Was wurde aus dem Steuer-Versprechen?

Dies hier betrifft alle Immobilienbesitzer: die neue Grundsteuer. Wir haben recherchiert, wo die Steuern steigen – obwohl die Politik anderes versprochen hatte.

Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters
Autor Bild Anette Dowideit

Liebe Leserinnen und Leser,

wie viele Steuern müssen Bürgerinnen und Bürger an den Staat abtreten? Hält die Regierung stets ihre Versprechen, auf welche Steuerzahlungen wir uns einstellen müssen – oder kann es sein, dass man plötzlich viel mehr an den Staat abgeben muss, als man kalkuliert hat? Das sind zentrale Fragen für das Funktionieren einer Demokratie – denn wenn man sich nicht darauf verlassen kann, dass der Staat seine Versprechen hält, bröckelt das Vertrauen. 

Derzeit läuft eine der größten Steuerreformen in der Geschichte der Bundesrepublik, sie betrifft Millionen von Menschen im Land: der Umbau der Grundsteuer auf Immobilienbesitz. Von der Höhe dieser Steuern hängt wiederum ab, ob die Altersvorsorgeplanung all dieser Menschen aufgeht. Und auch Mieter sind betroffen – weil Hausbesitzer diese Steuern auf ihre Mieter umlegen dürfen.

Wegen seiner hohen gesellschaftlichen Relevanz recherchieren wir von CORRECTIV seit einigen Monaten intensiv, was denn aus dem politischen Versprechen wurde, die Grundsteuer werde im Schnitt nicht steigen. Heute haben wir unsere bislang größte Analyse dazu veröffentlicht. Mehr dazu im Thema des Tages.

Dann noch mal zur AfD: Gestern am frühen Abend musste der Bundestag – auf Wunsch der AfD – diskutieren, ob nicht vielleicht jetzt mal endlich staatliche Förderung für die Bildungsangebote von CORRECTIV gestrichen werden sollen. Was dazu wissenswert ist, können Sie hier nachlesen. Morgen lesen Sie im Samstags-SPOTLIGHT, was sich gerade im deutschen Bildungswesen tut. Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende! Schreiben Sie mir gern: anette.dowideit@correctiv.org.

Thema des Tages: Was wurde aus dem Steuer-Versprechen?

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste

Neueste CORRECTIV-Recherchen: Rechtsanspruch auf Ganztag kommt trotz Sparliste wie geplant • Die Bundesregierung stuft Belastung der Bevölkerung mit chemischen Schadstoffen als „besorgniserregend“ ein

Fun Facts – der satirische Blick auf die Nachrichtenlage: Die neue Militärstrategie

CORRECTIV-Events: Die Veranstaltungstipps

Faktencheck: Debatte um Familienversicherung: Fakten zum deutsch-türkischen Sozialabkommen

Gute Sache(n): Wenn Verbote das Gegenteil bewirken • Alternativen zu Schulnoten • Ein Chatbot gegen das Ohnmachtsgefühl

CORRECTIV ganz persönlich: Debatte zur Recherche bei Markus Lanz

Grafik des Tages: Wirtschaftsministerin versteckt Studie zu Erneuerbaren Energien

Unsere heute Morgen veröffentlichte Analyse zeigt: In einigen Fällen nicht. Hier können Sie dies detailliert nachlesen.

Foto: Simone Hutsch / unsplash.com
Foto: Simone Hutsch / unsplash.com

Das Wichtigste:
Unsere heutige Analyse bietet erst mal einen Zwischenstand, da erst aus einigen Bundesländern die dafür notwendigen Daten vorliegen. 

Es zeigt sich: In Hessen haben viele Kommunen ihre Einnahmen durch die Grundsteuer deutlich gesteigert. In rund 44 Prozent der Städte und Gemeinden lagen die Zuwächse bei mindestens zehn Prozent. Das liefert Hinweise darauf, dass dort vielerorts die Grundsteuer gestiegen ist.

In Sachsen-Anhalt dagegen ergibt sich ein ganz anderes Bild. Dort verzeichnete nur eine kleine Minderheit der Kommunen deutliche Mehreinnahmen. Stattdessen nahmen viele Städte und Gemeinden weniger ein als im Vorjahr. Darüber berichtet heute auch der MDR, dessen Daten-Rechercheteam mit uns zusammengearbeitet hat. In deren Fernsehbeitrag wird auch noch einmal genau erklärt, wie die Grundsteuer eigentlich berechnet wird.

Weshalb gab es überhaupt diese Reform?
Der Gesetzgeber musste damals darauf reagieren, dass das Bundesverfassungsgericht die bisherige Berechnung der Grundsteuern für verfassungswidrig (weil unfair) erklärt hatte. Daraufhin mussten alle Immobilienbesitzer im Land langwierige neue Angaben machen. Zum Beispiel, wie alt ihr Haus ist, wie groß genau und wann es zuletzt saniert wurde. 

