Profil

Cristina Helberg

Faktencheckerin

Im CORRECTIV.Faktencheck-Team deckt Cristina fast täglich Falschnachrichten auf. Für die NRW-Redaktion von CORRECTIV recherchierte sie zum Medizinskandal um unterdosierte Krebsmedikamente aus Bottrop und begleitete den anschließenden Gerichtsprozess, oft als einzige Journalistin im Saal. 2018 wurde Cristina vom Medium Magazin als “Top 30 bis 30″- Nachwuchsjournalistin ausgezeichnet. Vorher reiste sie um die Welt, studierte Lateinamerikanistik auf Kuba und in Köln, absolvierte die Zeitenspiegel Journalistenschule und arbeitete als freie Journalistin.

E-Mail: cristina.helberg(at)correctiv.org

Foto von hinterlassenem Abfall: Street Parade 2016 statt aktueller Klimademo

Müll3
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Müll3
Facebook-Beitrag mit falscher Behauptung (Screenshot und Unkenntlichmachung: CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Auf Facebook kursiert ein Bild, das angeblich große Mengen Müll nach einer Klimademo zeigen soll. Das ist falsch. Das Bild wurde nach einer Technoparty in Zürich aufgenommen.

In diesem Faktencheck geht es um folgende Behauptung:

Auf Facebook wird ein Bild geteilt, das zeigt, wie zwei Personen große Mengen Abfall vor einem Bahnhofseingang in einen Abfallcontainer entsorgen. Das Bild ist am 7. April mit dem Text „So sah es dach der Klimademo aus. Ich bin stolz auf die Jugend, denn sie wissen um was es geht” von einem privaten Nutzer gepostet worden und unterstellt, dass Teilnehmer einer Klimademo große Mengen von Abfall hinterlassen haben. Der Beitrag wurde 2.590 Mal geteilt

Das Ergebnis unseres Faktenchecks:

Die Behauptung ist:  Völlig falsch.

Was stimmt?

Eine Bilder-Rückwärtssuche über Google und Bing ergab keinen eindeutigen Treffer. Allerdings war über TinEye ein ähnliches Bild zu finden. Der abgebildete Ort scheint identisch zu sein, ebenso die Arbeitskleidung und die Abfallcontainer. Das Bild gehörte zu einem Artikel der Schweizerischen Bundesbahnen, SBB, auf deren eigener Internetseite.

Screenshot der TinEye Bilder-Rückwärtssuche

In dem Artikel geht es unter anderem um die Beseitigung des Abfalls, der durch die jährlich in Zürich stattfindende Techno Party „Street Parade“ im August 2018 entstand. Eine Suche mit den Begriffen „Street-Parade“ und „SBB“ führte dann zu einem Artikel auf der Webseite 20min.ch vom 15. August 2016 mit dem Titel „SBB sammeln täglich den Abfall einer Street-Parade“. Dort fand sich auch das ursprüngliche Foto.

Artikel aus dem Jahr 2016 über den Abfall nach der Street Parade in Zürich

Mittlerweile wurde unter dem Facebook-Eintrag ein Artikel des Online-Magazins persönlich.com verlinkt. In dem Blogeintrag vom 12. April 2019 mit dem Titel „Wenn Bilder plötzlich lügen“ schildert Marco Meroni von der Werbeagentur „Rod Kommunikation“ die Entstehung des Bildes. Demnach wurde das Foto am 13. August 2016 zu Werbezwecken für die SBB durch die Mitarbeiter Stefan Erdin und den Fotografen Bruno Augsburger aufgenommen worden sei. Weiter schreibt Meroni: „Nun ist das Bild wieder da. Und schlägt im Gegensatz zu seiner Erstverwendung geradezu tsunamische Wellen. Es zirkuliert, tausendfach geteilt, seit einigen Tagen in den sozialen Medien und will dort als Beweisfoto die Bigotterie von Klimademonstrierenden belegen“.

Artikel des Online-Magazins „persönlich.com“ zur Entstehung des Bildes

Auf ihrer Facebooks-Seite hat „Rod Kommunikation“ in einem Beitrag vom 11. April 2019 noch einmal Stellung dazu genommen und bestätigt, dass das Bild am Bahnhof Stadelhofen in Zürich aufgenommen worden sei und die Beseitigung des Abfalles zeige, der durch die Street-Parade entstanden sei.

Stellungnahme der Werbeagentur „Rod Kommunikation“ zum Foto

Fazit:

Das Bild wurde zu Werbezwecken für die Schweizerische Bundesbahnen, SBB, am 13.08.2016 am Bahnhof Stadelhofen in Zürich aufgenommen und zeigt die Beseitigung des Abfalles, der durch die Street-Parade 2016 verursacht wurde. Die Unterstellung, die Teilnehmer einer Klimademo hätten diesen Abfall hinterlassen, ist falsch.

Von Melek Kosar, Mitglied der Checkjetzt-Redaktion

Bewertung: völlig falsch

Kein neues EU-Gesetz: Nein, Autofahrer müssen nicht alle fünf Jahre zur Führerscheinprüfung

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Im Netz werden falsche Meldungen zu einem angeblichen neuen EU-Gesetz zu Führerscheinen geteilt. (Foto: Ivo Mayr / CORRECTIV)

von Cristina Helberg

In Sozialen Netzwerken wird ein Artikel geteilt, der genau das behauptet. Was viele Nutzer überlesen: Es handelt sich um einen Aprilscherz.

Hat die EU beschlossen, dass ab 2020 Autofahrer alle fünf Jahre eine Führerscheinprüfung ablegen müssen? Das suggeriert ein Artikel der Webseite Auto Zeitung vom 1. April 2019. „Autofahrer sollen künftig alle fünf Jahre zur Führerschein-Prüfung. Dieses Gesetzesvorhaben brachte EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc auf den Weg. Schon 2020 soll das neue EU-Gesetz in Kraft treten“, heißt es dort.

Während der erste Abschnitt noch glaubwürdig geschrieben ist, dürften Leser im zweiten Abschnitt hellhörig werden. „In der Geschicklichkeitsprüfung soll die Fahrzeugbeherrschung nachgewiesen werden, in dem Autofahrer einäugig rückwärts einparken müssen“, steht dort. In einem Update machte die Auto Zeitung deutlich, dass es sich um einen Aprilscherz handelte. Mittlerweile ist der Beitrag auf der Seite der Auto Zeitung nicht mehr verfügbar. Die Seite Connectiv kopierte den Artikel der Auto Zeitung  und veröffentlichte ihn ohne Hinweis auf Satire. Mittlerweile ist auch dieser Beitrag nicht mehr verfügbar.

Beitrag der Seite „Auto Zeitung“ mit Update und Hinweis auf Aprilscherz. (Screenshot: CORRECTIV)

Aprilscherz ist nicht neu

Der Aprilscherz zu der angeblichen Einführung einer regelmäßigen Führerscheinprüfung ist bereits häufiger im Netz aufgetaucht. Vergangenes Jahr kursierten pünktlich zum 1. April ähnliche Meldungen. Die vermeintliche Zeitung „Kölner Abendblatt“ meldete: „Theorie Führerscheinprüfung nun alle 5 Jahre“. Dabei gibt es diese Zeitung gar nicht.

