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Faktencheck

Fakten für die Demokratie

Falschmeldungen stellen eine Gefahr für die Demokratie dar. Unsere Faktenchecker gehen Gerüchten nach und veröffentlichen ihre Rechercheergebnisse auf dieser Seite. Mehr erfahren

Bewertung: falsch

Warum Alice Weidel nicht die beliebteste Politikerin bei Facebook ist

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Alice Weidel (AfD) bei einer Rede im Bundestag am 16.05.2018.© Tobias Schwarz / AFP

von Niklas Trinkhaus

Der Blog „Journalistenwatch“ titelt, Alice Weidel von der AfD sei die „beliebteste Politikerin bei Facebook“. Stimmt das? Worum geht es bei den Zahlen, auf die der Blog sich beruft?

Der Beitrag von „Journalistenwatch“ erschien am 20. Mai 2018 und bezieht sich auf einen Artikel von „Meedia“ vom 19. April 2018. „Meedia“ untersuchte die Interaktionen mit Facebook-Beiträgen deutscher Politikerinnen und Politiker in einem Zeitraum von 30 Tagen.

„Journalistenwatch.com“ verdreht Aussage des Rankings

Tatsächlich steht Alice Weidel auf Platz 1 der von „Meedia“ veröffentlichten Liste. Allerdings geht es hier nicht um Beliebtheit, sondern um die Anzahl an Interaktionen, die die Beiträge der Politiker hervorrufen. Das bestätigt auch der Autor des „Meedia“-Artikels, Alexander Becker, auf Anfrage: „Anders als es die Überschrift des Textes von ‘Journalistenwatch.com’ suggeriert, geht es in unserem Artikel nicht darum, dass Alice Weidel die beliebteste Politikerin bei Facebook ist, sondern darum, dass sie zwischen Mitte März und April mit ihren Postings die meisten Interaktionen erzeugte. Das heißt: Ihre Postings wurden am häufigsten kommentiert, geliked, geteilt etc.“.

Oppositionspolitiker auf den ersten Plätzen

Im Mai 2017 lag noch der FDP-Politiker Christian Lindner mit 279.500 Interaktionen an der Spitze. Gefolgt von Angela Merkel, Frauke Petry, Sahra Wagenknecht, Jörg Meuthen und Martin Schulz. Zu dieser Zeit war der Bundestagswahlkampf in vollem Gange.

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Ein Jahr später ergibt sich ein verändertes Bild. Alice Weidel führt die Liste mit 421.400 Interaktionen an, gefolgt von Jörg Meuthen, Sahra Wagenknecht, Gregor Gysi, Angela Merkel und Beatrix von Storch.

Die Zahlen zeigen in erster Linie, wessen Facebook-Aktivitäten in den vergangenen Wochen für Aufsehen sorgten. Auffällig ist, dass – abgesehen von Angela Merkel – Politiker aus Oppositionsparteien die meisten Reaktionen hervor riefen.

Großer Unterschied bei Fans und Abonnenten

Geht es nach der Anzahl der Fans und Abonnenten bei Facebook ergibt sich wiederum ein verändertes Bild. Dabei führt Angela Merkel die Liste mit großem Vorsprung an. Über 2,5 Millionen Fans hat die Bundeskanzlerin und fast ebenso viele Abonnenten. Alice Weidel hat dagegen 152.374 Fans und 164.867 Abonnenten. Sahra Wagenknecht hat 429.965 Fans und 434.748 Abonnenten. Genau wie bei Interaktionen, lassen Fans und Abonnenten jedoch nicht unbedingt auf Beliebtheit schließen.

Wie wird die Beliebtheit von Politikern gemessen?

Daten zur Beliebtheit von Politikern liefern repräsentative Umfragen, die regelmäßig zum Beispiel von der Forschungsgruppe Wahlen durchgeführt werden. Aus dieser Umfrage entsteht das Politbarometer. Die Forschungsgruppe Wahlen fragt zunächst nach den „wichtigsten“ Politikern. In der folgenden Umfrage fragt sie dann nach deren Beliebtheit. Weidel befindet sich auf Nachfrage von CORRECTIV bei der Forschungsgruppe Wahlen nicht auf dieser Liste.

Unsere Bewertung:
Der Titel ist falsch. Weidel ist nicht die beliebteste Politikerin bei Facebook. Ihr Account erzeugte laut einem Ranking von „Meedia” die meisten Interaktionen unter deutschen Spitzenpolitikern. Auf ihre Beliebtheit lässt sich daraus nicht schließen.

Bewertung: falsch

Nein, dieses Plakat will Weihnachten nicht abschaffen

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Beim Lichtermarkt geht es um die Beleuchtung. (Symbolbild: Annie Spratt / Pixabay)

von Tania Röttger

Manche Facebook-Nutzer sind erbost über ein Plakat für einen Weihnachtsmarkt und rufen auf zum Boykott. Der Grund: Der Markt wird als Lichtermarkt angepriesen und das Kind auf dem Bild ist nicht weiß.

Die Facebook-Seite „Frauenbündnis Nordbaden“ teilte das Bild am 13. November mit dem Kommentar: „Weihnachten und weiße Kinder abgeschafft“. Über das Plakat gab es bereits im vergangenen Jahr eine Debatte mit falschem Kontext und falschen Behauptungen.

Screenshot vom Facebook-Post

Andere fragen sich, ob das Plakat überhaupt echt ist (Kommentar: „Fake!!! Guckt euch mal an, wie das Plakat angebracht ist!!!“).

