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Cristina Helberg

Faktencheckerin

Im CORRECTIV.Faktencheck-Team recherchiert Cristina zu Desinformation im Netz und deckt fast täglich Falschnachrichten auf. Für die Faktencheck-Community-Redaktion Checkjetzt bildet sie Interessierte in Verifikation und Recherche aus. Für die NRW-Redaktion von CORRECTIV recherchierte sie zum Medizinskandal um unterdosierte Krebsmedikamente aus Bottrop und begleitete den anschließenden Gerichtsprozess, oft als einzige Journalistin im Saal. 2019 absolvierte Cristina eine Weiterbildung in investigativer Recherche an der Columbia University in New York. 2018 wurde sie vom Medium Magazin als “Top 30 bis 30″- Nachwuchsjournalistin ausgezeichnet. Vorher reiste sie um die Welt, studierte Lateinamerikanistik auf Kuba und in Köln, absolvierte die Zeitenspiegel Journalistenschule und arbeitete als freie Journalistin.

E-Mail: cristina.helberg(at)correctiv.org

SWITZERLAND WORLD ECONOMIC FORUM WEF 2019
Bill Gates am 22. Januar 2019 auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos in der Schweiz. Einen Tag später gab er dem Fernsehsender CNBC ein Interview. (Symbolfoto: picture alliance/KEYSTONE)

von Cristina Helberg

In der Telegram-Gruppe „QAnons Channel Germany“ wird ein aus dem Kontext gerissenes Zitat von Bill Gates verbreitet. Angeblich habe er in einem Interview verraten, er wolle alle Menschen impfen und so einen Gewinn von 2.000 Prozent machen. Das ist irreführend verkürzt.

„Bill Gates hat am Mittwoch bei CNBC verraten, warum er uns alle impfen will: Für einen Gewinn von 2000 Prozent“, schrieb am 20. Mai ein Nutzer in die deutsche Telegram-Gruppe „QAnons Channel Germany“. Dazu veröffentlichte er einen zehn Sekunden langen Videoausschnitt als angeblichen Beleg. Der Post wurde laut den Angaben bei Telegram mehr als 116.00 Mal gesehen. Wir haben die Behauptung geprüft. 

Das Video ist ein Ausschnitt eines Fernsehinterviews des US-amerikanischen Senders CNBC mit dem Microsoft-Gründer Bill Gates am 23. Januar 2019 beim Weltwirtschaftsforum in Davos in der Schweiz. 

Die Reporterin fragt Bill Gates zu Beginn des Videos mit Verweis auf einen kürzlich von ihm erschienen Artikel: „Sie haben in den letzten zwei Jahrzehnten 10 Milliarden Dollar in Impfungen investiert und Sie haben die Rentabilität der Investition ausgerechnet. Könnten Sie uns die Zahlen erklären?“

Bill Gates antwortet darauf: „Es ist ziemlich beeindruckend, wenn man diese Impfstoffe nimmt, sie sehr preiswert macht, […] ein Liefersystem entwickelt, so dass sie wirklich die Abdeckung da draußen bekommen, rettet man buchstäblich Millionen von Leben. […] Wir sehen eine phänomenale Erfolgsgeschichte. Es waren hundert Milliarden, die die Welt insgesamt investiert hat, unsere Stiftung etwas mehr als 10 Milliarden, aber wir haben das Gefühl, dass es einen Mehrwert von mehr als zwanzig zu eins gegeben hat. Wenn man sich also nur den wirtschaftlichen Nutzen anschaut, ist das eine ziemlich starke Zahl im Vergleich zu allem anderen, der menschliche Nutzen in Millionen von geretteten Leben […]“. 

Der Teil der Antwort, in dem deutlich wird, dass Bill Gates als Wertsteigerung den immateriellen Wert geretteter Leben betrachtet, ist in der Telegram-Nachricht abgeschnitten. So wird suggeriert, Bill Gates wolle durch Impfprogramme extrem hohe finanzielle Gewinne machen. 

Die Reporterin fragt in dem Interview weiter nach: „Ich denke, die Zahlen, die Sie durchgespielt haben, waren, wenn Sie das Geld in den S&P 500 [Anmerkung der Redaktion: Aktienindex von 500 der größten börsennotierten US-amerikanischen Unternehmen] investiert und die Dividende reinvestiert hätten, würden Sie auf etwa 17 Milliarden Dollar kommen, aber Sie denken, es sind 200 Milliarden Dollar? 

Bill Gates antwortet: „Hier, ja. Wissen Sie, kleinen Kindern zu helfen, zu leben, die richtige Ernährung zu bekommen, einen Beitrag für ihre Länder zu leisten, das hat eine Rückvergütung, die über jeden typischen finanziellen Ertrag hinausgeht”.

Bill Gates veröffentlichte Artikel in Wall Street Journal 

Bei dem von der Reporterin zu Beginn erwähnten Artikel, handelt es sich um einen Text, den Bill Gates wenige Tage vor dem CNBC-Interview, am 16. Januar 2019, im Wall Street Journal veröffentlicht hatte.

Darin schreibt er über seine Investitionen in drei internationalen Gesundheitsorganisationen: Die Impfallianz Gavi, den Global Fund und die Global Polio Eradication Initiative (GPEI). Diese hätten mit ihrem Ziel, Leben zu retten und Leid zu beenden, nicht nur alle Erwartungen übertroffen, sondern seien auch in einem traditionellen Sinn von Investitionen erfolgreich gewesen: „Sie haben eine Menge Wohlstand geschaffen, denn wenn die Menschen nicht krank im Bett liegen, können sie zur Arbeit oder zur Schule gehen.“

Darauf folgt ein Gedankenexperiment von Gates, in dem er auf ein Rechenmodell des Copenhagen Consensus Center verweist. 

„Nehmen wir an, unsere Stiftung hätte nicht in Gavi, den Global Fund und GPEI investiert und stattdessen diese 10 Milliarden Dollar in den S&P 500 gesteckt und versprochen, den Rest 18 Jahre später den Entwicklungsländern zukommen zu lassen. In der vergangenen Woche hätten diese Länder etwa 12 Milliarden Dollar erhalten, inflationsbereinigt, oder 17 Milliarden Dollar, wenn wir die reinvestierten Dividenden mit einbeziehen.“

Weiter rechnet Gates vor, eine Investition der 10 Milliarden Dollar in Energieprojekte in den Entwicklungsländern hätte eine Rendite von 150 Milliarden Dollar gebracht. Eine Investition der Summe in Infrastruktur 170 Milliarden Dollar. 

„Durch Investitionen in globale Gesundheitsinstitutionen haben wir jedoch all diese Renditen übertroffen: Die 10 Milliarden Dollar, die wir für die Bereitstellung von Impfstoffen, Medikamenten, Moskitonetzen und anderen Hilfsgütern in den Entwicklungsländern zur Verfügung stellten, brachten einen geschätzten sozialen und wirtschaftlichen Nutzen von 200 Milliarden Dollar“, so Gates. 

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Die Telegram-Gruppe „QAnons Channel Germany“, in der die falsche Behauptung verbreitet wurde, hat mehr als 22.000 Abonnenten. „QAnon“ ist ein Netzwerk US-amerikanischer Verschwörungsanhänger, die glauben, es gebe einen „Tiefen Staat“ („Deep State“) von Eliten, und Donald Trump gehe gegen diese vor. Teil dieses Mythos ist auch die Behauptung, eine Elite aus Politikern und Stars entführe Kinder in unterirdische Lager, um sie dort sexuell zu missbrauchen und das Stoffwechselprodukt Adrenochrome aus Ihnen zu sammeln und sich so zu verjüngen. 

Immer wieder tauchen in diesem Zusammenhang Falschmeldungen auf, zum Beispiel Bilder dieser angeblichen Untergrundlager, die wir unter anderem hier geprüft haben.

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Das Zitat ist irreführend verkürzt. Bill Gates bezieht sich auf einen theoretischen sozialen und wirtschaftlichen Mehrwert durch Gesundheitshilfe.

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Das Video des Youtubers „Coach Cecil“ enthält falsche und unbelegte Behauptungen. (Screenshot: CORRECTIV)

von Cristina Helberg

In einem Video stellt der Youtuber „Coach Cecil“ zahlreiche Behauptungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie auf. Viele davon sind falsch oder unbelegt.

Das Video des Youtubers „Coach Cecil“ vom 1. Mai mit dem Titel „Aufgeflogen: Die wahren Mächte Volksverrat“ beginnt dramatisch. „Heute wird, glaub ich, mein aller heftigstes Video von allen Corona-Videos, die ich überhaupt gemacht habe. […] Es geht um die ganzen Verstrickungen […], von Bill Gates und den ganzen Organisationen wie der Charité, wie dem Robert-Koch-Institut und so weiter. Es wird wirklich dramatisch heute“, sagt der Youtuber aus dem Off. Und er verspricht den Zuhörern: „Ich werde nichts hineininterpretieren, sondern ich werde euch einfach nur die Fakten aufzählen“. 

Dieses Versprechen hält Cecil mit seinem Video jedoch nicht. Unser Faktencheck zeigt: Mehrere seiner Behauptungen beruhen nicht auf Fakten, sondern sind schlichtweg falsch. Am 19. Mai stellte Cecil das Video auf seinem Kanal auf privat. Bis zu diesem Zeitpunkt war es mehr als 839.000 Mal geklickt worden. Andere Kanäle verbreiten das Video weiterhin, unter anderem der Kanal „Schwindelambulanz Sinsheim“ (693.000 Klicks) von Bodo Schiffmann

Der Youtuber „Coach Cecil“ betreibt seinen Kanal seit 2015. In seinen Videos gibt der ehemalige Profi-Basketballer, der eigentlich Cecil Egwuatu heißt, Ernährungstipps und zeigt Sportübungen. Seit der Corona-Pandemie hat er sich in verschiedenen Videos auch zu den Maßnahmen der Regierung geäußert und unter anderem davon gesprochen, dass alle Medien gesteuert seien. Das ZDF berichtete im April, Cecil habe in seinen Videos Nahrungsergänzungsmittel als Mittel gegen Corona beworben. 

Wir haben die wichtigsten Behauptungen in seinem Video vom 1. Mai geprüft. Von den sieben geprüften Behauptungen, die „Coach Cecil“ aufgestellt hat, sind fünf falsch oder teilweise falsch und zwei unbelegt.

1. Behauptung: Bill Gates ist der Hauptsponsor der WHO 

An mehreren Stellen im Video (ab Minute 02:34 und ab Minute 9:40) behauptet Cecil, Bill Gates sei nach dem Absprung der USA der Hauptsponsor der WHO und der zweitgrößte Sponsor sei die Gavi-Allianz, die von Bill Gates gesponsert werde. „Die WHO ist eigentlich wie eine Hausgesundheitsorganisation, er hat wirklich den allergrößten Teil, den er da reinsteckt“, so Cecil. Eine ähnliche Behauptung tauchte auch in einem Video mit zahlreichen Falschbehauptungen von Ken Jebsen auf. Wir haben einen Faktencheck dazu veröffentlicht. 

Korrekt ist, dass die Bill & Melinda Gates Stiftung laut WHO der zweitgrößte Spender nach den USA ist – die Zuwendungen machen 11,41 Prozent der Finanzierung aus. Spenden der Gavi Impfallianz entsprechen 6,49 Prozent. Die Gavi Impfallianz wird selbst zu einem großen Teil von der Gates-Stiftung finanziert (von 2016 bis 2020 zu etwa 17 Prozent; Tabelle „Annual Contributions 31 December 2019“). 

Das Programm-Budget der WHO für 2018/2019 lag insgesamt bei rund 4,4 Milliarden US-Dollar (Seite 5), und für 2020/2021 bei rund 4,8 Milliarden (Seite 6). In den Jahresberichten der WHO wird der Anteil der Bill & Melinda Gates Stiftung deutlich: 2018 spendete sie rund 229 Millionen Dollar für den „General Fund“ der WHO (PDF, Seite 6). 2017 waren es rund 325 Millionen Dollar (PDF, Seite 7).

Fazit: Teilweise falsch. Die Bill & Melinda Gates Foundation ist in den vergangenen Jahren der zweitgrößte Sponsor der WHO gewesen. Die Zuwendungen machen jedoch nicht den „allergrößten Teil“ des Budgets aus.

2. Behauptung: Der italienische Abgeordnete Vittorio Sgarbi habe mit den Gesundheitsbehörden gesprochen und herausgefunden, dass 96 Prozent der Patienten nicht an Corona gestorben seien 

Cecil relativiert seinen Verweis (ab Minute 04:21) auf den Politiker Sgarbi, in dem er sagt: „96 Prozent ist natürlich schon krass. Also ich war bei dem Gespräch mit der Gesundheitsbehörde nicht dabei, also kann ich es nicht hundertprozentig bestätigen“. Trotzdem nutzt er die Behauptung als vermeintlichen Beleg. Wir haben Sgarbis Behauptungen in einem Faktencheck ausführlich geprüft.  

Sgabi bezog sich mit seiner Behauptung auf eine Studie aus Italien, zieht jedoch Schlüsse, die die Studie nicht zulässt. Sie kommt anhand der Analyse von Patientenakten zu dem Schluss, dass von 2.351 Patienten 96,2 Prozent eine oder mehrere Vorerkrankungen hatten. Auf diese Zahl bezieht Sgarbi sich. Für seine Schlussfolgerung, dass diese Menschen alle nicht an Covid-19 starben, ist die Studie aber keine Grundlage.

Fazit: Unbelegt. Vittorio Sgarbi zieht falsche Schlüsse aus einer Studie. Es ist unklar, wie viele Menschen in Italien wirklich ursächlich am Coronavirus starben.

