schwedische Staatsangehörigkeit haben und in Schweden gemeldet sind oder es einmal waren.“ Die 77 Prozent der von den Sozialdemokraten in Rinkeby erhaltenen Stimmen sind daher nur Stimmen von Menschen mit schwedischer Staatsbürgerschaft. Ob sie nun Sven, Mohammed oder Tobias heißen – sie sind auf jeden Fall schwedische Staatsbürger.

Komischerweise zitiert Anonymousnews.ru auch eine Quelle, die erklärt, dass die Popularität linker Parteien in benachteiligten Quartieren abnimmt. Also genau dort, wo die Sozialdemokraten laut Anonymousnews.ru Stimmen gekauft haben sollen. Laut dem verlinkten Artikel sind aber in den Orten die rechten Schweden-Demokraten auf dem Vormarsch.

Eine besonders hohe Zahl von Beschwerden über Wahlbetrug – die aber noch geprüft werden müssen

Im Text erwähnt Anonymousnews.rumehr als 400 Beschwerden über Wahlbetrug” und nennt als Quelle einen Artikel der schwedischen Zeitung Aftonbladet. Der Artikel erklärt, dass diese Zahl höher ist als bei den Wahlen 2014 oder 2010. Doch die Zeitung schreibt vorsichtig, es sei „jedoch nicht sicher, dass in diesem Jahr mehr Fehler oder Verbrechen begangen wurden als zuvor“. Das bedeutet, dass man heute nicht weiß, ob es tatsächlich „massiven Wahlbetrug“ in Schweden gab.

Vor allem, da eine Sprecherin des Wahlprüfungsausschusses dem Aftonbladet hinzufügt: „Wir sehen, dass es eine große Anzahl von Menschen gibt, die uns E-Mails geschickt haben, in denen sie im Allgemeinen schreiben: ,Wahlbetrug – ich will Wiederwahl‘“. Diese Emails, die keine Beweise vom Betrug nennen, zählen natürlich zu den 400 gemeldeten Beschwerden.

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Dem Artikel von Anonymousnews.ru mangelt es an Beweisen für einen „massiven Wahlbetrug“ in Schweden. Dafür instrumentalisiert er die Finanzierung eines Projekts, das Menschen aus benachteiligten Stadtteilen zur Wahl anregen soll.

Bewertung: völlig falsch

Keine Wahlmanipulation durch Druckfehler auf bayerischen Wahlunterlagen

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Wahlunterlagen (Symbolbild). Quelle: webandi / pixabay

von Tania Röttger

Im bayerischen Bernau am Chiemsee gab es Probleme mit den Wahlbenachrichtigungen. Beim Absender stand die falsche Postadresse.

Über den Druckfehler berichtete Focus Online am 1. Oktober, mit dem Titel: „Falsche Postleitzahl gefährdet Zustellung von über tausend Wahlbriefen in Bayern“. Die Behauptung, der Fehler könne die Abstimmung gefährden, die auch im Text steht, ist jedoch Spekulation und unbegründet.

Kurz nach dem Focus Online Artikel, auch am 1. Oktober, veröffentlichte Halle Leaks den Text: „Vorprogrammierter Wahlbetrug in Bayern. Nicht zugestellte Briefwahlstimmen werden mit Grün aufgefüllt.“ Dazu die Behauptung, dies würde die hohen Umfragewerte der Grünen erklären. Beide Behauptungen im Titel sind falsch. Diesen Text übernahm die Kopierseite News for Friends am 14. Oktober.

Druckfehler

Zunächst zu den Problemen in Bernau. Im Gemeindeamt beantwortet Martina Pollinger Fragen dazu, seit die Sache bekannt wurde haben sich schon viele Journalisten bei ihr gemeldet.

Am Donnerstag vor der Wahl bestätigt Pollinger am Telefon: Auf den Wahlunterlagen hatte der Absender die falsche Postleitzahl – statt „83233 Bernau am Chiemsee“ stand dort „93233 Bernau am Chiemsee“. Wer also Briefwahlunterlagen bestellen wollte, lief Gefahr, die falsche Postleitzahl auf den Rücksende-Briefumschlag zu schreiben.

Als der Fehler bekannt wurde benutzten Pollinger und ihre Kollegen verschiedene Plattformen – ihre Webseite, lokale Medien – um die Wähler auf den Druckfehler aufmerksam zu machen. Sie sprach auch mit dem Wahlleiter der ihr bestätigte, dass die Wahlunterlagen trotzdem gültig waren.

Screenshot von der Webseite der Gemeinde Bernau am Chiemsee.

