Bewertung: falsch

Nein – Merkel kündigt keinen islamischen Staat in Deutschland an

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Angela Merkel spricht bei einer Pressekonferenz am 5. Juli 2018 in Berlin. (Symbolbild).© Omer Messinger / AFP

von Cristina Helberg

Ein falsches Zitat von Angela Merkel geistert seit 2010 durch das Internet. Aktuell wird es wieder von mehreren Blogs aufgegriffen. Was steckt dahinter?

„Deutschland wird ein islamischer Staat werden. Die Deutschen müssen sich damit abfinden“. Dieses angebliche Zitat von Angela Merkel kursiert aktuell wieder in Sozialen Medien. Nachdem der Blog Michael Mannheimer in einem Artikel vom 21. August 2018 das Zitat verbreitete, kopierten weitere Seiten wie BRD-Schwindel und News for friends den Text. Alle Berichte verweisen auf die Seite Jewsnews als Quelle und einen Artikel, der dort am 7. Mai 2017 erschien.

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Screenshot, aufgenommen am 23.08.2018, von einem Artikel des Blogs Michael Mannheimer

Der Artikel auf der Seite Jewsnews vom 7. Mai 2017 ist auf Englisch verfasst. „Germany will become an Islamic State, says Merkel – and adds they’ll have to come to terms with it“, steht in der Überschrift. Übersetzt: „Deutschland werde ein islamischer Staat, sagt Merkel – und fügt hinzu, dass sie sich damit abfinden müssen“. Im Text wird dieses vermeintliche Zitat jedoch weder aufgegriffen, noch erklärt oder eine Quelle dafür benannt.

Stattdessen berichten die Autoren über mehrere andere Aussagen, die Angela Merkel gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung getroffen haben soll. Darunter der Satz: „For years we’ve been deceiving ourselves about this. Mosques, for example, are going to be a more prominent part of our cities than they were before.“ Auf Deutsch: „Seit Jahren machen wir uns etwas vor. Zum Beispiel werden Moscheen ein prominenterer Teil unserer Städte sein als früher.”

Durch eine Google Suche stoßen wir auf einen Artikel mit demselben Wortlaut, der vor acht Jahren, am 21. September 2010, auf der Webseite EUtimes erschien. Auch dieser Artikel bezieht sich auf die Frankfurter Allgemeine Zeitung als Quelle. Zusätzlich verweist er in einem Link auf die Seite Unitycoalitionforisrael. Folgt man dem Link, landet man jedoch nur auf der Startseite der Website. Auch im Archiv der Seite findet sich kein Treffer zu dem verlinkten Text. Also haben wir bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nach dem Ursprung der angeblichen Aussage Angela Merkels gesucht.

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Was hat Angela Merkel wirklich gesagt?

Am 18. September 2010, also drei Tage vor der Veröffentlichung des EUtimes-Artikel, erschien in der gedruckten Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein Interview mit Angela Merkel. Online ist nur eine Zusammenfassung des Interviews frei einsehbar, die ebenfalls am 18. September 2010 erschien. Den vollständigen Interviewtext kann man im Archiv der Frankfurter Allgemeinen Zeitung für 2,50 Euro kaufen. Das haben wir gemacht, um die Aussagen zu überprüfen.

In dem Interview beantwortet Angela Merkel vor allem Fragen zur Integration, konservativen Werten und zu dem Autor Thilo Sarrazin. Aber sie redet zu keinem Zeitpunkt von einem Islamischen Staat in Deutschland. Das vermeintliche Zitat aus dem Interview ist frei erfunden.

Tatsächlich sagt Merkel in dem Interview: „Unser Land wird sich weiter verändern, und Integration ist auch eine Aufgabe für die Gesellschaft, die die Einwanderer aufnimmt. Wir haben uns über viele Jahre darüber Illusionen gemacht. Moscheen etwa werden stärker als früher ein Teil unseres Stadtbildes sein“. Dieses Zitat wählte die Frankfurter Allgemeine Zeitung für den zusammenfassenden Online-Artikel auch als Überschrift: „Moscheen werden Teil unseres Stadtbildes sein“.

Die Seite Jewsnews veröffentlicht „einige Falschnachrichten“, schreiben die US-amerikanischen Faktencheckern von Politifact in ihrer Liste von Webseiten, die Falschnachrichten verbreiten.