3. Behauptung: Rechtsmediziner Püschel hat „bis zum heutigen Tag“ nicht einen Corona-Fall obduziert, der an und nicht mit Corona gestorben ist 

Das behauptet Cecil im Video ab Minute 04:52. Wir haben das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf, wo Klaus Püschel das Institut für Rechtsmedizin leitet, mit den Behauptungen konfrontiert. 

Die Pressestelle antwortete per E-Mail am 13. Mai: „Nein, das stimmt nicht. Bis zum 7. Mai lagen dem Institut für Rechtsmedizin 192 Sterbefälle mit bestätigten Sars-CoV-2 Nachweisen vor. Dabei konnte in 187 Fällen Covid-19 als todesursächlich eruiert werden. Die sorgfältige Untersuchung der Toten findet seit dem 23. März im Institut für Rechtsmedizin statt und belegt, dass es sich bei dem Großteil der Verstorbenen um bereits zuvor körperlich bzw. immunologisch erheblich beeinträchtigte Patientinnen und Patienten handelte.“ 

Fazit: Falsch. Laut Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf starben 187 von 192 obduzierten Personen ursächlich an Covid-19. 

4. Behauptung: In den Statistiken des RKI werden die Genesenen nicht abgezogen 

Cecil zeigt ab Minute (07:25) ein Dashboard des Robert-Koch-Instituts. Darunter hat er geschrieben: „Die Genesenen werden nicht abgezogen“. Oben rechts im Bild ist jedoch deutlich zu erkennen, dass die Genesenen sehr wohl gekennzeichnet sind. Circa 123.500 Genesene steht dort für den 30. April 2020. Die Zahlen der Genesenen wird in dem Dashboard täglich aktualisiert.

Bild aus dem Youtube-Video des Kanals „Coach Cecil“. Oben rechts nennt das Dashboard des Robert-Koch-Instituts die tagesaktuelle Zahl der Genesenen. (Screenshot und Markierung: CORRECTIV)

Auch in den täglichen Lageberichten des RKI wird die Zahl der Genesenen prominent auf der ersten Seite gleich neben den bestätigten Fällen genannten, auch am 30. April war das der Fall. 

Lagebericht des Robert-Koch-Instituts vom 30. April 2020, rechts markiert die Zahl der Genesenen (Screenshot und Markierung: CORRECTIV)

Korrekt ist, dass die Zahl der Genesenen nicht von der Gesamtzahl der bestätigten Fälle abgezogen wird. 

Das Robert-Koch-Institut schreibt dazu auf seiner Webseite: „Daten darüber, ob ein Patient wieder genesen ist, werden nicht offiziell erhoben. Die Erhebung ist auch nicht gesetzlich vorgesehen. Allerdings kann man zumindest bei den Fällen, bei denen die meisten Angaben ermittelt wurden und, die keine schweren Symptome hatten, die nicht in ein Krankenhaus eingewiesen wurden, davon ausgehen, dass sie spätestens nach 14 Tagen wieder genesen sind. Das RKI schätzt die Zahl der Genesenen und stellt sie täglich auf dem RKI-Dashboard und im Situationsbericht  zur Verfügung.“

Erklärung auf der Website des Robert-Koch-Instituts. (Screenshot: CORRECTIV)

Auch die John Hopkins Universität führt in ihrem Dashboard Zahlen von Genesenen zusätzlich auf, statt sie abzuziehen. 

Fazit: Teilweise falsch. Cecil suggeriert, das RKI würde absichtlich die Zahl der Genesenen nicht abziehen, um für Angst zu sorgen. Die geschätzte Zahl der Genesenen nennt das RKI jedoch prominent in Lageberichten und im Dashboard. 

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5. Behauptung: Das RKI hat Apotheken verboten, Antikörpertests zu verkaufen und mit 30.000 Euro Strafe gedroht 

Cecil behauptet weiter, das RKI wolle offenbar die Dunkelziffer der bereits Erkrankten gar nicht herausfinden und habe Apotheken verboten, Antikörpertests zu verkaufen (ab Minute 07:45). Das ist falsch. 

Das RKI selbst schreibt auf eine Presseanfrage von CORRECTIV: „Das RKI hat keinen Einfluss auf Tests, die in Apotheken verkauft werden.“ Das bestätigte uns auch das Bundesgesundheitsministerium auf Anfrage: „Die von Ihnen zitierte Behauptung ist falsch und entbehrt jeder Grundlage. Schon rein rechtlich könnte das RKI überhaupt kein Verkaufsverbot in Apotheken durchsetzen.“

Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände antwortete auf eine Presseanfrage von CORRECTIV: „Apotheken dürfen in der Tat Antikörpertests derzeit weder an Laien abgeben noch selbst in der Apotheke an Patienten anwenden. Die Verletzung des Abgabeverbots nach § 3 Abs. 4 der Medizinprodukte-Abgabeverordnung kann als Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße bis zu 30.000 Euro geahndet werden. Das bedarf keines spezifischen ‚Verbotes‘ durch das RKI.“ 

Es gibt also ein Verbot, das RKI hat damit aber nichts zu tun. Grund für das Verbot ist laut der Bundesvereinigung die nicht gesicherte Zuverlässigkeit der Antikörpertests. Im Laufe der nächsten Wochen sei aber mit dem Marktzugang zuverlässiger Tests zu rechnen.

Antikörpertests funktionieren grundsätzlich anders als PCR-Tests. Antikörpertests weisen keine aktuelle Infektion nach, sondern untersuchen Blut darauf, ob virusspezifische Antikörper nachweisbar sind. So soll festgestellt werden, ob man schon mit dem Virus infiziert war. Für die PCR-Tests wird ein Nasen-Rachen-Abstrich genommen, mit dem Ziel eine aktuelle Infektion nachzuweisen. 

Fazit: Die Behauptung ist teilweise falsch. Das RKI hat kein Verbot ausgesprochen und wäre dazu gar nicht befugt. Aktuell gilt wegen Unzuverlässigkeit der bisherigen Antikörpertests ein Verkaufsverbot. 

6. Behauptung: Die PCR-Tests sind „sehr, sehr unzuverlässig“, weil oft falsch-positiv

Ab Minute 08:45 behauptet Cecil: „Der Test ist halt mega unzuverlässig, also sehr oft falsch positiv“. Dazu haben wir einen ausführlichen Faktencheck veröffentlicht, nachdem zuvor in Videos behauptet worden war, die in Deutschland genutzten PCR-Tests könnten zu 30 bis 50 Prozent falsch positiven Ergebnissen führen. Dafür hat CORRECTIV Labore von den drei Unikliniken Köln, Stuttgart und Dresden zur Testgenauigkeit befragt. 

Corinne Klett vom Zentralinstitut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin des Klinikums Stuttgart antwortete: „Die Tests am Klinikum Stuttgart weisen eine sehr hohe Qualität mit sehr geringen Fehlerquoten auf. Insbesondere falsch positive Ergebnisse sind nahezu ausgeschlossen.“ Sie verweist jedoch darauf, dass die Abstriche gründlich genommen werden müssten. „In Krankenhäusern mit geschultem Personal sollten diese Fehler jedoch kaum auftreten.“ Weiter schrieb sie per E-Mail: „Die Tests am Klinikum Stuttgart erkennen im niedrigen Virusbereich erkrankte Patienten zu 95%, bei höheren Virus-Konzentrationen liegt die Sensitivität bei annähernd 100%.“

Bislang seien keinerlei Kreuzreaktionen bekannt, die zu falsch positiven Ergebnissen führen könnten. „Deshalb sind falsch positive Corona-PCR-Ergebnisse nahezu auszuschließen. Als Fehlerquelle kommt vor allem die Präanalytik in Frage, also beispielsweise ungenügende Abstrichtechnik, Probenverwechslung oder auch zu lange Lagerung bzw. Transportzeiten.“

Das bestätigte auch Rolf Kaiser vom Institut für Virologie der Universität zu Köln am Telefon: „Unter der Vorgabe, dass der Abstrich richtig genommen wird und das Labor erfahren ist und sauber arbeitet, sind Fehlerquoten von 30 bis 50 Prozent falsch positiven Testergebnissen nicht erklärbar.“ Man könne generell nie ausschließen, dass mal etwas falsch laufe und Fehler passieren, aber dafür gebe es interne Kontrollen im Test und im Labor. „Die Quoten liegen dabei deutlich unter 30 bis 50 Prozent.“

Zu der Behauptung, die Test könnten aus anderen Gründen falsch positiv sein, sagte er: „Die gebräuchlichen aktuellen PCR Test auf den Coronavirus haben kein Problem mit Kreuzreaktionen von bekannten Coronaviren. Dazu hat auch schon ein Ringversuch mehrerer Labore zur Qualitätssicherung stattgefunden.“ 

Labor der Universität Dresden: „Uns sind bislang keine Fälle falsch positiver Befunde bekannt“

Alexander Dalpke, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Technischen Universität Dresden schreibt per E-Mail über sein Labor:  „Uns sind bislang keine Fälle falsch positiver Befunde bekannt“. Auf die Frage von CORRECTIV, ob in deutschen Laboren, die Erfahrung mit PCR-Tests haben und Proben untersuchen, bei denen der Abstrich korrekt genommen wurde, eine Fehlerquote von 30 bis 50 Prozent falsch positiven Tests denkbar sei, antwortete er: „Nein, die RT-PCR sind hochspezifisch (Spezifität sicher im Bereich >95/98%).“ 

Er verweist aber wie seine Kollegen auf das Problem der Abstriche. Je schlechter die Proben genommen würden, desto weiter sinke die Sensitivität. „Es gibt tatsächlich Hinweise, dass Rachenabstriche nur 70% der Erkrankten erkennen.“ Deshalb setze man nur geschultes Personal für die Abstriche ein. Und Dalpke macht auf ein weiteres Problem aufmerksam: „Falsch positive und falsch negative Ergebnisse hängen darüber hinaus davon ab wie die ‘Vortestwahrscheinlichkeit’ ist.“ 

Fazit: Größtenteils falsch. Drei große Labore widersprechen der Behauptung, der PCR-Test sei unzuverlässig und liefere falsch-positive Ergebnisse. 

7. Behauptung: RKI-Präsident Lothar Wieler ist Mitarbeiter der WHO 

Weiter behauptet Cecil, der Präsident des RKI, Lothar Wieler sei „Mitarbeiter der WHO“ (ab Minute 10:21) und die WHO sei „praktisch sein Arbeitgeber“ (ab Minute 09:54 und 12:45). Als vermeintliche Belege führt der Youtuber öffentlich zugängliche Informationen auf der Webseite des RKI an. Dort ist eine Auswahl der Funktionen und Mitgliedschaften von Wieler in verschiedenen internationalen Gremien aufgelistet, darunter auch Expertenkommissionen der WHO. 

Auf Nachfrage schreibt uns das RKI: „Der Präsident des Robert Koch-Instituts ist kein Mitarbeiter der Weltgesundheitsorganisation. Herr Wieler erhält keine Zahlungen der WHO für die Funktionen in Gremien der WHO (bei Bedarf werden Reisekosten übernommen).“ 

Auf eine Presseanfrage von CORRECTIV bestätigt die WHO diese Angaben: „Er ist kein Angestellter und könnte keine direkten Zahlungen außer (möglicherweise) Reisekosten erhalten.“

In den öffentlichen Informationen der WHO zu ihrem Budget und der Anzahl ihrer Mitarbeiter finden sich keine personenspezifischen Daten, deshalb können wir die Angaben nicht überprüfen.

Fazit: Die Behauptung ist unbelegt.

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. „Coach Cecil“ stellt in seinem Video falsche und unbelegte Behauptungen auf.

Ramadan Dortmund
Diese Meldung ist veraltet. Die Stadt Dortmund und der Veranstalter haben mittlerweile mitgeteilt, dass die Veranstaltung abgesagt wurde. (Screenshot: CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Ein Facebook-Beitrag verbreitet die Behauptung, in Dortmund finde anlässlich des Ramadan eine Veranstaltung mit 50.000 Teilnehmern statt – trotz Corona-Maßnahmen. Das ist falsch. Die Veranstaltung ist abgesagt.

Auf Facebook teilte ein Nutzer am 10. April einen Screenshot eines Artikels. In der Überschrift steht: „Corona vorbei? Ramadan-Veranstaltung mit 50.000 Teilnehmern in Dortmund wird nicht abgesagt!“ Der Beitrag wurde bisher mehr als 300 Mal auf Facebook geteilt. 

Wir haben die Behauptung geprüft. 

Der in dem Facebook-Beitrag zu sehende Artikel stammt von der Webseite Conservo. Als Autor ist der bekannte islamfeindliche Blogger David Berger angegeben. Veröffentlicht wurde der Artikel am 5. April.

Stadt Dortmund: „Festi Ramazan findet nicht statt“

Am 6. April, also einen Tag nach der Veröffentlichung des Artikels, reagierte die Stadt Dortmund öffentlich und schrieb auf ihrem verifizierten Twitter-Account: „ Da es vermehrt zu Fake-News zu diesem Thema kam, noch einmal deutlich: Der Veranstalter hat der Stadt Dortmund schon vor einiger Zeit mitgeteilt, dass die Veranstaltung Festi Ramazan 2020 in den Westfalenhallen nicht stattfindet.“ 

Zu der Veranstaltung Festi Ramazan waren laut der Stadt Dortmund ursprünglich insgesamt 50.000 Besucher im Zeitraum über drei Wochen vom 1. bis zum 24. Mai erwartet worden. 

Auch auf der Webseite der Veranstalter des Festi Ramazan wird auf die Absage hingewiesen: „Um die Gesundheit und das Wohl unserer Gäste und unserer Stadt, der Mitwirkenden und des Teams zu schützen, sehen wir bedauerlicherweise derzeit keine andere Möglichkeit, als das Festi Ramazan für den geplanten Zeitraum 01.05 – 24.05.2020 abzusagen.“ 

Der Hinweis auf die Absage des Festi Ramazan auf der Webseite der Veranstalter (Screenshot am 28. April: CORRECTIV).

