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Cristina Helberg

Faktencheckerin

Im CORRECTIV.Faktencheck-Team deckt Cristina fast täglich Falschnachrichten auf. Für die NRW-Redaktion von CORRECTIV recherchierte sie zum Medizinskandal um unterdosierte Krebsmedikamente aus Bottrop und begleitete den anschließenden Gerichtsprozess, oft als einzige Journalistin im Saal. 2018 wurde Cristina vom Medium Magazin als “Top 30 bis 30″- Nachwuchsjournalistin ausgezeichnet. Vorher reiste sie um die Welt, studierte Lateinamerikanistik auf Kuba und in Köln, absolvierte die Zeitenspiegel Journalistenschule und arbeitete als freie Journalistin.

E-Mail: cristina.helberg(at)correctiv.org

Bewertung: falsch

Todesfall in Wuppertal: keine Hinweise auf Ebola

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Der Polizei zufolge gibt es keine Hinweise auf eine Ebola-Infektion. (Symbolbild: Ivo Mayr/CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Nach dem Fund eines toten Mannes in Wuppertal, kursieren im Netz Gerüchte über eine mögliche Ebola-Infektion. Der für Falschmeldungen bekannte Blog Halle Leaks heizt die Stimmung mit irreführender Überschrift und aus dem Kontext gerissenen Textstellen an. Die Polizei hat keine Hinweise auf Ebola. Der Mann litt an einer nicht ansteckenden Vorerkrankung.

Anwohner haben am 17. Februar in einem Treppenhaus in Wuppertal einen toten Mann gefunden, so schilderte es die Polizei in einer Pressemitteilung am 18. Februar. Auf Nachfrage von CORRECTIV bestätigt die Polizei, der Mann stamme aus Guinea und habe viel Blut verloren. In der Pressemitteilung stellte die Polizei klar: „Ursächlich könnte eine nicht ansteckende oder meldepflichtige Blutkrankheit gewesen sein. Eine Gewaltanwendung oder ein Fremdverschulden kann zurzeit ausgeschlossen werden.“ Der Mann litt demnach an einer Vorerkrankung, die jedoch nicht ansteckend war.

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Im Netz kursierten nach dem Vorfall Gerüchte, der Mann könnte an einer Ebola-Infektion gestorben sein. Der Polizei zufolge gibt es dafür keine Hinweise. Der Blog Halle Leaks veröffentlichte am 21. Februar einen Artikel mit der falschen Überschrift: „Hurra, Hurra – Die Ebola ist da.“ Im Text behauptete die Redaktion: „Die Seuchenbehörden und Polizei halten sich bedeckt. Man möchte die Bürger nicht unnötig verunsichern.“

Richtig ist: Seit dem 18. Februar hat die Polizei Wuppertal keine neue Pressemeldung veröffentlicht. Auf Nachfrage von CORRECTIV erklärt der Pressesprecher Alexander Kresta heute am Telefon: „Die Ergebnisse der Blutuntersuchung liegen noch nicht vor. Erst wenn die Ergebnisse vorliegen, wird über eine Obduktion entschieden“. Weiterhin gebe es keine Hinweise auf Ebola.

Artikel des Blogs „Halle Leaks“ mit falscher Überschrift vom 21. Februar 2019 (Screenshot: CORRECTIV)

Um den angeblichen Ebola-Verdacht zu unterstreichen, zitierte Halle Leaks in dem Artikel auch drei Sätze aus einem Artikel der Welt zum Vorfall: „Der Bereich um den Fundort auf der Schellenbecker Straße in Oberbarmen wurde weiträumig abgesperrt. Feuerwehrleute in speziellen Infektionsschutzanzügen rückten am Sonntagabend an. Sie reinigten und desinfizierten die mit Blut verunreinigten Stellen.“ Das Zitat ist richtig, aber aus dem Kontext gerissen. Denn in dem Welt-Artikel steht im nächsten Absatz: „Die Behörde widersprach Gerüchten von einer hochgefährlichen Ebola-Infektion: Bislang gebe es keine Hinweise auf eine ansteckende Infektionskrankheit.“ Dies erwähnte Halle Leaks nicht.

Auch Boulevardzeitung Express schürte Angst vor Ebola

Die Zeitung Express wählte am 18. Februar für zwei Artikel über den Vorfall ebenfalls irreführende Überschriften: „Afrikaner (19) lag tot in Blutlache Ebola-Angst in Wuppertal“ und „Polizei spricht über Ebola-Verdacht Leiche aus Wuppertal wird in Düsseldorf untersucht“.  Inzwischen hat der Express die Überschrift geändert: „Ebola-Entwarnung in Wuppertal Was hat den 19-Jährigen so schrecklich dahingerafft?“.

Artikel der Zeitung Express vom 18. Februar 2019 mit irreführender Überschrift (Screenshot: CORRECTIV)
Artikel der Zeitung Express vom 18. Februar 2019 mit irreführender Überschrift (Screenshot: CORRECTIV)

In den Artikeln löste die Zeitung die irreführende Behauptung jeweils erst im letzten Absatz auf: „Aber zumindest für Ebola kann man wohl doch Entwarnung geben. ‘Der Mann wohnte seit zwei, drei Jahren in Wuppertal. Wir haben Zeugenaussagen, die bestätigen, dass er in dieser Zeit nicht im Ausland war’, erklärt eine Polizeisprecherin. Ebola hat eine wesentlich kürzere Inkubationszeit.“ Später änderte die Redaktion des Express den Artikeltext und wies im ersten Absatz daraufhin, dass es eine „Ebola-Entwarnung“ gebe. Tatsächlich hatte es zuvor aber nie eine Warnung vor Ebola gegeben.

Gegenüber CORRECTIV bestätigte die Polizei, dass es bisher keine Hinweise auf eine Auslandsreise gebe.

Berichterstattung verschiedener Medien über den Fall (Screenshot: CORRECTIV)

Facebook-Nutzer verbreiten unterdessen die Überschriften der ExpressArtikel ohne Kontext weiter.

Post mit aus dem Kontext gerissener falscher Behauptung (Screenshot: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Falsch. Laut Polizei gibt es keine Hinweise auf Ebola.

Bewertung: falsch

Toter in Wuppertal: keine Hinweise auf Ebola

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Der Polizei zufolge gibt es keine Hinweise auf eine Ebola-Infektion. (Symbolbild: Ivo Mayr/CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Nach dem Fund eines toten Mannes in Wuppertal, kursieren im Netz Gerüchte über eine mögliche Ebola-Infektion. Mehrere Artikel der Kölner Boulevardzeitung „Express“ mit irreführenden Überschriften heizen die Stimmung an. Die Polizei hat keine Hinweise auf Ebola. Eine Obduktion ist für morgen geplant.

