Screenshot: afd.de

von Sarina Balkhausen , Carla Reveland , Simon Wörpel , Karolin Schwarz

Die USA haben es vorgemacht. Schmutzkampagnen stehen dort im Drehbuch vor Wahlen. Jetzt kopiert die AfD die schmutzige Strategie. Kein Zufall. Trumps Stratege Vincent Harris führt heimlich Regie.

Angela Merkel die Eidbrecherin.“ Diese Seite wird seit Montag­abend prominent auf der AfD-Website beworben sowie von diversen AfD-Partei-Accounts in den sozialen Netzwerken verbreitet. Darauf zu sehen ist Angela Merkel, die in Sepia-Tönen über die Seite rauscht. Daneben in roter Schrift: „Die Eidbrecherin“. Dem Aufruf, die „Eidbrecherin“ mit bereitgestellten Bildern zu stoppen, sind zahlreiche Nutzer nachgekommen. Bilder und Website trenden innerhalb von kurzer Zeit im AfD-Umfeld. Merkel als Gesetzesuntreue, das Bild ist nicht neu. Erst in der Vorwoche hatte AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel der Kanzlerin mit einer Klage gedroht. „Lock her up“ – sperrt sie ein, diese Forderung war im US-Wahlkampf gegen Hillary Clinton laut geworden.

Die Parallele ist kein Zufall. Wie kürzlich bekannt wurde, hat sich die AfD für die heiße Wahlkampfphase Hilfe aus den USA geholt: die Agentur Harris Media. Gründer der Agentur ist der Rechtskonservative Vincent Harris, der sich weltweit um die Internet-Kampagnen von rechten Populisten kümmert. Im US-Wahlkampf hat er Donald Trump beraten. In Großbritannien unterstützte Harris Media die EU-feindliche Ukip-Partei von Nigel Farage. Stets provokant. Stets aggressiv. Jetzt wird’s schmutzig – auch in Deutschland.   

 

Bildschirmfoto 2017-09-12 um 14.22.19.png

Die neue Netzkampagne der AfD

Die AfD setzt auf negative Campaigning, gezielte Schmutzkampagnen gegen den politischen Gegner. „Negative Campaigning ist im deutschen Wahlkampf nichts Neues,” sagt Thomas Praus. Die Intensität sei in den USA jedoch eine andere. Praus hat einst für Gerhard Schröder Wahlkampf gemacht, jetzt betreibt er in Berlin eine eigene PR-Agentur. Auch die emotionalisierte Darstellung Angela Merkels als Eidbrecherin verwundert ihn nicht. „Das Gefühl, dass die Regierung sich nicht mehr an Gesetze hält, eint die Anhänger der AfD, auch über die Asylpolitik hinaus.”

Bildschirmfoto 2017-09-12 um 14.22.02.png

Die AfD macht im Netz mobil

Die AfD ruft derzeit massiv zu Spendengeldern auf, die ihren Netzwahlkampf finanzieren. Ihr Ziel ist es eine Million Euro zu sammeln. Mit einer Million Euro könne man auf Facebook bis zu 15 Millionen Nutzer sogar mehrfach erreichen, sagt Thomas Praus. Nur die AfD und die FDP würden seiner Einschätzung nach signifikante Summen einsetzen, um Werbung in sozialen Medien zu schalten.

Mehrere Indizien sprechen dafür, dass die jüngste Anti-Merkel-Kampagne die erste gemeinsame Großoffensive von AfD und Harris Media ist. Im August hat die AfD ihre Netzkampagne gestartet und die Attentate in Europa mit Merkels Flüchtlingspolitik verknüpft. Damals noch im traditionellen Blau der Partei gehalten.

 

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!
Unser Ziel ist eine aufgeklärte Gesellschaft. Denn nur gut informierte Bürgerinnen und Bürger können auf demokratischem Weg Probleme lösen und Verbesserungen herbeiführen. Jetzt spenden!

AfD Post_ erster f. Internetkampagne.png

Der Anfang der AfD-Kampagne

Nun werden die Farben weicher, aber die Positionen härter. Zu den Themen Merkel, Union und „Lügenpresse“ bietet die Seite „merkeldieeidbrecherin.com“ vorgefertigte Memes, die im Internet verbreitet werden sollen. Alles AfD-Themen, aber die rechtspopulistische Partei gibt sich nur im kleingedruckten Impressum zu erkennen. Noch andere Verbindungen sind eklatant. So ist in Bezug auf die Kampagne brisant, dass sich AfD-Bundesvorstandsmitglied Julian Flak um den Zeitpunkt der Registrierung der Webseite Anfang September in den USA aufhielt. Dies vermochte CORRECTIV-Kollege Marcus Bensmann aufgrund eines Kommunikationsverlaufs mit Flak zu rekonstruieren.

