
Liebe Leserinnen und Leser,
vielleicht geht es Ihnen ähnlich wie mir: Wann immer irgendwo in Deutschland ein größerer Stromausfall oder eine Überschwemmung gemeldet wird, merke ich, wie schlecht ich selbst eigentlich auf eine Notlage vorbereitet bin.
Ich habe weder Trinkwasservorräte angelegt, noch eine batteriebetriebene Taschenlampe oder ausreichend Bargeld im Haus. Geschweige denn Lebensmittel für zehn Tage. Dabei gibt es eine sehr gute Handreichung des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, die Sie sich hier herunterladen können. Darin wird genau beschrieben und aufgelistet, wie sich jeder Haushalt auf Stromausfall oder Naturkatastrophen vorbereiten sollte.
Doch nicht nur viele Privatpersonen scheinen schlecht vorbereitet zu sein, sondern – und das ist natürlich viel fataler – auch bei den Landkreisen und kreisfreien Städten hapert es in der Krisenvorsorge: Meine Kolleginnen Lilith Grull, Katarina Huth, Frida Thurm und mein Kollege Johannes Gille haben heute eine große Recherche dazu veröffentlicht, wie gut – oder eher schlecht – die 401 Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland auf den Katastrophenfall vorbereitet sind. Darum geht es heute im Thema des Tages.
Volle Kellerregale oder eher gähnende Leere im Vorratsschrank: Wie gut sind Sie auf eine Krise vorbereitet? Schreiben Sie mir gerne an elena.mueller@correctiv.org
Nun noch zu einem anderen Thema: Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung ist es für neun von zehn Kindern und Jugendlichen wichtig, Geld für Aktivitäten mit Freunden zu haben. Doch was, wenn das Geld nicht reicht? Unsere Jugendredaktion Salon5 will wissen, welche Rolle Geld unter Jugendlichen spielt. Deshalb ist sie auf Ihre Erfahrungen (oder die Ihrer Kinder oder Enkelkinder) angewiesen. Machen Sie bei unserer Umfrage im Salon5-Crowd-Newsroom mit!
Falls Sie Fans unseres CORRECTIV-Podcasts „Was zählt“ sind und sich wundern, wo die Folgen von gestern und heute abgeblieben sind: Die Sicherheitslücke in der Programmsprache PHP hat leider auch Auswirkungen auf die Hostingplattform unseres Podcasts und wir können gerade keine neuen Folgen hochladen.
Thema des Tages: Im Ernstfall wirds schnell zappenduster
Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste
Fun Facts – der satirische Blick auf die Nachrichtenlage: Kann KI kreativ sein?
Cartoon-Arena: Erstmals AfD in Machtpositionen
Leserfrage der Woche: Sollte man als Tourist noch nach Sachsen-Anhalt fahren?
Faktencheck: Argentinien unter Milei: Wie sich die Wirtschaftszahlen wirklich entwickelt haben
CORRECTIV ganz persönlich: Kriminelle Machenschaften mit Müll
Sicher erinnern sich viele an die Fälle der jüngsten Vergangenheit: Den großflächigen Stromausfall nach einem Sabotageakt in einem Hochspannungskabel in Berlin im Januar dieses Jahres, bei dem rund 45.000 Haushalte und 2.200 Betriebe im Südwesten der Stadt für vier Tage bei eisigen Temperaturen ohne Strom und Heizung waren. Oder die fürchterliche Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen im Juli 2021, bei der allein im Ahrtal 135 Menschen ums Leben kamen.
Lücken bei der Infrastruktur:
Jedes Mal nach einem solchen Ereignis gibt es politische Debatten darüber, dass die Krisenvorsorge in Deutschland verbessert werden muss und Appelle an die Bürgerinnen und Bürger, sich privat gut vorzubereiten.
In einer großen Umfrage unter allen 401 Landkreisen und kreisfreien Städten in Deutschland hat CORRECTIV nun abgefragt, wie gut es deutschlandweit um die Krisenvorsorge bestellt ist. Die Bilanz: Die Versorgung der Menschen im Ernstfall, zum Beispiel bei großflächige Stromausfällen, sogenannten Blackouts, oder Umweltkatastrophen ist lückenhaft.