Update, 19. Februar 2019: Inzwischen hat der Express die Überschrift geändert: „Ebola-Entwarnung in Wuppertal Was hat den 19-Jährigen so schrecklich dahingerafft?“

Anwohner haben am 17. Februar in einem Treppenhaus in Wuppertal einen toten Mann gefunden, so schilderte es die Polizei in einer Pressemitteilung. Auf Nachfrage von CORRECTIV bestätigt die Polizei, der Mann stamme aus Guinea und habe viel Blut verloren. In der Pressemitteilung stellte die Polizei klar: „Ursächlich könnte eine nicht ansteckende oder meldepflichtige Blutkrankheit gewesen sein. Eine Gewaltanwendung oder ein Fremdverschulden kann zurzeit ausgeschlossen werden.“

Im Netz kursierten nach dem Vorfall Gerüchte, der Mann könnte an einer Ebola-Infektion gestorben sein. Der Polizei zufolge gibt es dafür keine Hinweise.  Eine Facebook-Nutzerin veröffentlichte einen Beitrag mit der Behauptung: „Polizei spricht über Ebola-Verdacht. Leiche aus Wuppertal wird in Düsseldorf untersucht. Na bravo…Hauptsache alles schön bunt“.  Die ersten zwei Sätze stammen aus einer Überschrift der Zeitung Express. 

Die Zeitung Express wählte für zwei Artikel über den Vorfall irreführende Überschriften: Afrikaner (19) lag tot in Blutlache Ebola-Angst in Wuppertal“ und „Polizei spricht über Ebola-Verdacht Leiche aus Wuppertal wird in Düsseldorf untersucht“.  

Artikel der Zeitung Express vom 18. Februar 2019 mit irreführender Überschrift (Screenshot: CORRECTIV)
Artikel der Zeitung Express vom 18. Februar 2019 mit irreführender Überschrift (Screenshot: CORRECTIV)

In den Artikeln löste die Zeitung diese irreführende Behauptung jeweils erst im letzten Absatz auf: „Aber zumindest für Ebola kann man wohl doch Entwarnung geben. ‘Der Mann wohnte seit zwei, drei Jahren in Wuppertal. Wir haben Zeugenaussagen, die bestätigen, dass er in dieser Zeit nicht im Ausland war’, erklärt eine Polizeisprecherin. Ebola hat eine wesentlich kürzere Inkubationszeit.“

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Gegenüber CORRECTIV bestätigte die Polizei, dass es bisher keine Hinweise auf eine Auslandsreise gebe und erklärte außerdem: „Es gibt Hinweise, dass der Mann eine Bluterkrankung hatte, die nicht ansteckend ist“. Mit letzter Gewissheit, könne das aber erst eine für Dienstag geplante Obduktion klären.

Berichterstattung verschiedener Medien über den Fall (Screenshot: CORRECTIV)

Am Nachmittag änderte die Redaktion des Express den Artikeltext und wies im ersten Absatz daraufhin, dass es eine „Ebola-Entwarnung“ gebe. Tatsächlich hatte es zuvor aber nie eine Warnung vor Ebola gegeben. Die irreführende Artikelüberschrift änderte Express nicht.

Unsere Bewertung:
Falsch. Laut Polizei gibt es keine Hinweise auf Ebola.

Bewertung: falsch

Toter in Wuppertal: keine Hinweise auf Ebola

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Der Polizei zufolge gibt es keine Hinweise auf eine Ebola-Infektion. (Symbolbild: Ivo Mayr/CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Nach dem Fund eines toten Mannes in Wuppertal, kursieren im Netz Gerüchte über eine mögliche Ebola-Infektion. Mehrere Artikel der Kölner Boulevardzeitung „Express“ mit irreführenden Überschriften heizen die Stimmung an. Die Polizei hat keine Hinweise auf Ebola. Eine Obduktion ist für morgen geplant.

Update, 19. Februar 2019: Inzwischen hat der Express die Überschrift geändert: „Ebola-Entwarnung in Wuppertal Was hat den 19-Jährigen so schrecklich dahingerafft?“

Anwohner haben am 17. Februar in einem Treppenhaus in Wuppertal einen toten Mann gefunden, so schilderte es die Polizei in einer Pressemitteilung. Auf Nachfrage von CORRECTIV bestätigt die Polizei, der Mann stamme aus Guinea und habe viel Blut verloren. In der Pressemitteilung stellte die Polizei klar: „Ursächlich könnte eine nicht ansteckende oder meldepflichtige Blutkrankheit gewesen sein. Eine Gewaltanwendung oder ein Fremdverschulden kann zurzeit ausgeschlossen werden.“

Im Netz kursierten nach dem Vorfall Gerüchte, der Mann könnte an einer Ebola-Infektion gestorben sein. Der Polizei zufolge gibt es dafür keine Hinweise. Die Zeitung Express wählte für zwei Artikel über den Vorfall irreführende Überschriften: Afrikaner (19) lag tot in Blutlache Ebola-Angst in Wuppertal“ und „Polizei spricht über Ebola-Verdacht Leiche aus Wuppertal wird in Düsseldorf untersucht“.  

Artikel der Zeitung Express vom 18. Februar 2019 mit irreführender Überschrift (Screenshot: CORRECTIV)
Artikel der Zeitung Express vom 18. Februar 2019 mit irreführender Überschrift (Screenshot: CORRECTIV)

In den Artikeln löste die Zeitung diese irreführende Behauptung jeweils erst im letzten Absatz auf: „Aber zumindest für Ebola kann man wohl doch Entwarnung geben. ‘Der Mann wohnte seit zwei, drei Jahren in Wuppertal. Wir haben Zeugenaussagen, die bestätigen, dass er in dieser Zeit nicht im Ausland war’, erklärt eine Polizeisprecherin. Ebola hat eine wesentlich kürzere Inkubationszeit.“

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Gegenüber CORRECTIV bestätigte die Polizei, dass es bisher keine Hinweise auf eine Auslandsreise gebe und erklärte außerdem: „Es gibt Hinweise, dass der Mann eine Bluterkrankung hatte, die nicht ansteckend ist“. Mit letzter Gewissheit, könne das aber erst eine für Dienstag geplante Obduktion klären.

Berichterstattung verschiedener Medien über den Fall (Screenshot: CORRECTIV)

Am Nachmittag änderte die Redaktion des Express den Artikeltext und wies im ersten Absatz daraufhin, dass es eine „Ebola-Entwarnung“ gebe. Tatsächlich hatte es zuvor aber nie eine Warnung vor Ebola gegeben. Die irreführende Artikelüberschrift änderte Express nicht.

Facebook-Nutzer verbreiten unterdessen die Überschriften der Express Artikel ohne Kontext weiter.

Post mit aus dem Kontext gerissener falscher Behauptung (Screenshot: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Falsch. Laut Polizei gibt es keine Hinweise auf Ebola.

Bewertung: größtenteils falsch

Nein, Heiko Maas wollte keinen Kindesmissbrauch in Kinderehen legalisieren

US-GERMANY-DIPLOMACY
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US-GERMANY-DIPLOMACY
Maas wurde für seinen Vorschlag zur Einzelfallprüfung der betroffenen Ehen scharf kritisiert. (Foto: Andrew Caballero-Reynolds/ AFP)

von Cristina Helberg

Außenminister Heiko Maas wird im Internet im Zusammenhang mit dem Thema Kinderehen immer wieder stark kritisiert. Nutzer verbreiten auch falsche Behauptungen und Zitate. Aktuell wird in Sozialen Netzwerken behauptet, Maas wolle mit Kinderehen Kindesmissbrauch legalisieren. Die Behauptung stammt aus dem Jahr 2016 und ist aus dem Kontext gerissen.

Am 26. Januar veröffentlichte ein Facebook-Nutzer eine Bildcollage mit der Behauptung: „Heiko Maas will mit Kinderehen Kindesmissbrauch legalisieren. Er ist bereit Grundwerte unserer Kultur islamischer Perversionen zu opfern.“ Eine Quellenangabe fehlt. Der Beitrag wurde bisher 3.440 Mal geteilt.