Nach CORRECTIV-Recherchen wurde die Domain erst am 1. September registriert, die dazugehörige Facebook-Seite besteht seit dem 7. September. Angemeldet wurde die Domain über die gleiche US-Firma, über die Harris Media seine Domain registriert hat. Die anderen AfD-Seiten dagegen sind in Deutschland angemeldet. Außerdem liegen beide Webseiten, die von Harris Media und die der AfD-Kampagnenseite, auf dem gleichen Webserver eines professionellen WordPress-Anbieters. Dort gibt es einige weitere Websites, darunter eine Pro-Fracking-Seite und die Kampagnen-Website eines republikanischen Gouverneurs-Kandidaten.

Anfragen ließ die AfD bislang unbeantwortet.

Update, 13. September, 15:00 Uhr:
Eine weitere Domain, merkeldieeidbrecherin.de, wurde ebenfalls am 1. September angemeldet. Hier ist der Anmelder allerdings nicht verschleiert: die Adresse ist registriert auf die Harris Media LLC.

Screenshot 2017-09-13 at 14.27.03.png

Screenshot: Sam Dubberley

Christian Drosten
Der Virologe Christian Drosten ist Institutsdirektor an der Charité in Berlin. Er sprach bei einer Anhörung im Bundestag über Alltagsmasken und über die Maßnahmen im Allgemeinen. (Quelle: Youtube, Bundestag / Screenshot: CORRECTIV)

von Sarah Thust

Hat der Virologe Christian Drosten im Bundestag gesagt, dass er keine Belege für die Wirksamkeit von Alltagsmasken sehe? Nein. Drosten sagte lediglich, es gebe keine Belege dafür, dass das Tragen einer Maske zu einem milderen Krankheitsverlauf bei einer Infektion führen könnte.

In mehreren Beiträgen auf Facebook wird behauptet, dass der Virologe Christian Drosten gesagt habe, es gebe „keine wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit bei Alltagsmasken“. In einem der Videos behauptete der Arzt Bodo Schiffmann, dass Drosten nicht wisse, ob Masken schützen. Zitiert wird eine Aussage, die Drosten am 9. September bei einer Anhörung im Bundestag getroffen hat. Der Beiträge wurden insgesamt mehr als 6.000 Mal auf Facebook geteilt. 

Das Video von Drosten stammt aus einer Anhörung des Gesundheitsausschusses. Wir haben auf der Youtube-Seite des Bundestags die Originalaufnahme herausgesucht. Darin haben sich mehrere Mediziner gegen eine vorzeitige Aufhebung der vom Bundestag festgestellten „epidemischen Lage von nationaler Tragweite“ ausgesprochen. Ein entsprechender Antrag war von der FDP-Fraktion gestellt worden.

Christian Drosten wurde zu einer Einschätzung der Lage in Deutschland befragt

Drosten wurde per Videoübertragung als erster Experte befragt (ab Minute 4:35). Die gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Karin Maag, fragte Drosten: „Wie schätzen Sie die Lage ein?“ 

In seiner Antwort schilderte Drosten zunächst, dass mehrere Effekte wie die Bevölkerungsstruktur in Deutschland bald wieder dazu führen könnten, dass die Zahl der Fälle „mit sehr, sehr großer Wahrscheinlichkeit auch bei uns genauso ansteigen wird“. 

Weiter sagte er: „[Von unserem effizienten Lockdown] werden wir noch eine erhebliche Zeit profitieren, bis in den Herbst hinein. Aber es ist nicht zu erwarten, dass das so bleibt.“ Dieser Teil ist in dem Video in den Facebook-Beiträgen allerdings nicht zu hören. Insgesamt spricht Drosten etwa dreieinhalb Minuten (Minute 5:36 bis 9:02), in dem Facebook-Video werden nur 53 Sekunden seiner Antwort abgespielt.

Christian Drosten per Videoübertragung im Bundestag am 9. September 2020.
Christian Drosten per Videoübertragung im Bundestag am 9. September 2020. (Quelle: Youtube, Bundestag / Screenshot: CORRECTIV)

Drosten sprach über mögliche Auswirkungen von Masken auf die Schwere des Krankheitsverlaufs

Im Facebook-Video zu hören ist dieser Teil (ab Minute 8:09): „Es gibt einen anderen Punkt, den man nicht von der Hand weisen darf. Das ist, wir wissen nicht, ob nicht die Verwendung von Alltagsmasken in großer Verbreitungsweite, ob das nicht dazu führt, dass im Durchschnitt die erhaltene Virusdosis in einer Infektion geringer ist und, dass im Durchschnitt deshalb der Krankheitsverlauf auch nicht wirklich schädlich sein könnte. Aber das ist reine Spekulation. Dazu gibt es keine wissenschaftlichen Belege. Und es gibt umgekehrt eben Länder, in denen man sagen kann, es wurde von Anfang an wirklich Maske getragen – dazu gehören sehr viele asiatische Länder – und trotzdem ist es zu großen Ausbrüchen gekommen. So kann ich es zusammenfassen. Und meine Einschätzung ist auf dieser Basis überhaupt nicht, dass sich die Grundsituation verändert hat.“

Diese Worte hat Drosten so auch gesagt. Doch seine Aussage wird in den Facebook-Beiträgen irreführend interpretiert: Drosten hat nicht gesagt, dass es „keine wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit von Alltagsmasken“ gebe.