Conservo-Artikel nicht mit Absage aktualisiert

In dem Conservo-Artikel findet sich jedoch kein Hinweis, dass die Veranstaltung mittlerweile abgesagt wurde. Der Artikel wurde bisher laut dem Analysetool Crowdtangle mehr als 7.000 Mal bei Facebook geteilt, in mehreren Gruppen auch nachdem die Veranstaltung schon abgesagt war. Zum Beispiel hier am 7. April und hier am 8. April. 

Mehr als 7.000 Mal wurde der veraltete Artikel laut Crowdtangle auf Facebook geteilt. Teilweise auch noch nachdem die Stadt die Absage der Veranstaltung am 6. April bekannt gegeben hatte. (Screenshot: CORRECTIV)

Auch aus dem Facebook-Beitrag, den wir in diesem Faktencheck geprüft haben, ist nicht ersichtlich, dass die Veranstaltung in der Zwischenzeit abgesagt wurde – obwohl der Nutzer den Beitrag am 10. April veröffentlichte, also vier Tage nach der offiziellen Absage. 

Mehrere Medien berichteten Anfang Mai über die Falschmeldungen zum Festi Ramazan, darunter die Faktenchecker von Mimikama, t-online und die Ruhrnachrichten.  

CORRECTIV ist spendenfinanziert
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Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Die Veranstaltung Festi Ramazan in Dortmund vom 1. bis 24. Mai 2020 ist abgesagt.

Vaio di Fidenza Hospital Intensive Care Unit - Parma
Das Krankenhaus Vaio di Fidenza in Parma in Italien am 24. April 2020. (Symbolfoto: Sandro Capatti / picture alliance / abaca)

von Cristina Helberg

In einem auf Whatsapp geteilten Kettenbrief wird behauptet, Autopsien in Italien hätten gezeigt, dass Covid-19 Patienten nicht an Lungenentzündung, sondern an einer Thrombose sterben würden. Deshalb benötigten Krankenhäuser weder Beatmungsgeräte noch Intensivstationen. Diese Darstellung ist falsch.

Ein Kettenbrief, der aktuell auf Whatsapp geteilt wird, behauptet, wegen eines Diagnosefehlers sei die Krankheit Covid-19 weltweit falsch behandelt worden. Mit den Worten „ULTIMA HORA, DIE LETZTE STUNDE“ beginnt der Brief. „Weltweit wurde Covid-19 aufgrund eines schwerwiegenden Diagnosefehlers falsch behandelt“, heißt es weiter. 

Weder Beatmungsgeräte noch Intensivstationen seien nötig. Stattdessen sei der richtige Weg, erkrankte Patienten mit Antibiotika, entzündungshemmenden und gerinnungshemmenden Medikamenten zu behandeln. Denn Autopsien italienischer Ärzte von Covid-19-Patienten hätten gezeigt, dass diese an Thrombosen, nicht an Lungenentzündungen gestorben seien. 

Diese Zusammenfassung ist falsch. Wir haben die Behauptungen, die uns Leser eingereicht haben, Schritt für Schritt geprüft. 

1.Behauptung: 50 Autopsien italienischer Ärzte von Covid-19-Patienten hätten gezeigt, dass diese an Thrombosen, nicht an Lungenentzündungen gestorben seien

Tatsächlich gibt es eine noch nicht abschließend bewertete Studie italienischer Ärzte vom 22. April 2020, in der über die Autopsien von 38 verstorbenen Covid-19 Patienten berichtet wird – nicht 50. Darin schreiben die Autoren: „Das vorherrschende Muster von Lungenläsionen bei Covid-19-Patienten ist DAD, wie auch bei den beiden anderen Coronaviren, die den Menschen infizieren, SARS-CoV und MERS-CoV.“ DAD steht für „diffuser Alveolarschaden“, eine Schädigung der Lungenbläschen. 

Über die untersuchten Patienten schreiben die Autoren: „Zum Zeitpunkt der Krankenhauseinweisung hatten alle Patienten Rachenabstrichproben, die positiv für SARS-CoV-2 Infektionen waren, und wiesen klinische und radiologische Merkmale einer interstitiellen Lungenentzündung auf.“ (PDF, Seite 3) 

Weiter steht in dem Preprint: „Unsere Daten unterstützen nachdrücklich die Hypothese, von neuere klinische Studien, dass Covid-19 durch Blutgerinnungsstörung und Thrombose verkompliziert wird, oder eng damit zusammenhängt“ (PDF, Seite 5). Die Autoren beobachteten Thromben – Blutgerinnsel – bei 33 der 38 untersuchten Patienten. Aus diesem Grund werde eine Verwendung von Antikoagulanzien, also gerinnungshemmenden Medikamenten, vorgeschlagen.  

Die Autoren ziehen also keinesfalls, wie in der Whatsapp-Nachricht behauptet, den Schluss, dass Patienten mit Covid-19 ausschließlich an Thrombosen starben. Sie warnen jedoch, dass diese häufig auftreten. 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) führt neben Lungenentzündungen schon seit Ende Januar Thrombopenie als mögliche Komplikation in kritischen Fällen von Covid-19 auf. (PDF, Seite 3) Thrombopenie ist eine deutliche Verminderung der Zahl der Blutplättchen, die das Risiko für eine Thrombose erhöht. Die WHO rät deshalb zur Anwendung von gerinnungshemmendem Heparin bei Patienten, bei denen keine anderen Umstände dagegen sprechen. (PDF, Seite 8)

Auch andere aktuelle Studien weisen auf die Gefahr von Thrombosen hin. In einer am 10. April erschienen niederländischen Studie wurden 184 Intensivpatienten mit durch Covid-19 bedingten Lungenentzündungen untersucht. 31 Prozent hatten Komplikationen mit Thrombosen, obwohl sie prophylaktisch Gerinnungshemmer bekamen. Die Autoren schreiben, der Wert sei „bemerkenswert hoch“ und empfehlen, bei betroffenen Intensivpatienten vorsorglich hohe Dosen von Gerinnungshemmern einzusetzen. 

Dass Lungenentzündungen bei Covid-19-Patienten auftreten, belegen verschiedene Studien. Eine am 14. April veröffentlichte Studie untersuchte vier in Wuhan verstorbene Patienten. Die Autoren schreiben, diese seien „an einer COVID-19-Pneumonie“ gestorben. 

Fazit: Thrombosen treten bei Covid-19 Patienten offenbar häufig auf. Das heißt aber nicht, dass alle Covid-19 Patienten ausschließlich an Thrombosen sterben. 

2.Behauptung: Weder Beatmungsgeräte noch Intensivstationen seien nötig. Stattdessen sei der richtige Weg, erkrankte Patienten mit Antibiotika, entzündungshemmenden und gerinnungshemmenden Medikamenten zu behandeln.

Diese Schlussfolgerung ist falsch. 

Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DPG) veröffentlichte am 21. April eine Pressemitteilung, in der sie eine rechtzeitige Beatmung der Patienten empfiehlt. „Da es bislang kein Medikament gegen COVID-19 gibt, stellt die Beatmung schwer Erkrankter derzeit die einzige Behandlungsmöglichkeit dar“, wird Torsten Bauer, stellvertretender Präsident der DGP, darin zitiert. 

Die WHO schreibt auf ihrer Webseite: „Antibiotika wirken nicht gegen Viren, sie wirken nur gegen bakterielle Infektionen. Covid-19 wird von einem Virus verursacht, daher wirken Antibiotika nicht.“ Antibiotika sollten deshalb laut WHO nicht als Mittel zur Vorbeugung oder Behandlung von Covid-19 eingesetzt werden. „In Krankenhäusern setzen Ärzte manchmal Antibiotika ein, um bakterielle Sekundärinfektionen zu verhindern oder zu behandeln, die bei schwerkranken Patienten eine Komplikation von Covid-19 darstellen können.“ 

Antibiotika können also zusätzlich eingesetzt werden, wenn neben Covid-19 auch andere bakterielle Infektionen vorliegen. Gegen Covid-19 sind sie nutzlos. 

Informationen der WHO zu Antibiotika. (Screenshot: CORRECTIV)

Richtig ist, dass die WHO schon seit Januar zur Verabreichung von gerinnungshemmenden Mitteln rät, um Komplikationen wie Thrombosen zu verhindern. (PDF, Seite 8). 

Eine am 19. April veröffentlichte Auswertung der WHO von 73 Studien, bei denen die Wirkung von nicht-steroidalen entzündungshemmende Medikamenten bei Patienten mit Covid-19, MERS und SARS untersucht wurde, kommt zu dem Schluss, dass diese aktuell keine Hinweise auf Nutzen oder Risiken liefern. Zu nicht-steroidalen entzündungshemmenden Medikamenten gehören unter anderem Ibuprofen, Aspirin und Diclofenac. 

CORRECTIV ist spendenfinanziert
Wir recherchieren zu Missständen in der Gesellschaft, bieten Bildungsprogramme an und setzen uns für Informationsrechte und Pressefreiheit ein.
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Zu dem Medikament Ibuprofen kursierten im März unbelegte Meldungen, es könne eine Covid-19 Erkrankung verschlimmern. Unser Faktencheck zeigte: Die Frage nach möglichen Auswirkungen des Schmerzmittels ist ungeklärt. 

Fazit: Antibiotika können bei Covid-19 Patienten eingesetzt werden, um zusätzliche bakterielle Infektionen zu behandeln. Gerinnungshemmende Medikamente können das Risiko von Thrombosen minimieren. Entzündungshemmende Medikamente sind nach aktuellem Stand der WHO weder vor- noch nachteilhaft. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass die Behandlung mit Beatmungsgeräten oder die Versorgung auf der Intensivstation unnötig seien. 

3.Behauptung: Ein Video einer mexikanischen Familie in den USA bestätigt, dass sie mit einem Hausmittel geheilt wurden: Drei 500g Aspirin-Tabletten, gelöst in mit Honig gekochtem Zitronensaft, wurden heiß genommen, und am nächsten Tag waren sie gesund

Belege für diese Behauptung oder einen Link zu dem angeblichen Video liefert die Whatsapp-Nachricht nicht. Aspirin gehört zu den nicht-steroidalen entzündungshemmenden Medikamenten, für die laut WHO aktuell weder Vorteile, noch Nachteile für Covid-19 Patienten nachgewiesen sind. 

Fazit: Die Einnahme von Aspirin, egal ob mit Honig und Zitronensaft oder ohne, ist demnach nutzlos. 

Auf den Whatsapp-Kettenbrief haben uns Leser hingewiesen. Er wurde zuerst auf Spanisch verbreitet und auch von mehreren anderen Faktencheck-Organisationen geprüft. Unter anderem von Maldita, ColombiaCheck und Verificado

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Antibiotika wirken nicht gegen Viren und Thrombosen sind nicht die ausschließliche Todesursache bei Covid-19-Patienten.

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Nein, diese Menschen urinierten nicht vor einer Kirche. Sie beteten. (Screenshot und Collage: CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Seit Jahren teilen Menschen im Netz ein Foto, auf dem mehrere Personen vor einer Kirche zu sehen sind. Die Falschmeldung dazu: Sie hätten an die Kirchenwand uriniert. Das stimmt nicht. Sie beteten.

Manche Falschmeldungen tauchen immer wieder auf. So auch ein Foto von Menschen, die in einer Reihe vor einer Kirchenwand stehen. Mindestens seit 2016 behaupten Nutzer im Netz fälschlicherweise, die Menschen auf dem Foto würde an die Wand urinieren. Meist mit der Behauptung verbunden, es handele sich nicht um Deutsche. 

Eine Facebook-Nutzerin veröffentlichte das Foto nun erneut am 18. April auf Facebook und schrieb dazu: „Kirchenschänder in München!!!“. Der Beitrag wurde mehr als 1.400 Mal geteilt. Auf dem Foto selbst steht die Behauptung: „Sechs Neubürger urinieren an das christliche Gotteshaus“. 

Das ist falsch. 

Im August 2016 fand der Faktencheck-Verein Mimikama heraus, dass das Foto vor der St. Gertrud Kirche in München aufgenommen wurde. Die Kirche veröffentlichte damals auf ihrer Webseite eine Stellungnahme, die heute nicht mehr online ist. 

In der Stellungnahme stand: „Seit einigen Jahren wird einer der Räume unserer Kirche von der eritreisch-orthodoxen Gemeinde benutzt. Jeden Sonntag wird eine Eucharistie gefeiert. Junge Eritreer treffen sich oft auch nach der Messe am Wochenende diesem Raum. So hat sich eine gute ökumenische Beziehung zwischen der eritreischen Gemeinde und unserer katholischen Pfarrei St. Gertrud entwickelt. Ab und zu feiern wir gemeinsam ökumenische Gottesdienste. Nach der Tradition der orthodoxen Christen in Eritrea und Äthiopien gehen die Gläubigen oft nicht in die Kirche hinein, sondern beten draußen vor der Kirche. Sie lehnen sich an die Wand des Gotteshauses und beten. Die Männer auf diesem Bild beten gerade.“ 

Die Stellungnahme hat Mimikama mit Screenshots dokumentiert. Die Gemeinde wiederholte sie gegenüber CORRECTIV am 23. April per E-Mail. Dazu schrieb Pater Matthias Zlonkiewicz: „Ich kann bestätigen, dass die Männer, die auf dem Foto zu sehen sind, nichts Schlimmes tun. Sie stehen an der Kirchenwand und beten gerade. Jede Unterstellung, dass sie urinieren, ist einfach falsch.“ 

In einer E-Mail bestätigte Matthias Zlonkiewicz, dass es sich um eine Falschmeldung handelt. (Screenshot: CORRECTIV)

Auf der Seite der Gemeinde St. Gertrud wird auf die regelmäßigen Gottesdienste der eritreisch-orthodoxen Kirche verwiesen. 