Trump verkündet Verlängerung der Waffenruhe im Libanon
Die geltende Waffenruhe zwischen Hisbollah und Israel soll um weitere drei Wochen verlängert werden. Das gab US-Präsident Donald Trump auf seiner Plattform Truth Social bekannt. Auslöser der Eskalation zwischen der libanesischen Miliz und Israel war der Angriff Israels und der USA auf den Iran. Die kritische Reaktion einiger NATO-Partner auf die US-Schläge könnte indes Folgen für sie haben. Die US-Regierung prüft einem Insider zufolge Strafmaßnahmen gegen Verbündete, besonders Spanien soll im Fokus stehen.
br.de / n-tv.de

Eine Schülerin wischt nach dem Mittagessen in der Mensa in der Grundschule den Tisch ab.

Rechtsanspruch auf Ganztag kommt trotz Sparliste wie geplant
Die Kommunen forderten in einer internen Sparliste, den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Erstklässler zu verschieben. Das Familienministerium sichert nun den Start zum neuen Schuljahr sowie Plätze für alle zu. Außerdem soll es noch vor den Sommerferien einen Gesetzentwurf zu deutschlandweiten Sprachtests für Vierjährige geben.
correctiv.org

Social-Media-Kampagnen erfolgreich umsetzen, Online
Social-Media-Kampagnen erfolgreich umsetzen – wie gelingt der Durchbruch im Content-Dschungel? Beim nächsten StartHub-Know-Lunch am 30. April gibt Klaus Esterluß von Campact e.V. Einblicke in die Praxis und zeigt, worauf es bei wirksamen Social-Media-Kampagnen ankommt.
Anmeldung

die deutsche und türkische Flagge
Symbolbild: Wolfgang Maria Weber / R7172 / Picture Alliance

So geht’s auch
Im Bildungsbereich ist dieses Streitthema ein Dauerbrenner: Noten. Viele finden das Bewertungssystem veraltet. Doch was ist die Alternative? Ein Beispiel sind Waldorfschulen. Hier gibt es bis zur neunten Klasse persönliche Beurteilungen der Lehrkräfte. Welche Ideen Jugendliche selbst haben, zeigt die Salon5-Umfrage in diesem Instagram-Reel.
instagram.com

Autor Box Marcus Bensmann

Unsere Recherche hat viel bewegt, aber sie stößt auch auf Kritik. Deshalb wollte ich mich der Diskussion stellen. Die Debatte läuft momentan schief. Der Skandal liegt nicht in einzelnen Formulierungen in unserer Recherche, sondern im Konzept der „Remigration“ auch für Staatsbürger, das unsere Recherche detailliert beschreibt.

Rechte Kreise, auch außerhalb der AfD, versuchen, dieses verfassungswidrige Konzept salonfähig zu machen, um damit Politik zu betreiben. Das gefährdet die liberale Demokratie, in der wir leben. Natürlich müssen wir in der Demokratie über Chancen und Probleme der Migration sprechen. Positionen und politische Mehrheiten für eine geordnete Migrationspolitik gehören dazu. Doch eine politische Zielsetzung, die aus einem völkischen Verständnis heraus Staatsbürger in Fremde und Eigene teilt und abwertet, verstößt gegen das Grundgesetz. Das Konzept der „Remigration“ von Martin Sellner, das er in Potsdam im Rahmen eines „Masterplans” vorstellte, zielt darauf ab, Staatsbürger, die er als „nicht-assimiliert“ herabwürdigt, durch „Anpassungsdruck“ und „maßgeschneiderte Gesetze“ über den harmlos klingenden Tarnbegriff „Remigration” zu vertreiben. Ein solches Konzept verstößt gegen das Grundgesetz und die Menschenwürde. Wichtige Verwaltungsgerichte bis hin zum Bundesverwaltungsgericht sehen das so.

In unserer Recherche erwähnen wir die AfD-Bundestagsabgeordnete Gerrit Huy, die in Potsdam auf ihr eigenes „Remigrationkonzept“ hinwies. Huy, die ebenfalls in der Lanz-Sendung saß, geriet ins Schwimmen, als Lanz sie mit ihrem Zitat zur „doppelten Staatsbürgerschaft“ in der Recherche konfrontierte. „Denn dann kann man die deutsche wieder wegnehmen, sie haben immer noch eine.“, sagte Huy. Diese Episode zeigt anschaulich, dass unsere Recherche, wie das Hamburger Urteil bestätigte, sehr detailliert mit „Zitaten“ und „indirekter Wertung“ arbeitet. Die Wertung erfolgt am Schluss und stützt sich auf diese konkreten Darstellungen. Wir nehmen zur Kenntnis, dass in Berlin ein Gericht anders als Hamburg dies in einem noch nicht rechtskräftigen Urteil anders sieht. Aber dagegen gehen wir in Berufung.

Die Frage, wie nah die AfD diesem Konzept steht, entscheidet mit, ob die Partei rechtsextrem ist oder nicht. Interessant ist, dass die AfD sich nach der Recherche davon distanzierte, aber nun eine Vielzahl von Mitgliedern erneut die Nähe zu Sellner und dessen Konzept suchen.

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Till Eckert, Sebastian Haupt, Pamela Kaethner und Elena Müller.