Denn wer von Wirksamkeit von Alltagsmasken spricht, meint in der Regel ihre Fähigkeit, Infektionen zu verhindern. Drosten sprach stattdessen über einen möglichen  Zusammenhang mit der Krankheitsschwere, also wenn sich jemand trotz Maske infiziert: „Die Verstorbenen sind nicht alles, was man verhindern muss, sondern eben auch die schweren Krankheitsverläufe“, sagte er. In diesem Kontext nannte er die „Spekulation“, dass Alltagsmasken dazu beitragen könnten, dass der Krankheitsverlauf milder verlaufe. Denn sie könnten die Menge der Viren, die jemand aufnimmt, verringern.

Der Hintergrund: Anfang September hatten Medien über diese wissenschaftliche Theorie berichtet. In einem Artikel im New England Journal of Medicine hieß es, Daten würden die Hypothese des milderen Krankheitsverlaufs stützen. 

Genau auf diese Theorie bezog sich Drosten in seiner Aussage vor dem Bundestag. Er wies korrekterweise darauf hin, dass es bisher keine wissenschaftlichen Belege dafür gebe. Auch die Autoren des Artikels im New England Journal of Medicine betonten, es handele sich um eine Hypothese. 

Drosten hat sich schon öfter zum Nutzen von Alltagsmasken geäußert

Der Berliner Virologe hat mehrfach öffentlich erklärt, dass das Tragen von Alltagsmasken kein Allheilmittel sei, aber durchaus Wirkung zeigen könne. So sagte er in einem Podcast vom 1. September, dass Masken Tröpfchen auffangen könnten, ihre Schwäche aber darin liege, die ebenfalls für die Übertragung des Coronavirus verantwortlichen Aerosole zu unterbinden (PDF, Seite 2). Deshalb seien Masken in geschlossenen Räumen, in denen sich Menschen permanent aufhalten, nicht so wirksam. Doch in Situationen wie im Supermarkt, wo sich Menschen nur kurzzeitig begegnen, seien sie hilfreich. 

Der Journalist Boris Reitschuster veröffentlichte am 19. September ebenfalls einen Text mit der irreführenden Überschrift: „Drosten zu Masken: ‘Reine Spekulation’“. Er suggeriert darin, dass Drosten nicht wisse, ob Masken helfen – und  dass seine Aussage im Bundestag im Widerspruch zu seinen sonstigen Äußerungen in der Presse stehe. 

Als Beispiel nennt Reitschuster einen Bericht der Deutschen Welle vom 18. September. Darin habe Drosten gesagt: „Denn auch wenn wir mit den Impfungen beginnen, wird der größte Teil der Bevölkerung weiter Masken tragen müssen.“ Der vermeintliche Widerspruch ist jedoch keiner, da Drosten vor dem Bundestag das Masketragen nicht grundsätzlich infrage gestellt hat.

Masken schützen vor allem andere, Schutz des Trägers ist nicht eindeutig belegt

CORRECTIV hat bereits in Faktenchecks recherchiert, wie der Forschungsstand zur Wirksamkeit von Masken ist. 

Das RKI empfiehlt Masken (Mund-Nasen-Bedeckung, MNB) in bestimmten Situationen im öffentlichen Raum mit der Begründung, dass sie die Übertragung infektiöser Tröpfchen mindern könnten. Ein MNB diene vor allem dem Fremdschutz; er schütze primär andere Personen vor feinen Tröpfchen und Partikeln in der Ausatemluft desjenigen, der den MNB trägt. Der Eigenschutz des Trägers sei bisher nicht wissenschaftlich belegt, so das RKI weiter

Verschiedene Studien (beispielsweise diese von 2013, und auch aktuelle Studien von März und April dieses Jahres) bestätigen die Wirksamkeit von Masken als Barriere für erregerhaltige Tröpfchen und Aerosole. OP-Masken bieten laut der Studien generell einen besseren Schutz als selbstgemachte Masken – und es sei in jedem Fall nicht ausgeschlossen, dass ein Teil der Viren und Bakterien die Maske je nach Sitz dennoch passieren kann.

Es gibt außerdem erste Studien dazu, ob Masken auch den Träger selbst vor einer Infektion schützen. Eine Metaanalyse von Studien zu diesem Thema kam kürzlich zu dem Ergebnis, dass N95-Masken und OP-Masken das Risiko einer Infektion des Trägers deutlich reduzieren könnten (PDF, S. 1.973). Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte diese Analyse in Auftrag gegeben. Im Juni erschien sie in der Fachzeitschrift The Lancet. Die Autoren wiesen allerdings darauf hin, dass die Aussagekraft begrenzt sei und keine Schutzmaßnahme allein (Masken, Abstand halten, Augenschutz) allein einen vollständigen Schutz bieten könne.