Demnach haben 106 Kommunen bereits Maßnahmen aus einem Handlungsplan für Krisen umgesetzt. Weitere 97 haben einen solchen Plan bislang lediglich erarbeitet. 38 Orte haben angegeben, keine konkrete Planung vorliegen zu haben, bei den übrigen 160 ist unklar, ob eine existiert.
Die Gefahr durch Klimafolgen steigt
Insgesamt haben 266 der 401 Befragten inhaltliche Antworten zur Umfrage eingereicht; davon haben gut drei Viertel Fragen zu Klimafolgen beantwortet. Der Großteil von ihnen erwartet, dass der Klimawandel künftig Extremwetter verstärkt und dadurch Kosten steigen. Besonders Starkregen sowie Stürme, Hitzewellen, Flutkatastrophen und Dürren gelten als Risiken.
Zugleich sehen sie Nachholbedarf bei der Vorbereitung auf Sabotage und großflächige Stromausfälle. Solche Ereignisse können Mobilfunk, Verkehr und Versorgung lahmlegen. Es fehlen unter anderem belastbare Infrastrukturen und eine gesicherte Notstromversorgung – die auch für Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Einsatzkräfte in Krisen relevant sind.
Der Deutsche Landkreistag bewertet die Ergebnisse der Anfrage von CORRECTIV als „ernstes Signal“:
Sie unterstreichen, wie dringend die finanzielle und personelle Leistungsfähigkeit des Bevölkerungsschutzes gestärkt werden muss.
Es mangelt auch am Personal…
… denn ohne geschulte Einsatzkräfte, auch aus dem Ehrenamt, wird es im Krisenfall eng. 137 Landkreise und kreisfreie Städte haben in der Umfrage angegeben, dass die ehrenamtliche Personalversorgung gesichert sei, bei 65 sei sie teilweise, bei 20 nicht geklärt. Der Bevölkerungsschutz ist auf Ehrenamtliche angewiesen, die in Mehrfachkrisen an verschiedenen Orten gleichzeitig benötigt werden können.
Und jetzt kommen Sie ins Spiel:
„Die Zivilbevölkerung muss stärker zur Vorsorge beitragen“, appelliert Dennis Wolf, Referent für Lage- und Stabsausbildung beim Technischen Hilfswerk (THW) in Bonn. Niemand solle erwarten, dass beim Stromausfall „innerhalb von 15 Minuten jemand kommt, um das Licht wieder anzuschalten oder Essen zu bringen.“ Wer sich zunächst selbst helfen könne, entlastet die Einsatzkräfte für Menschen, die dringend Unterstützung benötigen, so Wolf.
Den ganzen Text zur Krisenvorsorge-Recherche und zur Methodik der Umfrage können Sie hier lesen.
Gericht verurteilt US-Konzern Meta zu Milliardenstrafe
Ein Gericht im US-Bundesstaat New Mexico hat den Internetkonzern Meta zu einer Geldstrafe von 25 Milliarden Dollar verurteilt. Dem Facebook-Mutterkonzern wurde vorgeworfen, seine Nutzer über die eigenen Datenschutzpraktiken getäuscht und gegen Verbraucherschutzgesetze verstoßen zu haben. Hintergrund ist der Datenmissbrauchs-Skandal um Cambridge Analytica, der im Jahr 2018 bekannt geworden ist. Das britische Unternehmen hatte unter anderem Donald Trump in seinem Wahlkampf 2016 mit gezielter Wahlwerbung unterstützt – auch mit Hilfe von illegal erhaltenen Daten von 87 Millionen Facebook-Nutzern.
faz.net
CDU-Politiker will bei Ministerpräsidentenwahl im Saal bleiben
Der frühere CDU-Fraktionschef im sachsen-anhaltischen Landtag, Guido Heuer, will bei der Wahl des Ministerpräsidenten nicht den Plenarsaal verlassen. Damit stellt er sich gegen einen Beschluss seiner Fraktion. Die hatte angekündigt, bei der Wahl im Dezember geschlossen aus dem Saal zu gehen.
mdr.de
Bürgergeld-Reform entlastet den Haushalt nicht
Die Kosten für die Grundsicherung inklusive Mieten lagen im Zeitraum von Juli bis September auf dem Vorjahresniveau. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf Monatsberichte des Bundesfinanzministeriums. Demnach beliefen sich die Ausgaben auf monatlich 3,3 bis 3,5 Milliarden Euro – im Vorjahreszeitraum waren es 3,4 bis 3,5 Milliarden Euro gewesen. Die Union hatte im Wahlkampf versprochen, durch eine Reform des Bürgergelds Milliarden zu sparen.
deutschlandfunk.de / sueddeutsche.de (€)