Kommentare unter dem Facebook-Post

Telefonat mit den Veranstaltern

Auf der Webseite sprechen die Organisatoren des Marktes abwechselnd von Lichtermarkt

und Weihnachtsmarkt. Verantwortlich ist das Stadtmarketing Elmshorn. CORRECTIV hat mit der Geschäftsführerin Manuela Kase telefoniert.

Sie bestätigt zuerst: Das Plakat ist echt. Es existiere seit dem Jahr 2011 und stamme aus einem Wettbewerb, an dem 150 Kinder im Alter von drei bis fünfzehn Jahren teilnahmen, die sich als Engel verkleiden hatten. Das aktuelle Plakat war das Siegermotiv. Die archivierte Webseite von 2017 bestätigt: Dasselbe Plakat wurde 2017 genutzt.

Kase sagt auch: „Der Markt hat auf jeden Fall einen christlichen Hintergrund.“ Er sei ein traditioneller, klassischer Weihnachtsmarkt. Den Namen Lichtermarkt gebe es seit 2007. Der Grund: 120.000 Lichtpunkte in der Weihnachtsbeleuchtung seien ein Alleinstellungsmerkmal.

Angriffe wegen Plakat

„Dieses Jahr hält es sich in Grenzen“, sagt Kase zur Resonanz auf das Plakat, „letztes Jahr war es ziemlich heftig.“

Im vergangenen Jahr teilte unter anderem die ehemalige AfD-Politikerin Erika Steinbach ein Bild des Plakats, wie verschiedene Medien berichteten, danach folgten Angriffe auf die Stadt, per Email und auf den Sozialen Medien. Die Linken-Politikerin Cornelia Möhring veröffentlichte damals ein Statement dazu, der Markt befindet sich in ihrem Wahlkreis: „Die Aufregung empfinde ich als gekünstelt und konstruiert. Diese regionale Besonderheit für deutschtümelnde und völkische Propaganda zu instrumentalisieren ist voll inakzeptabel.“

Unsere Bewertung:
Name und Motiv sind nicht gewählt, um sich von Weihnachten zu distanzieren.

Bewertung: völlig falsch

Falsche Manipulationsvorwürfe zu Demofoto

Bildschirmfoto 2018-11-20 um 10.30.21
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Bildschirmfoto 2018-11-20 um 10.30.21
Auf Twitter wehrte sich der rbb gegen die Manipulationsvorwürfe. (Screenshot)

von Cristina Helberg

Auf Facebook behauptet der rechte Influencer Henryk Stöckl, der Rundfunk Berlin-Brandenburg habe ein AfD-Plakat in das Bild einer Demonstration montiert. Doch weitere Fotos belegen: Das AfD-Plakat war tatsächlich auf der Demo.

„RBB manipuliert Foto und fügt AFD Transparent hinzu, das es nie gab!“, schrieb der Facebooknutzer Henryk Stöckl am 11. November. Darunter fügte er das Foto einer Demo ein. Weiß kreiste er darauf ein AfD-Plakat ein und schrieb „Manipuliert!“ dazu.

BuzzFeedNews schreibt über Henryk Stöckl: „Der 24-jährige Immobilienkaufmann ist einer der auffälligsten rechten Meinungsmacher in Deutschland. Auf Facebook und YouTube verbreitet er falsche Behauptungen und manipuliert Hunderttausende Menschen.“

Einen Tag nach Henryk Stöckl twitterte eine Profil mit denselben Manipulationsvorwürfen verschiedene Redaktionen des Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) an, außerdem die Berliner Polizei und die AfD Berlin. Bei den Vorwürfen geht es um eine Demo zum Tag der Deutschen Einheit am 3.10.2018 in Berlin.

Screenshot Twitter

rbb wehrt sich gegen Manipulationsvorwürfe

Der offizielle Account der Onlineredaktion des rbb reagierte darauf mit einem Statement. „Es handelt sich bei diesem Foto um keine Manipulation: Es wurde bei der letzten großen Demo von Rechtsextremisten in Berlin am 3.10. von einem Agenturfotografen aufgenommen. Der ‘Fake News’-Vorwurf ist damit falsch.“

Screenshot Twitter

Als Beleg postete der rbb zusätzlich am darauffolgenden Tag weitere Bilder aus anderen Perspektiven, die das AfD-Plakat zeigen.

Screenshot Twitter

Das kann auch jeder Internetnutzer selbst überprüfen. Die Bilddatenbank imago bietet im frei zugänglichen Gästezugang einen Überblick über zahlreiche Bilder der Demo vom 3.10.2018. Dafür müssen Nutzer als Suchbegriff „Demo Berlin“ und in den Filtereinstellungen das Datum 3.10.2018 angeben. In den Suchergebnissen ist das AfD-Plakat auf mehreren Fotos in unterschiedlichen Situationen zu sehen.

Unsere Bewertung:
Das AfD-Transparent wurde nicht nachträglich in Fotos der Demo montiert. Es ist auf verschiedenen Bildern zu sehen.

Bewertung: teilweise falsch

Video des Bauern, der Demonstranten mit Gülle besprüht, wurde in England gefilmt

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Capture d’écran 2018-11-19 à 18.53.25
Screenshot aus dem Youtube Video „Farmer sprays poop all over protestors trespassing on his land“

von Jacques Pezet

Ein Video, in dem ein Bauer angeblich Grüne mit Gülle besprüht, kursiert auf Facebook. Doch es wurde 2016 in England gedreht, nicht in Deutschland.