Hinweis auf der Webseite der Gemeinde St. Gertrud in München. (Screenshot: CORRECTIV)

Neben Mimikama berichteten im August 2016 mehrere Medien über die Falschmeldung, darunter der Bayerische Rundfunk, Focus und die Münchener Abendzeitung

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Unsere Bewertung:
Falsch. Die Menschen auf dem Foto beteten.

Grippeimpfung
Ein Arzt impft am 13. November 2019 einen Patienten gegen Grippe in Berlin. (Symbolfoto: Robert Guenther/picture alliance / dpa Themendienst)

von Cristina Helberg

Im Netz und in Messenger-Diensten wie Whatsapp kursiert die Behauptung, eine Grippeimpfung erhöhe das Risiko einer Erkrankung an der Lungenkrankheit Covid-19. Das ist falsch.

Per Whatsapp erhielt einer unser Leser am 30. März eine Nachricht, die ihm seltsam vorkam: „Grippeimpfungen erhöhen das Risiko an Corona zu erkranken“. Was hatte ihn misstrauisch gemacht? „Jemand zitierte einen Artikel aus der Daily Mirror. Der Originaltext fehlt in der Whatsapp“, schrieb er uns über unseren CrowdNewsroom zum Coronavirus. Dort kann jeder Nachrichten oder Artikel einreichen, die unser Team dann sichtet und gegebenenfalls Faktenchecks dazu veröffentlicht. 

Erhöht die Grippeimpfung also das Risiko, an Covid-19 zu erkranken? Wir haben die Behauptung geprüft. 

Irreführende Überschrift im Daily Mirror

In der Whatsapp-Nachricht wird als angeblicher Beleg ein Artikel der britischen Zeitung Daily Mirror angeführt. Welcher Artikel genau, wird nicht gesagt. Eine Google-Suche nach dem Stichwort „flu vaccine“ (Deutsch: Grippeimpfung) und Artikeln, die zwischen dem 31. Dezember 2019 und dem 15. April 2020 auf der Webseite der Zeitung erschienen, liefert nur zwölf Treffer. In keinem der Artikel wird die Behauptung der Whatsapp-Nachricht bestätigt. Ein Artikel, der am 17. März 2020 erschien, scheint jedoch die Ursache der Falschmeldung zu sein. Der Grund ist die missverständlich formulierte Überschrift des Artikels: „Coronavirus: Top-Mediziner warnt: Wer eine Grippeimpfung bekommt, sollte zu Hause bleiben“. In dem Artikel geht es um Unsicherheiten in der britischen Bevölkerung, wer zur Risikogruppe während der Corona-Pandemie gehört. 

„Briten, die die jährliche winterliche Grippeimpfung erhalten, fallen in die Kategorie ‘hohes Risiko’ der Regierung und sollten sich selbst isolieren, warnt ein Top-Mediziner“, schreibt die Autorin des Artikels. Weiter steht dort: „Jonathan Van-Tam, stellvertretender Chief Medical Officer für England, sagte heute Morgen im Frühstücksfernsehen der BBC: ‘Ich möchte nicht auf jede einzelne Risikogruppe im Detail eingehen, aber wir sagen, dass es die Menschen sind, denen Grippeimpfstoffe angeboten werden, mit Ausnahme von Kindern, die in diese Risikokategorie passen, Menschen, für die der Ratschlag zur sozialen Distanzierung sehr eindrücklich ist.’“. 

Aus dem Kontext wird deutlich, dass nicht vor der Grippeimpfung an sich gewarnt wird, sondern erklärt wird, dass die Risikogruppen für Grippeerkrankungen und schwere Verläufe von Covid-19 mit Ausnahme von Kindern dieselben sind. 

Der britische Gesundheitsdienst National Health Service empfiehlt Grippeimpfungen für Personen ab 65 Jahren, Schwangere, Kinder und Erwachsene mit einer Vorerkrankung (zum Beispiel langfristige Herz- oder Atemwegserkrankungen) und medizinisches Personal. In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission die saisonale Grippeschutzimpfung schon ab 60 Jahren.

Virologe Drosten: Man ist nach einer Influenza-Impfung nicht anfälliger für Viren

Der Hinweis in der Whatsapp-Nachricht auf einen Artikel des Daily Mirror ist demnach kein Beleg. Aber was ist dran an der Behauptung, Grippeimpfungen könnten das Risiko einer Corona-Erkrankung erhöhen? 

Im NDR-Corona-Podcast befragte die Journalistin Anja Martini am 11. März den Virologen Christian Drosten zu dem Thema: „Ist es noch sinnvoll, sich jetzt gegen Grippe impfen zu lassen? Wenn man danach, wenn man diese Impfung bekommen hat, ja zwei Wochen lang, ein bisschen anfälliger ist für Viren?“ 

Drosten antwortete: „Man ist nicht nach einer Influenza-Impfung anfälliger für Viren. Das stimmt nicht.“ Weiter sagte er: „Es ist nie schädlich, sich gegen die Grippe impfen zu lassen, zumal man dann in einer guten Startsituation ist, wenn man sich im nächsten Herbst gegen die Grippe impfen lässt. Dann hat man eine gute Reaktion auf die Impfung für die dann kommende Saison, wo das pandemische SARS-2-Virus zusammenfallen wird mit der Grippesaison.“ 

RKI: Kein Hinweis auf höheres Risiko durch Grippeimpfung 

Auf eine Presseanfrage von CORRECTIV antwortete das Robert-Koch-Institut per E-Mail: „Dem Robert Koch-Institut liegen bislang keine Hinweise dazu vor, dass Grippe-Impfungen das Risiko, an Covid-19 zu erkranken, erhöht. Dem RKI ist auch kein physiologischer Mechanismus bekannt, der einen solchen Einfluss plausibel erklären könnte.“  

Weiter schreibt das RKI: „Gerade im Kontext der Covid-19-Pandemie – der Anfang der Covid-19-Epidemie fiel in die Grippewelle – war es essentiell, dass die Risikogruppen gegen Grippe geimpft waren, um schwere Influenza-Verläufe zu verhindern und Engpässe in Krankenhäusern (u. a. bei Intensivbetten, Beatmungsplätzen) zu vermeiden.“ Das werde auch für die kommende Influenzasaison von großer Bedeutung sein. 

Die Risikogruppen für schwere Verläufe von Influenza und Covid-19 seien sehr ähnlich: insbesondere ältere Menschen ab 60 Jahren, hochaltrige Menschen und Menschen mit Grunderkrankungen. Diesen Menschen werde eine Influenza-Impfung empfohlen. „Es ist denkbar, dass sich Personen aus den oben genannten Gruppen gegen Grippe impfen lassen haben und – unabhängig davon – an Covid-19 erkrankt sind und vielleicht auch schwer erkrankt sind. Das bedeutet jedoch nicht, dass es einen Zusammenhang zwischen einer Grippe-Impfung und dem Risiko einer Covid-19-Erkrankung gibt“, schreibt das RKI.  

E-Mail-Antwort des Robert-Koch-Instituts auf eine Presseanfrage von CORRECTIV. (Screenshot: CORRECTIV)

Paul-Ehrlich-Institut: Immunsystem nur bei Lebend-Impfstoffen geschwächt 

Auch das Paul-Ehrlich-Institut schreibt auf eine Presseanfrage von CORRECTIV: „Uns liegen keine Informationen darüber vor, dass Grippeimpfungen das Risiko erhöhen, an COVID-19 zu erkranken.“ Das Immunsystem sei bei bestimmten Impfungen wie gegen Masern durch die Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Lebendvirus etwas geschwächt. Daher gelte die Empfehlung des RKI, Lebendimpfstoffe entweder gleichzeitig zu impfen oder einen Mindestabstand von vier Wochen einzuhalten. Das sei bei Totimpfstoffen nicht notwendig. 

Weiter schreibt das Paul- Ehrlich-Institut: „Bei den Grippeimpfstoffen handelt es sich mit Ausnahme des lebend-attenuierten Impfstoffes Fluenz Tetra, der nur im Alter von zwei bis einschließlich 17 Jahren eingesetzt werden darf, um Totimpfstoffe.“

E-Mail-Antwort des Paul-Ehrlich-Instituts auf eine Presseanfrage von CORRECTIV. (Screenshot: CORRECTIV)

Falsche Behauptung auch bei Facebook

Auch auf Facebook kursiert die falsche Behauptung. Der bei Allgemeinmedizinern umstrittene Mediziner und Psychotherapeut Rüdiger Dahlke behauptet ebenfalls unter Verweis auf den Daily Mirror-Artikel in einem Facebook-Beitrag vom 24. März: „In England reihen Regierung und höchste Stellen des Gesundheitswesens all jene über 65-Jährigen, die die normale Grippe-Impfung erhalten haben, in die Gruppe der Höchstgefährdeten ein“.

Das ist, wie der Faktencheck zeigt, falsch. Der Beitrag, in dem er auf sein eigenes Seminarangebot verlinkt, wurde mehr als 1.100 Mal geteilt. Die Faktenchecker der DPA haben zu den falschen Behauptungen ebenfalls einen Artikel veröffentlicht.   

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Update, 20. April 2020: Wir haben den Text um die Einschätzung des Paul-Ehrlich-Instituts ergänzt. 

Unsere Bewertung:
Falsch. Influenza-Impfungen machen nicht anfälliger für Coronaviren.

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Viele Youtube-Kanäle, die sonst Verschwörungstheorien verbreiten, nutzen die Corona-Pandemie, um Ärzte zu interviewen – auch völlig fachfremde. (Foto: Ivo Mayr/CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Youtube duldet Falschmeldungen, Hetze und Verschwörung seit Jahren auf seiner Plattform. Das wird in der Corona-Pandemie zu einem besonderen Problem: Pseudo-Sprechstunden und absurde Gesundheitstipps generieren Millionen Klicks. „Alternative Medien“ helfen bei der Verbreitung.

Schon zu normalen Zeiten ist Youtube Umschlagplatz Nummer Eins für gezielte Desinformation und Falschmeldungen. Keine andere Plattform tut so wenig dagegen und nirgendwo anders erreichen Fakes so hohe öffentliche Klick- und Sharezahlen. 

Während der Corona-Pandemie zeigt sich, wie problematisch es ist, wenn sich Millionen Menschen bei Youtube informieren. 

Wenn es um „Fake News“ geht, denken die Meisten an politisch motivierte Falschmeldungen. Unterschätzt wird dabei die Reichweite von Falschmeldungen im Gesundheits- und Medizinbereich. Eine Pflanze heilt Krebs in 16 Stunden und das Masernvirus existiert gar nicht? Schon vor der Corona-Pandemie konnten Faktencheckerinnen beobachten, dass viele der meistgeklickten Fakes medizinische Themen behandelten. Solche, die Betroffenen Heilung versprachen – und mit falscher Hoffnung Geld verdienten. 

In Zeiten von Corona hat sich die Arbeit im Faktencheck-Team daher inhaltlich kaum verändert. Die Narrative der Desinformation sind dieselben geblieben, nur mit einem Corona-Dreh versehen. Einschlägige Webseiten berichteten vorher regelmäßig von einer angeblichen „Invasion“ von Geflüchteten. Jetzt warnen sie, die Corona-Maßnahmen würden ausgenutzt, um „heimlich“ Asylbewerber nach Deutschland zu bringen. Wer früher „Lügenpresse“ schrie, beschuldigt die ARD nun ohne jeden Beleg, Särge von 2014 in der Corona-Berichterstattung gezeigt zu haben. 

Und viele, die vorher auf Youtube fragwürdige Gesundheitstipps und Heilsversprechungen gaben, geben sich nun als Coronavirus-Experten aus. Sie werden auf Youtube-Kanälen als „Mediziner“ vorgestellt und treten gerne in weißen Hemden oder Arztkitteln auf. Dass sie zwar meist Ärzte sind, aber nicht über ihre eigenen Fachgebiete sprechen, wird dabei verschwiegen. 

Urologe im Youtube-Gespräch mit „alternativen Medien“

So behauptet Michael Spitzbart im Compact-Interview auf Youtube, das Virus sei für Gesunde „praktisch harmlos“ und rät dazu, das Immunsystem zu beschäftigen: „Wenn im Restaurant eine Gabel runterfällt, die erst recht nehmen. Das ist eine geimpfte Gabel“. Das Youtube-Video vom 3. April erreichte bisher 172.000 Klicks. (Unser Faktencheck dazu) Spitzbart ist Urologe.  

Der Internist Claus Köhnlein streut in Youtube-Interviews mit den „alternativen Medien“ Der fehlende Part (860.000 Aufrufe) und KenFM (105.000 Aufrufe) Zweifel an der Zuverlässigkeit der PCR-Tests, mit denen auf Corona-Infektionen getestet wird. Knapp eine Million Mal wurden diese Videos insgesamt aufgerufen. (Unser Faktencheck dazu)

Seit dem Ausbruch des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 hat sich auf Youtube eine Allianz aus Homöopathen, Impfgegnern, Verschwörungstheoretikern und „alternativen Medien“ gebildet. Überschneidungen hat es schon vorher gegeben, aber die hohen Klickzahlen befeuern die Gastauftritte und Co-Produktionen. Mediziner der unterschiedlichsten Fachbereiche liefern den Youtube-Kanälen der „alternativen Medien“ die notwendige Faktenfassade während der Pandemie. 

Verunsicherte Einreichungen von Leser*innen

Viele Einreichungen der letzten Tage in unserem CrowdNewsroom lassen vermuten, dass solche Videos aktuell zahlreiche Menschen erreichen, die die Kanäle zuvor nicht kannten. Unsere Nutzer berichten von Whatsapp-Gruppen mit Bekannten oder Familienmitgliedern, in die plötzlich fragwürdige Meldungen geschickt würden. Nie zuvor hat unser Faktencheck-Team seit der Gründung im Mai 2017 so viele Anfragen erhalten. Viele davon klingen ehrlich verzweifelt. 