Facebook-Beitrag vom 26. Januar 2019 (Screenshot: CORRECTIV)

Ursprung der Behauptung: Artikel von Tichys Einblick

Wer das Zitat im Netz sucht, stößt auf einen Artikel aus dem Jahr 2016 von Joachim Steinhöfel auf der Seite Tichys Einblick. Der Artikel trägt die Überschrift „Maas will mit Kinderehen Kindesmissbrauch legalisieren“. In dem Artikel formuliert der Autor auch einen zweiten Satz, der zwei Jahre später in dem Facebook-Post auftaucht: „Maas ist bereit, Grundwerte unserer Kultur islamischen Perversionen zu opfern.“ Die Behauptungen bezieht der Autor von Tichys Einblick unter anderem auf eine Meldung des Spiegel vom 28.10.2016.

Darin berichtete der Spiegel über einen Gesetzentwurf des damaligen Justizministers Heiko Maas (heute Außenminister) zu Kinderehen. Im Gegensatz zu Forderungen der CDU wollte Maas Ehen von unter 18-Jährigen nicht grundsätzlich verbieten.

Stattdessen sah sein Entwurf vor, in jedem Fall einzeln zu prüfen, ob das Kindeswohl des minderjährigen Ehepartners gefährdet sei. Der Spiegel zitiert aus dem Gesetzesentwurf: „Die Befreiung soll nur erteilt werden, ‘wenn die beabsichtigte Ehe das Wohl des Antragstellers nicht beeinträchtigt’.“ Heiko Maas wollte mit dem Gesetzesentwurf also in Einzelfällen Ehen mit unter 18-Jährigen anerkennen, jedoch nur wenn das Kindeswohl nicht gefährdet sei.

Sein erster Entwurf setzte sich aber nicht durch.

Maas erntete Kritik für Vorschlag zu Kinderehen  

Maas wurde für seinen Vorschlag zur Einzelfallprüfung der betroffenen Ehen scharf kritisiert. Er zog den Vorschlag daraufhin zurück und setzte sich stattdessen für folgende Regelung ein, die dann auch umgesetzt wurde: Ehen von unter 16-Jährigen grundsätzlich aufzuheben und Ehen von Partnern zwischen 16 und 18 Jahren nur in Ausnahmefällen zu genehmigen. In einer Pressemitteilung am 29. Oktober 2016 betonte Maas: „Im Vordergrund sollte bei jeder Entscheidung immer das Wohl der betroffenen Frau stehen und auch die Frage, wie wir in der Ehe bereits geborene Kinder am besten schützen können.“

Neues Gesetz zu Kinderehen seit Juli 2017

Vor der Gesetzesänderung im Jahr 2017 konnten Jugendliche ab 16 Jahren in Ausnahmefällen mit Zustimmung des Familiengerichts schon vor ihrem 18. Geburtstag heiraten. Seit dem 22. Juli 2017 kann man in Deutschland nur noch heiraten, wenn beide Partner volljährig sind.

Eine Ehe, bei der ein Partner zum Zeitpunkt der Hochzeit noch nicht 16 war, ist nach dem Gesetz automatisch unwirksam. „Sie braucht nicht erst in einem gerichtlichen Verfahren aufgehoben werden. Diese Grundsätze gelten auch, wenn die Ehen nach ausländischem Recht wirksam geschlossen wurden. Für Altfälle gibt es Übergangsvorschriften“, so die Bundesregierung in einer Pressemitteilung zur Gesetzesänderung.

Aktuell zweifelt der Bundesgerichtshof an, ob die neue Regelung mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Eine Entscheidung steht noch aus.

Halle Leaks erfindet vermeintliches Zitat von Heiko Maas

Das Thema Kinderehen wird in Sozialen Netzwerken kontrovers diskutiert. Immer wieder taucht in den Kommentaren auch ein vermeintliches Zitat von Heiko Maas auf, dass inhaltlich an die Behauptung von Tichys Einblick anknüpft: „Auch wenn die Ehefrau erst 6 und der Mann 56 ist, können wir nicht einfach unterstellen, die Heirat wäre nicht aus Liebe vollzogen“. Diesen Satz hat Heiko Maas nie gesagt. Er ist frei erfunden. Der Satz geht zurück auf das Vorschaubild eines Artikels aus dem Jahr 2016 der rechten Seite Halle Leaks, die immer wieder Falschmeldungen veröffentlicht.

Dieses Vorschaubild erscheint, wenn Nutzer den Beitrag auf Facebook teilen wollen, Screenshot: CORRECTIV
Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Heiko Maas setzte sich 2016 eine zeitlang für Einzelfallprüfung von Kinderehen ein und wollte diese teilweise anerkennen, wenn das Kindeswohl nicht gefährdet sei. Später zog er den Vorschlag zurück.

In der Bananenrepublik – Wie ein Mann in seiner Freizeit Falschmeldungen verbreitet

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Bananenrepublik. Screenshot: Titelbild von Roland Prausers Profil auf Facebook

von Cristina Helberg

Warum glauben Menschen an „Fake News“? Wegen Leuten wie Roland Prauser. In seiner Freizeit schreibt er Falschmeldungen, die er über Facebook in der ganzen Republik streut. Im Netz gibt es tausende wie ihn. Wer sein Profil besucht, versteht, warum der Kampf gegen „Fake News“ so schwer ist.

Im Dezember 2018 prangt über Roland Prausers Facebookprofil eine Deutschlandfahne. In der Mitte: eine Bananenstaude statt dem Bundesadler. Deutschland, eine Bananenrepublik. So sieht Prauser es. „Gelbe Westen Patriot von Macron Regime erschossen! Wahnsinn die Morden für Ihre Macht“, schreibt er am 26. November auf Facebook. In den Tagen zuvor veröffentlicht er Behauptungen wie: „Die Deutsche Regierung hat befohlen nicht über die Revolution in Frankreich zu berichten“. Oder: „10 Millionen Franzosen auf den Straßen. Deutsche Medien schweigen beharrlich per Befehl der Regierung“. Alle drei: Falschmeldungen.

Für einen angeblich erschossenen Demonstranten haben weder wir noch französische Journalisten Belege gefunden. Deutsche Medien haben von Beginn an ausführlich über die Proteste in Frankreich berichtet. Roland Prausers Profil ist gefüllt mit irreführenden Meldungen. An manchen Tagen postet er im Minutentakt.

Der Angriff auf die Charlie Hebdo Redaktion? Für Prauser ein inszenierter Fake der Geheimdienste. Gelbwesten Proteste in Frankreich? Von deutschen Lügenmedien totgeschwiegen. Wenn Falschmeldungen sowas wie Drogen sind, ist Roland Prauser der Dealer im Park. Kein Mafiaboss, niemand, der hinter einer groß angelegten Desinformationskampagne steckt. Seine Posts im Newsfeed kommen vertrauenswürdig rüber, weil man ihn kennt. Er bringt Falschnachrichten unters Volk, abgepackt in kleinen Mengen.

