Dieses Bild weggeworfener Kleidung verbreitet sich in Sozialen Netzwerken. Quelle: Facebook.

von Cristina Helberg

Die „Schweizer Morgenpost” behauptet, Flüchtlinge von Bord des Schiffes „Aquarius” hätten Kleidung in den Müll geworfen, die das Rote Kreuz ihnen gespendet hat. Das stimmt nicht.

Die Seite „Schweizer Morgenpost“ behauptet, Flüchtlinge von Bord des Schiffes „Aquarius“ hätten Kleidung in den Müll geworfen, die das Rote Kreuz ihnen gespendet hat. Das stimmt nicht.

Begonnen hat alles mit Bildern von Müllcontainern voll entsorgter Kleidung in Spanien. Darauf zu erkennen: Symbole des Roten Kreuzes. Der Vorwurf, der im Internet kursiert: Flüchtlinge von Bord des Schiffes „Aquarius“ hätten die gespendeten Sachen entsorgt.

Diesen Vorwurf greifen die Autoren der „Schweizer Morgenpost“ auf und behaupten Flüchtlinge von Bord der Aquarius hätten Sachspenden weggeworfen.

Das Rote Kreuz dementiert

Weil sich die Bilder von Spanien aus in den Sozialen Medien schnell verbreiteten, veröffentlichte das Rote Kreuz Valencia am 25. Juni eine Stellungnahme auf Facebook.

In der Richtigstellung zählt das Rote Kreuz vier Punkte auf:

„1. Die verbreiteten Fotografien sind aus dem Zusammenhang gerissen.

2. Die Maßnahme ist Teil eines vorbeugenden Gesundheitsprotokolls.

3. Die ausgegebene Kleidung wird gesammelt und bewacht, um anschließend durch einen speziellen Service zerstört zu werden, so dass die Kleidung unmöglich irgendwo hingelangen kann.

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4. Die Kleidung wurde vom Roten Kreuz zu jeder Zeit bewacht, um eine Übertragung eventueller Krankheitskeime zu verhindern.“

Das sagt das Rote Kreuz Valencia zu den Fotos

CORRECTIV hat mit dem Roten Kreuz Valencia gesprochen. Die Organisation bestätigt die Echtheit der Bilder. Allerdings sind sie, wie schon in der Pressemeldung verdeutlicht, aus dem Kontext gerissen. Das Wegwerfen der Kleidung sei im Rahmen der üblichen Gesundheitschecks vorgesehen. So soll die Übertragung von Krankheitskeimen und Infektionen verhindert werden.

Das Rote Kreuz Valencia betont, dass die Müllcontainer mit der Kleidung auf einem bewachten Sportgelände in der Stadt Cheste standen. Dort wurden die Migranten nach ihrer Ankunft nach einem präventiven Behandlungsprotokoll untersucht. Dazu gehöre das Vernichten der zuvor an die Migranten ausgeteilten Kleidung. Zugang zu dem Gelände, auf dem die Fotos entstanden, bekommt man nur nach einer Ausweiskontrolle.

„Das Gelände müsse man sich wie einen kleinen Unicampus vorstellen, mit Zugangskontrollen“, erklärt eine Pressesprecherin am Telefon. Die Kleidung sei kurze Zeit nach den Fotoaufnahmen von einer Spezialfirma abgeholt und vernichtet worden. „Diese Bilder werden in Sozialen Netzwerken geteilt mit der Absicht, die humanitäre Aufnahme von Migranten des Aquarius-Schiffs in Verruf zu bringen“, stellt die Organisation klar.

Fake-News der weggeworfenen Kleidung verbreitet sich in Europa

Die vermeintliche Meldung, Flüchtlinge der Aquarius hätten Kleidung weggeworfen, stammt ursprünglich von der Seite „VoiceofEurope“ und verbreitet sich aktuell in Europa. Das Faktencheck-Team „Maldito bulo“ in Spanien hatte die Meldung als erstes widerlegt. Trotzdem wurde sie übersetzt auch in anderen Ländern weiterverbreitet. Auch in Frankreich haben Faktenchecker die falsche Geschichte widerlegt.

Weitere falsche Behauptungen

Die Seite „Schweizer Morgenpost“ verknüpft die Falschmeldung noch mit weiteren Behauptungen. Angeblich hätten die Flüchtlinge nach ihrer Ankunft in einem Restaurant mit 100 Euro Scheinen bezahlt. Als Quelle wird die spanische Seite „Caso aislado“ genannt. Konkrete Belege für diese Behauptung finden sich dort nicht. Auch für die Behauptung, einige der Flüchtlinge seien kurz nach ihrer Ankunft feiern gegangen, werden weder Quellen noch Beweise benannt.