Einer breiten Öffentlichkeit wurde das Problem der fragwürdigen Youtube-Videos durch Auftritte des Internisten und Lungenarztes Wolfgang Wodarg bewusst, der sich unter anderem von Eva Herman und dem ZDF-Magazin Frontal 21 interviewen ließ. Diese Videos und ein Kettenbrief zur Ibuprofen-Einnahme schafften es aufgrund ihrer vermeintlichen Legitimation durch Mediziner per Weiterleitung offenbar auch in Kreise, die sonst seltener irreführende oder falsche Meldungen erreichen. 

Interview mit verschwörungstheoretischen Kanälen

Ein weiteres Problem ist die offenbare Unbedarftheit mancher Mediziner bei der Auswahl ihrer Gesprächspartner. So gab etwa die Virologin Karin Mölling dem Medium KenFm ein Interview, das auf Youtube 170.000 Mal aufgerufen wurde. 

Michael Butter, der zu Verschwörungstheorien forscht, sagte dazu in einem Zeit-Interview„Die Virologin Karin Mölling [ist] eine emeritierte Professorin am angesehenen Max-Planck-Institut für molekulare Genetik in Berlin. Sie hält die strikten Maßnahmen wie das weitreichende Kontaktverbot für übertrieben. Das ist eine legitime wissenschaftliche Position. Aber Frau Mölling hat dazu KenFM ein Interview gegeben. Auf dieser Internetseite wurde schon behauptet, die Massenmedien seien von Zionisten unterwandert oder die Flüchtlingskrise sei bewusst gesteuert und diene der ‘Desorganisation’ Deutschlands. Auch zu Corona werden dort seit Wochen Verschwörungstheorien verbreitet. In so einem Kontext werden Frau Möllings Äußerungen offensichtlich Teil dieser Verschwörungstheorien. Das hätte ihr klar sein müssen.“

Medizinische Tipps, die dem aktuellen Stand der Forschung widersprechen, sind das eine Problem. Ihnen kann man mit Fakten begegnen. Auf Youtube werden diese Falschmeldungen jedoch mit Verschwörungstheorien verbunden und damit Millionen von Klicks generiert. Wahlweise werden die Pharmaindustrie, die USA, China oder satanische Sekten für die Pandemie verantwortlich gemacht. 

„Machtergreifung“, Weltuntergang und Biowaffe: Verschwörungstheorien in Corona-Zeiten

Eine aktuelle Analyse der Universität Münster hat  15.000 Facebook-Posts von „alternativen Nachrichtenmedien“ von Anfang Januar bis zum 22. März untersucht. Sie kommt zu dem Schluss, diese hätten bisher während der Corona-Krise vor allem Gerüchte und einzelne Verschwörungstheorien verbreitet. „Diese Medien vermischen in ihren Veröffentlichungen das Leugnen des Klimawandels, die Flüchtlingskrise, Weltuntergangstheorien und das Coronavirus“, sagt Thorsten Quandt, der die Studie leitete. 

Unter anderem hätten „alternative Medien“ die Verschwörungstheorie, das Virus sei eine Biowaffe aus China, verbreitet. (Unseren Faktencheck dazu finden Sie hier) „Wir fanden mehrere Fälle, in denen ihre Aussagen an anderer Stelle aufgegriffen wurde, beispielsweise in den Youtube-Kanälen von Verschwörungstheoretikern, die als sekundäres Verbreitungssystem dienen. Sie bezeichnen die Botschaften der alternativen Nachrichtenmedien als glaubhaft“, sagt Thorsten Quandt. 

Das bestätigt, was wir Faktencheckerinnen seit Jahren beobachten: Youtube-Verschwörungstheoretiker und „alternative Medien“ sind untrennbar miteinander verbunden. Nun mischen sich zunehmend auch Mediziner darunter. 

So spielte zum Beispiel der Homöopath Ralf Kron im Youtube-Interview mit dem Blog eingeschenkt.tv auf eine Verschwörungstheorie an: Auf Desinfektionsmitteln werde schon seit Jahren Schutz gegen Coronaviren versprochen. (Unser Faktencheck dazu) 

Auch bekannte Größen der Verschwörungsszene wie Oliver Janich melden sich in diesen Wochen zu Wort: In einem seiner Videos tritt der ebenfalls bekannte Verschwörungstheoretiker Gerhard Wisnewski auf und bekräftigt, was er schon in einem zweiten Youtube-Interview sagte: „Was wir hier haben, das ist 1933 auf globaler Ebene, die Machtergreifung der WHO-Strukturen zusammen mit chinesischen Strukturen“. Knapp 300.000 Mal wurde das Video aufgerufen. 

Youtubes zögernde Antwort auf Desinformation

Youtube stellt Faktenchecker vor besondere Herausforderungen: Die Videos sind häufig lang und die Aussagen ein wildes Durcheinander aus Tatsachenbehauptungen (prüfbar), Meinung (nicht prüfbar) und Verschwörungstheorien (nur Aspekte prüfbar). Der Faktencheck eines einzigen Videos kann Tage dauern, während die Klickzahlen im Minutentakt steigen. Anders als Facebook ermöglicht Youtube außerdem bisher keine Verknüpfung von Faktenchecks mit Falschmeldungen, die Usern dann angezeigt werden. Zudem bietet Youtube Faktencheckerinnen kein Tool, mit dem die Plattform effektiv nach Falschmeldungen durchsucht werden kann.

WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus kündigte im Februar an, nicht nur gegen das Virus anzukämpfen, „sondern auch gegen die Trolle und Verschwörungstheoretiker, die Fehlinformationen vorantreiben und die Reaktion auf den Ausbruch untergraben“. 

Bei Youtube scheint man das Problem weiterhin nur langsam anzugehen. Angesichts der Corona-Pandemie blendet die Plattform in Deutschland aktuell unter Videos lediglich einen Verweis auf Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung oder WHO ein, wie der Konzern in einem FAQ zum Coronavirus schreibt. Beim Thema „Falschmeldungen“ bleibt Youtube in diesen Richtlinien jedoch vage und schreibt, man würde Inhalte löschen – nach eigenen Angaben aber erst dann, wenn es sich um Inhalte handele, in denen behauptet werde, „dass schädliche Substanzen oder Behandlungen positive gesundheitliche Auswirkungen haben können.“

Aus den Youtube-Richtlinien zum Thema „Falschmeldungen“. (Screenshot: CORRECTIV)

Bleiben bei sonstig irreführenden Videos also die Info-Einblendungen. Diese jedoch sind selbst irreführend designt: Wer ein Video damit sieht, könnte meinen, die abstrusesten Verschwörungsvideos seien durch die Bundeszentrale legitimiert oder stammten sogar von ihr. Selbst Youtubes aktuelle Verbesserungsansätze promoten Fakes und Verschwörung demnach noch.

Update, 11. April:  Wir haben am Ende des Artikels einen Auszug aus den Youtube-Richtlinien ergänzt. 

Update, 24. April 2020: In einer Stellungnahme hat sich Youtube nach Erscheinen zu unserem Text geäußert. Youtube schreibt, es sei nicht zutreffend, dass man Falschmeldungen, Hetze und Verschwörung auf der Plattform dulde.  

„Wir nehmen den Kampf gegen jedwede Form problematischer Inhalte sehr ernst und entfernen schon seit vielen Jahren alle Inhalte, die gegen unsere Produktrichtlinien verstoßen. Zum Beispiel erlauben wir keine Anstiftung zu Gewalt, Belästigung oder Hassrede. Dabei setzen wir auf eine Kombination aus Nutzern und Technologie, um unzulässige Inhalte zu melden und diese Richtlinien durchzusetzen. Wir arbeiten laufend an der Verbesserung unserer internen Prozesse, um eine zügige und sachgerechte Prüfung und Entfernung sicherzustellen und haben die betreffenden Richtlinien für Hassrede und ähnlich problematische Inhalte immer wieder verschärft.“

Weiter schreibt Youtube: „Natürlich wird es auf YouTube immer wieder Inhalte geben, die sich an der Grenze unserer Richtlinien befinden. Deshalb haben wir in den vergangenen Jahren daran gearbeitet, Inhalte von verlässlichen Quellen auf YouTube zu fördern und die Verbreitung von grenzwertigen Inhalten und schädlichen Fehlinformationen zu reduzieren.“ Die Infotafeln mit Verweis auf Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, über die CORRECTIV berichtet hatte, seien mit der Behörde abgestimmt. 

Coronavirus - Plauen
Proben für Corona-Tests am 30. März im Diagnosticum-Labor im sächsischen Plauen. Dort werden Test zur Abklärung von Infektionskrankheiten nach der PCR-Methode - Polymerase-Ketten-Reaktion - durchgeführt, seit Wochen auch die Tests auf Covid-19. (Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/ZB)

von Cristina Helberg

In mehreren Youtube-Videos wird behauptet, dass PCR-Tests zum Nachweis von Corona-Infektionen in 30 bis 50 Prozent der Fälle falsche Ergebnisse lieferten. Das Ausmaß der Pandemie werde deshalb überschätzt. Der Virologe Christian Drosten hat den Aussagen bereits öffentlich widersprochen.

Immer wieder taucht in Youtube-Videos zur Corona-Pandemie eine zentrale Behauptung auf: Die angewandten PCR-Tests seien zu 30 bis 50 Prozent falsch positiv. Das behaupten in Youtube-Videos unter anderem Internist Claus Köhnlein (860.000 Aufrufe), Onkologe Heiko Schöning (238.000 Aufrufe) und Heilpraktiker Andreas Schlecht (54.000 Aufrufe). In einem Video ist sogar die Rede von bis zu 80 Prozent falschen Testergebnissen. Mit der Behauptung ist der Vorwurf verbunden, die Corona-Pandemie sei gar nicht so schlimm und die Zahl der Infizierten liege viel niedriger als von offizieller Seite angegeben. 

PCR steht für Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR) und wird zur Diagnostik von Infektionskrankheiten eingesetzt. Sogenannte „falsch positive Tests“ sind Tests mit einem positiven Ergebnis, obwohl der Patient sich gar nicht mit dem neuartigen Coronavirus infiziert hat. 

Wir haben die Behauptung geprüft und eine Presseanfrage an das Robert Koch-Institut geschickt. Das RKI antwortete uns per E-Mail: „Eine Angabe von 30-50 Prozent falsch positiver Tests ist nicht nachvollziehbar.“ Eine genaue Fehlerquote konnte uns das RKI auf Nachfrage nicht nennen: „Leider können wir das nicht auf eine Zahl begrenzen, dazu haben wir nicht die nötigen Daten.“ Die Behörde verwies uns an das zuständige Konsiliarlabor. 

Um wichtige Infektionserreger zu überwachen, gibt es in Deutschland sogenannte nationale Referenzzentren und Konsiliarlabore, die sich jeweils auf die Forschung zu bestimmten Bakterien, Viren oder Parasiten spezialisiert haben. Das Konsiliarlabor für Coronaviren ist das Institut für Virologie der Charité Berlin, geleitet von Christian Drosten. Er hatte gemeinsam mit seinem Team den ersten weltweiten Diagnostiktest entwickelt. Im NDR-Podcast zum Coronavirus hat er sich mehrfach zur Fehlerquote der PCR-Tests geäußert. 

Wie kann es zu falsch positiven Tests kommen? 

Das RKI schrieb uns dazu: „Falsch positive Tests können 1. durch ungewünschte Reaktion mit anderen, nicht-SARS-CoV-2 Erregern, oder 2. durch Kontamination entstehen.“  

Zu möglichen Reaktionen mit anderen Erregern hat sich Christian Drosten ausführlich im NDR-Podcast geäußert (PDF, Folge 16): „Wenn wir eine Patientenprobe testen und die ist positiv, dann ist es dieses neue Coronavirus und auf gar keinen Fall eins der bekannten anderen Coronaviren.“

Theoretisch sei es zwar richtig, dass der Test gegen das alte SARS-Coronavirus reagieren würde, wie zum Beispiel Wolfgang Wodarg in seinem Video behauptete. Allerdings sei das Virus seit 16 Jahren nicht mehr beim Menschen aufgetreten. Auch bei einigen Fledermaus-Coronaviren oder einem Rinder-Coronavirus würde es theoretisch reagieren. Praktisch sei das jedoch irrelevant, weil diese nicht beim Menschen auftreten: „Wir testen mit diesem Test nur das neue Coronavirus beim Menschen.“ 

Weiter sagt Drosten, es sei im Rahmen der PCR-Testentwicklung eine Validierungsstudie mit einer großen Zahl echter Patientenproben durchgeführt worden, mit bekannt positiven Nachweisen anderer Coronaviren und auch aller anderen Erkältungsviren. „Und nicht ein einziges Mal hat es da eine falsch positive Reaktion gegeben. Also dieser Test reagiert gegen kein anderes Coronavirus des Menschen und gegen kein anderes Erkältungsvirus des Menschen.“

Zu der Möglichkeit falsch positiver Tests durch mögliche Kontamination schrieb uns das RKI: „In jeder Diagnostik können unter sehr besonderen Bedingungen falsche Ergebnisse auftreten, was durch die Verwendung geeigneter Kontrollen minimiert wird“. 

Was ist mit falsch negativen Tests? 