Aprilscherz Meldung der angeblichen „Kölner Zeitung“ vom 1. April 2018. (Screenshot: CORRECTIV)

Wer auf der Webseite etwas weiter nach unten scrollt, entdeckt einen Hinweis: „Dieser Zeitungsartikel wurde mit Paul Newsman erstellt. Hier kann jeder innerhalb von Sekunden eigene Satire oder Scherzartikel in verschiedenen fiktiven Magazinen veröffentlichen. Daher solltest du diesen Artikel auf gar keinen Fall als seriöse Quellenangabe nutzen.“

Hinweis unter dem Artikel der vermeintlichen Nachrichtenseite „Kölner Abendblatt“. (Screenshot: CORRECTIV)

Bundesverkehrsministerium und Europäische Kommission dementieren

Auf Nachfrage von CORRECTIV dementieren sowohl das Bundesverkehrsministerium als auch die Europäische Kommission die Einführung einer regelmäßigen Führerscheinprüfung alle fünf Jahre durch ein neues EU-Gesetz. „Im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) liegen keine Kenntnisse über ein Gesetzesvorhaben auf europäischer Ebene vor, das eine Führerscheinprüfung im Fünf-Jahres-Turnus vorsieht“, so das Bundesverkehrsministerium.

Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Presseanfrage von CORRECTIV

Der Sprechers der Europäischen Kommission in Deutschland schreibt: „Das ist nicht korrekt. Es gibt kein solches EU-Gesetz und ist auch nicht geplant.“

Antwort des Sprechers der Europäischen Kommission in Deutschland auf eine Presseanfrage von CORRECTIV

Fünf-Jahres-Regel für LKW-Führerscheine

Für die LKW-Führerscheinklassen C1, C1E, C und CE gibt es jedoch tatsächlich eine Fünf-Jahres-Regel. Fahrerlaubnisse dieser Klassen werden „grundsätzlich nur für 5 Jahre erteilt; danach wird sie für jeweils weitere 5 Jahre nach Vorlage einer positiven Eignungsuntersuchung (Gesundheits-Check und augenärztlichem Gutachten) verlängert“, wie der TÜV Nord auf seiner Website schreibt.

Hinweis zur Fünf-Jahresregel für die LKW-Führerscheinklassen auf der Website des TÜV Nord
Unsere Bewertung:
Völlig falsch. Es gibt kein EU-Gesetz, dass eine Führerscheinprüfung im Fünf-Jahres-Turnus für den allgemeinen Führerschein vorsieht.

Bewertung: teilweise falsch

Irreführender Bericht über Gebühr für Bargeldabhebungen

Bildschirmfoto 2019-03-29 um 14.16.19
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Bildschirmfoto 2019-03-29 um 14.16.19
Artikel auf der Webseite „Die Männer Seite“ (Screenshot CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Kostet Geldabheben bald 15 Euro? Das behauptet die Webseite „Die Männer Seite“. CORRECTIV hat recherchiert, was dahinter steckt.

In Sozialen Netzwerken kursiert ein Artikel der Webseite Die Männer Seite mit der Überschrift „Banken führen neue Gebühr ein Geld abheben kostet bald 15 Euro“.

Müssen Bankkunden also bald zahlen, wenn sie Bargeld abheben? Weiter unten steht im Die Männer Seite-Text „Denn viele Banken führen nun eine neue Servicegebühr ein, die das Abheben von Geld teuer machen kann – besonders bei kleineren Beträgen!“ Der Hinweis „Erfahrt hier, welche Kunden betroffen sind!“ unter dem Artikel verlinkt nirgendwo hin. Auch sonst liefert der Artikel auf den ersten Blick keine Belege für die aufgestellten Behauptungen.

Nur wer genau hinsieht, entdeckt, dass der Artikel auf drei Seiten aufgeteilt ist. Eine klassische Form von Clickbait. Erst auf der zweiten Seite relativiert die Webseite: „Der Gang zum Geldautomaten könnte für einige Bankkunden demnächst teuer werden. Denn nun wollen die Banken Gebühren einführen, die bis zu 15 Euro gehen können. Vor allem bei kleineren Beträgen wird das angewendet.“ Auf Seite drei folgt eine weitere Relativierung: „Alternativ kann man sich das Geld aber auch in Supermärkten besorgen! Bei Rewe, Edeka und Aldi Süd kann man sich kostenlos Bargeld herausgeben lassen. Und das schon bei einem Einkaufswert von 10 oder 20 Euro.“

Die Überschrift des Artikels ist also gezielt irreführend gewählt und zugespitzt. Erst auf Seite zwei und drei wird der Leser aufgeklärt, dass es sich nicht um eine generelle Gebühr für alle Banken und Abhebungen handelt.

Was steckt hinter der Meldung?

Am 30. November 2018 veröffentlichte die Verbraucherzentrale eine Meldung, die vor „undurchsichtigen Preisstukturen“ von Direktbanken warnte. „Wir erhalten zahlreiche Beschwerden über eingeführte Mindestabhebebeträge und undurchsichtige Preisstrukturen bei einigen Direktbanken“, so die Verbraucherzentrale.

In der Meldung wird an einer Stelle auch eine 15-Euro-Gebühr erwähnt. Allerdings nur in einem konkreten Fall. Es geht um Direktbanken, die oft mit kostenlosen Girokonten und Kreditkarten werben. Die Verbraucherzentrale bemängelt: „Tatsächlich kostenlos bleiben die Girokonten einiger Direktbanken nur dann, wenn ein Mindestbetrag abgehoben wird.“

Als konkrete Beispiele nennt die Verbraucherzentrale die ING DiBa, DKB und Comdirect Bank. Wer zum Beispiel bei der ING DiBa Beträge unter 50 Euro abheben wolle, müsse dafür eine „kostenpflichtige ‘Kleinbetrags-Option’ hinzubuchen“. Kostenpunkt: zehn Euro. Wer weniger als 50 Euro auf dem Konto habe, könne jedoch kleinere Beträge auch kostenlos abheben. Die DKB verlange für die Option auf kleinere Abhebebeträge  15 Euro.

Meldung der Verbraucherzentrale vom 30. November 2018 (Screenshot CORRECTIV)

 Die DKB weist Kunden auf Ihrer Webseite auf die „Mini-Bargeld-Option“ hin:

Die ING DiBa schreibt in ihrem Preis- und Leistungsverzeichnis, dass das Abheben von Beträgen unter 50 Euro nur mit einer „Kleinbetrags-Option“ für 10 Euro monatlich möglich sei. Außer, wenn Kunden weniger als 50 Euro auf ihrem Konto hätten.

Preis und Leistungsverzeichnis der ING DiBa (Screenshot: CORRECTIV)

Überspitzte Darstellung in mehreren Überschriften

Die Überschrift auf Die Männer Seite suggeriert, dass es zukünftig eine generelle Gebühr von 15 Euro für Bargeldabhebungen gebe. Das ist falsch. Richtig ist: Einige Direktbanken erheben Gebühren, wenn ihre Kunden Beträge unter 50 Euro abheben möchten.

Ende 2018 berichteten Medien und mehrere Webseiten wie Focus, Chip.de und Finanzen.net über die neu eingeführten Gebühren einiger Direktbanken für Geldabhebungen unter 50 Euro. Während der Focus korrekt titelte „Geldabheben am Automaten: Erste Direktbanken führen Gebühren ein“, waren die Überschriften von Chip.de („Banken führen neue Gebühr ein: Geld abheben kostet bald 15 Euro!“) und Finanzen.net („Neue Gebühr eingeführt: 15 Euro fürs Geldabheben am Automaten“) ebenfalls irreführend.