Facebookpost von Roland Prauser mit Behauptung ohne Beleg (Screenshot CORRECTIV)

Warum Menschen wie Prauser Falschmeldungen erfolgreich machen

Roland Prauser ist kein Influencer mit hunderttausend Followern. 2.895 Freunde und 1.111 Abonnenten erreicht Prauser mit seinen Posts aktuell. Für Facebook-Maßstäbe nicht wirklich viel, doch Menschen wie er sind für die Verbreitung von Falschmeldungen elementar.

Dank Prauser landet Desinformation in kleinen Häppchen in den Newsfeeds seiner Freunde und Abonnenten. Kurze Sätze in weißen Lettern auf pinkem Grund, die Misstrauen säen. Abgeschickt von einem bekannten Gesicht. Dieser Mechanismus hat Desinformation auf Facebook groß gemacht. Von der Familie und Freunden geteilte Nachrichten hinterfragen wir weniger als Nachrichten von Medien. Wir vertrauen dem Absender, also vertrauen wir auch der Nachricht. Egal ob Fake oder Fakt.

Bananenrepublik und Süßigkeiten

Wer ist Roland Prauser? Für die Facebookseite nutzt er seinen realen Namen. Über der Bananrepublik-Fahne auf seinem Profil prangt ein Zitat, dass Prauser offenbar als Motto gewählt hat: „Der Bürger hat das Recht und die Pflicht, die Regierung zur Ordnung zu rufen, wenn er glaubt, dass sie demokratische Rechte missachtet.“ Man kann davon ausgehen, dass der sozialdemokratische Bundespräsident Gustav Heinemann keinen Feldzug der Desinformation meinte, als er das sagte.

Roland Prausers Facebookprofil ist ein Mix aus Verschwörungstheorien, Falschmeldungen und persönlichen Kommentaren zum Weltgeschehen. Im realen Leben besitzt Roland Prauser ein Restaurant. 2014 veröffentlichte die Lausitzer Rundschau einen Artikel über ihn. Es ging nicht um Falschmeldungen, sondern um sein Verkaufsgeschick. Das Artikelbild zeigt ihn in seinem neu eröffneten Restaurant. Skeptisch blickt er in die Kamera. Sein Restaurant taufte er „Lucifer“. Vor der Eröffnung war er Waffelverkäufer, Zuckerwatte-Hersteller und Popcorn Produzent, schreibt die Zeitung. Roland Prauser weiß, wie man den Massen Süßigkeiten verkauft.

 

Facebookprofil von Roland Prauser im Dezember 2018 (Screenshot Correctiv)

„Ist Paris heute Nacht gefallen?“

Im Dezember 2018 wählt Prauser als Profilbild auf Facebook gelbe Warnwesten. Täglich postet er mehrere Kommentare zu den Proteste der Gelben Westen in Frankreich. Prauser würde solche Proteste gerne auch in Deutschland sehen. „Pulverdampf in Europa Es riecht nach Veränderung“, „Deutschland braucht gelbe Westen!“, schreibt er. „Ein Systemsturz beginnt immer mit einigen wenigen Menschen welche dann Millionen zum mitmachen motivieren“.

In anderen Posts ist Prauser drastischer und fantasiert über die Machtübernahme der Gelben Westen in Frankreich. „Gelbe Westen stürmen heute Nacht den Élysée-Palast Macron wird entmachtet“, schreibt er am 24. November. Am nächsten Morgen schreibt er: „Ist Paris heute Nacht gefallen ??? *Leider keine aktuellen Meldungen“.  Auf Prausers Profil sind die Grenzen zwischen persönlichen Prognosen, Fragen und irreführenden Behauptungen fließend.

Facebook-Beiträge von Roland Prauser (Screenshot: CORRECTIV)

Rassistische Posts eines Patrioten

Wenn es auf Prausers Profil nicht um die Proteste in Frankreich geht, dann um Migranten. Die nennt Prauser „Merkels Gäste“. In einen Post schreibt er: „Unser Fleiß gilt Merkels Gästen, wir die Steuerzahler zahlen mit unserem Geld und unserer Lebenszeit“. Oder: „Das Trojanische Pferd heißt: ZUWANDERUNG“. Zwischendurch teilt er Posts der AfD, rassistische Bilder und Falschmeldungen.

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Am 28. September 2017 veröffentlicht er das Bild einer Kostenkalkulation. Demnach gehe es einem Flüchtling finanziell besser als einem Angestellten mit 1200 Euro Nettogehalt. Ein Flüchtling bekomme angeblich 837 Euro und müsse davon nichts ausgeben. Das ist falsch. Wir haben in einem Artikel die Fakten erklärt.

Facebook-Beitrag mit falschen Behauptungen (Screenshot: CORRECTIV)

Im April 2018 veröffentlichte Prauser dann das Bild einer gefälschten Werbung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. Mehrere dunkelhäutige Männer stehen um eine weiße Frau. „Lass dich besamen, damit deine Kinder in wenigen Jahren nicht rassistisch verfolgt werden“, steht darunter.

Gefälschtes Bild einer angeblichen Werbung des BAMF, von Roland Prauser auf Facebook gepostetet (Screenshot und Unkenntlichmachung: CORRECTIV)

Ein Nutzer veröffentlichte in den Kommentaren unter dem Post das Bild einer Pistole mit dem Aufruf „Aufräumen!!!“. Prauser reagierte nicht.

Facebook-Kommentar unter Roland Prausers Post (Screenshot: CORRECTIV)

Die Fotomontage der vermeintlichen BAMF-Werbung ist eine Fälschung. Sie stammt von dem bekannten rechten Meinungsmacher Uwe Ostertag, der in der Vergangenheit wegen Volksverhetzung verurteilt wurde. Ein Nutzer weist Prauser in den Kommentaren unter dem Post auf den Ursprung und Uwe Ostertag hin. „Quasi ein Patriot“ antwortet Prauser.

Als Patriot sieht sich auch Prauser selbst. „Patriot 1989“ hat er als Beschreibung in sein Profil geschrieben. Prauser würde gerne mehr Menschen erreichen. Am 21. November schreibt er: „1034 haben es schon getan und mich abonniert. Täglich kurze sachliche Hinweise zum Tagesverlauf.“ Für den Fall, dass er gesperrt werden sollte, hat Prauser vorgesorgt: „Sollte ich gesperrt werden poste ich bei meinem Zwilling Gerhard Prauser weiter“, steht in seinem Profil.

Facebook-Post von Roland Prauser (Screenshot: CORRECTIV)

Facebooks wirkungslose Sperre

Am 11. Dezember 2018 ist es soweit. Prausers Posts enden plötzlich. Mit einem anderen Profil kommentiert er auf seiner Facebookseite: „Roland Prauser ist für 30 Tage gesperrt. Grund waren Beiträge über die Gelbwesten. Vermutlich ist der Terroranschlag in Frankreich eine Geheimdienstaktion mit dem Ziel den Ausnahmezustand auszurufen um so die Aktionen der Gelbwesten zu verhindern.“ Es folgt ein Monat Stille. Aber nur auf diesem Profil. Wie zuvor angekündigt, postet er unter dem Profil „Roland-Gerhard Prauser“ weiter. „Facebooksperren sind Adelsschläge“, schreibt er dort. Inhaltlich ändert sich nichts.  

Facebook-Post von Roland Prauser, Screenshot: CORRECTIV

Auch auf diesem Profil verbreitet Prauser falsche Meldungen und rassistische Posts. Am 14. Dezember schreibt er: „Die Jusos wollen Kinder bis zum 9. Monat abtreiben“. Das ist falsch, wie wir in einem Faktencheck erklärt haben.