Seit dem 15. November 2018 kursiert ein Video auf Facebook, das fast 1000 Mal geteilt worden ist. Im Video sieht man einen Traktor, der eine Gruppe von Menschen mit einer braunen Flüssigkeit besprüht. In der Beschreibung steht: „Was passiert, wenn die Grünen (Kopftücher im Bild sind reiner Zufall), ohne den Bauern zu fragen, eine unangemeldete Veranstaltung auf seinem Boden durchführen und dabei den Acker zertrampeln?“

Was passiert, wenn die Grünen (Kopftücher im Bild sind reiner Zufall), ohne den Bauern zu fragen, eine unangemeldete Veranstaltung auf seinem Boden durchführen und dabei den Acker zertrampeln? 🚜

Gepostet von Marco Kurz am Donnerstag, 15. November 2018

Geht es um deutsche Aktivisten der politischen Partei die Grünen? Wo wurde dieses Video gedreht? Auf diese zwei Fragen wollen wir in diesem Faktencheck antworten.

Dafür fanden wir zuerst die Quelle für dieses Video heraus. Mit Hilfe des kostenlosen INVID-Videoüberprüfungs-Tools konnten wir Screenshots vergleichen und sehen, dass dieses Video auf Englisch veröffentlicht wurde.

Auf einer Website erschien das Video im Zusammenhang mit einer Veranstaltung in West-England, an der die Hollywood-Schauspielerin Emma Thompson und Greenpeace-Aktivisten teilgenommen hatten. Durch diesen Hinweis stießen wir in mehreren britischen Medien (Telegraph, The Guardian, BBC) auf sehr ausführliche Artikel über die Aktion und das Missgeschick der Demonstranten.

Hintergrund der Demonstration

Laut dem Telegraph demonstrierte Emma Thompson mit ihrer Schwester Sophie am 27. April 2016 „auf einem Feld einer Farm in Lancashire, wo das Energieunternehmen Cuadrilla plante, nach Schiefergas zu fracken“. Sie wurden bei ihrer Aktion von der Umweltorganisation Greenpeace unterstützt. Die Zeitung berichtete, dass ein Bauer mit einem Miststreuer um die Demonstranten herum fuhr, weil er angeblich „sehr verärgert“ war, dass ihn die Demonstranten daran hinderten, auf seinem Feld zu arbeiten. Laut Medienberichten kam die Polizei, verhaftete aber niemanden.

Außerdem: Der Facebook-Post vom 15. November enthält eine antimuslimische Bemerkung gegen Frauen, die das islamische Kopftuch tragen. Ein zweites Video, das die Demonstranten aus der Nähe zeigt, macht deutlich: Die angeblichen Kopftücher sind eigentlich gelbe Stirnbänder. Das ändert natürlich nichts an der Tatsache, dass Frauen, unabhängig von ihrer Religion, das Recht haben, gegen Fracking – oder jedes andere Thema – zu demonstrieren.

Unsere Bewertung:
Mangel an Kontext. Das Video wurde bei einer Anti-Fracking Demo in England gefilmt.

Bewertung: unbelegt

Schmierereien auf Friedhof in Northeim: Täter weiter unbekannt

grabschändung
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grabschändung
Der Journalist Eren Güverin teilte dieses Bild auf Twitter. Es zeigt einen besprühten Grabstein auf dem Friedhof Northeim.

von Cristina Helberg

Hakenkreuze und ein Anarchiezeichen schmierten Unbekannte Anfang November auf mehrere muslimische Grabsteine in Northeim. Im Netz behaupten Nutzer nun wahlweise die Täter seien „arabisch sprechende Männer“, „Araber“ oder „Nazis“. Richtig ist: Die Täter sind weiter unbekannt.

Die Randalierer kamen im Schutz der Dunkelheit. Am Tag danach schrieb die Polizei: „In der Nacht zum Sonntag haben ein oder mehrere Unbekannte insgesamt zwölf Grabsteine muslimischer Grabstätten auf dem Northeimer Stadtfriedhof mit roter Farbe geschändet. Gesprüht wurden dabei auch drei Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“. Der Fall aus der Nacht zum 11. November 2018 sorgte bundesweit für Aufsehen. Knapp eine Woche nach dem Vorfall kursieren verschiedene Behauptungen zu den angeblichen Tätern im Netz.

Der Account „Dora zwitschert“ twitterte am Tag nach dem Vorfall „Die #Hakenkreuz Schmierereien auf einem muslimischen Friedhof in #Northeim stammen von arabisch sprechenden Männern“. Eine Quelle oder einen Beleg liefert der Account für diese Behauptung nicht. Andere Nutzer schreiben auf Facebook „Araber beschmieren Friedhof mit Hakenkreuzen und greifen Passanten an“. Dazu wird teilweise ein Video verlinkt, das zeigt wie sich zwei Gruppen von Männer auf Arabisch anschreien und die eine Gruppe von einem Balkon Flaschen auf die andere wirft. Angeblich eine Reaktion, weil Passanten die Täter gestellt hätten. Dazu später mehr.

Die Grüne Jugend Göttingen tweetete am Tag nach dem Vorfall „Nazis beschmieren in #Northeim muslimische Gräber mit Hakenkreuzen“.