Im Juni erschien zum Thema Wirksamkeit der Maskenpflicht auch eine Studie aus Deutschland: Einige deutsche Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen haben dafür die Entwicklung der Infektionszahlen in Jena mit denen ähnlicher Städte verglichen, in denen die Maskenpflicht später eingeführt wurde. „Zusammenfassend kann man sagen, dass die Einführung der Maskenpflicht in den jeweiligen Kreisen zu einer Verlangsamung der Ausbreitung von Covid-19 beigetragen hat“, hieß es in einer Pressemitteilung.

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Das Zitat von Christian Drosten wird irreführend ausgelegt. Der Virologe hat nicht gesagt, dass er keine wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit von Alltagsmasken sehe.

Warum ein CO2-Messgerät für Räume ungeeignet ist, um die CO2-Konzentration unter einem Mund-Nasen-Schutz zu messen, zeigen Experimente mit Hilfe des Umweltbundesamtes.
Warum ein CO2-Messgerät für Räume ungeeignet ist, um die CO2-Konzentration unter einem Mund-Nasen-Schutz zu messen, zeigen Experimente mit Hilfe des Umweltbundesamtes. (Symbolbild: Unsplash/ Engin Akyurt)

von Uschi Jonas

Seit Wochen kursieren immer wieder Videos in Sozialen Netzwerken, in denen sich Personen ein CO2-Messgerät unter ihren Mund-Nasen-Schutz halten. Die Versuche sollen zeigen, wie schlecht die Luft unter den Masken sei. Mit Hilfe von zwei Experten hat CORRECTIV den Selbstversuch gemacht. Er zeigt: Tests mit solchen Geräten ergeben keinen Sinn.

„Reizstoff“ steht in großen schwarzen Buchstaben auf der Stoffmaske einer blonden Frau. Sie hält ein Messgerät vor sich, das einen Zahlenwert anzeigt, der den CO2-Gehalt in der Luft bemisst: 431 PPM (parts per million). Dann schiebt sich die Frau den Sensor des Messgeräts direkt unter den Mund-Nasen-Schutz und atmet ein und aus.

Der Zahlenwert beginnt zu steigen. Als das Gerät bei fast 2.000 PPM angelangt, fängt es an zu piepsen. Der Wert steigt weiter, bis das Gerät sich beim Messbereichsendwert von 10.000 PPM ausschaltet. „Ob das gesund ist, sei dahingestellt“ kommentiert eine Männerstimme aus dem Off. Dann ist die Aufnahme beendet. 

Dieses Video einer Frau, die ein CO2-Messgerät unter ihren Mundschutz schiebt, verbreitet sich auf Facebook. (Quelle: Facebook, Screenshot: CORRECTIV)
Dieses Video einer Frau, die ein CO2-Messgerät unter ihren Mundschutz schiebt, verbreitet sich auf Facebook. (Quelle: Facebook, Screenshot: CORRECTIV)

Was dadurch im Kopf der Zuschauer des tausendfach auf Facebook geteilten Videos hängen bleibt: Unter der Maske erhöhe sich der CO2-Gehalt immens. Diese hohe Konzentration atme man dann ein und das sei ungesund. Eine CORRECTIV-Recherche mit Hilfe von Experimenten beim Umweltbundesamt in Berlin zeigt jedoch, dass diese Annahmen falsch sind. Solche Tests ergeben keinen Sinn – diese CO2-Geräte sind für eine solche Messung gar nicht vorgesehen.

Zahlreiche Falschbehauptungen zum Mund-Nasen-Schutz im Umlauf 

Seit der Einführung der Maskenpflicht kursieren zahlreiche Falschbehauptungen in Sozialen Netzwerken, demnach das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes verschiedenste Gesundheitsgefahren berge. CORRECTIV veröffentlicht dazu seit Monaten Faktenchecks

Immer wieder taucht die Behauptung auf, Masketragen sei gefährlich, da man dadurch zu viel CO2 einatme und der Körper übersäure. Als angeblichen Beleg führen Menschen Selbstversuche mit sogenannten CO2-Messgeräten durch. Auch dazu haben wir bereits im August einen Faktencheck veröffentlicht. „Den CO2-Gehalt in der Luft zu messen, unter einer Maske, ist als Einzelversuch Unsinn“, erklärte uns damals Peter Wagler, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH), telefonisch. „An den Seiten ist die Maske ja undicht.“ Damit atme man nicht nur die Luft ein, die ausgeatmet werde.  

Doch was passiert dann, wenn die Geräte in den Selbstversuchen unter die Maske gehalten werden, und warum piepsen sie? Wir wollten es genauer wissen. Deshalb trafen wir uns Mitte September mit zwei Experten des Umweltbundesamts in Berlin. Sie zeigten uns, wie so ein CO2-Messgerät funktioniert, warum der Wert unter einem Mund-Nasen-Schutz so rasant steigt und was das über mögliche Gesundheitsgefahren aussagt. 

Wofür genau ist so ein CO2-Messgerät vorgesehen? 

Robert Bethke ist Chemiker und Wissenschaftler im Umweltbundesamt im Fachgebiet für Innenraumlufthygiene. Wolfgang Straff ist Arzt und leitet das Fachgebiet Umweltmedizin und gesundheitliche Bewertung im Umweltbundesamt. „Die CO2-Messgeräte sind in der Regel dafür gedacht, sie an der Wand anzubringen oder im Raum aufzustellen, um damit die CO2-Konzentration in Innenräumen zu messen“, erklärt Bethke. 