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Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Es gibt keine neue generelle Gebühr aller Banken für Bargeldabhebungen. Einige Direktbanken verlangen von ihren Kunden zusätzliche Gebühren für Abhebungen unter 50 Euro.

Bewertung: falsch

Bilder des Deutschen Bundestages in falschen Kontext gestellt

GERMANY-POLITICS-PARLIAMENT
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GERMANY-POLITICS-PARLIAMENT
Der Bundestag am 24. Oktober 2017. (Foto: John Macdougall / AFP)

von Cristina Helberg

Im Netz verbreitet sich eine Fotomontage mit falschen Behauptungen.

Die Facebook-Seite „Frauenbündnis Südpfalz“ veröffentlichte am 24. Februar eine Fotomontage. Darauf zu sehen: zwei Fotos aus dem Deutschen Bundestag. Auf dem oberen Foto sitzt auf fast jedem Platz ein Abgeordneter. Nur auf der Regierungsbank sitzt niemand. Darüber steht: „Volles Haus Diätenerhöhung“.

Auf dem zweiten Foto der Montage ist es im Parlament deutlich leerer. Die Regierungsbank ist jedoch besetzt. Am Rednerpult steht Alexander Gauland (AfD). Während die AfD-Fraktion offenbar fast geschlossen anwesend ist, sind bei den anderen Fraktionen nur wenige Abgeordnete an ihrem Platz. Über diesem Foto steht in der Montage „bei Rentenerhöhung“.

Die indirekte Behauptung der Montage: Wenn es um Diätenerhöhung geht sind alle Bundestagsabgeordneten anwesend, bei dem Thema Rentenerhöhung nur wenige außer der AfD. Tatsächlich stammen die Bilder jedoch aus Bundestagssitzungen zu ganz anderen Themen.

Facebook-Beitrag vom 24. Februar 2019 mit falschen Behauptungen (Screenshot: CORRECTIV)

Bilder-Rückwärtssuche mit schnellem Ergebnis

Wir haben recherchiert, was hinter den Bildern aus dem Bundestag steckt. Per Bilder-Rückwärtssuche lässt sich das obere Bild schnell zuordnen – allerdings in einen völlig anderen Kontext als in der Fotomontage behauptet.

Google-Rückwärtssuche zu der Fotomontage (Screenshot: CORRECTIV)

Das Bild stammt aus einer Pressemeldung der Bundesregierung vom 24. Oktober 2017 anlässlich der Konstituierung des 19. Bundestages. Das heißt: An diesem Tag kam das neu gewählte Parlament zu seiner ersten Sitzung im Plenarsaal des Bundestages zusammen.

Bild von der Website der Bundesregierung (Screenshot: CORRECTIV)

Warum die Regierungsbank leer blieb

Das erklärt erstens, warum nahezu alle Plätze belegt waren und zweitens, warum die Regierungsbank auf dem Bild leer ist. Denn die Kanzlerin und die übrigen Mitglieder der Regierung sitzen wie alle anderen im Plenum. Der Grund: Mit der konstituierenden Sitzung endet auch offiziell die vorherige Amtszeit der Kanzlerin. Die Regierung bleibt nur geschäftsführend im Amt, bis eine neue Regierung gebildet ist.

Erst am 14. März 2018 wurde Angela Merkel als Kanzlerin wiedergewählt und saß ab dann gemeinsam mit den neuen Regierungsmitgliedern wieder auf der Regierungsbank. Auch darüber berichtete die Pressestelle der Bundesregierung.

Merkel und Regierungsmitglieder auf der Regierungsbank (Screenshot: CORRECTIV)

Fazit: Das erste Bilder der Fotomontage zeigt keine Debatte oder Abstimmung zu einer Diätenerhöhung, sondern die konstituierende Sitzung des aktuellen Bundestages am 24. Oktober 2017.

2. Bild: Generalaussprache statt Rentenerhöhung

Auch das zweite Bild stammt nicht, wie behauptet, aus einer Debatte oder Abstimmung zum Thema „Rentenerhöhung“. Zu erkennen ist, dass am Rednerpult Alexander Gauland von der AfD steht. Wenn man bei Google die Suchbegriffe „afd rede gauland bundestag“ eingibt und die Suchergebnisse auf Videos einschränkt, ist einer der ersten Treffer ein zum Foto passendes Video.

Google-Suche nach zum Foto passenden Videoaufnahmen (Screenshot: CORRECTIV)

Das Foto stammt aus der sogenannten Generalaussprache zum Bundeshaushalt 2018 am 4. Juli 2018. Das Protokoll der Sitzung ist online einsehbar. Dort ist auch Alexander Gaulands Rede ab Seite 4690 dokumentiert.

Auf der Webseite des Deutsche Bundestages ist die Rede von Alexander Gauland in einem Video dokumentiert. Eine Aufnahme stimmt mit dem Bild aus der Fotomontage überein. In seiner Rede kritisierte Gauland die Kanzlerin für ihre Migrationspolitik. Das Thema Rente erwähnte er nicht.

Dokumentierte Rede von Alexander Gauland (AfD) auf der Seite des Deutschen Bundestages (Screenshot: CORRECTIV)

Fazit: Das Foto stammt von der Generalaussprache des Bundeshaushalt am 4. Juli 2018.

Unsere Bewertung:
Falsch. Beide Fotos sind in falschen Kontext gestellt.

Bewertung: falsch

Todesfall in Wuppertal: keine Hinweise auf Ebola

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Der Polizei zufolge gibt es keine Hinweise auf eine Ebola-Infektion. (Symbolbild: Ivo Mayr/CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Nach dem Fund eines toten Mannes in Wuppertal, kursieren im Netz Gerüchte über eine mögliche Ebola-Infektion. Der für Falschmeldungen bekannte Blog Halle Leaks heizt die Stimmung mit irreführender Überschrift und aus dem Kontext gerissenen Textstellen an. Die Polizei hat keine Hinweise auf Ebola. Der Mann litt an einer nicht ansteckenden Vorerkrankung.

Anwohner haben am 17. Februar in einem Treppenhaus in Wuppertal einen toten Mann gefunden, so schilderte es die Polizei in einer Pressemitteilung am 18. Februar. Auf Nachfrage von CORRECTIV bestätigt die Polizei, der Mann stamme aus Guinea und habe viel Blut verloren. In der Pressemitteilung stellte die Polizei klar: „Ursächlich könnte eine nicht ansteckende oder meldepflichtige Blutkrankheit gewesen sein. Eine Gewaltanwendung oder ein Fremdverschulden kann zurzeit ausgeschlossen werden.“ Der Mann litt demnach an einer Vorerkrankung, die jedoch nicht ansteckend war.

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Im Netz kursierten nach dem Vorfall Gerüchte, der Mann könnte an einer Ebola-Infektion gestorben sein. Der Polizei zufolge gibt es dafür keine Hinweise. Der Blog Halle Leaks veröffentlichte am 21. Februar einen Artikel mit der falschen Überschrift: „Hurra, Hurra – Die Ebola ist da.“ Im Text behauptete die Redaktion: „Die Seuchenbehörden und Polizei halten sich bedeckt. Man möchte die Bürger nicht unnötig verunsichern.“

Richtig ist: Seit dem 18. Februar hat die Polizei Wuppertal keine neue Pressemeldung veröffentlicht. Auf Nachfrage von CORRECTIV erklärt der Pressesprecher Alexander Kresta heute am Telefon: „Die Ergebnisse der Blutuntersuchung liegen noch nicht vor. Erst wenn die Ergebnisse vorliegen, wird über eine Obduktion entschieden“. Weiterhin gebe es keine Hinweise auf Ebola.