Screenshot Twitter

Das sagt die Polizei: Täter unbekannt

Der Polizei zufolge sind die Täter bisher weiter unbekannt. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, sagt Uwe Falkenhain, Pressesprecher der Polizei Northeim, am Telefon. Es seien „sowohl religiöse als auch politische Hintergründe denkbar“. Die Unbekannten hätten ausschließlich muslimische Gräber beschmiert. Unter den gesprayten Symbolen seien sowohl Hakenkreuze als auch ein Anarchiezeichen.  

Das Video, das Facebooknutzer als vermeintlichen Beleg für arabisch sprechende Männer als Täter teilen, ist der Polizei bekannt. „Nach jetzigem Stand der Ermittlungen fehlt jeglicher Nachweis, dass die in dem Video handelnden Personen in Zusammenhang mit der Tat stehen“, sagt Falkenhain. Dafür gebe es derzeit „überhaupt keinen Ansatz“.

Unsere Bewertung:
Fehlende Belege. Die Täter sind der Polizei zufolge unbekannt.

Bewertung: völlig falsch

Falsches Zitat von Ulla Jelpke (Die Linke) kursiert im Netz

GERMANY-EUROPE-MIGRANTS-POLITICS
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GERMANY-EUROPE-MIGRANTS-POLITICS
Im Internet wird ein falsches Zitat verbreitet, dass die Politikerin Ulla Jelpke angeblich im Bundestag gesagt haben soll. (Symbolbild, John Macdougall / AFP)

von Cristina Helberg

Auf Facebook und Twitter teilen Nutzer ein frei erfundenes Zitat der Linken-Politikerin Ulla Jelpke.

Angeblich soll die Politikerin gesagt haben, man könne die Maghreb Staaten nicht als sichere Herkunftsländer einstufen, weil die Bevölkerung dort mehrheitlich islamisch sei. Gepostet wurde die Behauptung am 14. November von der Facebookseite „Seligenstadt wach auf“ mit dem Hinweis „heute im BT“. Allerdings sprach Ulla Jelpke an diesem Tag gar nicht im Bundestag. Auch auf Twitter teilten Nutzer das Bild mit dem Zitat.

Falsches Zitat auf Facebook (Screenshot CORRECTIV)

Bundestagsbüro von Ulla Jelpke: „Doppelter Quatsch“

Auf Nachfrage von CORRECTIV schreibt das Bundestagsbüro von Ulla Jelpke zu dem Zitat: „Das ist doppelter Quatsch. So einen Satz hat Frau Jelpke nie gesagt, und schon gar nicht am 14. November. Diese ganze Woche ist sitzungsfrei.“ Ihr Büro verweist auf eine Rede der Bundestagsabgeordneten zu dem Thema, die sie am 8. November hielt. Von dieser Rede gibt es ein öffentliches Protokoll. Ab Seite 6836 ist dort die Rede von Jelpke nachzulesen. Darin lehnt sie die Einstufung der Maghreb Staaten als sichere Herkunftsländer ab und verweist auf Menschenrechtsverletzungen.

Ihr Büro schreibt zu dieser Rede „aber auch da hat sie den zitierten Satz natürlich nicht geäußert, weil der auch inhaltlich in keiner Weise ihrer Meinung entspricht“. Tatsächlich findet sich in dem Protokoll kein solcher Satz.

Facebookseite gibt Falschmeldung indirekt zu

Unter ihrem Post räumt die Facebookseite „Seligenstadt wach auf“ indirekt sogar ein, dass das Zitat erfunden ist. Mehrere Nutzer verwiesen in den Kommentaren darauf, dass Ulla Jelkpe diesen Satz nicht gesagt hat. Daraufhin antwortet die Seite „sinngemäß meint sie es“.

Konversation unter dem Facebookpost (Screenshot und Unkenntlichmachung des Usernamens durch CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Das Zitat ist frei erfunden.

Bewertung: falsch

Nein, in Freiburg demonstrierten Menschen nicht für Gruppenvergewaltigungen

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Die Kaiser-Joseph-Straße mit Bertoldsbrunnen in Freiburg. Dort fanden unter anderem die Demonstrationen statt. (Symbolbild: Andreas Schwarzkopf, Kaiser-Joseph-Straße mit Bertoldsbrunnen in Freiburg 2, CC BY-SA 3.0)

von Cristina Helberg

Auf Facebook wird das Bild einer Demo geteilt, deren Teilnehmer angeblich „für Gruppenvergewaltigungen“ protestieren. Das ist falsch.

Menschen schreien und strecken den Mittelfinger in Richtung Kamera. Dieses Foto teilte ein Nutzer Ende Oktober auf Facebook. Dazu der Hinweis „So sehen ‘Menschen’ aus, die für Gruppenvergewaltigungen demonstrieren“. Woher stammt das Foto und wofür demonstrieren die abgebildeten Menschen tatsächlich? Diese Fragen beantwortet eine Bilderrückwärtssuche.

Facebookpost (Screenshot CORRECTIV)

Einer der ersten Treffer, wenn man bei Google nach ähnlichen Bildern sucht, ist ein Artikel der Süddeutschen Zeitung vom 29.10.2018. Das Titelbild zeigt dasselbe Foto wie der Facebookpost, allerdings einen größeren Bildausschnitt.

Artikel der Süddeutschen Zeitung mit Foto der dpa zu den Demonstrationen in Freiburg (Screenshot CORRECTIV)

Im Bildhinweis steht: „Hunderte Menschen haben in Freiburg gegen eine Kundgebung der AfD protestiert“. Das Foto stammt von der Presseagentur dpa.