Unsere Bewertung:
Das Zitat ist frei erfunden. In dem Interview hat Angela Merkel 2010 gesagt, dass Moscheen ein Teil unseres Stadtbildes sein werden. Von einem islamischen Staat in Deutschland spricht sie nicht.

Bewertung: falsch

Spielplatz-Schild in Hannover: Dieses Foto ist eine Fälschung

Spielplatz
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Spielplatz
Das Foto wurde nachträglich bearbeitet und die Aufschrift geändert. (Screenshot: CORRECTIV)

von Simon Wörz

Ein Bild auf Facebook zeigt ein Spielplatz-Schild in Hannover. Darauf steht: „Für Kinder und Kinderinnen.“ Das Foto wurde bearbeitet. Was wirklich draufsteht, erklären wir im Faktencheck.

Am 4. März 2019 teilte die Facebook-Seite „Gegen Til Schweiger und andere Gutmenschen eine Bildmontage von einem angeblichen Schild, das auf einem Spielplatz in Hannover angebracht sein soll. Darauf ist zu lesen: „Spielplatz für Kinder und Kinderinnen. Aufenthalt von 7 bis 20 Uhr gestattet. Über dem Bild steht in roten Buchstaben: „Die Verblödung in Deutsch nimmt massiv Fahrt auf!.

Bei dem Bild handelt es sich um eine Fälschung, die seit 2017 kursiert. (Screenshot: CORRECTIV)

Der Beitrag machte bereits 2017 die Runde

Die österreichischen Faktenchecker von Mimikama recherchierten bereits im Oktober 2017 den Ursprung des Bildes und kamen zu dem Schluss, dass es sich um eine Fälschung handelt. Die Redaktion fand das Originalfoto auf der Seite spielplatzfragen.de“. Dort  trägt es die Aufschrift: Für Kinder und Jugendliche.

Das Originalfoto auf der Seite „spielplatzfragen.de“ (Screenshot: CORRECTIV)

Stadt Hannover nannte die Fotomontage eine „Fälschung

Schon am 7. Juni 2017 dementierte die Stadt Hannover über ihren offiziellen Twitter-Account die Echtheit des Fotos. Auch die Hannoversche Allgemeine Zeitung berichtete am selben Tag von der Fotomontage.

Das Dementi der Stadt Hannover via Twitter (Screenshot CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Falsch. Bei dem Foto handelt es sich um eine Fälschung, die schon 2017 entlarvt wurde.

Bewertung: falsch

Bilder des Deutschen Bundestages in falschen Kontext gestellt

GERMANY-POLITICS-PARLIAMENT
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GERMANY-POLITICS-PARLIAMENT
Der Bundestag am 24. Oktober 2017. (Foto: John Macdougall / AFP)

von Cristina Helberg

Im Netz verbreitet sich eine Fotomontage mit falschen Behauptungen.

Die Facebook-Seite „Frauenbündnis Südpfalz“ veröffentlichte am 24. Februar eine Fotomontage. Darauf zu sehen: zwei Fotos aus dem Deutschen Bundestag. Auf dem oberen Foto sitzt auf fast jedem Platz ein Abgeordneter. Nur auf der Regierungsbank sitzt niemand. Darüber steht: „Volles Haus Diätenerhöhung“.

Auf dem zweiten Foto der Montage ist es im Parlament deutlich leerer. Die Regierungsbank ist jedoch besetzt. Am Rednerpult steht Alexander Gauland (AfD). Während die AfD-Fraktion offenbar fast geschlossen anwesend ist, sind bei den anderen Fraktionen nur wenige Abgeordnete an ihrem Platz. Über diesem Foto steht in der Montage „bei Rentenerhöhung“.

Die indirekte Behauptung der Montage: Wenn es um Diätenerhöhung geht sind alle Bundestagsabgeordneten anwesend, bei dem Thema Rentenerhöhung nur wenige außer der AfD. Tatsächlich stammen die Bilder jedoch aus Bundestagssitzungen zu ganz anderen Themen.

Facebook-Beitrag vom 24. Februar 2019 mit falschen Behauptungen (Screenshot: CORRECTIV)

Bilder-Rückwärtssuche mit schnellem Ergebnis

Wir haben recherchiert, was hinter den Bildern aus dem Bundestag steckt. Per Bilder-Rückwärtssuche lässt sich das obere Bild schnell zuordnen – allerdings in einen völlig anderen Kontext als in der Fotomontage behauptet.