Update, 4. Juli 2018: Um die Information des Roten Kreuz Valencia auch aus einer zweiten Quelle zu bestätigen, haben wir bei der spanischen Stadt Cheste nach Informationen gefragt. Dort wurden wir an die Verwaltung der autonomen Region Valencia, die „Generalitat Valenciana“, verwiesen. Die Generalitat erklärt gegenüber EchtJetzt, das Rote Kreuz sei für die Versorgung der Personen von der Aquarius zuständig gewesen und man habe die Erklärungen des Roten Kreuz Valencia zu den im Netz kursierenden Bildern „akzeptiert“. Was genau das „akzeptieren“ bedeutet, will die Behörde auf Nachfrage nicht weiter ausführen.

In mehreren Tweets hat die Behörde jedoch keinerlei Zweifel an der Darstellung des Roten Kreuz geäußert und die Berichterstattung, Flüchtlinge hätten die Kleidung grundlos weggeworfen, als Falschmeldung bezeichnet. In den Tweets erklärt die Verwaltung das Vernichten der zuvor ausgeteilten Kleidung als Teil eines Protokolls, das nach Ankunft von Migranten in allen nationalen Häfen durchgeführt werde.

Unsere Bewertung:
Das stimmt nicht. Die Kleidung wurde aus hygienischen Gründen vom Roten Kreuz entsorgt.

Spielplatz
Das Foto wurde nachträglich bearbeitet und die Aufschrift geändert. (Screenshot: CORRECTIV)

von Simon Wörz

Ein Bild auf Facebook zeigt ein Spielplatz-Schild in Hannover. Darauf steht: „Für Kinder und Kinderinnen.“ Das Foto wurde bearbeitet. Was wirklich draufsteht, erklären wir im Faktencheck.

Am 4. März 2019 teilte die Facebook-Seite „Gegen Til Schweiger und andere Gutmenschen eine Bildmontage von einem angeblichen Schild, das auf einem Spielplatz in Hannover angebracht sein soll. Darauf ist zu lesen: „Spielplatz für Kinder und Kinderinnen. Aufenthalt von 7 bis 20 Uhr gestattet. Über dem Bild steht in roten Buchstaben: „Die Verblödung in Deutsch nimmt massiv Fahrt auf!.

Bei dem Bild handelt es sich um eine Fälschung, die seit 2017 kursiert. (Screenshot: CORRECTIV)

Der Beitrag machte bereits 2017 die Runde

Die österreichischen Faktenchecker von Mimikama recherchierten bereits im Oktober 2017 den Ursprung des Bildes und kamen zu dem Schluss, dass es sich um eine Fälschung handelt. Die Redaktion fand das Originalfoto auf der Seite spielplatzfragen.de“. Dort  trägt es die Aufschrift: Für Kinder und Jugendliche.

Das Originalfoto auf der Seite „spielplatzfragen.de“ (Screenshot: CORRECTIV)

Stadt Hannover nannte die Fotomontage eine „Fälschung

Schon am 7. Juni 2017 dementierte die Stadt Hannover über ihren offiziellen Twitter-Account die Echtheit des Fotos. Auch die Hannoversche Allgemeine Zeitung berichtete am selben Tag von der Fotomontage.

Das Dementi der Stadt Hannover via Twitter (Screenshot CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Falsch. Bei dem Foto handelt es sich um eine Fälschung, die schon 2017 entlarvt wurde.

GERMANY-POLITICS-PARLIAMENT
Der Bundestag am 24. Oktober 2017. (Foto: John Macdougall / AFP)

von Cristina Helberg

Im Netz verbreitet sich eine Fotomontage mit falschen Behauptungen.

Die Facebook-Seite „Frauenbündnis Südpfalz“ veröffentlichte am 24. Februar eine Fotomontage. Darauf zu sehen: zwei Fotos aus dem Deutschen Bundestag. Auf dem oberen Foto sitzt auf fast jedem Platz ein Abgeordneter. Nur auf der Regierungsbank sitzt niemand. Darüber steht: „Volles Haus Diätenerhöhung“.

Auf dem zweiten Foto der Montage ist es im Parlament deutlich leerer. Die Regierungsbank ist jedoch besetzt. Am Rednerpult steht Alexander Gauland (AfD). Während die AfD-Fraktion offenbar fast geschlossen anwesend ist, sind bei den anderen Fraktionen nur wenige Abgeordnete an ihrem Platz. Über diesem Foto steht in der Montage „bei Rentenerhöhung“.