Neueste CORRECTIV-Recherchen

Strategien, Kontoauszüge und Adresslisten: Was im AfD-Leak steckt
Hacker haben eine große Datensammlung aus dem Inneren der AfD veröffentlicht. CORRECTIV hat Teile der Mails und Daten gesichtet: „Antifa“-Liste, Russland-Reisen, Umgang mit dem Verfassungsschutz – eine Übersicht zum Leak.
correctiv.org
Bundesschülerkonferenz schließt sich Gen-Z-Protest an
Der bundesweite Protest für bessere Bildung am 31. Oktober wird von extremistischen Akteuren vereinnahmt. Die Schülerinnen und Schüler wollten sich dadurch nicht hindern lassen, dort ihre Stimme zu erheben.
correctiv.org

KI kann Bilder erzeugen, aber kann sie auch kreativ sein? Cartoonist „Totaberlustig“ spricht darüber, wie menschliche Werke für KI-Training genutzt werden und welche Rechte Künstler:innen gegenüber den großen KI-Anbietern haben sollten:
tube.funfacts.de

Cartoon-Arena

Seit wenigen Wochen stellt die AfD das erste Mal einen Landtagspräsidenten, womöglich bald auch einen Ministerpräsidenten. Die Cartoon-Arena thematisiert die neue politische Landschaft in Sachsen-Anhalt mit spitzem Stift. Heute mit einem Beitrag von Stephan Rürup. Am Samstag können Sie Ihren Lieblingscartoon wählen.
Diesen Cartoon teilen:

Leserfrage der Woche

Martin V. fragt: Sollte man nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt weiterhin dort hinreisen?
Nachdem die AfD die Landtagswahl im September mit knapp 44 Prozent gewonnen hat, wurde viel darüber diskutiert, was das nun für das Bundesland bedeutet. Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik wurde dort ein gesichert rechtsextremer Parteilandesverband zur stärksten Kraft gewählt. AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund plant, sich im Dezember zum Ministerpräsidenten wählen zu lassen, ob das gelingt, ist derzeit unklar.
SPOTLIGHT-Leser Martin V., treibt dieses Thema um und er hat uns deshalb gefragt, ob man weiterhin nach Sachsen-Anhalt reisen sollte, etwa um Urlaub zu machen oder Freunde zu besuchen?
Natürlich ist diese Frage sehr zugespitzt, dennoch haben wir bei denen nachgefragt, für die genau diese Problematik gerade relevant ist: Der Tourismusverband Sachsen-Anhalt sagte uns auf Nachfrage, dass er die Bedenken ernst nehme. Auch die Branche sei nach den Wahlergebnissen verunsichert und fordere Planungssicherheit. Bei den Betrieben seien allerdings bisher nur vereinzelte Stornierungen eingegangen. „Wir schauen gespannt darauf, wie sich die Zahlen in den nächsten Monaten entwickeln. Unsere Partner in den Kulturinstitutionen schildern uns zudem eine große Welle der Solidarität“, so der Verband. Sachsen-Anhalt sei ein Reiseland für alle und man setze alles daran, dass Sachsen-Anhalt ein attraktives Reiseland bleibe. „Innerhalb der Branche debattieren wir intensiv darüber, wie wir klarstellen können, dass unsere Kernwerte wie Gastfreundschaft, Vielfalt und Weltoffenheit durch die Wahl nicht ansatzweise in Mitleidenschaft gezogen wurden.“
Für Werte wie Vielfalt und Weltoffenheit setzt sich auch der Verein „Miteinander“ ein. Einer der Verantwortlichen dort ist Pascal Begrich. Er teilte uns auf Anfrage mit, dass zwar viele Menschen die AfD gewählt haben und das Ergebnis die Stimmen stärke, „die Ostdeutschland als verlorenes Land für die Demokratie abgeschrieben haben“. Aber Begrich betont auch, dass mehr als die Hälfte der Wählerinnen und Wähler für andere Parteien gestimmt haben. Zu ihnen gehörten auch Menschen, die sich tagtäglich engagierten. „Es sind diese Vielen, die das freundliche Sachsen-Anhalt repräsentieren. Es sind diese Vielen, für die es sich lohnt, weiter nach Sachsen-Anhalt zu kommen“, so Begrich. Er wirbt daher weiterhin für Solidarität und Unterstützung von außerhalb.
Haben Sie auch eine Leserfrage, die wir beantworten sollen? Schreiben Sie uns gern an: tristan.devigne@correctiv.org.