Google-Rückwärtssuche zu der Fotomontage (Screenshot: CORRECTIV)

Das Bild stammt aus einer Pressemeldung der Bundesregierung vom 24. Oktober 2017 anlässlich der Konstituierung des 19. Bundestages. Das heißt: An diesem Tag kam das neu gewählte Parlament zu seiner ersten Sitzung im Plenarsaal des Bundestages zusammen.

Bild von der Website der Bundesregierung (Screenshot: CORRECTIV)

Warum die Regierungsbank leer blieb

Das erklärt erstens, warum nahezu alle Plätze belegt waren und zweitens, warum die Regierungsbank auf dem Bild leer ist. Denn die Kanzlerin und die übrigen Mitglieder der Regierung sitzen wie alle anderen im Plenum. Der Grund: Mit der konstituierenden Sitzung endet auch offiziell die vorherige Amtszeit der Kanzlerin. Die Regierung bleibt nur geschäftsführend im Amt, bis eine neue Regierung gebildet ist.

Erst am 14. März 2018 wurde Angela Merkel als Kanzlerin wiedergewählt und saß ab dann gemeinsam mit den neuen Regierungsmitgliedern wieder auf der Regierungsbank. Auch darüber berichtete die Pressestelle der Bundesregierung.

Merkel und Regierungsmitglieder auf der Regierungsbank (Screenshot: CORRECTIV)

Fazit: Das erste Bilder der Fotomontage zeigt keine Debatte oder Abstimmung zu einer Diätenerhöhung, sondern die konstituierende Sitzung des aktuellen Bundestages am 24. Oktober 2017.

2. Bild: Generalaussprache statt Rentenerhöhung

Auch das zweite Bild stammt nicht, wie behauptet, aus einer Debatte oder Abstimmung zum Thema „Rentenerhöhung“. Zu erkennen ist, dass am Rednerpult Alexander Gauland von der AfD steht. Wenn man bei Google die Suchbegriffe „afd rede gauland bundestag“ eingibt und die Suchergebnisse auf Videos einschränkt, ist einer der ersten Treffer ein zum Foto passendes Video.

Google-Suche nach zum Foto passenden Videoaufnahmen (Screenshot: CORRECTIV)

Das Foto stammt aus der sogenannten Generalaussprache zum Bundeshaushalt 2018 am 4. Juli 2018. Das Protokoll der Sitzung ist online einsehbar. Dort ist auch Alexander Gaulands Rede ab Seite 4690 dokumentiert.

Auf der Webseite des Deutsche Bundestages ist die Rede von Alexander Gauland in einem Video dokumentiert. Eine Aufnahme stimmt mit dem Bild aus der Fotomontage überein. In seiner Rede kritisierte Gauland die Kanzlerin für ihre Migrationspolitik. Das Thema Rente erwähnte er nicht.

Dokumentierte Rede von Alexander Gauland (AfD) auf der Seite des Deutschen Bundestages (Screenshot: CORRECTIV)

Fazit: Das Foto stammt von der Generalaussprache des Bundeshaushalt am 4. Juli 2018.

Unsere Bewertung:
Falsch. Beide Fotos sind in falschen Kontext gestellt.

Bewertung: falsch

Todesfall in Wuppertal: keine Hinweise auf Ebola

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Der Polizei zufolge gibt es keine Hinweise auf eine Ebola-Infektion. (Symbolbild: Ivo Mayr/CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Nach dem Fund eines toten Mannes in Wuppertal, kursieren im Netz Gerüchte über eine mögliche Ebola-Infektion. Der für Falschmeldungen bekannte Blog Halle Leaks heizt die Stimmung mit irreführender Überschrift und aus dem Kontext gerissenen Textstellen an. Die Polizei hat keine Hinweise auf Ebola. Der Mann litt an einer nicht ansteckenden Vorerkrankung.

Anwohner haben am 17. Februar in einem Treppenhaus in Wuppertal einen toten Mann gefunden, so schilderte es die Polizei in einer Pressemitteilung am 18. Februar. Auf Nachfrage von CORRECTIV bestätigt die Polizei, der Mann stamme aus Guinea und habe viel Blut verloren. In der Pressemitteilung stellte die Polizei klar: „Ursächlich könnte eine nicht ansteckende oder meldepflichtige Blutkrankheit gewesen sein. Eine Gewaltanwendung oder ein Fremdverschulden kann zurzeit ausgeschlossen werden.“ Der Mann litt demnach an einer Vorerkrankung, die jedoch nicht ansteckend war.