Mutmaßliche Vergewaltigung als Anlass für Demos

Anlass für die Proteste war die mutmaßliche Vergewaltigung einer Frau durch mehrere Männer. Die Frau erstattete am 14.10.2018 Anzeige und gab an, von mehreren Männern nach einem Diskobesuch in Freiburg vergewaltigt worden zu sein. Die Polizei nahm in den Tagen danach insgesamt acht Tatverdächtige fest, davon sieben Männer syrischer Staatsangehörigkeit und einen Deutschen. „Fast alle der aktuellen Tatverdächtigen sind bereits polizeilich in Erscheinung getreten“, teilte die Polizei mit.

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe rief ein Verbund aus AfD, Junge Alternative und dem Bündnis „Kandel ist Überall“ zu einer Demonstration auf. „Anlass ist die Massenvergewaltigung einer 18-jährigen durch 7 Syrer und einen Deutschen” hieß es in einem Demoaufruf bei Facebook.   

Demoaufruf der AfD bei Facebook (Screenshot CORRECTIV)

Als Reaktion auf diese Ankündigung rief unter anderem die Gruppe „Antifaschistische LInke Freiburg“ zu Gegenprotesten auf und warf der AfD eine „rassistische Vereinnahmung der grausamen Gruppenvergewaltigung“ vor. Der Polizei zufolge protestierten rund 1.500 Menschen gegen den Demozug der AfD.

Unsere Bewertung:
Falsch. Die Menschen protestierten gegen eine Demo der AfD. Die Gegendemonstranten verurteilten die Gruppenvergewaltigung als grausam.

Bewertung: völlig falsch

Facebooknutzer verbreitet falsches Zitat von SPD-Politikerin Claudia Moll

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Der deutsche Bundestag während einer Haushaltssitzung am 11. September 2018 in Berlin. (Symbolbild, John MACDOUGALL / AFP)

von Caroline Schmüser

„Freiburg ist sicher”, soll die SPD-Bundestagsabgeordnete Claudia Moll angeblich gesagt haben. Stimmt das?

 „Freiburger ist sicher ich könnte da nackt durchlaufen und es passiert nix“, heißt es auf einer Fotomontage, die ein Facebooknutzer am 11. November auf dem sozialen Netzwerk veröffentlichte. Im Hintergrund ist ein Foto der SPD-Bundestagsabgeordneten Claudia Moll zu sehen. Von ihr soll das Zitat angeblich stammen. Der Beitrag wurde mehr als dreitausend Mal geteilt.

Diese Fotomontage verbreitet sich derzeit auf Facebook. (Screenshot von Correctiv)

Stimmt das Zitat? Wir haben recherchiert.

Bundestag diskutierte über den Globalen Migrationspakt

Das Foto zeigt Moll während einer Sitzung im Bundestag am 8. November 2018. Die Sitzung ist in einem YouTube-Video von Phoenix dokumentiert. Moll ist ab Minute 1:02:46 zu sehen.

Die Bundestagsfraktionen diskutierten an diesem Tag unter anderem über den Globalen Migrationspakt (GMP), über den die Vereinten Nationen Anfang Dezember in Marokko abstimmen wollen. Der Migrationspakt soll eine engere Zusammenarbeit der Staaten und globale Standards im Umgang mit Migranten ermöglichen.

Während Union, SPD, FDP, Linke und Grüne die Unterzeichnung des Paktes durch die deutsche Bundesregierung unterstützen, lehnt die AfD einen Beitritt ab. Ein entsprechender Antrag der AfD sorgte im Bundestag für hitzige Diskussionen.

SPD-Politikerin Moll appellierte an die AfD

Nach einer Rede des AfD-Abgeordneten Martin Hebner wandte sich Moll in einer kurzen Rede an die AfD-Fraktion. Dieser Szene entstammt das Foto in der Bildmontage des Facebooknutzers.

Sie appellierte: „Es ist nicht wichtig, was man besitzt oder woher man kommt, sondern nur, was einen als Menschen ausmacht.“ Sie schäme sich fremd, dass der Bundestag den „Lügenantrag“ der AfD besprechen müsse. Freiburg erwähnte Moll in ihrer Rede nicht.

Auf Anfrage von Correctiv, ob sie die Aussage so im Bundestag oder anderswo getroffen hat, schreibt die SPD-Politikerin: „Selbstverständlich habe ich diesen Satz nicht gesagt.“

Unsere Bewertung:
Das ist völlig falsch. Das angebliche Zitat der SPD-Politikerin ist frei erfunden.

Bewertung: völlig falsch

Manipuliertes Bild soll angeblich Beleg für Chemtrails liefern

Bildschirmfoto 2018-11-15 um 17.21.00
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Bildschirmfoto 2018-11-15 um 17.21.00
Gegenüberstellung des gefälschten Bildes (links, Screenshot Facebook) und des Originalbildes (rechts, Bild von Hannes Sallmutter, Airbp, CC BY-SA 3.0)

von Cristina Helberg

Auf Facebook kursiert ein Bild, das einen Beweis für Chemtrails liefern soll. Es ist gefälscht.

Eine Facebooknutzerin veröffentlichte am 7. November ein Bild eines Fahrzeuges an einem Flughafen. Darauf soll der Schriftzug „chemtrailzusatz” zu sehen sein. Fast 900 Nutzer teilten das Bild.