Artikel des Blogs „Halle Leaks“ mit falscher Überschrift vom 21. Februar 2019 (Screenshot: CORRECTIV)

Um den angeblichen Ebola-Verdacht zu unterstreichen, zitierte Halle Leaks in dem Artikel auch drei Sätze aus einem Artikel der Welt zum Vorfall: „Der Bereich um den Fundort auf der Schellenbecker Straße in Oberbarmen wurde weiträumig abgesperrt. Feuerwehrleute in speziellen Infektionsschutzanzügen rückten am Sonntagabend an. Sie reinigten und desinfizierten die mit Blut verunreinigten Stellen.“ Das Zitat ist richtig, aber aus dem Kontext gerissen. Denn in dem Welt-Artikel steht im nächsten Absatz: „Die Behörde widersprach Gerüchten von einer hochgefährlichen Ebola-Infektion: Bislang gebe es keine Hinweise auf eine ansteckende Infektionskrankheit.“ Dies erwähnte Halle Leaks nicht.

Auch Boulevardzeitung Express schürte Angst vor Ebola

Die Zeitung Express wählte am 18. Februar für zwei Artikel über den Vorfall ebenfalls irreführende Überschriften: „Afrikaner (19) lag tot in Blutlache Ebola-Angst in Wuppertal“ und „Polizei spricht über Ebola-Verdacht Leiche aus Wuppertal wird in Düsseldorf untersucht“.  Inzwischen hat der Express die Überschrift geändert: „Ebola-Entwarnung in Wuppertal Was hat den 19-Jährigen so schrecklich dahingerafft?“.

Artikel der Zeitung Express vom 18. Februar 2019 mit irreführender Überschrift (Screenshot: CORRECTIV)
Artikel der Zeitung Express vom 18. Februar 2019 mit irreführender Überschrift (Screenshot: CORRECTIV)

In den Artikeln löste die Zeitung die irreführende Behauptung jeweils erst im letzten Absatz auf: „Aber zumindest für Ebola kann man wohl doch Entwarnung geben. ‘Der Mann wohnte seit zwei, drei Jahren in Wuppertal. Wir haben Zeugenaussagen, die bestätigen, dass er in dieser Zeit nicht im Ausland war’, erklärt eine Polizeisprecherin. Ebola hat eine wesentlich kürzere Inkubationszeit.“ Später änderte die Redaktion des Express den Artikeltext und wies im ersten Absatz daraufhin, dass es eine „Ebola-Entwarnung“ gebe. Tatsächlich hatte es zuvor aber nie eine Warnung vor Ebola gegeben.

Gegenüber CORRECTIV bestätigte die Polizei, dass es bisher keine Hinweise auf eine Auslandsreise gebe.

Berichterstattung verschiedener Medien über den Fall (Screenshot: CORRECTIV)

Facebook-Nutzer verbreiten unterdessen die Überschriften der ExpressArtikel ohne Kontext weiter.

Post mit aus dem Kontext gerissener falscher Behauptung (Screenshot: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Falsch. Laut Polizei gibt es keine Hinweise auf Ebola.

Bewertung: falsch

Toter in Wuppertal: keine Hinweise auf Ebola

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Der Polizei zufolge gibt es keine Hinweise auf eine Ebola-Infektion. (Symbolbild: Ivo Mayr/CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Nach dem Fund eines toten Mannes in Wuppertal, kursieren im Netz Gerüchte über eine mögliche Ebola-Infektion. Mehrere Artikel der Kölner Boulevardzeitung „Express“ mit irreführenden Überschriften heizen die Stimmung an. Die Polizei hat keine Hinweise auf Ebola. Eine Obduktion ist für morgen geplant.

Update, 19. Februar 2019: Inzwischen hat der Express die Überschrift geändert: „Ebola-Entwarnung in Wuppertal Was hat den 19-Jährigen so schrecklich dahingerafft?“

Anwohner haben am 17. Februar in einem Treppenhaus in Wuppertal einen toten Mann gefunden, so schilderte es die Polizei in einer Pressemitteilung. Auf Nachfrage von CORRECTIV bestätigt die Polizei, der Mann stamme aus Guinea und habe viel Blut verloren. In der Pressemitteilung stellte die Polizei klar: „Ursächlich könnte eine nicht ansteckende oder meldepflichtige Blutkrankheit gewesen sein. Eine Gewaltanwendung oder ein Fremdverschulden kann zurzeit ausgeschlossen werden.“

Im Netz kursierten nach dem Vorfall Gerüchte, der Mann könnte an einer Ebola-Infektion gestorben sein. Der Polizei zufolge gibt es dafür keine Hinweise.  Eine Facebook-Nutzerin veröffentlichte einen Beitrag mit der Behauptung: „Polizei spricht über Ebola-Verdacht. Leiche aus Wuppertal wird in Düsseldorf untersucht. Na bravo…Hauptsache alles schön bunt“.  Die ersten zwei Sätze stammen aus einer Überschrift der Zeitung Express. 

Die Zeitung Express wählte für zwei Artikel über den Vorfall irreführende Überschriften: Afrikaner (19) lag tot in Blutlache Ebola-Angst in Wuppertal“ und „Polizei spricht über Ebola-Verdacht Leiche aus Wuppertal wird in Düsseldorf untersucht“.  

Artikel der Zeitung Express vom 18. Februar 2019 mit irreführender Überschrift (Screenshot: CORRECTIV)
Artikel der Zeitung Express vom 18. Februar 2019 mit irreführender Überschrift (Screenshot: CORRECTIV)

In den Artikeln löste die Zeitung diese irreführende Behauptung jeweils erst im letzten Absatz auf: „Aber zumindest für Ebola kann man wohl doch Entwarnung geben. ‘Der Mann wohnte seit zwei, drei Jahren in Wuppertal. Wir haben Zeugenaussagen, die bestätigen, dass er in dieser Zeit nicht im Ausland war’, erklärt eine Polizeisprecherin. Ebola hat eine wesentlich kürzere Inkubationszeit.“

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Gegenüber CORRECTIV bestätigte die Polizei, dass es bisher keine Hinweise auf eine Auslandsreise gebe und erklärte außerdem: „Es gibt Hinweise, dass der Mann eine Bluterkrankung hatte, die nicht ansteckend ist“. Mit letzter Gewissheit, könne das aber erst eine für Dienstag geplante Obduktion klären.

Berichterstattung verschiedener Medien über den Fall (Screenshot: CORRECTIV)

Am Nachmittag änderte die Redaktion des Express den Artikeltext und wies im ersten Absatz daraufhin, dass es eine „Ebola-Entwarnung“ gebe. Tatsächlich hatte es zuvor aber nie eine Warnung vor Ebola gegeben. Die irreführende Artikelüberschrift änderte Express nicht.

Unsere Bewertung:
Falsch. Laut Polizei gibt es keine Hinweise auf Ebola.