Facebook-Posts von Prausers zweitem Facebook-Account

Am 10. Januar meldete sich Prauser dann auf seinem gesperrten Account zurück: „30 Tage Hausarrest zu Ende. Ich melde mich bei meinen 1.220 Abonnenten zurück“.

Facebook-Post von Roland Prauser, Screenshot: CORRECTIV

Das sagt Prauser selbst zu seinen Falschmeldungen

Wir konfrontieren Prauser am Telefon mit seinen Behauptungen und unseren Faktenchecks. Deutsche Medien haben nachweislich von Beginn an über die französischen Proteste der Gelbwesten berichtet. „Aber erst viel zu spät, als der Druck schon gewachsen war“, sagt Prauser.

Und was ist mit seiner Behauptung über einen angeblich erschossenen Demonstranten in Frankreich? Prauser sagt am Telefon: „Ich habe nicht erschossen, sondern beschossen geschrieben“. Das stimmt nicht.

Eine zusätzliche schriftliche Anfrage nach den Quellen für seine Behauptungen lässt Prauser unbeantwortet. Nach unserer Presseanfrage schreibt er: „Eine Journalistin ist auf mich aufmerksam geworden und rief mich an. Alles richtig gemacht.“

Facebook-Post von Roland Prauser, Screenshot: CORRECTIV

Affenbilder und rassistische Kommentare

Auf seinem Profil geht es nach der Facebook-Sperre weiter wie gewohnt. Prauser regt sich über „Gendertoiletten“, die EU und Ausländer auf. Im Februar postet Prauser einen Artikel über die erste schwarze „Tatort“-Kommissarin Florence Kasumba mit dem Kommentar: „Kann man alles machen, aber muss man sich auch nicht wundern, wenn die Zuschauer sich abwenden, so wie ich auch.“ Unter den Post zu dem Thema teilen Nutzer Affenbilder und rassistische Kommentare wie: „Bimbos bei Nacht die Verbrecher jagen im Tatort das tue ich meinen Augen nicht mehr an!“ und „Bei so was muss ich kotzen!“ Prauser reagiert nicht.

Post von Roland Prauser vom 3. Februar 2019 (Screenshot: CORRECTIV)

Am 3. Februar postet Prauser, wie immer in pink-weiß,: „Das Unrecht fängt in der noch so kleinsten Gemeinde an und endet dann in einem riesigen Staudamm der brechen wird.“ Prauser baut fleißig weiter am Staudamm. Sein Material: Desinformation und Rassismus.

Post von Roland Prauser (Screenshot: CORRECTIV)
Bewertung: unbelegt

Trinkwasser-Warnung in Heidelberg: Nein, keine Hinweise auf Terror

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In Heidelberg soll das Trinkwasser aktuell nicht genutzt werden. (Symbolbild: Pixabay / TanteTati)

von Cristina Helberg

Nach einer amtlichen Warnung vor dem Trinkwasser in Heidelberg kursieren im Netz Spekulationen. Richtig ist: Die Stadt hat den Verzehr des Trinkwassers untersagt. Der Hintergrund ist unklar. Hinweise auf Terror gibt es laut dem Pressesprecher der Stadt nicht.

„Aufgrund einer unbekannten Verunreinigung des Trinkwassers ist der Gebrauch sowie der Verzehr des Trinkwassers untersagt“. Diese Warnung erhielten Bürger für die Stadt Heidelberg heute Vormittag um 11 Uhr über die offizielle Warn-App NINA. Im Netz wird seitdem wild spekuliert. „War nur eine Frage der Zeit, bis der Terror auch hier ankommt. Gibt ja genug Leute, die das Land gerne auslöschen würden – siehe Jusos, Antifa etc.“, schreibt eine Facebook-Nutzerin. Ein anderer Nutzer schreibt „Darauf, dass sie uns das Wasser vergiften, habe ich gewartet!“. Für beide Behauptungen gibt es keine Belege.

Meldung der Warn-App NINA vom 7. Februar 2019

Auf Nachfrage von CORRECTIV bestätigt die Pressestelle der Stadt Heidelberg die amtliche Warnung. Der Pressesprecher Timm Herre erklärt am Telefon: „Es gibt bisher keine Hinweise auf Sabotage oder Terror“. Das Wasser sei bläulich verfärbt und der Ursprung der Verfärbung unklar. Er betont jedoch: „Alle Werte der Trinkwasserverordnung werden eingehalten“. Das habe man bereits getestet. Solange man nicht wisse, woher die Verfärbung stamme, sei der Verzehr und Gebrauch des Trinkwassers untersagt.

Spekulationen im Netz. Laut Pressestelle der Stadt Heidelberg gibt es keine Hinweise auf Terror. Screenshot: CORRECTIV
Spekulationen ohne Belege im Netz. Screenshot: CORRECTIV
Unsere Bewertung:
Fehlende Belege. Laut der Stadt Heidelberg gibt es bisher keine Hinweise auf einen Zusammenhang zu Terror oder Sabotage.

Bewertung: teilweise falsch

Frauenmord in Viersen – kein Zusammenhang mit Flüchtlingen

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Insgesamt wurden 2017 laut dem Bundeskriminalamt 32 Männer und 141 Frauen von ihren Partnern getötet. (Symbolbild: Volkan Olmez / Unsplash)

von Cristina Helberg

Nach der Ermordung einer 15-Jährigen in Viersen im Juni 2018 teilt ein Nutzer aktuell auf Facebook ein Foto der getöteten Frau mit dem Titel „Merkels jüngstes Opfer“. Er unterstellt, dass Merkels „Gäste“, also Flüchtlinge, Schuld an dem Tod seien. Dabei hat die Tat nichts mit Flüchtlingen zu tun. Stattdessen aber mit einem anderen Thema: Morde an Frauen durch ihre Partner.

„Ich bin die 15-jährige Iulia. Ich bin Ihr letztes Opfer“, so beginnt ein an Angela Merkel gerichteter Text, den ein Facebooknutzer am 25. Januar 2019 veröffentlichte. Bisher wurde der Post 2.930 Mal geteilt. Weiter steht in dem Text: „Ich habe mich gestern eingereiht in die Reihe der vielen toten Mädchen und Jungen, Frauen und Männer, die Sie mit Ihren unfähigen Politikerkollegen auf dem Gewissen haben. Aber ich befürchte, dass ich nicht das letzte Opfer Ihrer Gäste sein werde. Ich war gestern im Casinogarten in Viersen. Und bin dort abgeschlachtet worden. Einfach so“.

Was ist am 24. Januar in Viersen passiert?

Facebookbeitrag über einen Mord in Viersen (Screenshot und Unkenntlichmachung: CORRECTIV)

Mord in Viersen im Juni 2018

Wer im Internet sucht, stellt fest, dass die Zeitangabe im Post falsch ist. Die Beschreibung bezieht sich auf einen Mord im Sommer 2018, nicht im Januar 2019.

Am 11. Juni 2018 veröffentlichte die Polizei Viersen eine Pressemitteilung. „Am Montag ist es gegen Mittag in Viersen im Casinogarten zu einem Tötungsdelikt gekommen. Die Tat ereignete sich in dem Stadtpark, wo ein Mann eine junge Frau niederstach und danach vom Tatort flüchtete“, steht dort. Die verletzte 15-Jährige starb der Polizei zufolge kurze Zeit später.