Die indirekte Behauptung der Montage: Wenn es um Diätenerhöhung geht sind alle Bundestagsabgeordneten anwesend, bei dem Thema Rentenerhöhung nur wenige außer der AfD. Tatsächlich stammen die Bilder jedoch aus Bundestagssitzungen zu ganz anderen Themen.

Facebook-Beitrag vom 24. Februar 2019 mit falschen Behauptungen (Screenshot: CORRECTIV)

Bilder-Rückwärtssuche mit schnellem Ergebnis

Wir haben recherchiert, was hinter den Bildern aus dem Bundestag steckt. Per Bilder-Rückwärtssuche lässt sich das obere Bild schnell zuordnen – allerdings in einen völlig anderen Kontext als in der Fotomontage behauptet.

Google-Rückwärtssuche zu der Fotomontage (Screenshot: CORRECTIV)

Das Bild stammt aus einer Pressemeldung der Bundesregierung vom 24. Oktober 2017 anlässlich der Konstituierung des 19. Bundestages. Das heißt: An diesem Tag kam das neu gewählte Parlament zu seiner ersten Sitzung im Plenarsaal des Bundestages zusammen.

Bild von der Website der Bundesregierung (Screenshot: CORRECTIV)

Warum die Regierungsbank leer blieb

Das erklärt erstens, warum nahezu alle Plätze belegt waren und zweitens, warum die Regierungsbank auf dem Bild leer ist. Denn die Kanzlerin und die übrigen Mitglieder der Regierung sitzen wie alle anderen im Plenum. Der Grund: Mit der konstituierenden Sitzung endet auch offiziell die vorherige Amtszeit der Kanzlerin. Die Regierung bleibt nur geschäftsführend im Amt, bis eine neue Regierung gebildet ist.

Erst am 14. März 2018 wurde Angela Merkel als Kanzlerin wiedergewählt und saß ab dann gemeinsam mit den neuen Regierungsmitgliedern wieder auf der Regierungsbank. Auch darüber berichtete die Pressestelle der Bundesregierung.

Merkel und Regierungsmitglieder auf der Regierungsbank (Screenshot: CORRECTIV)

Fazit: Das erste Bilder der Fotomontage zeigt keine Debatte oder Abstimmung zu einer Diätenerhöhung, sondern die konstituierende Sitzung des aktuellen Bundestages am 24. Oktober 2017.

2. Bild: Generalaussprache statt Rentenerhöhung

Auch das zweite Bild stammt nicht, wie behauptet, aus einer Debatte oder Abstimmung zum Thema „Rentenerhöhung“. Zu erkennen ist, dass am Rednerpult Alexander Gauland von der AfD steht. Wenn man bei Google die Suchbegriffe „afd rede gauland bundestag“ eingibt und die Suchergebnisse auf Videos einschränkt, ist einer der ersten Treffer ein zum Foto passendes Video.

Google-Suche nach zum Foto passenden Videoaufnahmen (Screenshot: CORRECTIV)

Das Foto stammt aus der sogenannten Generalaussprache zum Bundeshaushalt 2018 am 4. Juli 2018. Das Protokoll der Sitzung ist online einsehbar. Dort ist auch Alexander Gaulands Rede ab Seite 4690 dokumentiert.

Auf der Webseite des Deutsche Bundestages ist die Rede von Alexander Gauland in einem Video dokumentiert. Eine Aufnahme stimmt mit dem Bild aus der Fotomontage überein. In seiner Rede kritisierte Gauland die Kanzlerin für ihre Migrationspolitik. Das Thema Rente erwähnte er nicht.

Dokumentierte Rede von Alexander Gauland (AfD) auf der Seite des Deutschen Bundestages (Screenshot: CORRECTIV)

Fazit: Das Foto stammt von der Generalaussprache des Bundeshaushalt am 4. Juli 2018.

Unsere Bewertung:
Falsch. Beide Fotos sind in falschen Kontext gestellt.

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Der Polizei zufolge gibt es keine Hinweise auf eine Ebola-Infektion. (Symbolbild: Ivo Mayr/CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Nach dem Fund eines toten Mannes in Wuppertal, kursieren im Netz Gerüchte über eine mögliche Ebola-Infektion. Der für Falschmeldungen bekannte Blog Halle Leaks heizt die Stimmung mit irreführender Überschrift und aus dem Kontext gerissenen Textstellen an. Die Polizei hat keine Hinweise auf Ebola. Der Mann litt an einer nicht ansteckenden Vorerkrankung.