Bewertung: falsch

Toter in Wuppertal: keine Hinweise auf Ebola

RS3389__Y5B0415
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Der Polizei zufolge gibt es keine Hinweise auf eine Ebola-Infektion. (Symbolbild: Ivo Mayr/CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Nach dem Fund eines toten Mannes in Wuppertal, kursieren im Netz Gerüchte über eine mögliche Ebola-Infektion. Mehrere Artikel der Kölner Boulevardzeitung „Express“ mit irreführenden Überschriften heizen die Stimmung an. Die Polizei hat keine Hinweise auf Ebola. Eine Obduktion ist für morgen geplant.

Update, 19. Februar 2019: Inzwischen hat der Express die Überschrift geändert: „Ebola-Entwarnung in Wuppertal Was hat den 19-Jährigen so schrecklich dahingerafft?“

Anwohner haben am 17. Februar in einem Treppenhaus in Wuppertal einen toten Mann gefunden, so schilderte es die Polizei in einer Pressemitteilung. Auf Nachfrage von CORRECTIV bestätigt die Polizei, der Mann stamme aus Guinea und habe viel Blut verloren. In der Pressemitteilung stellte die Polizei klar: „Ursächlich könnte eine nicht ansteckende oder meldepflichtige Blutkrankheit gewesen sein. Eine Gewaltanwendung oder ein Fremdverschulden kann zurzeit ausgeschlossen werden.“

Im Netz kursierten nach dem Vorfall Gerüchte, der Mann könnte an einer Ebola-Infektion gestorben sein. Der Polizei zufolge gibt es dafür keine Hinweise. Die Zeitung Express wählte für zwei Artikel über den Vorfall irreführende Überschriften: Afrikaner (19) lag tot in Blutlache Ebola-Angst in Wuppertal“ und „Polizei spricht über Ebola-Verdacht Leiche aus Wuppertal wird in Düsseldorf untersucht“.  

Artikel der Zeitung Express vom 18. Februar 2019 mit irreführender Überschrift (Screenshot: CORRECTIV)
Artikel der Zeitung Express vom 18. Februar 2019 mit irreführender Überschrift (Screenshot: CORRECTIV)

In den Artikeln löste die Zeitung diese irreführende Behauptung jeweils erst im letzten Absatz auf: „Aber zumindest für Ebola kann man wohl doch Entwarnung geben. ‘Der Mann wohnte seit zwei, drei Jahren in Wuppertal. Wir haben Zeugenaussagen, die bestätigen, dass er in dieser Zeit nicht im Ausland war’, erklärt eine Polizeisprecherin. Ebola hat eine wesentlich kürzere Inkubationszeit.“

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Gegenüber CORRECTIV bestätigte die Polizei, dass es bisher keine Hinweise auf eine Auslandsreise gebe und erklärte außerdem: „Es gibt Hinweise, dass der Mann eine Bluterkrankung hatte, die nicht ansteckend ist“. Mit letzter Gewissheit, könne das aber erst eine für Dienstag geplante Obduktion klären.

Berichterstattung verschiedener Medien über den Fall (Screenshot: CORRECTIV)

Am Nachmittag änderte die Redaktion des Express den Artikeltext und wies im ersten Absatz daraufhin, dass es eine „Ebola-Entwarnung“ gebe. Tatsächlich hatte es zuvor aber nie eine Warnung vor Ebola gegeben. Die irreführende Artikelüberschrift änderte Express nicht.

Facebook-Nutzer verbreiten unterdessen die Überschriften der Express Artikel ohne Kontext weiter.

Post mit aus dem Kontext gerissener falscher Behauptung (Screenshot: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Falsch. Laut Polizei gibt es keine Hinweise auf Ebola.

Bewertung: größtenteils falsch

Nein, Heiko Maas wollte keinen Kindesmissbrauch in Kinderehen legalisieren

US-GERMANY-DIPLOMACY
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US-GERMANY-DIPLOMACY
Maas wurde für seinen Vorschlag zur Einzelfallprüfung der betroffenen Ehen scharf kritisiert. (Foto: Andrew Caballero-Reynolds/ AFP)

von Cristina Helberg

Außenminister Heiko Maas wird im Internet im Zusammenhang mit dem Thema Kinderehen immer wieder stark kritisiert. Nutzer verbreiten auch falsche Behauptungen und Zitate. Aktuell wird in Sozialen Netzwerken behauptet, Maas wolle mit Kinderehen Kindesmissbrauch legalisieren. Die Behauptung stammt aus dem Jahr 2016 und ist aus dem Kontext gerissen.

Am 26. Januar veröffentlichte ein Facebook-Nutzer eine Bildcollage mit der Behauptung: „Heiko Maas will mit Kinderehen Kindesmissbrauch legalisieren. Er ist bereit Grundwerte unserer Kultur islamischer Perversionen zu opfern.“ Eine Quellenangabe fehlt. Der Beitrag wurde bisher 3.440 Mal geteilt.

Facebook-Beitrag vom 26. Januar 2019 (Screenshot: CORRECTIV)

Ursprung der Behauptung: Artikel von Tichys Einblick

Wer das Zitat im Netz sucht, stößt auf einen Artikel aus dem Jahr 2016 von Joachim Steinhöfel auf der Seite Tichys Einblick. Der Artikel trägt die Überschrift „Maas will mit Kinderehen Kindesmissbrauch legalisieren“. In dem Artikel formuliert der Autor auch einen zweiten Satz, der zwei Jahre später in dem Facebook-Post auftaucht: „Maas ist bereit, Grundwerte unserer Kultur islamischen Perversionen zu opfern.“ Die Behauptungen bezieht der Autor von Tichys Einblick unter anderem auf eine Meldung des Spiegel vom 28.10.2016.

Darin berichtete der Spiegel über einen Gesetzentwurf des damaligen Justizministers Heiko Maas (heute Außenminister) zu Kinderehen. Im Gegensatz zu Forderungen der CDU wollte Maas Ehen von unter 18-Jährigen nicht grundsätzlich verbieten.

Stattdessen sah sein Entwurf vor, in jedem Fall einzeln zu prüfen, ob das Kindeswohl des minderjährigen Ehepartners gefährdet sei. Der Spiegel zitiert aus dem Gesetzesentwurf: „Die Befreiung soll nur erteilt werden, ‘wenn die beabsichtigte Ehe das Wohl des Antragstellers nicht beeinträchtigt’.“ Heiko Maas wollte mit dem Gesetzesentwurf also in Einzelfällen Ehen mit unter 18-Jährigen anerkennen, jedoch nur wenn das Kindeswohl nicht gefährdet sei.

Sein erster Entwurf setzte sich aber nicht durch.

Maas erntete Kritik für Vorschlag zu Kinderehen  

Maas wurde für seinen Vorschlag zur Einzelfallprüfung der betroffenen Ehen scharf kritisiert. Er zog den Vorschlag daraufhin zurück und setzte sich stattdessen für folgende Regelung ein, die dann auch umgesetzt wurde: Ehen von unter 16-Jährigen grundsätzlich aufzuheben und Ehen von Partnern zwischen 16 und 18 Jahren nur in Ausnahmefällen zu genehmigen. In einer Pressemitteilung am 29. Oktober 2016 betonte Maas: „Im Vordergrund sollte bei jeder Entscheidung immer das Wohl der betroffenen Frau stehen und auch die Frage, wie wir in der Ehe bereits geborene Kinder am besten schützen können.“

Neues Gesetz zu Kinderehen seit Juli 2017

Vor der Gesetzesänderung im Jahr 2017 konnten Jugendliche ab 16 Jahren in Ausnahmefällen mit Zustimmung des Familiengerichts schon vor ihrem 18. Geburtstag heiraten. Seit dem 22. Juli 2017 kann man in Deutschland nur noch heiraten, wenn beide Partner volljährig sind.