„Falsch negative Tests“ meinen Ergebnisse, bei denen infizierte Patienten fälschlicherweise als negativ getestet werden. Auch dazu kursieren Angaben, es gebe 30 Prozent falsch negative PCR-Tests. Virologe Christian Drosten sagt dazu: 

„Die PCR im Rachenabstrich ist nur in der ersten Woche zuverlässig positiv, dann verschwindet bei einigen Patienten im Hals das Virus.“ (PDF, Folge 22) 

Und: „In der zweiten Woche sind die nicht mehr ganz zuverlässig positiv. Dann hat der Patient immer noch Symptome, aber im Hals kann es dann sein, dass der Test das schon nicht mehr nachweisen kann. Das liegt nicht daran, dass der Test nicht gut wäre, sondern das liegt einfach daran, dass das Virus dann im Hals nicht mehr vorhanden ist, wohl aber in der Lunge.“ (PDF, Folge 21) 

Dieses Dilemma habe auch in Wuhan in China für Verunsicherung gesorgt: Viele Patienten mit beginnender Pneumonie seien erst in der zweiten Woche der Erkrankung in die Krankenhäuser gekommen. Ihre Rachenabstriche seien dann nicht mehr zuverlässig positiv gewesen. Deshalbe hätten die Ärzte in Wuhan auf dem Gipfel der Epidemie Diagnosen aufgrund von CT-Bildern der Lunge gestellt. Soweit sei es in Deutschland nicht. „Aber es ist einfach wichtig für Ärzte in Krankenhäusern, das zu wissen, dass späte Patienten im Rachenabstrich nicht mehr zuverlässig positiv sind, wohl aber in der Lunge“, sagt Drosten.

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Der Test an sich ist also nicht fehlerhaft, aber die Entnahme einer Probe aus dem Rachen ab der zweiten Woche nicht mehr sinnvoll. Drosten zieht aus einer noch nicht validierten Studie zu den ersten Münchener Patienten auch den Schluss, dass in der Frühphase der Diagnostik die PCR aus dem Rachen nie falsch-negativ sei (PDF, Folge 10). 

Am 3. April sprach Drosten auch die immer wieder aufgestellte Behauptung über hohe falsch-negative Fehlerquoten an: „Dann sind es aber andere Aspekte, wo ich einfach nur den Kopf schütteln kann. Wo wir eigentlich relativ viel schon wissen, aber auch jetzt immer wieder die gleiche Fehlinformation verbreitet wird. Zum Beispiel habe ich jetzt gerade wieder in einer amerikanischen Zeitung gelesen: 30 Prozent der PCR-Diagnosen sind falsch negativ. Genau diese Meldung kam vor ein paar Wochen aus China auch. Und wir wissen genau, woran das liegt. Die PCR-Diagnostik aus dem Rachen ist nun mal nach der ersten Woche nicht mehr positiv.“ (PDF, Folge 27) 

Labore der Unikliniken Köln, Stuttgart und Dresden widersprechen Behauptung

Auf eine Presseanfrage von CORRECTIV nach falschen Testergebnissen haben uns die Labore der Unikliniken Köln, Stuttgart und Dresden ähnlich geantwortet. 

Rolf Kaiser vom Institut für Virologie der Universität zu Köln sagte uns am Telefon: „Unter der Vorgabe, dass der Abstrich richtig genommen wird und das Labor erfahren ist und sauber arbeitet, sind Fehlerquoten von 30 – 50 Prozent falsch positiven Testergebnissen nicht erklärbar.“ Man könne generell nie ausschließen, dass mal etwas falsch laufe und Fehler passieren, aber dafür gebe es interne Kontrollen im Test und im Labor. „Die Quoten liegen dabei deutlich unter 30 bis 50 Prozent.“

Zu der Behauptung, die Test könnten aus anderen Gründen falsch positiv sein, sagte er: „Die gebräuchlichen aktuellen PCR Test auf den Coronavirus haben kein Problem mit Kreuzreaktionen von bekannten Coronaviren. Dazu hat auch schon ein Ringversuch mehrerer Labore zur Qualitätssicherung stattgefunden.“ 

Zentralinstitut Stuttgart: „Falsch positive Ergebnisse nahezu ausgeschlossen“ 

Corinne Klett vom Zentralinstitut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin des Klinikums Stuttgart antwortete: „Die Tests am Klinikum Stuttgart weisen eine sehr hohe Qualität mit sehr geringen Fehlerquoten auf. Insbesondere falsch positive Ergebnisse sind nahezu ausgeschlossen.“ 

Auch sie verweist jedoch darauf, dass die Abstriche gründlich genommen werden müssten. „In Krankenhäusern mit geschultem Personal sollten diese Fehler jedoch kaum auftreten.“ Weiter schrieb sie per E-Mail: „Die Tests am Klinikum Stuttgart erkennen im niedrigen Virusbereich erkrankte Patienten zu 95%, bei höheren Virus-Konzentrationen liegt die Sensitivität bei annähernd 100%.“

Bislang seien keinerlei Kreuzreaktionen bekannt, die zu falsch positiven Ergebnissen führen könnten. „Deshalb sind falsch positive Corona-PCR-Ergebnisse nahezu auszuschließen. Als Fehlerquelle kommt vor allem die Präanalytik in Frage, also beispielsweise ungenügende Abstrichtechnik, Probenverwechslung oder auch zu lange Lagerung bzw. Transportzeiten.“

Labor der Universität Dresden: „Uns sind bislang keine Fälle falsch positiver Befunde bekannt“

Alexander Dalpke, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Technischen Universität Dresden schreibt per E-Mail über sein Labor:  „Uns sind bislang keine Fälle falsch positiver Befunde bekannt“. Auf die Frage von CORRECTIV, ob in deutschen Laboren, die Erfahrung mit PCR-Tests haben und Proben untersuchen, bei denen der Abstrich korrekt genommen wurde, eine Fehlerquote von 30 bis 50 Prozent falsch positiven Tests denkbar sei, antwortete er: „Nein, die RT-PCR sind hochspezifisch (Spezifität sicher im Bereich >95/98%).“ 

Er verweist aber wie seine Kollegen auf das Problem der Abstriche. Je schlechter die Proben genommen würden, desto weiter sinke die Sensitivität. „Es gibt tatsächlich Hinweise, dass Rachenabstriche nur 70% der Erkrankten erkennen.“ Deshalb setze man nur geschultes Personal für die Abstriche ein. Und Dalpke macht auf ein weiteres Problem aufmerksam: „Falsch positive und falsch negative Ergebnisse hängen darüber hinaus davon ab wie die ‘Vortestwahrscheinlichkeit’ ist.“ 

Warum die Vortestwahrscheinlichkeit wichtig ist 

Damit ist ist die sogenannte Basisrate oder Prävalenz gemeint, also die Häufigkeit der Krankheit in der Bevölkerung. Sie verändert sich laufend. Um zu verstehen, warum das Einfluss auf den Test hat, muss man etwas ausholen. Für Tests sind generell immer zwei Werte wichtig: Sensitivität und Spezifität. Sensitivität ist die Wahrscheinlichkeit dass Infizierte auch als infiziert erkannt werden, und Spezifität die Wahrscheinlichkeit, dass Gesunde auch als gesund erkannt werden. 

Bei einem Test mit 99 Prozent Sensitivität und Spezifität werden von 100 Gesunden 99 Personen korrekt negativ getestet und eine Person falsch positiv. Testet man jedoch 100 Kranke, wird der Test 99 Personen korrektiv positiv erkennen und eine Person falsch negativ. 

Dalpke führt dieses Beispiel an, um zu verdeutlichen, dass der Test derselbe bleibt, die Wahrscheinlichkeiten sich jedoch je nach Basisrate ändern: „Der Test wird im positiven und negativen Vorhersagewert besser, wenn gezielt Populationen mit einer höheren Vortestwahrscheinlichkeit untersucht werden.“

Update, 23. April 2020: Wir haben die Stellungnahmen der Unikliniken ergänzt und die Bewertung gekürzt.

Unsere Bewertung:
Falsch. Eine Fehlerquote von 30 bis 50 Prozent ist laut Aussagen von Experten ausgeschlossen.

Klöckner
Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) sprach im ARD-Morgenmagazin über Maßnahmen, um Erntehelfer während der Corona-Maßnahmen zu gewinnen. (Screenshot: CORRECTIV)

von Cristina Helberg

In einem Whatsapp-Kettenbrief wird behauptet, eine Aussage der Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner im ZDF zu Erntehelfern beweise, dass Asylbewerber mehr als 1.100 Euro im Monat hätten. Rentner hätten dagegen nur 600 Euro. Diese Schlussfolgerungen sind falsch.

In einem Whatsapp-Kettenbrief wird behauptet, eine Aussage von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) entlarve, dass Asylbewerber mehr Geld zur Verfügung hätten als Rentner. 

Konkret steht in der Nachricht, die uns von mehreren Lesern zur Überprüfung eingereicht wurde: „Im ZDF kam grad ein Bericht mit der Landwirtschaftsministerin! Es ging um Erntehelfer und jetzt bitte setzen! Rentner und Geringverdiener können sich ja was dazu verdienen!!!!!! Auf die Frage ob man nicht Asylanten nehmen kann kam als Antwort:für Asylanten ist der Dazuverdienst unattraktiv, weil es dann abgezogen wird! Also hat Sie offiziell zugegeben, dass die Asylanten mehr wie 1100 Euro im Monat haben und unsere Rentner ca 600 Euro! Bitte Teilen“. Der identische Text verbreitet sich auch auf Facebook (mehr als 1.400 Mal geteilt). 

Diese Schlussfolgerungen sind falsch. Wir haben sie geprüft. 

Tatsächlich trat Klöckner am 1. April im ARD-Morgenmagazin auf und sprach über fehlende Erntehelfer durch die Corona-Maßnahmen und mögliche Abhilfen. Darüber berichtete auch das ZDF. Die Zuverdienstgrenzen sollen laut der Ministerin unter anderem für Kurzarbeiter und Rentner angehoben werden (ab Minute 01:32), damit die Arbeiter als Erntehelfer für sie attraktiver wird.  

Auf die Frage der Moderatorin (ab 03:19), ob auch Asylbewerber für die Ernte eingesetzt werden könnten, antwortete Klöckner, es gebe viele Asylbewerber, mit oder ohne Arbeitserlaubnis. „Bei denjenigen, die eine Arbeitserlaubnis haben, ist natürlich die Zuverdienstgrenze sehr unattraktiv, was dann abgezogen wird, und hier müssen wir ran […]“. 

Klöckner sagte also nicht, dass Asylbewerber mehr Geld zur Verfügung hätten, sondern, dass für sie aktuell niedrige Zuverdienstgrenzen gelten. Außerdem nannte sie in dem Interview keine konkreten Zahlen, anders als in dem Whatsapp-Brief suggeriert wird. 

Bundeslandwirtschaftsministerium: Aussagen im Whatsapp-Kettenbrief sind falsch 

Auf eine Presseanfrage von CORRECTIV schrieb das Bundeslandwirtschaftsministerium per E-Mail: „Die in der besagten Nachricht gemachten Behauptungen in Bezug auf Aussagen von Bundesministerin Klöckner sind falsch und entbehren jeglicher Grundlage.“  

Richtig sei, dass die Ministerin in dem Interview über mehrere Maßnahmen berichtet habe. So würden Einkommen aus einer Nebenbeschäftigung übergangsweise bis Ende Oktober 2020 nicht auf das Kurzarbeitergeld angerechnet. Und zwar bis zur Höhe des Nettolohns aus dem eigentlichen Beschäftigungsverhältnis. 

Die Hinzuverdienstgrenze bei Vorruheständlern in der gesetzlichen Rentenversicherung würde deutlich angehoben (auf 44.590 statt 6.300 Euro) und in der Alterssicherung der Landwirte vollständig aufgehoben. 

Weiter schreibt das Ministerium: „In keinem unmittelbaren Zusammenhang dazu steht die Antwort der Bundesministerin auf eine spätere Nachfrage der Moderatorin zum Einsatz von Asylbewerbern in der Landwirtschaft. Dort merkte sie an, dass für jene Asylbewerber, die eine Arbeitserlaubnis haben, die Hinzuverdienstgrenze unattraktiv sei. Ein unmittelbarer Bezug zwischen Rentnern und Asylbewerbern wurde in diesem Interview also zu keiner Zeit hergestellt, auch gab es nie eine Aussage zu den in der Nachricht konkret genannten Summen.“    

E-mail des Bundeslandwirtschaftsministeriums auf eine Presseanfrage von CORRECTIV. (Screenshot: CORRECTIV)

Wie viel dürfen Rentner und Asylbewerber dazuverdienen? 

In Deutschland können Rentner sich nach Erreichen der Regelaltersgrenze etwas hinzuverdienen, ohne dass Ihnen die Rente gekürzt wird. Je nach Geburtsjahr liegt diese Grenze zwischen 65 und 67 Jahren.

Anders ist das bei Menschen im Vorruhestand und Renten wegen Erwerbsminderung. Diese Personen dürfen nur 6.300 Euro jährlich brutto hinzuverdienen, ohne dass der Betrag auf ihre Rente angerechnet wird. Das sind 525 Euro monatlich. Diese Grenze ist für das Jahr 2020 nun deutlich angehoben worden, auf 44.590 Euro jährlich. 

Mitteilung zur Erhöhung der Verdienstgrenze für das Jahr 2020 auf der Webseite der Deutschen Rentenversicherung. (Screenshot: CORRECTIV)

Für Asylbewerber gibt es bisher keine Erhöhung der Zuverdienstgrenze im Rahmen der Corona-Maßnahmen. Aus den Aussagen von Klöckner im Morgenmagazin lässt sich schließen, dass sie sich jedoch dafür einsetzen will. 

Regulär können Asylbewerber, sofern sie eine Arbeitserlaubnis besitzen, laut dem Asylbewerberleistungsgesetz Einnahmen aus Erwerbstätigkeit höchstens bis zur Höhe von 50 Prozent des ihnen zustehenden Regelbedarfs anrechnungsfrei behalten (§7 Absatz 3). Der Regelbedarf liegt aktuell für einen alleinstehenden Menschen in einer Wohnung bei 344 Euro. Dazuverdienen dürfte er sich also höchstens 172 Euro im Monat. 