Wolfgang Straff (links) leitet das Fachgebiet Umweltmedizin und gesundheitliche Bewertung im Umweltbundesamt, Robert Bethke (rechts) ist Chemiker und Wissenschaftler beim Umweltbundesamt im Fachgebiet für Innenraumluft-Hygiene. (Foto: Uschi Jonas / CORRECTIV)
Wolfgang Straff (links) leitet das Fachgebiet Umweltmedizin und gesundheitliche Bewertung im Umweltbundesamt, Robert Bethke (rechts) ist Chemiker und Wissenschaftler beim Umweltbundesamt im Fachgebiet für Innenraumluft-Hygiene. (Foto: Uschi Jonas / CORRECTIV)

Bei 1.000 PPM piepsen viele der Geräte, das sei allerdings hygienisch und nicht toxikologisch begründet, erklärt Chemiker Bethke: „In dem Fall gilt die Empfehlung, zu lüften. Denn wenn sich CO2 durch die Anwesenheit und Aktivität von Menschen in einem Raum angereichert hat, könnten auch andere Schadstoffe zugegen sein. Das ist allerdings ein Leit- und kein Grenzwert.“

Das schreibt beispielsweise auch ein Hersteller solcher Geräte namens PCE Instruments auf seiner Webseite: Ist die CO2-Konzentration zu hoch, was sich „auf die Gesundheit, die Konzentration und das Wohlbefinden“ auswirken könne, geben die Messgeräte ein Warnsignal ab. 

Zum Vergleich: Laut Umweltbundesamt liegt der normale CO2-Gehalt der Außenluft in ländlichen Gebieten bei 350 PPM, in kleinen Städten bei 375 PPM und in Stadtzentren bei 400 PPM.

Ist es sinnvoll, die CO2-Konzentration unter einem Mund-Nasen-Schutz mit solchen Geräten zu messen? 

„Aus meiner Sicht ergibt das relativ wenig Sinn,“ sagt Bethke. Das Volumen unter einem Mund-Nasen-Schutz sei dafür viel zu gering. „Die in den Messgeräten verbauten CO2-Sensoren haben eine gewisse Trägheit. Sie sind nicht dafür gedacht, auf schnelle Konzentrationsänderungen, die sich in so einem kleinen Raum wie unter einem Mundschutz ergeben, korrekt anzuspringen.“

Die Trägheit der Messgeräte sorge auch dafür, dass diese nicht so schnell reagieren könnten, wie unsere Atmung den Luftraum unter der Maske austausche, ergänzt Wolfgang Straff. „Deswegen sieht es für Messende so aus, als ob die Konzentration immer weiter ansteige, bis die 10.000 PPM erreicht sind, beziehungsweise das Gerät piept“, erläutert er. Anders ausgedrückt, erklärt Bethke, könne man auch sagen, dass unsere Atemfrequenz so schnell ist, dass der Sensor nicht nachkommt.

Das liegt auch an der Menge CO2, die wir mit einem Atemzug ausatmen – nämlich rund 40.000 PPM. „Die Messgeräte geraten dabei an ihre Grenzen. Die Geräte, die in den Videos zu sehen sind, steigen beispielsweise bei 10.000 PPM aus und sind überladen“, sagt Bethke. 

Experimente zeigen: Das Gerät ist genauso schnell übersättigt, wenn man ohne Maske darauf atmet

Mit mehreren Experimenten zeigen Bethke und Straff, dass es keinen Unterschied macht, ob der Sensor eines CO2-Messgeräts unter einer Maske oder direkt ohne Maske angeatmet wird. 

Beim ersten Versuch atmet Bethke das CO2-Raum-Messgerät ohne Maske direkt am Sensor an – innerhalb weniger Sekunden steigt der PPM-Wert auf über 10.000. Und auch als Bethke längst wieder vom Sensor weg ist, steigt der Wert weiter. Dazu Bethke: „Die Luft um den Sensor herum sollte eigentlich schon der normalen Raumluft entsprechen.“ Erst nach einigen Sekunden fängt der Wert langsam wieder an zu sinken. „Bereits mit einer Ausatmung ist der Sensor komplett überladen.“ 

Die Sensoren sind träge: Robert Bethke ist längst wieder vom Messgerät weg, trotzdem wird ein Wert von fast 10.000 PPM angezeigt. (Quelle: Uschi Jonas/ CORRECTIV)
Die Sensoren sind träge: Robert Bethke ist längst wieder vom Messgerät weg, trotzdem wird ein Wert von fast 10.000 PPM angezeigt. (Quelle: Uschi Jonas/ CORRECTIV)

Auch als Bethke eine Stoffmaske aufsetzt, den Sensor außen davor hält und durch die Maske darauf atmet, steigt der CO2-Wert des Messgeräts sofort rasant an. Das zeigt, dass CO2 aus der Maske nach außen dringt. 