Außerdem kamen im Wahlamt auch Briefe mit der falschen Postleitzahl an, berichtet Pollinger. Das haben ihr dortige Mitarbeiter bestätigt. Insgesamt gab es wohl weniger als fünf Fälle, in denen Leute die falsche Postleitzahl übernommen haben. Das ist nicht verwunderlich, schließlich hat ganz Bernau dieselbe.

Screenshot der Email von Martina Pollinger, 12. Oktober 2018

Anders als Focus Online im Titel behauptet war die Zustellung der Briefwahlunterlagen also nicht gefährdet.

Kurz: Das Problem war in der Praxis kein Problem.

Grüne profitieren? Nein

Auf die Behauptung, die Grünen würden davon profitieren reagiert Pollinger mit Unverständnis. „Das stimmt ja überhaupt nicht“, sagt sie, „das muss man entschieden zurückweisen.“ Tatsächlich gibt es keine Belege für die Behauptung. Weder bei Halle Leaks noch bei Focus Online und auch nicht bei News for Friends.

Unsere Bewertung:
Die Behauptungen sind falsch. Es gibt weder Hinweise dafür, dass Briefwahlunterlagen nicht angekommen sind, noch dafür, dass die Grünen dadurch Stimmen erhalten haben.

Bewertung: völlig falsch

Keine Wahlmanipulation durch Druckfehler auf bayerischen Wahlunterlagen

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Wahlunterlagen (Symbolbild). Quelle: webandi / pixabay

von Tania Röttger

Im bayerischen Bernau am Chiemsee gab es Probleme mit den Wahlbenachrichtigungen. Beim Absender stand die falsche Postadresse.

Über den Druckfehler berichtete Focus Online am 1. Oktober, mit dem Titel: „Falsche Postleitzahl gefährdet Zustellung von über tausend Wahlbriefen in Bayern“. Die Behauptung, der Fehler könne die Abstimmung gefährden, die auch im Text steht, ist jedoch Spekulation und unbegründet.

Kurz nach dem Focus Online Artikel, auch am 1. Oktober, veröffentlichte Halle Leaks den Text: „Vorprogrammierter Wahlbetrug in Bayern. Nicht zugestellte Briefwahlstimmen werden mit Grün aufgefüllt.“ Dazu die Behauptung, dies würde die hohen Umfragewerte der Grünen erklären. Beide Behauptungen im Titel sind falsch.

Druckfehler

Zunächst zu den Problemen in Bernau. Im Gemeindeamt beantwortet Martina Pollinger Fragen dazu, seit die Sache bekannt wurde haben sich schon viele Journalisten bei ihr gemeldet.

Am Donnerstag vor der Wahl bestätigt Pollinger am Telefon: Auf den Wahlunterlagen hatte der Absender die falsche Postleitzahl – statt „83233 Bernau am Chiemsee“ stand dort „93233 Bernau am Chiemsee“. Wer also Briefwahlunterlagen bestellen wollte, lief Gefahr, die falsche Postleitzahl auf den Rücksende-Briefumschlag zu schreiben.

Als der Fehler bekannt wurde benutzten Pollinger und ihre Kollegen verschiedene Plattformen – ihre Webseite, lokale Medien – um die Wähler auf den Druckfehler aufmerksam zu machen. Sie sprach auch mit dem Wahlleiter der ihr bestätigte, dass die Wahlunterlagen trotzdem gültig waren.

Screenshot von der Webseite der Gemeinde Bernau am Chiemsee.

Außerdem kamen im Wahlamt auch Briefe mit der falschen Postleitzahl an, berichtet Pollinger. Das haben ihr dortige Mitarbeiter bestätigt. Insgesamt gab es wohl weniger als fünf Fälle, in denen Leute die falsche Postleitzahl übernommen haben. Das ist nicht verwunderlich, schließlich hat ganz Bernau dieselbe.

Screenshot der Email von Martina Pollinger, 12. Oktober 2018

Anders als Focus Online im Titel behauptet war die Zustellung der Briefwahlunterlagen also nicht gefährdet.

Kurz: Das Problem war in der Praxis kein Problem.

Grüne profitieren? Nein

Auf die Behauptung, die Grünen würden davon profitieren reagiert Pollinger mit Unverständnis. „Das stimmt ja überhaupt nicht“, sagt sie, „das muss man entschieden zurückweisen.“ Tatsächlich gibt es keine Belege für die Behauptung. Weder bei Halle Leaks noch bei Focus Online.

Unsere Bewertung:
Die Behauptungen sind falsch. Es gibt weder Hinweise dafür, dass Briefwahlunterlagen nicht angekommen sind, noch dafür, dass die Grünen dadurch Stimmen erhalten haben.