Das ist deutlich weniger als die 525 Euro, die Vorruheständler schon vor den neuen Maßnahmen pro Monat anrechnungsfrei behalten durften. Durch die Anhebung der Zuverdienstgrenze dürfen Vorruheständler im Jahr 2020 nun sogar knapp 3.715 Euro im Monat ohne Anrechnung behalten. 

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Falsche Behauptungen und aus dem Kontext gerissene Vergleiche zwischen Leistungen für Asylbewerber und Rentner oder Angestellte sind nicht neu. Wir haben in der Vergangenheit bereits ähnliche Behauptungen geprüft.

Unsere Bewertung:
Falsch. Rentner können sich deutlich mehr anrechnungsfrei hinzuverdienen als Asylbewerber.

Särge
Dieser Facebook-Beitrag stellt eine Behauptung über die ARD ohne Belege auf. (Screenshot: CORRECTIV)

von Cristina Helberg

In mehreren Facebook-Beiträgen werfen Nutzer der ARD vor, sie habe Bilder von Särgen aus dem Jahr 2014 in aktuellen Beiträgen über das Coronavirus genutzt. Dafür gibt es jedoch weder Belege noch irgendwelche Hinweise.

„ARD hat wieder zugeschlagen“, so beginnt ein Facebook-Beitrag, der aktuell viel geteilt wird. Weiter steht dort: „Haben Bilder von Särgen der Corona Opfer gezeigt. Jetzt hat sich herausgestellt, dass sie genau dieselben Bilder 2014 in einer Doku: ‘Tod vor Lampedusa’ bei dem Schiffsunglück benutzt haben. Scheiss Lügenpresse […]“. Belege für diese Behauptung nennt der Autor nicht. Nach unseren Recherchen wurde der Beitrag von verschiedenen Nutzern mindestens 1.400 Mal geteilt. 

Tatsächlich zeigen die Bilder in dem Screenshot Särge von Menschen, die 2013 bei einem Schiffsunglück vor der italienischen Insel Lampedusa starben, in einem Flughafen-Hangar. 

Erst vor Kurzem verbreiteten Nutzer ein ähnliches Foto derselben Szene auf Facebook und behaupteten, die Särge gehörten zu Opfern des Coronavirus in Italien. In einem Faktencheck zeigten wir bereits, dass diese Behauptungen falsch sind. Allerdings hatten die Behauptungen damals keinen Zusammenhang mit der ARD, die Fotos wurden in falschem Kontext von Privatpersonen auf Facebook verbreitet. 

Richtig ist: Der Fotograf Alberto Pizzoli nahm beide Fotos am 5. Oktober 2013 im Hangar des Flughafen Lampedusa auf, wie sich auf der Webseite der Bilddatenbank Getty Images verifizieren lässt (Bild 1, Bild 2). 

Die Bilder in dem aktuell verbreiteten Facebook-Screenshot zeigen einen Artikel der Süddeutschen Zeitung aus dem Jahr 2014, in dem als Ort der Fotos korrekt Lampedusa angegeben ist. Eine Google-Suche nach Bildern von Särgen auf der Webseite der ARD liefert keinen Hinweis auf eine aktuelle Nutzung der Bilder im falschen Kontext. Ebensowenig eine zeitlich eingegrenzte  Google-Rückwärtssuche für seit Januar 2020 veröffentlichte Bilder. 

Ein Ergebnis: 2013 verwendete die Tagesschau ein ähnliches Bild wie in dem Facebook-Beitrag in korrekter Weise für einen Artikel über verstorbene Geflüchtete vor Lampedusa. Am 28. März 2020 veröffentlichte die Tagesschau einen Artikel über Opfer des Coronavirus in Italien mit einem Bild, auf dem Särge zu sehen sind. Sie sind jedoch deutlich heller als die Särge auf den Aufnahmen im Facebook-Beitrag und die Bilder wurden offensichtlich an einem anderen Ort aufgenommen. 

Links der Bericht der Tagesschau vom 28. März 2020 und rechts das bei Facebook verbreitete Foto. Offensichtlich handelt es sich um unterschiedliche Orte. (Screenshots: CORRECTIV)

Auf eine Presseanfrage von CORRECTIV schrieb eine Sprecherin der ARD per E-Mail: „Bei Facebook wurde offenbar ein Bezug zur ARD hergestellt, ohne irgendeine konkrete Sendung oder ein Ausstrahlungsdatum zu benennen oder dies mit Fakten zu belegen. Es ist für uns im Moment nicht nachvollziehbar, wo das entsprechende Foto aus dem Zusammenhang gerissen aktuell in unserem Programm verwendet worden sein könnte. Was nicht heißt, dass uns nicht auch Fehler unterlaufen können, mit denen wir aber grundsätzlich offen und transparent umgehen.“ 

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Unsere Bewertung:
Unbelegt. Es gibt keine Hinweise, dass die ARD das Bild tatsächlich im falschen Kontext verwendete.

Coronavirus - Robert-Koch-Institut - Pressekonferenz
Lothar Wieler, Leiter des Robert-Koch-Instituts, auf einer Pressekonferenz. Zu Fake News äußert sich das Institut nicht. (Foto Annegret Hilse/Reuters-Pool/dpa)

von Frederik Richter , Alice Echtermann , Till Eckert , Cristina Helberg

Deutschland bekämpft mit allen Mitteln den Ausbruch der Corona-Pandemie. An eines hat jedoch kaum einer gedacht: den Einfluss von Desinformation. Das Robert-Koch-Institut und weitere Einrichtungen geben Faktencheckern selten Auskunft. Das kann gefährlich sein.

Desinformation rund um die Corona-Pandemie erreicht in sozialen Netzwerken Millionen Menschen. Sie hängen an den Lippen von Ärzten und angeblichen Experten, die behaupten, die Pandemie sei nicht viel schlimmer als eine Grippe-Welle.

Solche Falschinformationen haben konkrete Auswirkungen: Wer glaubt, das Coronavirus sei nicht so schlimm, ist weniger bereit, sich an Hygieneregeln und Maßnahmen zur Eindämmung zu halten. Es kann um Leben und Tod gehen.

„Desinformation über Gesundheit kann Ausbrüche von Ansteckungskrankheiten verschlimmern“, schrieben zwei britische Forscher in einer Studie vom November 2019. Sie verwiesen darauf, dass während des Ausbruchs von Ebola in Westafrika das Verhalten der Menschen davon abhing, welche Informationen über Übertragungswege der Krankheit sie erhalten hatten.

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Bereits am 2. Februar wies die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in einem Situationsbericht darauf hin, dass die Corona-Pandemie von einer „massiven Infodemie“ begleitet werde. Seitdem beobachtet die WHO Gerüchte und Mythen rund um den Corona-Ausbruch und kämpfen mit Aufklärung gegen sie an.

Es gibt bei Bundesbehörden und in den Ländern auch positive Beispiele. Doch beim Robert-Koch-Institut (RKI), der wichtigsten Bundesbehörde im Kampf gegen Pandemien, und anderen Einrichtungen findet dieser Teil der Pandemie-Bekämpfung kaum statt. Manche Pressesprecher halten den „Quatsch“ im Internet offenkundig für unwichtig im Vergleich zu anderen Anfragen und antworten nicht auf Fragen von Faktencheckern, die der Desinformation entgegentreten wollen.

Das RKI ließ seit Januar etwa ein halbes Dutzend Anfragen zu jeweils verschiedenen Falschbehauptungen zum Coronavirus unbeantwortet oder verwies auf andere Behörden. Erst als wir uns massiv bei der Bundesregierung beschwerten, erhielten wir Ende März Informationen.

Die Pandemie ist eine beispiellose Herausforderung für die Gesellschaft, die Medien und vor allem auch für die Behörden. Einige Aspekte der Pandemie-Bekämpfung in Deutschland gelten international als vorbildlich. In Frankreich wie auch in Großbritannien zum Beispiel führen Kommentatoren in der innenpolitischen Debatte immer wieder die vergleichsweise großen Testkapazitäten in Deutschland an.

Mitten im Sturm

Das RKI steht im Zentrum des Sturms. Ohne Frage sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter überlastet und arbeiten sehr hart, um die Krise zu bewältigen. Das Institut erhält nach eigenen Angaben derzeit über 100 Medienanfragen pro Tag. Das ist mit den Kapazitäten aus normalen Zeiten nicht zu bewältigen. Doch wenn über mehrere Wochen hinweg Anfragen unbeantwortet bleiben, entsteht der Eindruck, dass das Institut die Bedeutung von Desinformation bei der Bekämpfung von Pandemien unterschätzt.

Anfang Februar wandten wir uns an einen Wissenschaftler des Robert-Koch-Instituts. Wir wollten über ein weitverbreitetes Gerücht schreiben, dass das Virus aus einem Biowaffen-Labor im chinesischen Wuhan stamme, und baten um eine Einschätzung. Entsprechende Facebook-Posts waren schon im Januar tausendfach geteilt worden.

Stattdessen antwortete die Pressesprecherin des RKI. Sie bat uns, Anfragen in Zukunft nur an die Pressestelle zu richten. Unsere Fragen beantwortete sie nicht.

Die Pressesprecherin lieferte lediglich einen vagen Verweis auf eine Äußerung des Virologen Christian Drosten zur Entstehung des Virus. Diesen Verweis sollten wir jedoch nicht zitieren. „Mein Kommentar bezog sich auf alle diese Verschwörungs-Behauptungen und ist nur für Ihren Hintergrund gemeint gewesen. Ich möchte solche Behauptungen nicht durch Zitate aufwerten“, schrieb die Sprecherin zur Begründung.

Diese Haltung ist überholt. Nach ihr wird das, was im Internet steht, erst dann wichtig, wenn eine Pressesprecherin es mit einem Zitat würdigt. Offenkundig ist den Presseverantwortlichen fremd geblieben, dass das Internet anders funktioniert. Desinformationen führen an offiziellen Verlautbarungen vorbei ein Eigenleben – und sie können Leben kosten.

Nichts hinzuzufügen

Als wir dem RKI die Bedeutung von Faktenchecks noch einmal schriftlich erläuterten und um Auskunft baten, antwortete die Sprecherin lediglich: „Ich kann meinen Ausführungen nichts hinzufügen.“ Die Falschinformation, dass das Virus aus einem chinesischen Labor für Biowaffen stammt, zirkuliert bis heute. Ein ehemaliger AfD-Politiker griff sie noch vor wenigen Tagen im baden-württembergischer Landtag auf – dieses Mal in der Version, dass das Virus aus einem Biowaffenlabor in den USA stammen könnte.

Erst Ende März, nachdem wir noch mehrfach angefragt haben, äußerte sich das RKI dazu uns gegenüber – und wir konnten schließlich einen ersten Faktencheck dazu veröffentlichen.

Andere Faktenchecker wie die Kolleginnen und Kollegen vom Bayerischen Rundfunk haben ähnliche Erfahrungen gemacht.

„In den ersten Tagen und Wochen der Berichterstattung über das Coronavirus hat das Robert-Koch-Institut auf die Fragen unserer Faktencheck-Redaktion relativ schnell geantwortet, aber eher knapp“, sagt Sophie Rohrmeier, Teamlead Verifikation und Faktenfuchs beim Bayerischen Rundfunk.

„Auf Details sind sie nicht eingegangen. Der nächste Schritt war dann, dass sie uns gesagt haben, aus Kapazitätsgründen könnten sie nicht mehr antworten. Inhaltlich haben wir also keine Fragen mehr beantwortet bekommen.“

Das RKI habe zum Beispiel nicht auf den Vorwurf der sogenannten Überzählung reagiert. Dabei geht es um die Frage, ob nicht zuviele Tote in der Corona-Statistik auftauchen, weil Patienten an mehreren Krankheiten sterben können. Auch das bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit habe nicht geantwortet, sagt Rohrmeier.

„Ich verstehe, dass das RKI und andere Behörden gerade sehr viele Anfragen bekommen und es etwas länger dauern kann. Aber wenn man das Virus eindämmen will, muss man auch Ängste und Gerüchte eindämmen. Desinformation zu bekämpfen, gehört aus meiner Sicht dazu, um das Virus zu bekämpfen.“

Die Bevölkerung überzeugen

Die Haltung des RKI verwundert, wenn man eine Risikoanalyse der Bundesregierung zum Bevölkerungsschutz aus dem Januar 2013 liest. Die Analyse enthält das fiktive Szenario einer globalen Pandemie – ausgelöst durch ein neuartiges Coronavirus.

Darin findet sich ein Abschnitt zum Thema Kommunikation. „Nur wenn die Bevölkerung von der Sinnhaftigkeit von Maßnahmen (z. B. Quarantäne) überzeugt ist, werden sich diese umsetzen lassen“, heißt es.

Die Autorinnen und Autoren des Berichts – der unter der Federführung des RKI verfasst wurde – gehen davon aus, dass die Behörden Verunsicherungen und verschiedenen Erklärungen mit Informationen begegnen müssen. „Es ist von einer vielstimmigen Bewertung des Ereignisses auszugehen, die nicht widerspruchsfrei ist“, schrieben sie.

Und weiter: „Dementsprechend ist mit Verunsicherung der Bevölkerung zu rechnen. Zusätzlich ist ein (mehr oder minder qualifizierter) Austausch über neue Medien (z. B. Facebook, Twitter) zu erwarten.“

„Leider nicht die Kapazität“

Die Analyse stammt aus einer Zeit, in der über soziale Netzwerke verbreitete Desinformationen und „Fake News“ noch nicht im heutigen Ausmaß als Problem erkannt waren. Doch die Autoren erkannten bereits, dass sie ein Faktor bei der Bekämpfung von Epidemien sind. Hält man sich die Reaktion des RKI vor Augen, scheint diese Erkenntnis dort noch nicht angekommen zu sein.