Unter Javier Milei gingen Armut und Inflation in Argentinien zurück. Doch in Sozialen Netzwerken genannte Zeiträume sind irreführend.
correctiv.org
So geht’s auch
Zuschauerrang statt Schulbank? Das geht – und zwar auf Schalke. Das Projekt „Schalke macht Schule“ greift Themen auf, die im klassischen Lehrplan meist nicht direkt zu finden sind. Die Themen siedeln sich in den Bereichen Demokratieförderung, Anti-Diskriminierung, soziale Kompetenzen oder Zivilcourage an und wechseln immer wieder. Aktuell geht es um Fast Fashion und Nachhaltige Mode.
zdfheute.de
Endlich verständlich
In knapp zwei Wochen stehen in den USA Wahlen an, nämlich die sogenannten Midterms, also Zwischenwahlen. Sie gelten als wichtiger Stimmungstest für den amtierenden Präsidenten. Wer genau bei den Midterms gewählt wird, welche Themen die Amerikanerinnen und Amerikaner umtreiben und was man sonst noch zu den Wahlen wissen sollte, beantwortet die Tagesschau in diesem FAQ.
tagesschau.de
Fundstück
Wie trainiert man eigentlich sein Gehirn – auch im Alter? Eine Möglichkeit sind offenbar soziale Kontakte. Zu diesem Schluss kommt eine internationale Studie mit Teilnehmenden aus 24 Ländern. Die Forschenden fanden heraus, dass Menschen, die gesellschaftlich aktiv waren, also sich etwa in Vereinen einbrachten oder ehrenamtlich engagierten, besser bei Gedächtnis- und Denktests abschnitten. Mehr dazu lesen Sie bei MDR Wissen.
mdr.de
Manchmal braucht man als investigativer Journalist auch Glück. Das hatte ich: Mir wurden Informationen zu krummen Geschäften im rheinischen Tagebau Garzweiler zugespielt. Seit 2024 ist bekannt, dass in Garzweiler mutmaßlich giftige Erdmassen illegal entsorgt wurden. Die Informationen zeigen nun, dass auch Korruption im Spiel gewesen sein soll.
Ausgerechnet Garzweiler – der Tagebau ist seit Jahrzehnten ein politischer Zankapfel ersten Ranges. Ganze Dörfer wurden abgerissen, Menschen enteignet und umgesiedelt, um der Förderung von Braunkohle Platz zu machen. Ganz zu schweigen von den Folgen für Klima und Umwelt. Jetzt gibt es auch noch einen Giftmüll- und Korruptionsskandal.
Doch Garzweiler ist nur die „Spitze des Müllbergs“. Am Landgericht Dortmund verfolge ich einen Prozess, der sich ebenfalls mit illegaler Entsorgung befasst. Im Kreis Heinsberg nahe der niederländischen Grenze und im niederrheinischen Kamp-Lintfort gibt es gleich mehrere Orte, die betroffen sein sollen. Erst vor rund zwei Wochen gab es eine Razzia bei einer Unternehmensgruppe in Essen. Es geht dabei immer um kontaminierte Erde. Ein Teil des belasteten Materials soll von einer Großbaustelle der Deutschen Bahn stammen.
Wenn auch Sie mir Informationen zu den geschilderten Fällen anvertrauen oder andere Umweltskandale ans Licht der Öffentlichkeit bringen wollen, dann schreiben Sie mir gern: michael.billig@correctiv.org

Wahlrecht auf Landes- und Kommunalebene auch für Nicht-EU-Staatsangehörige? Dieser Vorschlag im Sondierungspapier von Linken, Grünen und SPD in Berlin sorgt derzeit für Aufregung. Die Grafik des Tages zeigt eine Auswahl an Ländern (mit Schwerpunkt EU), in denen es solche Regelungen bereits gibt. Besonders weit reicht sie in Neuseeland, wo dauerhaft Wohnende auch auf nationaler Ebene wählen können. In Deutschland hingegen gilt bislang nur das kommunale Wahlrecht für EU-Bürgerinnen- und Bürger. Warum es sehr unwahrscheinlich ist, dass sich dies ändert, haben wir gestern hier berichtet:
correctiv.org
An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Karolin Arnold, Minou Becker, Till Eckert, Jacob Gehring und Sebastian Haupt.
CORRECTIV arbeitet anders
Investigativer Journalismus braucht Zeit, Ausdauer und Geld. Gerade die wichtigsten Recherchen sind oft die aufwendigsten: langwierig, kompliziert, unbequem. CORRECTIV kann dranbleiben, weil Menschen wie Sie uns unterstützen – unabhängig, gemeinwohlorientiert und spendenfinanziert.