Eine Bilderrückwärtssuche bei Google ergibt schnell zwei Erkenntnisse. Erstens: Das Bild ist manipuliert. Zweitens: Faktenchecker von Mimikama aus Österreich haben das bereits aufgeklärt.

Das gefälschte Bild (Screenshot Facebook)

Durch die Rückwärtsbildersuche bei Google stoßen wir auf das Originalbild in der Datenbank von Wikipedia. Demnach wurde es im Jahr 2008 aufgenommen und zeigt eine „Flugzeug-Betankung am Flughafen Wien-Schwechat”. Auf dem Originalbild ist keine Spur des Wortes „Chemtrailzusatz”.

Das Originalbild in der Wikipedia Datenbank (Screenshot, Originalbild Hannes Sallmutter, Airbp, CC BY-SA 3.0)
Unsere Bewertung:
Das Bild ist gefälscht.

Bewertung: teilweise falsch

Zockt die Stadt Dortmund Obdachlose ab und verdient so 8.000 Euro am Tag? Nein.

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Die Stadt Dortmund verhängt Bußgelder gegen Obdachlose. (Symbolbild: Martin Adams/ Unsplash)

von Cristina Helberg

Aber die Stadt verteilt Strafzettel an Obdachlose. Was dahinter steckt, erklären wir im Faktencheck.

Im Februar 2018 sorgte eine Schlagzeile der Ruhrnachrichten bundesweit für Aufsehen. „Knöllchen für die Nacht auf Dortmunds Straßen” stand dort. In dem Artikel berichtete die Zeitung über die Praxis der Stadt Dortmund, von Obdachlosen Bußgelder zu verlangen, wenn sie draußen übernachten. Seitdem haben verschiedene Zeitungen und Blogs das Thema aufgegriffen. Aktuell verbreitet sich in Sozialen Netzwerken wieder ein Bild mit mehreren Behauptungen zu dem Thema. Was stimmt?

Konkret werden auf dem Bild drei Behauptungen aufgestellt. Wir haben zu jeder Behauptung die Stadt Dortmund und den gemeinnützigen Verein bodo e.V. aus Dortmund befragt, der Wohnungslose unterstützt.  

Screenshot Facebook

1. Behauptung: Obdachlose müssen 20 Euro Strafe pro Tag zahlen, wenn sie beim draußen schlafen erwischt werden

Die Stadt Dortmund bestätigt gegenüber CORRECTIV, dass sie Verwarngelder in Höhe von 20 Euro verhängt. Damit reagiere sie auf die Beschwerden von Anwohnern und Gewerbetreibenden. Grund sei, dass „Menschen in den Haus- oder Geschäftseingängen übernachten, urinieren und ihre Notdurft verrichten”. Die Stadt betont, das Verwarngeld werde nicht pro Tag fällig, sondern dann, wenn es ausgesprochen werde. Nicht immer komme es sofort zu einer Geldstrafe. Zunächst versuche man immer die Personen aufzuklären.

Auch der Verein bodo e.V. bestätigt uns, dass die Stadt den 7. Paragraphen der Ordnungsbehördlichen Verordnung durchsetze, der das Lagern, Campieren und Übernachten im öffentlichen Raum untersagt. „Das Dortmunder Ordnungsamt setzt diesen Paragrafen um: durch mündliche Verwarnungen, Verwarngelder von 20 Euro aufwärts oder Bußgeldverfahren, die dann noch einmal teurer werden. Es handelt sich dabei unseren Informationen nach aber nicht um eine Art Tagespauschale, sondern es zählt jeder Verstoß”, schreibt der Verein.

Fazit: Ja, die Stadt Dortmund verhängt Verwarngelder gegen Obdachlose.

2. Behauptung: 500 Obdachlosen stehen nur 100 Plätze in der Notunterkunft zur Verfügung

In diesem Punkt gehen die Angaben der Stadt und des Vereins bodo e.V. etwas auseinander. Beide gehen aber von mindestens 100 Plätzen in Notunterkünften aus.

Die Stadt spricht von insgesamt 266 Unterbringungsplätzen. Dazu zählt die Stadt neben Notschlafstellen auch drei Häuser, in denen bis zu 136 Personen unterkommen können. Hinzu komme eine „flexible Anzahl von Plätzen in Wohnungen aus dem sogenannten Wohnraumvorhalteprogramm, die –  je nach Bedarf – zur Unterbringung genutzt werden können“.

Der Verein bodo e.V. geht von 105 bis 122 regulären Schlafplätzen aus – ohne die drei zusätzlichen Häuer. Diese Zahlen beruhen auf Angaben der Stadt. Die aktuellsten Zahlen, die dem Verein vorliegen, sind allerdings einige Monate alt. Die zwei Stellen machen also leicht unterschiedliche Angaben.

Leben in Dortmund 500 Obdachlose? Auch bei dieser Frage gehen die Angaben auseinander. Die Stadt geht von schätzungsweise 400 Obdachlosen in Dortmund aus. bodo e.V. schreibt: „Die Zahl der Obdachlosen, kann nur geschätzt werden, da eine Obdachlosenstatistik nicht existiert. Offizielle Stellen in Dortmund gehen mal von 300 bis 400 Menschen aus, andere von 400 bis 500. Wir gehen davon aus, dass die tatsächliche Zahl merkbar höher ist.”

Fazit: Die Zahl der Obdachlosen lässt sich nur schätzen. bodo e.V schätzt die Zahl höher als 500, die Stadt auf 400. Bei den Schlafplätzen nennt die Stadt 130 plus drei weitere Häuser mit 136 Plätzen. bodo e.V zählt auf Grundlage älterer Daten zwischen 105 und 122 Plätze.