Eine Ehe, bei der ein Partner zum Zeitpunkt der Hochzeit noch nicht 16 war, ist nach dem Gesetz automatisch unwirksam. „Sie braucht nicht erst in einem gerichtlichen Verfahren aufgehoben werden. Diese Grundsätze gelten auch, wenn die Ehen nach ausländischem Recht wirksam geschlossen wurden. Für Altfälle gibt es Übergangsvorschriften“, so die Bundesregierung in einer Pressemitteilung zur Gesetzesänderung.

Aktuell zweifelt der Bundesgerichtshof an, ob die neue Regelung mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Eine Entscheidung steht noch aus.

Halle Leaks erfindet vermeintliches Zitat von Heiko Maas

Das Thema Kinderehen wird in Sozialen Netzwerken kontrovers diskutiert. Immer wieder taucht in den Kommentaren auch ein vermeintliches Zitat von Heiko Maas auf, dass inhaltlich an die Behauptung von Tichys Einblick anknüpft: „Auch wenn die Ehefrau erst 6 und der Mann 56 ist, können wir nicht einfach unterstellen, die Heirat wäre nicht aus Liebe vollzogen“. Diesen Satz hat Heiko Maas nie gesagt. Er ist frei erfunden. Der Satz geht zurück auf das Vorschaubild eines Artikels aus dem Jahr 2016 der rechten Seite Halle Leaks, die immer wieder Falschmeldungen veröffentlicht.

Dieses Vorschaubild erscheint, wenn Nutzer den Beitrag auf Facebook teilen wollen, Screenshot: CORRECTIV
Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Heiko Maas setzte sich 2016 eine zeitlang für Einzelfallprüfung von Kinderehen ein und wollte diese teilweise anerkennen, wenn das Kindeswohl nicht gefährdet sei. Später zog er den Vorschlag zurück.

In der Bananenrepublik – Wie ein Mann in seiner Freizeit Falschmeldungen verbreitet

bananenrepublik xx
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Bananenrepublik. Screenshot: Titelbild von Roland Prausers Profil auf Facebook

von Cristina Helberg

Warum glauben Menschen an „Fake News“? Wegen Leuten wie Roland Prauser. In seiner Freizeit schreibt er Falschmeldungen, die er über Facebook in der ganzen Republik streut. Im Netz gibt es tausende wie ihn. Wer sein Profil besucht, versteht, warum der Kampf gegen „Fake News“ so schwer ist.

Im Dezember 2018 prangt über Roland Prausers Facebookprofil eine Deutschlandfahne. In der Mitte: eine Bananenstaude statt dem Bundesadler. Deutschland, eine Bananenrepublik. So sieht Prauser es. „Gelbe Westen Patriot von Macron Regime erschossen! Wahnsinn die Morden für Ihre Macht“, schreibt er am 26. November auf Facebook. In den Tagen zuvor veröffentlicht er Behauptungen wie: „Die Deutsche Regierung hat befohlen nicht über die Revolution in Frankreich zu berichten“. Oder: „10 Millionen Franzosen auf den Straßen. Deutsche Medien schweigen beharrlich per Befehl der Regierung“. Alle drei: Falschmeldungen.

Für einen angeblich erschossenen Demonstranten haben weder wir noch französische Journalisten Belege gefunden. Deutsche Medien haben von Beginn an ausführlich über die Proteste in Frankreich berichtet. Roland Prausers Profil ist gefüllt mit irreführenden Meldungen. An manchen Tagen postet er im Minutentakt.

Der Angriff auf die Charlie Hebdo Redaktion? Für Prauser ein inszenierter Fake der Geheimdienste. Gelbwesten Proteste in Frankreich? Von deutschen Lügenmedien totgeschwiegen. Wenn Falschmeldungen sowas wie Drogen sind, ist Roland Prauser der Dealer im Park. Kein Mafiaboss, niemand, der hinter einer groß angelegten Desinformationskampagne steckt. Seine Posts im Newsfeed kommen vertrauenswürdig rüber, weil man ihn kennt. Er bringt Falschnachrichten unters Volk, abgepackt in kleinen Mengen.

Facebookpost von Roland Prauser mit Behauptung ohne Beleg (Screenshot CORRECTIV)

Warum Menschen wie Prauser Falschmeldungen erfolgreich machen

Roland Prauser ist kein Influencer mit hunderttausend Followern. 2.895 Freunde und 1.111 Abonnenten erreicht Prauser mit seinen Posts aktuell. Für Facebook-Maßstäbe nicht wirklich viel, doch Menschen wie er sind für die Verbreitung von Falschmeldungen elementar.

Dank Prauser landet Desinformation in kleinen Häppchen in den Newsfeeds seiner Freunde und Abonnenten. Kurze Sätze in weißen Lettern auf pinkem Grund, die Misstrauen säen. Abgeschickt von einem bekannten Gesicht. Dieser Mechanismus hat Desinformation auf Facebook groß gemacht. Von der Familie und Freunden geteilte Nachrichten hinterfragen wir weniger als Nachrichten von Medien. Wir vertrauen dem Absender, also vertrauen wir auch der Nachricht. Egal ob Fake oder Fakt.

Bananenrepublik und Süßigkeiten

Wer ist Roland Prauser? Für die Facebookseite nutzt er seinen realen Namen. Über der Bananrepublik-Fahne auf seinem Profil prangt ein Zitat, dass Prauser offenbar als Motto gewählt hat: „Der Bürger hat das Recht und die Pflicht, die Regierung zur Ordnung zu rufen, wenn er glaubt, dass sie demokratische Rechte missachtet.“ Man kann davon ausgehen, dass der sozialdemokratische Bundespräsident Gustav Heinemann keinen Feldzug der Desinformation meinte, als er das sagte.

Roland Prausers Facebookprofil ist ein Mix aus Verschwörungstheorien, Falschmeldungen und persönlichen Kommentaren zum Weltgeschehen. Im realen Leben besitzt Roland Prauser ein Restaurant. 2014 veröffentlichte die Lausitzer Rundschau einen Artikel über ihn. Es ging nicht um Falschmeldungen, sondern um sein Verkaufsgeschick. Das Artikelbild zeigt ihn in seinem neu eröffneten Restaurant. Skeptisch blickt er in die Kamera. Sein Restaurant taufte er „Lucifer“. Vor der Eröffnung war er Waffelverkäufer, Zuckerwatte-Hersteller und Popcorn Produzent, schreibt die Zeitung. Roland Prauser weiß, wie man den Massen Süßigkeiten verkauft.

 

Facebookprofil von Roland Prauser im Dezember 2018 (Screenshot Correctiv)

„Ist Paris heute Nacht gefallen?“

Im Dezember 2018 wählt Prauser als Profilbild auf Facebook gelbe Warnwesten. Täglich postet er mehrere Kommentare zu den Proteste der Gelben Westen in Frankreich. Prauser würde solche Proteste gerne auch in Deutschland sehen. „Pulverdampf in Europa Es riecht nach Veränderung“, „Deutschland braucht gelbe Westen!“, schreibt er. „Ein Systemsturz beginnt immer mit einigen wenigen Menschen welche dann Millionen zum mitmachen motivieren“.