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Im Netz kursierten nach dem Vorfall Gerüchte, der Mann könnte an einer Ebola-Infektion gestorben sein. Der Polizei zufolge gibt es dafür keine Hinweise. Der Blog Halle Leaks veröffentlichte am 21. Februar einen Artikel mit der falschen Überschrift: „Hurra, Hurra – Die Ebola ist da.“ Im Text behauptete die Redaktion: „Die Seuchenbehörden und Polizei halten sich bedeckt. Man möchte die Bürger nicht unnötig verunsichern.“

Richtig ist: Seit dem 18. Februar hat die Polizei Wuppertal keine neue Pressemeldung veröffentlicht. Auf Nachfrage von CORRECTIV erklärt der Pressesprecher Alexander Kresta heute am Telefon: „Die Ergebnisse der Blutuntersuchung liegen noch nicht vor. Erst wenn die Ergebnisse vorliegen, wird über eine Obduktion entschieden“. Weiterhin gebe es keine Hinweise auf Ebola.

Artikel des Blogs „Halle Leaks“ mit falscher Überschrift vom 21. Februar 2019 (Screenshot: CORRECTIV)

Um den angeblichen Ebola-Verdacht zu unterstreichen, zitierte Halle Leaks in dem Artikel auch drei Sätze aus einem Artikel der Welt zum Vorfall: „Der Bereich um den Fundort auf der Schellenbecker Straße in Oberbarmen wurde weiträumig abgesperrt. Feuerwehrleute in speziellen Infektionsschutzanzügen rückten am Sonntagabend an. Sie reinigten und desinfizierten die mit Blut verunreinigten Stellen.“ Das Zitat ist richtig, aber aus dem Kontext gerissen. Denn in dem Welt-Artikel steht im nächsten Absatz: „Die Behörde widersprach Gerüchten von einer hochgefährlichen Ebola-Infektion: Bislang gebe es keine Hinweise auf eine ansteckende Infektionskrankheit.“ Dies erwähnte Halle Leaks nicht.

Auch Boulevardzeitung Express schürte Angst vor Ebola

Die Zeitung Express wählte am 18. Februar für zwei Artikel über den Vorfall ebenfalls irreführende Überschriften: „Afrikaner (19) lag tot in Blutlache Ebola-Angst in Wuppertal“ und „Polizei spricht über Ebola-Verdacht Leiche aus Wuppertal wird in Düsseldorf untersucht“.  Inzwischen hat der Express die Überschrift geändert: „Ebola-Entwarnung in Wuppertal Was hat den 19-Jährigen so schrecklich dahingerafft?“.

Artikel der Zeitung Express vom 18. Februar 2019 mit irreführender Überschrift (Screenshot: CORRECTIV)
Artikel der Zeitung Express vom 18. Februar 2019 mit irreführender Überschrift (Screenshot: CORRECTIV)

In den Artikeln löste die Zeitung die irreführende Behauptung jeweils erst im letzten Absatz auf: „Aber zumindest für Ebola kann man wohl doch Entwarnung geben. ‘Der Mann wohnte seit zwei, drei Jahren in Wuppertal. Wir haben Zeugenaussagen, die bestätigen, dass er in dieser Zeit nicht im Ausland war’, erklärt eine Polizeisprecherin. Ebola hat eine wesentlich kürzere Inkubationszeit.“ Später änderte die Redaktion des Express den Artikeltext und wies im ersten Absatz daraufhin, dass es eine „Ebola-Entwarnung“ gebe. Tatsächlich hatte es zuvor aber nie eine Warnung vor Ebola gegeben.

Gegenüber CORRECTIV bestätigte die Polizei, dass es bisher keine Hinweise auf eine Auslandsreise gebe.

Berichterstattung verschiedener Medien über den Fall (Screenshot: CORRECTIV)

Facebook-Nutzer verbreiten unterdessen die Überschriften der ExpressArtikel ohne Kontext weiter.

Post mit aus dem Kontext gerissener falscher Behauptung (Screenshot: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Falsch. Laut Polizei gibt es keine Hinweise auf Ebola.