Haben Flüchtlinge etwas mit der Tat zu tun, wie in dem Facebookpost indirekt behauptet wird, wenn von Merkels „Schuld“ und ihren „Gästen“ die Rede ist? Wir haben recherchiert.

Tatverdächtiger lebt seit zehn Jahren in Deutschland

In den Tagen nach der Tat informierte die Polizei in zwei weiteren Pressemitteilung, am 12. und am 13. Juni 2018 über die Festnahme eines Tatverdächtigen: „Es handelt sich um einen 17-jährigen Jugendlichen, der aus Bulgarien stammt und in Viersen wohnt“.

Auf Nachfrage von CORRECTIV erklärt die Polizei detaillierter per Email: „Der 17-Jährige stammt aus Bulgarien meint: Er ist in Bulgarien geboren und dort zunächst aufgewachsen. Er besitzt die bulgarische Staatsbürgerschaft.“ Der Tatverdächtige lebt laut Polizei schon seit zehn Jahren in Deutschland. Auf Nachfrage bestätigt die Polizei auch, dass der Tatverdächtige der Ex-Freund der getöteten Frau ist. Sie besaß der Polizei zufolge die deutsche und die rumänische Staatsbürgerschaft. Ihre Eltern kommen aus Rumänien. Sie selbst ist in Viersen geboren.

Die 15-Jährige wurde also mutmaßlich von ihrem bulgarischen Ex-Freund umgebracht, der seit zehn Jahren in Deutschland lebt. In dem Facebookpost wird seine Staatsangehörigkeit kurz aufgegriffen. „Es spielt in diesem Fall keine Rolle, ob mich ein Bulgare oder ein Moslem umgebracht hat.“

Gewalt unter Partnern in Deutschland

Im November 2018 veröffentlichte das Bundeskriminalamt für das Jahr 2017 eine kriminalstatistische Auswertung von Gewalt unter Partnern. Insgesamt wurden 2017 demnach 32 Männer und 141 Frauen von ihren Partnern getötet. Auf Seite 33 der Auswertung geht es auch um die Nationalitäten der Tatverdächtigen. Diese liegt allerdings nur für die Gesamtzahl der versuchten und vollendeten Fälle von Mord und Totschlag unter Partnern vor. Demnach waren von 469 tatverdächtigen Frauen und Männern 324 Deutsche. Danach folgten als nächst größere Gruppen 27 Türken, 18 Afghanen und 15 Syrer.

Auszug aus der kriminalstatistischen Auswertung Partnerschaftsgewalt Berichtsjahr 2017, Seite 33
Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Die 15-Jährige wurde mutmaßlich von ihrem bulgarischen Ex-Freund umgebracht, der seit zehn Jahren in Deutschland lebt.

Bewertung: völlig falsch

Nein, die Stadt Stuttgart verteilt keine Bordellgutscheine an Flüchtlinge

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In Sozialen Netzwerken wird das Bild eines frei erfundenen Bordellgutscheins geteilt. (Screenshot: CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Auf Facebook teilt ein Nutzer ein Foto eines angeblichen Bordellgutscheins für Flüchtlinge in Stuttgart. Die Pressestelle der Stadt dementiert entschieden. Es ist nicht die erste Falschmeldung über angebliche Bordellgutscheine in Deutschland.

Am 22. Januar veröffentlichte ein Nutzer auf Facebook das Foto eines ungewöhnlichen Gutscheins. „Sozialschein der Stadt Stuttgart für einen einmaligen, kostenlosen Bordellbesuch“ steht auf dem Papier. Darunter der Kommentar „Der Puff-Gutschein für die lieben Neubürger“. Der Gutschein ist eine Fälschung.

Facebookbeitrag vom 22. Januar 2019, Screenshot: CORRECTIV

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Stadt Stuttgart verteilt keine Bordellgutscheine

Auf Nachfrage von CORRECTIV dementiert die Stadt Stuttgart die Behauptung. „Der Gutschein ist ganz offensichtlich nicht echt. Bei der Stadt Stuttgart gibt es keine Bordellgutscheine und wird es auch keine geben“, schreibt die Pressestelle.  

Es ist nicht das erste Mal, dass Falschmeldungen über angebliche Bordellgutscheine im Netz verbreitet werden. In der Vergangenheit haben wir bereits über ähnliche Behauptungen in Städten wie Celle, Hannover, Hamburg, Frankfurt, Düsseldorf und in Bayern berichtet.

Unsere Bewertung:
Völlig falsch. Der Bordellgutschein ist frei erfunden.

Bewertung: falsch

Nein, Renate Künast hat nicht gesagt, dass Integration anfängt, wenn Deutsche türkisch lernen

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Seit 2015 verbreiten Nutzer im Netz ein erfundenes Zitat der Grünen-Politikerin Renate Künast. (Foto: AFP/ John Macdougall)

von Cristina Helberg

Ein falsches Zitat der Grünen-Politikerin Renate Künast verbreitet sich seit 2015 im Netz. Trotz aufklärender Artikel und einer Klarstellung der Politikerin, teilen Nutzer es auf Facebook weiter.

„Heimatliebe“ nennt sich die Facebookseite, die am 14. Januar 2019 ein Foto der Grünen-Politikerin Renate Künast veröffentlichte. Neben ihrem Konterfei steht in Anführungsstrichen folgender Satz: „Integration fängt damit an, dass Sie als Deutscher mal türkisch lernen“. Eine Quellenangabe fehlt. Wer das Bild im Netz sieht, denkt: Das hat Renate Künast gesagt. Dabei ist das Zitat frei erfunden. Das ist bereits seit vier Jahren bekannt. Was ist die Geschichte dahinter? Wir haben recherchiert.

Facebookpost mit frei erfundenem Zitat

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Fernsehauftritt vor neun Jahren

Alles begann mit einem Auftritt von Renate Künast vor knapp neun Jahren. Am 30. August 2010 war Künast zu Gast in der Fernseh-Gesprächsrunde „Beckmann“ der ARD, unter anderem zusammen mit Thilo Sarrazin und Aygül Özkan. Die Aufzeichnung der Diskussion ist auch heute noch als Webvideo verfügbar. Ab Minute 1:46:53 sagt Renate Künast zu Thilo Sarrazin: „Integration fängt damit an, dass Sie als Deutscher sich ihren Namen mal merken.“ Sarrazin hatte zuvor Aygül Özkan mit einem falschen Nachnamen angesprochen.

2015 stellte Renate Künast in einem Facebookpost klar, was sie gesagt habe und was nicht. „Seit einiger Zeit gibt es eine Kampagne, die behauptet, ich hätte gesagt, Integration beginne damit, dass wir alle erstmal türkisch lernten. Diese Aussage habe ich nicht gemacht“, schrieb die Politikerin.

Facebookpost von Renate Künast aus dem Jahr 2015

Unsere Bewertung:
Falsch. Das Zitat ist frei erfunden.