In anderen Posts ist Prauser drastischer und fantasiert über die Machtübernahme der Gelben Westen in Frankreich. „Gelbe Westen stürmen heute Nacht den Élysée-Palast Macron wird entmachtet“, schreibt er am 24. November. Am nächsten Morgen schreibt er: „Ist Paris heute Nacht gefallen ??? *Leider keine aktuellen Meldungen“.  Auf Prausers Profil sind die Grenzen zwischen persönlichen Prognosen, Fragen und irreführenden Behauptungen fließend.

Facebook-Beiträge von Roland Prauser (Screenshot: CORRECTIV)

Rassistische Posts eines Patrioten

Wenn es auf Prausers Profil nicht um die Proteste in Frankreich geht, dann um Migranten. Die nennt Prauser „Merkels Gäste“. In einen Post schreibt er: „Unser Fleiß gilt Merkels Gästen, wir die Steuerzahler zahlen mit unserem Geld und unserer Lebenszeit“. Oder: „Das Trojanische Pferd heißt: ZUWANDERUNG“. Zwischendurch teilt er Posts der AfD, rassistische Bilder und Falschmeldungen.

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Am 28. September 2017 veröffentlicht er das Bild einer Kostenkalkulation. Demnach gehe es einem Flüchtling finanziell besser als einem Angestellten mit 1200 Euro Nettogehalt. Ein Flüchtling bekomme angeblich 837 Euro und müsse davon nichts ausgeben. Das ist falsch. Wir haben in einem Artikel die Fakten erklärt.

Facebook-Beitrag mit falschen Behauptungen (Screenshot: CORRECTIV)

Im April 2018 veröffentlichte Prauser dann das Bild einer gefälschten Werbung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. Mehrere dunkelhäutige Männer stehen um eine weiße Frau. „Lass dich besamen, damit deine Kinder in wenigen Jahren nicht rassistisch verfolgt werden“, steht darunter.

Gefälschtes Bild einer angeblichen Werbung des BAMF, von Roland Prauser auf Facebook gepostetet (Screenshot und Unkenntlichmachung: CORRECTIV)

Ein Nutzer veröffentlichte in den Kommentaren unter dem Post das Bild einer Pistole mit dem Aufruf „Aufräumen!!!“. Prauser reagierte nicht.

Facebook-Kommentar unter Roland Prausers Post (Screenshot: CORRECTIV)

Die Fotomontage der vermeintlichen BAMF-Werbung ist eine Fälschung. Sie stammt von dem bekannten rechten Meinungsmacher Uwe Ostertag, der in der Vergangenheit wegen Volksverhetzung verurteilt wurde. Ein Nutzer weist Prauser in den Kommentaren unter dem Post auf den Ursprung und Uwe Ostertag hin. „Quasi ein Patriot“ antwortet Prauser.

Als Patriot sieht sich auch Prauser selbst. „Patriot 1989“ hat er als Beschreibung in sein Profil geschrieben. Prauser würde gerne mehr Menschen erreichen. Am 21. November schreibt er: „1034 haben es schon getan und mich abonniert. Täglich kurze sachliche Hinweise zum Tagesverlauf.“ Für den Fall, dass er gesperrt werden sollte, hat Prauser vorgesorgt: „Sollte ich gesperrt werden poste ich bei meinem Zwilling Gerhard Prauser weiter“, steht in seinem Profil.

Facebook-Post von Roland Prauser (Screenshot: CORRECTIV)

Facebooks wirkungslose Sperre

Am 11. Dezember 2018 ist es soweit. Prausers Posts enden plötzlich. Mit einem anderen Profil kommentiert er auf seiner Facebookseite: „Roland Prauser ist für 30 Tage gesperrt. Grund waren Beiträge über die Gelbwesten. Vermutlich ist der Terroranschlag in Frankreich eine Geheimdienstaktion mit dem Ziel den Ausnahmezustand auszurufen um so die Aktionen der Gelbwesten zu verhindern.“ Es folgt ein Monat Stille. Aber nur auf diesem Profil. Wie zuvor angekündigt, postet er unter dem Profil „Roland-Gerhard Prauser“ weiter. „Facebooksperren sind Adelsschläge“, schreibt er dort. Inhaltlich ändert sich nichts.  

Facebook-Post von Roland Prauser, Screenshot: CORRECTIV

Auch auf diesem Profil verbreitet Prauser falsche Meldungen und rassistische Posts. Am 14. Dezember schreibt er: „Die Jusos wollen Kinder bis zum 9. Monat abtreiben“. Das ist falsch, wie wir in einem Faktencheck erklärt haben.

Facebook-Posts von Prausers zweitem Facebook-Account

Am 10. Januar meldete sich Prauser dann auf seinem gesperrten Account zurück: „30 Tage Hausarrest zu Ende. Ich melde mich bei meinen 1.220 Abonnenten zurück“.

Facebook-Post von Roland Prauser, Screenshot: CORRECTIV

Das sagt Prauser selbst zu seinen Falschmeldungen

Wir konfrontieren Prauser am Telefon mit seinen Behauptungen und unseren Faktenchecks. Deutsche Medien haben nachweislich von Beginn an über die französischen Proteste der Gelbwesten berichtet. „Aber erst viel zu spät, als der Druck schon gewachsen war“, sagt Prauser.

Und was ist mit seiner Behauptung über einen angeblich erschossenen Demonstranten in Frankreich? Prauser sagt am Telefon: „Ich habe nicht erschossen, sondern beschossen geschrieben“. Das stimmt nicht.

Eine zusätzliche schriftliche Anfrage nach den Quellen für seine Behauptungen lässt Prauser unbeantwortet. Nach unserer Presseanfrage schreibt er: „Eine Journalistin ist auf mich aufmerksam geworden und rief mich an. Alles richtig gemacht.“

Facebook-Post von Roland Prauser, Screenshot: CORRECTIV

Affenbilder und rassistische Kommentare

Auf seinem Profil geht es nach der Facebook-Sperre weiter wie gewohnt. Prauser regt sich über „Gendertoiletten“, die EU und Ausländer auf. Im Februar postet Prauser einen Artikel über die erste schwarze „Tatort“-Kommissarin Florence Kasumba mit dem Kommentar: „Kann man alles machen, aber muss man sich auch nicht wundern, wenn die Zuschauer sich abwenden, so wie ich auch.“ Unter den Post zu dem Thema teilen Nutzer Affenbilder und rassistische Kommentare wie: „Bimbos bei Nacht die Verbrecher jagen im Tatort das tue ich meinen Augen nicht mehr an!“ und „Bei so was muss ich kotzen!“ Prauser reagiert nicht.

Post von Roland Prauser vom 3. Februar 2019 (Screenshot: CORRECTIV)

Am 3. Februar postet Prauser, wie immer in pink-weiß,: „Das Unrecht fängt in der noch so kleinsten Gemeinde an und endet dann in einem riesigen Staudamm der brechen wird.“ Prauser baut fleißig weiter am Staudamm. Sein Material: Desinformation und Rassismus.