3. Behauptung: Dortmund hat eine geniale Geschäftsidee. Die Stadt kann so jeden Tag 8.000 Euro einnehmen.

„Diese Zahl kann die Stadt Dortmund nicht bestätigen und sie entbehrt jeder Grundlage”, schreibt die Stadt Dortmund auf unsere Nachfrage. Wie kommt die Zahl 8.000 Euro zustande? Offenbar hat jemand so gerechnet: 500 Obdachlose haben 100 Schlafplätze zur Verfügung. Bleiben 400 Personen übrig, die draußen übernachten müssen. Wenn die Stadt jede dieser Person verwarnt, kommen 400 x 20 Euro zusammen. Das wären 8.000 Euro. Allerdings wird diese Rechnung in der Praxis nicht umgesetzt.

Auf Nachfrage erklärt die Stadt, dass es im Jahr 2017 insgesamt 400 ordnungsbehördliche Maßnahmen gab. Darunter fallen Ansprachen, Verwarnungen und Verwarngelder. In diesem Jahr wurden bisher 450 Maßnahmen vorgenommen. Wie viele davon Verwarngelder waren, erhebt die Stadt laut eigener Aussage nicht. bodo e.V. schreibt: „Verwarngelder gegen Obdachlose sind definitiv keine Ausnahme. Wir müssen von mehreren hundert Anzeigen gegen Obdachlose allein in diesem Jahr ausgehen.“

Zwar würden nicht alle Obdachlosen gleich ein Knöllchen bekommen, aber Betroffene berichteten von Vertreibungen, auch von Plätzen, an denen sie nicht „stören“.

Die Aussage mit der Geschäftsidee und den angeblichen 8.000 Euro möglichen Gewinn pro Tag hält aber auch der Verein für falsch. „Allein schon deshalb, weil aus unserer Erfahrung viele Betroffene eine solche Strafe gar nicht zahlen können. Platt gesagt: Wer 20€ hätte, um ein Knöllchen fürs Draußenschlafen zu zahlen, hätte auch das Geld für die Notunterkunft oder ein Hostelzimmer.”

Genau das ist aus Sicht des Vereins aber auch die Problematik: „Erhalten Obdachlose Verwarn- und Bußgelder, die sie nicht zahlen können, riskieren sie im schlimmsten Fall Ersatzfreiheitsstrafen. Indem sie Recht durchsetzt, nimmt die Stadt Dortmund also in Kauf, dass Menschen für ihre Obdachlosigkeit ins Gefängnis gehen.”

Fazit: Ein Gewinn von 8.000 Euro am Tag durch Strafzettel für Obdachlose ist in der Praxis laut Stadt und bodo e.V.  falsch.

Korrektur, 15.11.2018: Die Bewertung wurde zwar unter dem Text richtig anzeigt, nicht jedoch über der Titelzeile. Es muss heißen „teilweise falsch”, nicht „größtenteils falsch”. Das haben wir korrigiert.

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Die Stadt Dortmund verhängt Bußgelder gegen Obdachlose. Sie macht damit aber keine 8.000 Euro Gewinn am Tag.

Bewertung: größtenteils richtig

Vermisstes Mädchen aus Esslingen ist wieder aufgetaucht

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Das vermisste Mädchen ist wieder aufgetaucht. (Symbolbild, Free-Photos / pixabay)

von Cristina Helberg

Auf Facebook kursiert das Foto eines Mädchens, das angeblich vermisst wird. Doch es ist längst wieder aufgetaucht.

Ein Nutzer teilte das Bild am 7. November. Bisher wurde der Beitrag 1.897 Mal geteilt. Genau am 7. November tauchte Angelina (14) aus Esslingen wieder auf. Das erklärt die zuständige Polizeibehörde auf Nachfrage von CORRECTIV. „Das Mädchen ist seit knapp einer Woche wieder da. Die Meldung ist deshalb nicht mehr aktuell”, sagt Jochen Englisch, Leiter der Kriminalpolizei Esslingen. Er stellt außerdem klar: Das Bild, mit dem Angelina in Sozialen Medien gesucht wurde, stammt nicht von der Polizei. Die Familie des Mädchens habe das Bild bei Instagram geteilt. „Als das Mädchen wieder da war, hatte sich das Bild längst viral verbreitet.” In den Kommentaren unter dem Facebookpost wiesen mehrere Nutzer daraufhin, dass das Mädchen mittlerweile nicht mehr vermisst wird.

Screenshot des Facebookposts (Schwärzung durch CORRECTIV)

Einen öffentlichen polizeilichen Fahndungsaufruf hat es der Polizei zufolge nicht gegeben. In der Zwischenzeit habe die Polizei Hinweise gehabt, dass es dem Mädchen gut gehe.

Unsere Bewertung:
Die Vermisstenmeldung ist nicht mehr aktuell. Am selben Tag an dem das Mädchen wieder auftauchte, erschien auch der Facebook-Post

Bewertung: richtig

Diese Abgeordneten stimmten 1997 gegen die Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe

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Der deutsche Bundestag während einer Haushaltssitzung am 4. Juli 2018. (Symbolfoto, Omer Messinger / AFP)

von Cristina Helberg

Wer stimmte 1997 im Bundestag dagegen, dass Vergewaltigung in der Ehe strafbar wird? Ein Liste verschiedener Politiker kursiert aktuell in Sozialen Netzwerken.