Bethke wiederholt den Versuch mit einem kleinen Sensor, der über USB an ein Laptop angeschlossen wird, ein sogenannter mobiler CO2-Sensor. Er schiebt den Sensor zunächst unter seine Maske und atmet: Der Wert steigt sprunghaft an.

Robert Bethke schiebt einen mobilen CO2-Sensor unter seine Maske. (Quelle: CORRECTIV)
Robert Bethke schiebt einen mobilen CO2-Sensor unter seine Maske. (Quelle: CORRECTIV)

Nach einigen Sekunden zieht der Innenraumluftexperte den Sensor aus der Maske und legt ihn auf den Tisch. Nur langsam fängt der CO2-Wert an zu sinken. 

Obwohl der Sensor längst wieder auf dem Tisch liegt, ist der angezeigte CO2-Wert noch um ein Vielfaches höher als die eigentliche CO2-Konzentration im Raum. (Quelle: Uschi Jonas/ CORRECTIV)
Obwohl der Sensor längst wieder auf dem Tisch liegt, ist der angezeigte CO2-Wert noch um ein Vielfaches höher als die eigentliche CO2-Konzentration im Raum. (Quelle: Uschi Jonas/ CORRECTIV)

Als der Wert wieder auf Raum-Wert gesunken ist, wiederholt Bethke den Versuch. Dieses Mal atmet er den USB-Sensor ohne Maske an. Innerhalb weniger Sekunden wird erneut ein sehr hoher PPM-Wert erreicht. 

„Der Effekt ist genau derselbe gewesen, ob der Sensor unter der Maske war oder einfach nur so vor das Gesicht gehalten wird“, fasst Bethke zusammen. 

Wie genau funktioniert das mit der Atmung und dem CO2? 

„Einen gewissen Anteil der Luft atmen wir immer hin und her. Das liegt daran, dass unsere Atemwege Teile beinhalten, die überhaupt nicht mit dem Gasaustausch in der Lunge in Verbindung stehen“, sagt Straff. Die Luft müsse erst durch den Mund- und Nasenrachenraum in die Luftröhre und die Hauptbronchien, die Segmentbronchien und die kleinen Bronchien hinunter, bis sie dann in den sogenannten Alveolen, den Lungenbläschen, auftauche. 

In den Alveolen findet dann der Gasaustausch von Sauerstoff und Kohlendioxid statt. „Dieses Volumen macht bei Erwachsenen insgesamt bereits 150 bis 200 Milliliter aus. Und dieser Raum ist immer auch mit CO2-haltiger Luft, die abgeatmet wird, gefüllt“, sagt Straff. Der Mund- und Nasenrachenraum werde durch die Maske zwar erweitert, aber das seien lediglich fünf bis zehn zusätzliche Milliliter Luft.

Umweltmediziner Wolfgang Straff erklärt anhand einer Abbildung, wie Atmung und CO2 zusammenhängen. (Quelle: Uschi Jonas/ CORRECTIV)
Umweltmediziner Wolfgang Straff erklärt anhand einer Abbildung, wie Atmung und CO2 zusammenhängen. (Quelle: Uschi Jonas/ CORRECTIV)

Was passiert beim Tragen einer Maske mit dem CO2, das man ausatmet? 

„Der Stoff ist so durchlässig, dass das CO2 einfach entweicht“, erklärt Bethke. Straff ergänzt: „Wo soll es auch hin? Würde das CO2 nicht entweichen, würde sich die Maske aufblasen. Das CO2 muss raus.“ Durch unser Ein- und Ausatmen – auch mit Maske – wird frische Luft von außen angesogen. „Und dort ist kein CO2 angereichert“, sagt Bethke.

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!
Unser Ziel ist eine aufgeklärte Gesellschaft. Denn nur gut informierte Bürgerinnen und Bürger können auf demokratischem Weg Probleme lösen und Verbesserungen herbeiführen. Jetzt spenden!

Anders erklärt: Wir atmen mit einem Zug etwa 500 Milliliter Luft aus. Der Raum unter der Maske ist aber nur wenige Milliliter groß. „Hier können sich gar keine großen Mengen CO2 ansammeln. Die CO2-haltige Luft muss folglich die Maske durchtreten und verteilt sich dann im Raum, beziehungsweise der Umgebung“, erklärt Straff. Dasselbe gilt anders herum: „Wenn wir einatmen, müssen wir dieselbe Menge aufnehmen. Viel mehr Luft als die fünf Milliliter unter der Maske. Die werden durch den Stoff der Maske und an den Seiten eingesaugt.“

Anders sei es auch gar nicht denkbar, erklärt Straff: „Könnte man unter der Maske nicht richtig atmen, würden wir sofort beim ersten Atemzug Erstickungsängste bekommen.“

Woran liegt es, wenn man dennoch das Gefühl hat, beim Tragen einer Stoffmaske schwerer zu atmen? 