Bewertung: größtenteils falsch

Nein, Deutschland hat 2016 nicht mehr Asylanträge angenommen als der Rest der Welt zusammen

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In Deutschland wurden 2016 weltweit am meisten Asylanträge gestellt und positiv beschieden. Es waren aber nicht mehr Anträge oder positive Entscheidungen als im Rest der Welt zusammen. (Foto: Fancycrave/Unsplash)

von Cristina Helberg

Auf Facebook behauptet eine Seite, Deutschland habe 2016 mehr Asylanträge angenommen, als alle anderen Länder weltweit gemeinsam. Warum das nicht stimmt, erklären wir im Faktencheck.

Am 10. Januar veröffentlichte die Facebookseite „Llocus online“ einen Post mit der Überschrift „Größenwahn oder Masochismus?“. Die Behauptung darunter: „Das kleine Deutschland stellt nur ca. 1% der Weltbevölkerung, hat aber 2016 bereits mehr Asylanträge angenommen, als die ganze übrige Welt zusammen!!!“. Stimmt das? Und woher stammt die Behauptung eigentlich?

Facebookpost mit falscher Behauptung vom 10. Januar 2019, Screenshot: CORRECTIV

Internetrecherche führt zu Zitat eines AfD-Abgeordneten

Der Facebookpost selbst enthält weder einen Quellenverweis noch andere Belege. Wer im Internet nach der Behauptung sucht, stößt auf ein ähnliches Zitat des AfD-Bundestagsabgeordneten Bernd Baumann. Im Jahr 2016 war er Fraktionsvorsitzender der AfD in der Hamburger Bürgerschaft und hielt dort am 30. November 2016 eine kurze Rede.

Anlass war ein Antrag der Fraktionen der SPD und der Grünen, die rechtlichen Rahmenbedingungen für Ausbildung und Arbeit für Flüchtlinge zu verbessern.

Baumann begann seine Rede mit folgendem Satz: „Deutschland hat mit rund 80 Millionen Einwohnern kaum mehr als 1 Prozent der Weltbevölkerung. Aber dieses Deutschland, dieses eine Prozentpünktchen der ganzen großen Menschheit, hat nach den neuesten Zahlen des BAMF, des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, in diesem Jahr 2016 bereits mehr Asylanträge angenommen als die ganze übrige Menschheit zusammen.“

Dem fügte er noch hinzu: „Mehr als alle Staaten Europas plus Kanada plus USA plus Australien plus alle anderen. Dieses eine kleine Prozentpünktchen Deutschland hat mehr Asylanträge als die ganze Welt angenommen.“ Baumanns Aussagen sind im Plenarprotokoll vom 30.November 2016 auf Seite 3153 dokumentiert. Doch sie sind inhaltlich nicht richtig.

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So viele Menschen erhielten 2016 in Deutschland positive Asylentscheidungen

In Baumanns Aussage und im Facebookpost taucht die Formulierung „angenommene Asylanträge“ auf. Offenbar sind damit positiv beschiedene Anträge gemeint. Also Fälle, in denen Asyl auf Antrag erteilt wurde. Waren das im Jahr 2016 in Deutschland mehr als im Rest der Welt zusammen? Die Antwort lautet: Nein, aber nur knapp nicht.

Der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) vergleicht jährlich weltweit die Zahlen der Entscheidungen über Asylanträge. Auf Seite 49 des Statistischen Jahrbuchs des UNCHR für das Jahr 2016 sind die Zahlen für Deutschland angegeben. Im Jahr 2016 entschied Deutschland demnach 443.210 Anträge auf Asyl positiv.

Damit wurden allein in Deutschland fast so viele Anträge angenommen, wie im Rest der Welt zusammen. Aber eben nur fast. Denn weltweit wurden im selben Jahr laut der Statistik 899.980 positive Asylentscheidungen getroffen (Seite 51 des Statistischen Jahrbuchs). Damit hat Deutschland weltweit am meisten Anträge angenommen, jedoch nicht mehr als der Rest der Welt zusammen. Denn in den anderen Ländern wurden 456.770 Anträge positiv entschieden.

Damit ist die Behauptung im Facebookpost falsch, wenn man „angenommene Asylanträge“ als positiv entschiedene Asylanträge definiert. Auch wenn der Unterschied nur wenige tausend Anträge sind. Diese Zahlen hat Bernd Baumann jedoch offenbar nicht gemeint.

Die Quellenangabe von Bernd Baumann (AfD)

In seiner Rede berief sich Bernd Baumann am 30.November 2016 auf die „neusten Zahlen des BAMF“. Das war zu diesem Zeitpunkt der Asylgeschäftsbericht für den Monat Oktober 2016, der am 9. November 2016 erschien. Er ist auch heute noch auf der Webseite des BAMF einsehbar.

Auf seiner Facebookseite antwortete Baumann außerdem auf kritische Nachfragen nach der Quelle für seine Aussagen so: „Quelle: BAMF, Asylgeschäfststatistik, Oktober 2016, S.10“.

Quellenangabe von Bernd Baumann (AfD) in einem Facebook-Kommentar, Screenshot: CORRECTIV

Die Zahlen des BAMF

Auf der genannten Seite des Berichtes druckte das BAMF in dem Bericht eine Tabelle mit dem Titel „Asylbewerberzugänge (Erst- und Folgeverfahren) im internationalen Vergleich 2016“ ab. Aufgeführt sind die Asylantragszahlen für die EU-Staaten und die Länder Island, Liechtenstein, Norwegen, Schweiz, Australien, Kanada, Neuseeland und die Vereinigten Staaten. Das BAMF gibt als Quelle Zahlen von Eurostat, des internationalen Forums „Intergovernmental Consultations on Migration, Asylum and Refugees“ (IGC) und nationaler Behörden an.

Auf Nachfrage von CORRECTIV erklärt das BAMF per Email: „Die Statistiken des Europäischen Statistikamts Eurostat auf Seite 10 der Asylgeschäftsberichte beziehen sich auf die tatsächlich gestellten Erst- und Folgeanträge“. Die Fälle sind also formell eingereicht und entgegengenommene, aber noch nicht entschieden. Hat Bernd Baumann also vielleicht recht mit seiner Aussage, wenn man sie auf eingereichte, aber noch nicht entschiedene Asylanträge bezieht? Schließlich nennt er diese Tabelle als Quelle. Wir haben nachgerechnet.

In Deutschland stellten der Tabelle zufolge von Januar bis Oktober 2016 insgesamt 645.140 Menschen Erst- oder Folgeanträge auf Asyl. Was heißt das? „Beantragt ein Asylsuchender das erste Mal Asyl, liegt ein Erstantrag vor. Wird ein Asylantrag zurückgenommen oder vom BAMF abgelehnt, hat der Asylsuchende die Möglichkeit, einen Folgeantrag zu stellen“, erklärt die Bundeszentrale für politische Bildung auf ihrer Webseite.  

Auszug aus der Tabelle des Asylgeschäftsberichtes Oktober 2016, Seite 10

Zahlen des UNHCR zu weltweiten Flüchtlingen

Tatsächlich beantragten im Vergleich der in der Tabelle aufgeführten Ländern von Januar bis Oktober 2016 nirgendwo so viele Menschen Asyl wie in Deutschland. Doch in der Tabelle werden nicht alle Länder der Welt aufgezählt, sondern nur die EU- Staaten und Mitglieder des IGC-Forums wie Kanada und Neuseeland. Hat Deutschland also 2016 mehr Asylanträge als der Rest der Welt zusammen entgegengenommen?