Die Seite „Twitterperlen” teilte Anfang November die Aussage: „Gegen die Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe stimmten 1997 im Bundestag 138 Abgeordnete. Darunter war neben Volker Kauder und Horst Seehofer übrigens auch Friedrich Merz”. Der Tweet stammt ursprünglich von dem Twitter-Nutzer Ferdinand Scholz.

Screenshot Facebook

Die Aussage ist richtig. Das veröffentlichte Protokoll der Sitzung des Deutschen Bundestages vom 15. Mai 1997 listet auf, welche Abgeordneten mit Ja und welche mit Nein stimmten. Die Nein-Stimmen sind auf Seite 15800 zu sehen. Mit Nein stimmten nur Abgeordnete der CDU, CSU und FDP. Darunter die Abgeordneten Volker Kauder, Horst Seehofer und Friedrich Merz. Insgesamt gab es 138 Nein-Stimmen.

Streit vor der Abstimmung

Allerdings hatte die Abstimmung eine lange Vorgeschichte. Zwischen den Parteien war im Vorfeld ein Streit um eine sogenannte Widerspruchsklausel entbrannt. Die Klausel sah vor, dass eine Anzeige im Nachhinein durch das mutmaßliche Opfer zurückgezogen werden könnte. Kritiker befürchteten, dass Vergewaltigungsopfer so von Tätern unter Druck gesetzt werden könnten, ihre Anzeige zurückzunehmen.

Weil in dem Punkt keine Einigung in Sicht war, brachten verschiedene Abgeordnete schließlich einen sogenannten „Gruppenantrag” ohne die kontrovers diskutierte Widerspruchsklausel ein. Darüber stimmten die Abgeordneten dann ohne Fraktionszwang ab. Ein Gruppenantrag ist ein Antrag von verschiedenen Abgeordneten der Regierungsfraktion und der Opposition über Parteigrenzen hinweg.

Die 138 Nein-Stimmen waren offenbar teilweise auch der Diskussion um die Widerspruchsklausel geschuldet. Ob die aufgelisteten Politiker gegen das Gesetz im Allgemeinen stimmten oder weil sie das Gesetz ohne Widerspruchsklausel nicht abnicken wollten, ist aus dem Dokument nicht ersichtlich.

Unsere Bewertung:
Das ist richtig. Volker Kauder, Horst Seehofer und Friedrich Merz stimmten dagegen.

Bewertung: falsch

Kein Schweinefleisch mehr? Das Bild einer Frau zu einer Aussage, die sie nie gemacht hat

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Soll es mehr schweinefleischfreie Menüs geben? Die Frau auf dem Bild hat das jedenfalls nicht gefordert. (Symbolbild: Free-Photos / Pixabay)

von Tania Röttger

Eine Frau mit Kopftuch illustriert die angebliche Forderung nach weniger Menüs mit Schweinefleisch. Die Frau existiert, die Aussage jedoch nicht.

Auf dem Bild sieht man eine Frau mit Kopftuch. Darunter steht: „Muslima: Wir fordern mehr Schweinefleischfreie Menüs, oder wir werden Deutschland wieder verlassen“. In der zweiten Bildhälfte macht eine blonde Frau die Tür auf, in der Sprechblase steht: „Das ist ja großartig! Hier ist die Tür“.

Screenshot von Facebook

Das Bild wurde am 1. November gepostet, seitdem wurde es mehr als 13.000 Mal geteilt. Kommentare reichen von  „Was ein fake Bild“ über Schweine-Emojis zu Bildern von Braten.

Wer sind die Frauen?

Wer einen Screenshot des Bildes der oberen Frau bei der Google-Bildersuche hochlädt, findet schnell heraus, dass die Frau Ginella Massa heißt und die erste Nachrichtensprecherin im kanadischen Fernsehen war, die ein Kopftuch trägt.

Das Bild stammt aus einem Artikel der New York Times von Dezember 2016.

Screenshot von der New York Times

CORRECTIV schrieb Massa auf Twitter an. Sie antwortete: „Das ist die bizarrste Fake News die ich je gesehen habe, und dass mein Gesicht damit verbunden ist, ist verstörend.“

Sie wohne in Toronto und habe definitiv nie schweinefleischfreie Menüs in Deutschland gefordert. Andererseits finde sie, dass jede Person angemessene Essens-Wünsche stellen dürfen sollte, ohne dafür dämonisiert zu werden.

Screenshot von Massas Antwort auf Twitter

Auch die blonde Frau taucht bei der Bildersuche auf. Auf der Webseite „baulinks.de“ bebildert sie eine Meldung über Türen, die sich nur „durch Berühren“ öffnen.

Forderungen nach weniger Schweinefleisch?

Immer wieder gibt es Behauptungen, Muslime würden schweinefleischfreies Essen fordern. Das österreichische Faktencheck-Projekt Mimikama widerlegte im Februar 2015 zum Beispiel die Meldung, dass die Schulmensen in einer kanadischen Stadt kein Schweinefleisch mehr servieren sollten.

Andersherum gab es aber auch die Forderung, Kantinen zu verpflichten, Schweinefleisch zu servieren. Die Forderung stellten die CDU und Junge Union Schleswig-Holstein im März 2016.

Unsere Bewertung:
Falsch. Die Personen auf dem Bild haben nichts mit einer Forderung nach schweinefleischfreien Menüs zu tun.