„Natürlich stellen die Masken eine gewisse Barriere dar, die wir spüren. Die erhöht auch den Atemwegswiderstand. Während das mit CO2 nichts zu tun hat, behindert es schon die leichte Ansaugung von Luft durch unsere Atemmuskulatur und unsere Rippenmuskeln und unser Zwerchfell müssen etwas mehr arbeiten, um die Luft durch die Maske anzusaugen“, erklärt Straff. 

Das könne für vorerkrankte Menschen ein Problem sein. Deshalb seien Masken auch nicht für jede Situation sinnvoll.

Bei welcher Konzentration wird CO2 für den Mensch gefährlich? 

„Das, was wir ausatmen, ist nicht toxisch. Es enthält wie gesagt um die 40.000 PPM CO2 – je nach Aktivität. Aber auch davon würden wir nicht ersticken“, erläutert der umweltmedizinische Experte Straff. Eine richtig toxische Menge CO2, bei der die Wirkung narkotisch (betäubend) werde und es möglich sei zu sterben, setze bei 80.000 PPM ein.

„Aber auch sehr hohe CO2-Konzentrationen im Ausatembereich würden uns nicht direkt umbringen, weil sonst könnte auch eine Mund zu Mund oder Nase-Beatmung bei Menschen, die Herz-Kreislauf-Schwierigkeiten haben, gar nicht funktionieren.“ 

Ein anderes Beispiel: Wenn man den Kopf unter die Bettdecke steckt, dann stirbt man auch nicht. Denn der Luftaustausch, der durch die Bettdecke noch da ist, reiche aus für den Körper, sagt Straff. Man könne folglich eine lange Zeit sehr viel CO2 tolerieren. „Wenn es kritisch werden würde, dann meldet das Atemzentrum im Hirnstamm, dass der Kohlendioxidgehalt im Blut zu hoch ist und die Atemfrequenz und -tiefe würde gesteigert, oder man würde aufwachen.“

Ist es möglich durch das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes zu ersticken? 

„Eigentlich gibt es ein solches Szenario nicht. Die einzige Möglichkeit wäre, dass die Maske aus Plastik und somit aus einem luftundurchlässigen Material wäre und die Maske rundherum angeklebt würde, sodass auch von der Seite keine Luft reinkommt“, sagt Straff. Mit einer Stoffmaske sei dies aber nicht möglich. 

Fazit: 

Die Experimente zeigen: Ein Mund-Nasen-Schutz sorgt nicht dafür, dass wir mehr CO2 ein- oder ausatmen als üblich. Das CO2 entweicht durch den luftdurchlässigen Stoff, aber auch durch die Ränder der Maske. 

Die in Sozialen Netzwerken gezeigten CO2-Messgeräte sind dafür gedacht, die Konzentration in Innenräumen zu messen. Sie sollen anzeigen, wenn es „stickig“ wird und an der Zeit wäre, zu lüften. Wenn sie ab 1.000 PPM ein Warngeräusch von sich geben, heißt das nicht, dass eine für den Menschen gefährliche CO2-Konzentration erreicht ist. 

Die Sensoren übersättigen schnell und sind zudem träge, sodass sie gar nicht in Echtzeit auf die Atemfrequenz eines Menschen reagieren können. Die Übersättigung geschieht unabhängig davon, ob man sie mit oder ohne oder unter einer Maske anatmet. Die Geräte sind deshalb nicht geeignet, den CO2-Gehalt unter einer Maske zu messen. Sie beweisen nicht, dass dort eine gesundheitsgefährdende Konzentration von CO2 vorhanden wäre. 

Kurz: Tests wie sie in den Selbstversuch-Videos in Sozialen Netzwerken zu sehen sind, sind aus wissenschaftlicher Sicht nicht sinnvoll, um eine angebliche Gesundheitsgefahr durch Masken nachzuweisen. 

Recherche-Mitarbeit: Kathrin Wesolowski

Redigatur: Till Eckert, Alice Echtermann

Maskenpflicht im Deutschen Bundestag
Ab 1. September gilt die dringende Empfehlung zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung in allen Liegenschaften des Deutschen Bundestages. (Quelle: Henning Schacht / Unsplash)

von Sarah Thust

In einer Hausmitteilung im Bundestag stand eine Formulierung, die im Internet irreführend interpretiert wurde. Es wird behauptet, der Bundestag hätte Mitarbeiter vor hohen CO2-Werten im Blut durch das Maskentragen „gewarnt“. Doch das war laut einer Sprecherin nicht das Ziel – und für die These selbst gibt es keine Belege.

„Deutscher Bundestag warnt seine Mitarbeiter vor hohen CO2-Werten im Blut durch Maskentragen“, hieß es in einem Text auf der Internetseite Corona Transition am 7. September. „Abgeordnete und Mitarbeiter des Bundestags in Berlin müssen nach der Sommerpause Masken tragen – sollen aber wegen der dadurch ansteigenden Kohlendioxidkonzentration im Blut den Mund-Nasenschutz alle 30 Minuten unterm Kinn ablegen, um durchzuatmen“, steht dort weiter. 