Um das herauszufinden, müsste man die Asylanträge in allen Ländern der Welt vergleichen. Genau das tut der UNHCR. Jedes Jahr veröffentlicht er die Weltflüchtlingszahlen. Der Bericht für das Jahr 2016 befasst sich in Kapitel 5 ausschließlich mit dem Thema „Asylumseekers“, also Asylsuchenden.

2,2 Millionen neue Einzelanträge auf Asyl- oder Flüchtlingsstatus stellten Menschen dem Bericht zufolge im Jahr 2016 weltweit an Staaten oder den UNHCR. „Deutschland war wie schon 2015 das größte Empfängerland von neuen Asylanträgen mit registrierten 722.400 im Jahr 2016“, steht auf Seite 39 des Berichtes.

Bericht des UNHCR zu den Weltflüchtlingszahlen 2016, Screenshot: CORRECTIV

Deutschland 2016: am meisten Asylanträge, aber nicht mehr als Rest der Welt

Anhand der Zahlen wird klar: In Deutschland wurden 2016 weltweit am meisten Asylanträge eingereicht, aber nicht mehr als in der ganzen übrigen Welt zusammen. Denn von insgesamt 2.176.100 Millionen Asylanträgen wurden 722.400 in Deutschland gestellt. Damit bleiben noch 1.453.700 Asylanträge, die Menschen in anderen Ländern stellten. Auf Deutschland folgten die USA mit 262.000 neuen Asylanträgen, Italien mit 123.000 und die Türkei mit 78.600.

Zahlen des UNCHR zu im Jahr 2016 gestellten Asylanträgen weltweit, Darstellung: CORRECTIV auf Basis des UNHCR Berichtes „Global Trends 2016“, Seite 39-40
Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. In Deutschland wurden 2016 weltweit am meisten Asylanträge gestellt und positiv beschieden. Es waren aber nicht mehr Anträge oder positive Entscheidungen als im Rest der Welt zusammen.

Bewertung: völlig falsch

Gefälschtes Grünen-Wahlplakat von 2017 wieder im Umlauf

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Im Internet verbreitetes gefälschtes Grünen-Wahlplakat, Bearbeitung und Screenshot: CORRECTIV

von Cristina Helberg

Nutzer teilen im Internet aktuell wieder ein gefälschtes Wahlplakat der Grünen. Es wurde bereits vor knapp zwei Jahren als falsch entlarvt.

Am 23. Januar teilte eine Nutzerin auf ihrer Facebookseite ein vermeintliches Wahlplakat der Grünen. Darauf zu sehen: eine Gruppe Mädchen. Alle bis auf eine Jugendliche sind dunkelhaarig. Unter dem Bild steht in der typischen Schrift der Partei Die Grünen: „Keine Deutschen Kein Rassismus“.

Facebookbeitrag vom 23. Januar 2019, Screenshot: CORRECTIV

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Das Plakat kursierte bereits 2017 im Netz und wurde schon damals als Fälschung entlarvt. Darüber berichtete der Deutschlandfunk im Februar 2017 in einem Online-Artikel. „Verbreitet wurde das Bild von einer AfD-Ortsgruppe aus Emmendingen in Baden-Württemberg“, schrieb der Deutschlandfunk. Spiegel Online berichtete in einem Artikel vom selben Tag, dass die AfD den Beitrag schließlich löschte. Im Netz verbreitet sich das Bild seitdem trotzdem weiter.

Unsere Bewertung:
Völlig falsch. Das Wahlplakat ist gefälscht.

Bewertung: falsch

Was hinter diesem Wolfsrudel-Bild steckt

Bildschirmfoto 2019-01-22 um 15.09.37
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Bildschirmfoto 2019-01-22 um 15.09.37
Auf Facebook verbreitetes Bild eines Wolfsrudels, Screenshot: CORRECTIV

von Cristina Helberg

Seit Jahren teilen Menschen im Internet das Bild eines Wolfsrudels samt sozialromantischer Erklärung. Die hat allerdings nichts mit der Realität zu tun und ist frei erfunden.

Die Geschichte dieses Wolfsrudels trifft einen Nerv. Zehntausende Nutzer haben den Text samt Bild in den letzten Jahren im Internet geteilt. Zu sehen ist ein Wolfsrudel, aufgeteilt in vier Gruppen. Angeblich sind die drei rot markierten Wölfe vorne „alt und krank“. Sie würden vorne laufen, „um das Tempo der Gruppe zu setzen, damit sie nicht zurückgelassen werden“. Dahinter folgen im gelben Kasten fünf der stärksten Tiere, so der Text. Am hinteren Ende würden grün markiert noch einmal fünf der stärksten Tiere laufen und ganz zuletzt „der Anführer“. So sei das Rudel ideal gegen Angriffe geschützt. Die Geschichte hat nur einen Haken: Sie ist frei erfunden.

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Das ist auch schon länger bekannt. Trotzdem teilen Nutzer das Bild weiter. Am 15. Januar veröffentlichte beispielsweise eine private Nutzerin das Wolfsbild auf ihrer Facebookseite. Innerhalb weniger Tage wurde es 5.052 Mal geteilt.

Facebookbeitrag mit falschen Behauptungen vom 15. Januar 2019

US-Faktenchecker im Jahr 2015: Einer der stärkeren Wölfe führt Gruppe an

Nicht nur auf Deutsch auch auf Englisch verbreitet sich die Geschichte des Wolfrudels im Netz. 2015 widmeten die US-amerikanischen Faktenchecker von Snopes dem Thema einen Artikel und kamen zu folgendem Schluss: „Dieses Foto ist ‘echt’ in dem Sinne, dass es im Wood Buffalo National Park ein Rudel Wölfe zeigt. Das Rudel wird jedoch nicht von den drei ältesten Mitgliedern angeführt und von einem ‘Alpha’ -Wolf verfolgt, wie dies ein viraler Facebook-Post impliziert . Stattdessen führt eines der stärkeren Tiere die Gruppe, um für sie einen Weg durch den Schnee zu schaffen.“ Wie kamen die Faktenchecker zu diesem Schluss?

Das Bild des Wolfsrudels stammt den Recherchen unserer Kollegen zufolge aus der BBC Dokumentation „Frozen Planet“. Die britische Zeitung Guardian veröffentlichte im Oktober 2011 Fotos aus dem Film. Darunter auch das Bild des Wolfsrudels, allerdings ohne farbliche Markierung und mit anderer Bildunterschrift.

Bild des Wolfsrudels in einem Artikel des Guardian aus dem Jahr 2011, Screenshot: CORRECTIV

Dort steht neben allgemeinen Beschreibungen nur ein Satz zu der Aufteilung des Wolfrudels: „Das Wolfsrudel, angeführt von dem Alpha-Weibchen, läuft in einer einzelnen Reihe durch den tiefen Schnee, um Energie zu sparen.“

Gibt es Alpha-Wölfe?

In den letzten Jahren hat sich in der Wissenschaft die Erkenntnis durchgesetzt, dass es Alpha-Wölfe in dem Sinne wohl gar nicht gibt. Vielmehr geht die Wissenschaft heute von Familienverbänden aus. Darauf verweisen auch die Snopes Faktenchecker mit Link auf diesen Artikel aus dem Jahr 1999.

Unsere Bewertung:
Falsch. Die Erklärung mit den bunten Markierungen ist frei erfunden.