Anwohner haben am 17. Februar in einem Treppenhaus in Wuppertal einen toten Mann gefunden, so schilderte es die Polizei in einer Pressemitteilung am 18. Februar. Auf Nachfrage von CORRECTIV bestätigt die Polizei, der Mann stamme aus Guinea und habe viel Blut verloren. In der Pressemitteilung stellte die Polizei klar: „Ursächlich könnte eine nicht ansteckende oder meldepflichtige Blutkrankheit gewesen sein. Eine Gewaltanwendung oder ein Fremdverschulden kann zurzeit ausgeschlossen werden.“ Der Mann litt demnach an einer Vorerkrankung, die jedoch nicht ansteckend war.

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Im Netz kursierten nach dem Vorfall Gerüchte, der Mann könnte an einer Ebola-Infektion gestorben sein. Der Polizei zufolge gibt es dafür keine Hinweise. Der Blog Halle Leaks veröffentlichte am 21. Februar einen Artikel mit der falschen Überschrift: „Hurra, Hurra – Die Ebola ist da.“ Im Text behauptete die Redaktion: „Die Seuchenbehörden und Polizei halten sich bedeckt. Man möchte die Bürger nicht unnötig verunsichern.“

Richtig ist: Seit dem 18. Februar hat die Polizei Wuppertal keine neue Pressemeldung veröffentlicht. Auf Nachfrage von CORRECTIV erklärt der Pressesprecher Alexander Kresta heute am Telefon: „Die Ergebnisse der Blutuntersuchung liegen noch nicht vor. Erst wenn die Ergebnisse vorliegen, wird über eine Obduktion entschieden“. Weiterhin gebe es keine Hinweise auf Ebola.

Artikel des Blogs „Halle Leaks“ mit falscher Überschrift vom 21. Februar 2019 (Screenshot: CORRECTIV)

Um den angeblichen Ebola-Verdacht zu unterstreichen, zitierte Halle Leaks in dem Artikel auch drei Sätze aus einem Artikel der Welt zum Vorfall: „Der Bereich um den Fundort auf der Schellenbecker Straße in Oberbarmen wurde weiträumig abgesperrt. Feuerwehrleute in speziellen Infektionsschutzanzügen rückten am Sonntagabend an. Sie reinigten und desinfizierten die mit Blut verunreinigten Stellen.“ Das Zitat ist richtig, aber aus dem Kontext gerissen. Denn in dem Welt-Artikel steht im nächsten Absatz: „Die Behörde widersprach Gerüchten von einer hochgefährlichen Ebola-Infektion: Bislang gebe es keine Hinweise auf eine ansteckende Infektionskrankheit.“ Dies erwähnte Halle Leaks nicht.

Auch Boulevardzeitung Express schürte Angst vor Ebola

Die Zeitung Express wählte am 18. Februar für zwei Artikel über den Vorfall ebenfalls irreführende Überschriften: „Afrikaner (19) lag tot in Blutlache Ebola-Angst in Wuppertal“ und „Polizei spricht über Ebola-Verdacht Leiche aus Wuppertal wird in Düsseldorf untersucht“.  Inzwischen hat der Express die Überschrift geändert: „Ebola-Entwarnung in Wuppertal Was hat den 19-Jährigen so schrecklich dahingerafft?“.

Artikel der Zeitung Express vom 18. Februar 2019 mit irreführender Überschrift (Screenshot: CORRECTIV)
Artikel der Zeitung Express vom 18. Februar 2019 mit irreführender Überschrift (Screenshot: CORRECTIV)

In den Artikeln löste die Zeitung die irreführende Behauptung jeweils erst im letzten Absatz auf: „Aber zumindest für Ebola kann man wohl doch Entwarnung geben. ‘Der Mann wohnte seit zwei, drei Jahren in Wuppertal. Wir haben Zeugenaussagen, die bestätigen, dass er in dieser Zeit nicht im Ausland war’, erklärt eine Polizeisprecherin. Ebola hat eine wesentlich kürzere Inkubationszeit.“ Später änderte die Redaktion des Express den Artikeltext und wies im ersten Absatz daraufhin, dass es eine „Ebola-Entwarnung“ gebe. Tatsächlich hatte es zuvor aber nie eine Warnung vor Ebola gegeben.

Gegenüber CORRECTIV bestätigte die Polizei, dass es bisher keine Hinweise auf eine Auslandsreise gebe.

Berichterstattung verschiedener Medien über den Fall (Screenshot: CORRECTIV)

Facebook-Nutzer verbreiten unterdessen die Überschriften der ExpressArtikel ohne Kontext weiter.

Post mit aus dem Kontext gerissener falscher Behauptung (Screenshot: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Falsch. Laut Polizei gibt es keine Hinweise auf Ebola.