Faktencheck

Ja, der Berliner Senat hat bereits bewohnte Unterkünfte für geflüchtete Menschen aus der Ukraine geräumt

Im Stadtbezirk Berlin-Reinickendorf stehen sogenannte Tempohomes – das sind Wohncontaineranlagen zur Unterbringung von Geflüchteten. Um Platz für Menschen aus der Ukraine zu schaffen, räumte der Senat kurzfristig mehrere Unterkünfte, in denen Asylbewerber lebten. Sie mussten in andere Unterkünfte ziehen.

von Sarah Thust

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Das Foto zeigt „Tempohomes“ in Berlin – in ähnlichen Unterkünften sollen Ankommende aus der Ukraine untergebracht werden (Symbolbild: Picture Alliance / Rolf Kremming)
Behauptung
Um Kapazitäten für Neu-Ankommende aus der Ukraine zu schaffen, habe der Berliner Senat Unterkünfte in Reinickendorf für Geflüchtete geräumt – die Menschen mussten demnach innerhalb von 24 Stunden raus.
Bewertung
Richtig. Es stimmt, dass Anwohner die „Tempohomes“ im Stadtteil Reinickendorf kurzfristig räumen mussten. Sie zogen in neue Unterkünfte um.

In Sozialen Netzwerken wurde ein Tweet von dem Grünen-Politiker Tareq Alaows vom 4. März häufig geteilt. Der Politiker schrieb: Um Kapazitäten für Neu-Ankommende aus der Ukraine zu schaffen, habe der Berliner Senat die „Tempohomes“ in Reinickendorf geräumt. Die Familien seien teils so weit weg untergebracht worden, dass die Kinder nicht mehr in ihre alten Schulen könnten. Mindestens eine Familie sei dabei getrennt worden.

Als „Tempohomes“ werden Wohncontaineranlagen zur Unterbringung von Geflüchteten bezeichnet. Tatsächlich berichtete auch der Verein Flüchtlingsrat Berlin e.V. auf Facebook über die Räumung in Reinickendorf: „Geflüchtete, die seit Jahren dort leben, müssen ihre Unterkünfte innerhalb von 24 Stunden verlassen.“

Die Berliner Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales reagierte auf den Tweet von Alaows und schrieb, es handele sich um eine „Notmaßnahme“. Wie die Familien untergebracht wurden, schrieb die Senatsverwaltung aber nicht.​​

In dem Tweet heißt es, dass Geflüchtete in Berlin ihre Unterkünfte verlassen mussten – und umzogen
Dieser Tweet zur Situation Geflüchteter in Berlin von dem Grünen-Politiker Tareq Alaows verbreitete sich schnell in Sozialen Netzwerken (Quelle: Facebook / Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Berliner Senat: Eine Familie sei „übergangsweise“ getrennt worden

Auch lokale Medien wie die Berliner Zeitung schrieben, dass Menschen aus den „Tempohomes“ in Reinickendorf umziehen mussten. 

Wir fragten bei der Senatsverwaltung nach, wie viele Menschen die Wohnanlage verlassen mussten und ob dabei Familien getrennt wurden. Ein Sprecher der Senatsverwaltung antwortete, dass in den „Tempohomes“ in Reinickendorf 200 Personen untergebracht gewesen seien. „Sie wurden am 2. und 3. März über den anstehenden Umzug informiert und erhielten am 3. März ein personalisierten Schreibens [sic] mit der Adresse ihrer neuen Unterkunft in Berlin.“ Für die Umzüge seien den Bewohnenden Busse durch das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) zur Verfügung gestellt worden.

Der Sprecher bestätigte, dass eine Familie „übergangsweise“ getrennt, inzwischen aber wieder zusammengeführt worden sei. 58 der 200 Personen seien direkt im Bezirk untergebracht worden, „um die sozialen Bezüge (Schule, Kita, andere) zu wahren“; die übrigen Menschen wurden in anderen Teilen der Stadt untergebracht. Für die Geflüchteten aus der Ukraine seien darüber hinaus weitere „Tempohomes“ kurzfristig freigezogen worden.

Die Senatsverwaltung begründete die Räumung damit, dass es wichtig sei, dass die Menschen aus der Ukraine in „wenigen, für diese Gruppe definierten Unterkünften“ lebten. Dies erleichtere die unmittelbare Versorgung und die Verteilung in andere Bundesländer. 

Insgesamt gibt es laut Senatsverwaltung 83 landeseigene Unterkünfte in Berlin, in denen aktuell 22.000 geflüchtete Menschen leben. 

Redigatur: Viktor Marinov, Uschi Jonas

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