Oder es sieht sich als nicht zuständig an. Auf seiner Webseite schreibt das Institut, die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) sei dafür zuständig, die Bevölkerung zu informieren. Tatsächlich schaltet die BzgA zahlreiche Anzeigen in sozialen Netzwerken. Wer auf Twitter, Instagram oder Youtube „Coronavirus“, „Covid-19“ oder ähnliche Suchwörter eingibt, bekommt einen Link zur Webseite der Behörde eingeblendet.

Die BzgA jedoch verbreitet lediglich die fachlichen Informationen des RKI, wie uns eine Pressesprecherin auf Nachfrage mitteilte. Damit kann auch die BzgA die Fragen von Faktencheckern nicht beantworten.

Factchecker sind für ihre Arbeit auf Aussagen von Expertinnen und Wissenschaftlern angewiesen (Foto: Ivo Mayr/CORRECTIV)

Zum Entkräften von Desinformation, die auf vielschichtige, aber immer andere Weise Falschmeldungen, Halbwahrheiten und Spekulationen mit Fakten vermischt, müssen Medien auch spezifische Fragen zu Falschinformationen stellen, die Expertinnen und Experten und Behörden lächerlich vorkommen. Es sind Fragen, die viele Menschen in Deutschland umtreiben und die sie verunsichern.

Am 25. März versuchten wir es wieder bei der Pressestelle des RKI.

„Wir haben leider nicht die Kapazität, hier Infos bereitzustellen und können nur auf unsere Internetseiten verweisen. Vielleicht kann auch jemand von der Gesellschaft für Virologie weiterhelfen“, lautete die Antwort.

Doch da wissen wir bereits, dass die Gesellschaft für Virologie auch nicht helfen kann. Am 16. März fragten wir die Gesellschaft an. Wir suchten einen Virologen, der die Aussage entkräften kann, dass Vitamin C in hohen Dosen das Coronavirus abtöten kann. Facebook-Posts mit dieser Aussage wurden mehrere tausend Mal geteilt, Youtube-Videos mehrere zehntausend Mal aufgerufen.

Zu banal

Das klingt aus Sicht von Experten vielleicht zu banal, um sich damit abzugeben. Doch Faktenchecker sind darauf angewiesen, in ihren Texten Wissenschaftler zitieren zu können. Die Öffentlichkeit muss auf ihr Wissen zurückgreifen können, um Informationen einzuordnen.

Ohne Zitate von Wissenschaftlern und Expertinnen ist ein Faktencheck nicht möglich. Nur mit den unabhängigen Einordnungen wird die Arbeit der Faktenchecker gründlich und glaubwürdig.

Die Pressesprecherin der Gesellschaft für Virologie lehnte unsere Anfrage jedoch ab. Man habe nicht mehr die Kapazität, jede Anfrage zu beantworten, sagte sie am Telefon. Es gebe zu viele Anfragen, als dass man sich mit allem beschäftigen könne, was im Internet geschrieben werde. Die Pressesprecherin entschuldigte sich vielmals und sandte uns anschließend auch noch den Verweis auf eine wissenschaftliche Studie zum Thema.

Ähnlich ist es bei der Berliner Charité. Am 24. Januar, noch bevor der Ausbruch des Coronavirus in China das größte Thema in den Medien war, wandten wir uns zum ersten Mal an das dortige Institut für Virologie. Wir erhielten keine Antwort. Am 6. Februar stellten wir eine weitere Anfrage. Es sei der Charité ein Anliegen, mit der eigenen Expertise zur Einordnung von Fake News und Gerüchten beizutragen, lautete die Antwort. Der Leiter der Virologie, Christian Drosten, stehe jedoch wegen des erhöhten Aufkommens von Presseanfragen zum Coronavirus für die Beantwortung unserer Fragen nicht zur Verfügung.

Nicht unsere Aufgabe

Das Landeszentrum Gesundheit in Nordrhein-Westfalen – das Bundesland war zunächst am stärksten von der Corona-Pandemie betroffen – hat eine Fachabteilung Infektionsschutz. Doch die Behörde konzentriert sich auf die Zusammenarbeit mit anderen Behörden. Als wir um Informationen zur Einordnung der millionenfach verbreiteten Aussagen von Wolfgang Wodarg baten, teilte eine Sprecherin mit: Nicht unsere Aufgabe. Wodarg zählt zu den Ärzten, die die Corona-Pandemie für Panikmache von Regierungen, Experten und Medien halten.

Ganz anders agiert die WHO: Sie hat eine Liste mit „Myth busters“, also Faktenchecks falscher Behauptungen über das Coronavirus auf der eigenen Webseite veröffentlicht. Auch in sozialen Netzwerken verbreitet sie diese.

Das Bundespresseamt sagte uns auf Anfrage, dass die Bundesregierung sehr wohl gegen Desinformationen vorgehe. „Auf unseren Kanälen versuchen wir, kursierende Falschinformationen klar zu benennen“, teilte ein Sprecher mit. „Wir sensibilisieren für das Aufkommen von Desinformation und zeigen den Bürgerinnen und Bürgern verlässliche Quellen auf.“ Das Bundesministerium für Forschung und Bildung zum Beispiel hat auf seiner Webseite einige Faktenchecks veröffentlicht.

Der Sprecher verwies auch darauf, dass sich verschiedene Bundesminister täglich in Pressekonferenzen Fragen der Medien stellten. Doch das hilft der Arbeit in Sachen Desinformation wenig, denn diese verbreitet sich spontan und beinhaltet meist sehr spezielle Behauptungen, die die Glaubwürdigkeit von Wissenschaft untergraben. Das Bundesgesundheitsministerium verwies uns bei einer Anfrage übrigens ebenfalls an das RKI.

Gegenüber dem Bundespresseamt beschwerten wir uns massiv über die mangelnde Auskunftsbereitschaft des RKI. Drei Tage später beantwortete die Behörde zum ersten Mal eine Anfrage von uns.

So ein „Quatsch“

Zuvor hatten wir uns auf unserer Suche nach Informationen auch an den Pressesprecher eines großes Krankenhauses in Nordrhein-Westfalen gewandt. Um es deutlich zu machen: Das Krankenhaus dient ausschließlich der Versorgung von Patienten und sei keine Forschungseinrichtung. Es wäre nicht zu erwarten, dass es der Presse wissenschaftliche Einschätzungen zur Verfügung stellt.

Doch die spontane Antwort des Sprechers bringt eine offenbar weit verbreitete Haltung bei deutschen Institutionen und Behörden auf den Punkt: „Wenn ich offen sein darf: Zu so einem Quatsch äußern wir uns also nicht; dazu ist die Zeit gerade zu kostbar“, schrieb er.

Auch das ist eine Binsenweisheit. Es muss auch nicht jeder Antworten geben. Es wäre aber hilfreich, wenn sich zumindest eine Stelle im RKI um die Belange der Faktenchecker kümmern könnte – damit Falschinformationen in den sozialen Medien schnell auf Augenhöhe begegnet werden kann.

Es gibt auch positive Beispiele. Das Bundesinstitut für Risikobewertung beantwortete eine Anfrage von uns sehr zügig. Die Staatskanzlei des Saarlands kontaktierte uns diese Woche und zeigte Interesse an einem Austausch im Kampf gegen Fake News. Das Bundesland informiert bereits mit einem automatisierten Messenger-Dienst über das Coronavirus.

Julii Brainard und Paul Hunter, die Autoren der eingangs erwähnten Studie, untersuchten den Einfluss von Desinformation auf die Schwere eines Pandemie-Ausbruchs. Die Wissenschaftler der Universität East Anglia modellierten verschiedene Kommunikations-Strategien zur Bekämpfung von Desinformation. Sie kamen in ihrem theoretischen Modell zu dem Schluss, dass diese den Einfluss von Desinformationen auf einen Krankheitsausbruch reduzierten.

„Die Wirksamkeit der Anwendung solcher Strategien im Kampf gegen „Fake News“ muss unter realen Bedingungen getestet werden“, schrieben sie.

Die Welt, und damit auch deutsche Behörden, hat jetzt die Gelegenheit dazu.

Mitarbeit: Tania Röttger, Marcus Bensmann, Bianca Hoffmann, David Schraven und Lea Weinmann

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Dieses Video wird aktuell auf Whatsapp geteilt. Die Aufnahmen entstanden im August 2019 in Hongkong – Monate vor dem Ausbruch des neuartigen Coronavirus. (Screenshot: CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Eine Whatsapp-Nachricht behauptet, in Hongkong würden Menschen aktuell 5G-Masten abreißen, weil sie im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie stehen würden. Das ist falsch. Das Video zeigt Protestierende in Hongkong im August 2019 – lange vor dem Ausbruch von SARS-CoV-2.

Der neue Mobilfunkstandard 5G war schon vor dem Ausbruch des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 ein Thema, zu dem viele irreführende und falsche Meldungen im Internet kursierten. Aktuell verbreiten sich mehrere Videos und Nachrichten, die einen Zusammenhang zwischen schweren Verläufen der durch den Coronavirus ausgelösten Krankheit Covid-19 und 5G-Masten suggerieren. 

Per Whatsapp wird ein Video verschickt, in dem Menschen auf einer Straße einen Funkmast zu Fall bringen. Die Behauptung dazu: „Wegen Coronavirus: in Hongkong zerstören die Menschen die 5G Masten“. Das verlinkte Video führt zu der Webseite „Traugott Ickeroth“. 

Aktuell findet sich auf der Website  ein „Live-Ticker“ zu den Entwicklungen rund um das Coronavirus mit dem Titel „Der Sturm ist da“. Darin wurde am 24. März die Behauptung veröffentlicht: „In Honkong [sic!] legen sie 5G-Mobilfunkmasten um“ samt des Videos. Darauf folgt der Satz: „Würden sie es nicht tun, würde der Sendemast die Honkonger [sic!] umlegen.“ Der Ticker wurde bisher laut dem Analysetool Crowdtangle knapp 1.000 Mal bei Facebook geteilt. 

Ansonsten behandelt die Webseite Themen wie „UFO Sichtung beim WTC“, die Verschwörungstheorie der „Neuen Welt-Ordnung“ und impfkritische Inhalte

Wir haben den Hintergrund des Videos mit dem Funkmast geprüft. 

Das Video entstand im August 2019

Eine Google-Suche nach den Stichworten „lamp post protestors hong kong“ führt zum Originalvideo, das die britische Zeitung Guardian am 26. August 2019 mit der auf Englisch verfassten Überschrift „Hongkong: Anti-Überwachungsprotestler reißen ‘intelligenten’ Laternenpfahl ab“ veröffentlichte. 

Im Netz finden sich außerdem weitere Fotoaufnahmen der Szene aus anderen Perspektiven, die übereinstimmend den 24. August 2019 als Aufnahmedatum angeben. Zum Beispiel dieses Foto aus der Bilddatenbank Getty Images und dieses Foto in einem Artikel der Seite People’s Daily Online. Den Laternenpfahl brachten Demonstranten demnach zu Fall, weil sie gegen mögliche Videoüberwachung protestierten. 

Mehrere Merkmale belegen, dass die Fotoaufnahmen dieselbe Szene wie im aktuell bei Whatsapp verbreiteten Video zeigen: Das rote Gebäude im Hintergrund mit Ikea-Werbung, ein filmender Mann mit Warnweste auf einem Steinblock und ein brauner Regenschirm. Die Aufnahmen entstanden demnach am 24. August 2019 in Hongkong, lange bevor das neuartige Coronavirus bekannt wurde. 

Übereinstimmende Merkmale im Whatsapp-Video und in Medienberichten über die Proteste in Hongkong: Das rote Gebäude im Hintergrund mit Ikea-Werbung, ein filmender Mann mit Warnweste auf einem Steinblock und ein brauner Regenschirm. (Screenshots und Collage: CORRECTIV)

Der Standort der Laterne lässt sich bei Google Maps nachvollziehen und lieg in der Sheung Yuet Road im Hongkonger Stadtteil Kowloon. Die Gebäude im Hintergrund stimmen mit den Bildaufnahmen überein. 

Gegenüber den Faktencheckern von AFP bestätigte das Hongkong’s Office of the Government Chief Information Officer im September 2019 die Zerstörung einer „smarten“ Laterne bei Protesten. 

Doch was haben die Laternen mit dem Mobilfunkstandard 5G zu tun? 

In einer Pressemitteilung von Juli 2019 informierte die Regierung von Hongkong über den Zweck der Laternen. Als ein Punkt wird darin genannt: „Es ist vorgesehen, dass Mobilfunknetzbetreiber 5G-Basisstationen installieren, um die zukünftige Entwicklung von Mobilfunkdiensten der fünften Generation (5G) in Hongkong zu erleichtern und kostenlose Wi-Fi-Dienste anzubieten.“ Die Wut der Demonstranten richtete sich den übereinstimmenden Medienberichten zufolge gegen die Laterne, weil sie befürchten, damit könnten persönliche Daten gesammelt werden. Ob, die im Video zu sehende Laterne zum Zeitpunkt der Zerstörung 5G-Ausrüstung und Gesichtserkennungssoftware enthielt, ist unklar.

Auch in anderen Faktenchecks haben wir bereits Behauptungen zu 5G und Corona geprüft. Unter anderem die Behauptung, die Todesfälle durch das neue Coronavirus in Wuhan könnten auch einem von „5G verursachten Zellabbau“ zugeschrieben werden – die Strahlung könne zu „grippeähnlichen Symptomen“ führen. Das stimmt nicht. Die Todesfälle hatten nichts mit 5G zu tun. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck.

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Falsch. Das Video entstand im August 2019 in Hongkong. Mit dem Coronavirus hat es nichts zu tun.