Post von Roland Prauser (Screenshot: CORRECTIV)
Bewertung: unbelegt

Trinkwasser-Warnung in Heidelberg: Nein, keine Hinweise auf Terror

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In Heidelberg soll das Trinkwasser aktuell nicht genutzt werden. (Symbolbild: Pixabay / TanteTati)

von Cristina Helberg

Nach einer amtlichen Warnung vor dem Trinkwasser in Heidelberg kursieren im Netz Spekulationen. Richtig ist: Die Stadt hat den Verzehr des Trinkwassers untersagt. Der Hintergrund ist unklar. Hinweise auf Terror gibt es laut dem Pressesprecher der Stadt nicht.

„Aufgrund einer unbekannten Verunreinigung des Trinkwassers ist der Gebrauch sowie der Verzehr des Trinkwassers untersagt“. Diese Warnung erhielten Bürger für die Stadt Heidelberg heute Vormittag um 11 Uhr über die offizielle Warn-App NINA. Im Netz wird seitdem wild spekuliert. „War nur eine Frage der Zeit, bis der Terror auch hier ankommt. Gibt ja genug Leute, die das Land gerne auslöschen würden – siehe Jusos, Antifa etc.“, schreibt eine Facebook-Nutzerin. Ein anderer Nutzer schreibt „Darauf, dass sie uns das Wasser vergiften, habe ich gewartet!“. Für beide Behauptungen gibt es keine Belege.

Meldung der Warn-App NINA vom 7. Februar 2019

Auf Nachfrage von CORRECTIV bestätigt die Pressestelle der Stadt Heidelberg die amtliche Warnung. Der Pressesprecher Timm Herre erklärt am Telefon: „Es gibt bisher keine Hinweise auf Sabotage oder Terror“. Das Wasser sei bläulich verfärbt und der Ursprung der Verfärbung unklar. Er betont jedoch: „Alle Werte der Trinkwasserverordnung werden eingehalten“. Das habe man bereits getestet. Solange man nicht wisse, woher die Verfärbung stamme, sei der Verzehr und Gebrauch des Trinkwassers untersagt.

Spekulationen im Netz. Laut Pressestelle der Stadt Heidelberg gibt es keine Hinweise auf Terror. Screenshot: CORRECTIV
Spekulationen ohne Belege im Netz. Screenshot: CORRECTIV
Unsere Bewertung:
Fehlende Belege. Laut der Stadt Heidelberg gibt es bisher keine Hinweise auf einen Zusammenhang zu Terror oder Sabotage.

Bewertung: teilweise falsch

Frauenmord in Viersen – kein Zusammenhang mit Flüchtlingen

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Insgesamt wurden 2017 laut dem Bundeskriminalamt 32 Männer und 141 Frauen von ihren Partnern getötet. (Symbolbild: Volkan Olmez / Unsplash)

von Cristina Helberg

Nach der Ermordung einer 15-Jährigen in Viersen im Juni 2018 teilt ein Nutzer aktuell auf Facebook ein Foto der getöteten Frau mit dem Titel „Merkels jüngstes Opfer“. Er unterstellt, dass Merkels „Gäste“, also Flüchtlinge, Schuld an dem Tod seien. Dabei hat die Tat nichts mit Flüchtlingen zu tun. Stattdessen aber mit einem anderen Thema: Morde an Frauen durch ihre Partner.

„Ich bin die 15-jährige Iulia. Ich bin Ihr letztes Opfer“, so beginnt ein an Angela Merkel gerichteter Text, den ein Facebooknutzer am 25. Januar 2019 veröffentlichte. Bisher wurde der Post 2.930 Mal geteilt. Weiter steht in dem Text: „Ich habe mich gestern eingereiht in die Reihe der vielen toten Mädchen und Jungen, Frauen und Männer, die Sie mit Ihren unfähigen Politikerkollegen auf dem Gewissen haben. Aber ich befürchte, dass ich nicht das letzte Opfer Ihrer Gäste sein werde. Ich war gestern im Casinogarten in Viersen. Und bin dort abgeschlachtet worden. Einfach so“.

Was ist am 24. Januar in Viersen passiert?

Facebookbeitrag über einen Mord in Viersen (Screenshot und Unkenntlichmachung: CORRECTIV)

Mord in Viersen im Juni 2018

Wer im Internet sucht, stellt fest, dass die Zeitangabe im Post falsch ist. Die Beschreibung bezieht sich auf einen Mord im Sommer 2018, nicht im Januar 2019.

Am 11. Juni 2018 veröffentlichte die Polizei Viersen eine Pressemitteilung. „Am Montag ist es gegen Mittag in Viersen im Casinogarten zu einem Tötungsdelikt gekommen. Die Tat ereignete sich in dem Stadtpark, wo ein Mann eine junge Frau niederstach und danach vom Tatort flüchtete“, steht dort. Die verletzte 15-Jährige starb der Polizei zufolge kurze Zeit später.

Haben Flüchtlinge etwas mit der Tat zu tun, wie in dem Facebookpost indirekt behauptet wird, wenn von Merkels „Schuld“ und ihren „Gästen“ die Rede ist? Wir haben recherchiert.

Tatverdächtiger lebt seit zehn Jahren in Deutschland

In den Tagen nach der Tat informierte die Polizei in zwei weiteren Pressemitteilung, am 12. und am 13. Juni 2018 über die Festnahme eines Tatverdächtigen: „Es handelt sich um einen 17-jährigen Jugendlichen, der aus Bulgarien stammt und in Viersen wohnt“.

Auf Nachfrage von CORRECTIV erklärt die Polizei detaillierter per Email: „Der 17-Jährige stammt aus Bulgarien meint: Er ist in Bulgarien geboren und dort zunächst aufgewachsen. Er besitzt die bulgarische Staatsbürgerschaft.“ Der Tatverdächtige lebt laut Polizei schon seit zehn Jahren in Deutschland. Auf Nachfrage bestätigt die Polizei auch, dass der Tatverdächtige der Ex-Freund der getöteten Frau ist. Sie besaß der Polizei zufolge die deutsche und die rumänische Staatsbürgerschaft. Ihre Eltern kommen aus Rumänien. Sie selbst ist in Viersen geboren.

Die 15-Jährige wurde also mutmaßlich von ihrem bulgarischen Ex-Freund umgebracht, der seit zehn Jahren in Deutschland lebt. In dem Facebookpost wird seine Staatsangehörigkeit kurz aufgegriffen. „Es spielt in diesem Fall keine Rolle, ob mich ein Bulgare oder ein Moslem umgebracht hat.“

Gewalt unter Partnern in Deutschland

Im November 2018 veröffentlichte das Bundeskriminalamt für das Jahr 2017 eine kriminalstatistische Auswertung von Gewalt unter Partnern. Insgesamt wurden 2017 demnach 32 Männer und 141 Frauen von ihren Partnern getötet. Auf Seite 33 der Auswertung geht es auch um die Nationalitäten der Tatverdächtigen. Diese liegt allerdings nur für die Gesamtzahl der versuchten und vollendeten Fälle von Mord und Totschlag unter Partnern vor. Demnach waren von 469 tatverdächtigen Frauen und Männern 324 Deutsche. Danach folgten als nächst größere Gruppen 27 Türken, 18 Afghanen und 15 Syrer.

Auszug aus der kriminalstatistischen Auswertung Partnerschaftsgewalt Berichtsjahr 2017, Seite 33
Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Die 15-Jährige wurde mutmaßlich von ihrem bulgarischen Ex-Freund umgebracht, der seit zehn Jahren in Deutschland lebt.