Der Text wurde laut Analysetool Crowdtangle mehr als 1.000 Mal auf Facebook geteilt. Als Quelle für die Behauptung wird ein Bericht von Focus Online genannt. Die Nachrichtenseite hatte zuvor über eine interne Hausmitteilung berichtet, die auch CORRECTIV vorliegt. 

Unsere Recherchen ergaben: Die Hausmitteilung ist echt, doch die Formulierung darin zum CO2-Gehalt im Blut ist missverständlich. Zudem wurde nicht geraten, die Maske alle 30 Minuten abzusetzen, um durchzuatmen. Es gibt keine Belege, dass der CO2-Gehalt im Blut durch das Tragen einfacher Mund-Nasen-Bedeckungen ansteigt, oder dafür, dass andere Gesundheitsgefahren für gesunde Menschen bestünden. 

In der Hausmitteilung informierte der Bundestag Mitarbeiter über die neue Maskenpflicht ab 1. September

Am 28. August wurde tatsächlich eine Mitteilung – Nummer 222/2020 – im Bundestag veröffentlicht. Diese liegt uns vor, weil sie gemeinsam mit dem Text auf Corona Transition hochgeladen wurde. Zudem hat uns Focus Online eine Kopie der Mitteilung überlassen, und eine Sprecherin des Bundestags bestätigte, dass es eine solche Mitteilung gab. 

In der Hausmitteilung wird erklärt, dass ab 1. September die dringende Empfehlung zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung in allen Liegenschaften des Deutschen Bundestags gilt. In einer Anlage sind Hinweise für den Gebrauch von Masken ergänzt. 

Die Hausmitteilung und die Hinweise in der Anlage.
Die Hausmitteilung und die Hinweise in der Anlage. (Quelle: Deutscher Bundestag / Screenshot: CORRECTIV)

Darin hieß es unter anderem: „Bereits nach 30 Minuten Tragedauer kann es je nach Art der Mund-Nasen-Bedeckung zu einem signifikanten Anstieg der CO2-Werte im Blut kommen, da die ausgeatmete Luft unter Umständen nicht so gut entweichen kann. Ein ständiges Aus- und wieder Anziehen der Mund-Nasen-Bedeckung ist aber auch nicht sinnvoll, da so das Risiko einer Kontamination erhöht wird. Zwischendurch sollte man sie also zum Durchatmen eher unters Kinn schieben, aber weitertragen.“

Es wirkt also tatsächlich so, als bestätige der Bundestag einen Anstieg der CO2-Konzentration im Blut. Es ist aber nicht von einer Gesundheitsgefahr die Rede und es wurde nicht dazu geraten, die Maske „alle 30 Minuten unterm Kinn abzulegen“. Im Gegenteil wird davon abgeraten, die Maske aus- und wieder anzuziehen.

Auf Nachfrage hat uns die Pressestelle des Deutschen Bundestags mitgeteilt, dass der Hinweis auf den CO2-Wert lediglich eine von mehreren möglichen Erläuterungen für das Bedürfnis gewesen sei, die Mund-Nasen-Bedeckung beiseite zu schieben. Sie habe aber „keine wissenschaftliche Stellungnahme“ und „keine Behauptung einer Gesundheitsgefährdung“ beinhaltet.

E-Mail der Pressestelle Deutscher Bundestag.
E-Mail der Pressestelle Deutscher Bundestag. (Screenshot: CORRECTIV)

Quelle der Behauptung zum CO2-Gehalt im Blut ist eine Doktorarbeit von 2004

Wir haben nachgefragt, auf welche Quellen sich die Bundestagsverwaltung in dem Schreiben verließ. Diese nannte „Empfehlungen der einschlägigen Behörden“ und „allgemein zugängliche Quellen“. Als Beispiel schickte die Pressestelle einen Link, der zu einem Bericht des Fachmagazins Medizin & Technik führt. 

Weder bei einer Internet-Recherche noch auf der Seite des Robert-Koch-Instituts oder auf den Seiten anderer Behörden fanden wir darüber hinaus Angaben zum Zusammenhang zwischen dem CO2-Wert im Blut und Masken. Deshalb haben wir uns den Bericht des Fachmagazins Medizin & Technik angesehen. 

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!
Unser Ziel ist eine aufgeklärte Gesellschaft. Denn nur gut informierte Bürgerinnen und Bürger können auf demokratischem Weg Probleme lösen und Verbesserungen herbeiführen. Jetzt spenden!

Darin wird eine Doktorarbeit erwähnt: Ulrike Butz von der Technischen Universität München untersuchte im Jahr 2004, inwieweit das Tragen von OP-Masken zu schlechter Atemluft führt. CORRECTIV berichtete ebenfalls bereits über diese Studie. Sie wird von Kritikern der Maskenpflicht häufig als Argument für eine angebliche Gefährdung durch einen CO2-Anstieg im Blut genutzt. 

Studie belegt keine Beeinträchtigung oder Gesundheitsgefahr durch Masken

Butz ging von der Annahme aus, dass die ausgeatmete Luft durch die Maske zurückgehalten werde, wodurch der Träger vermehrt Kohlendioxid (CO2) einatme. Getestet wurden einfache OP-Masken von zwei Herstellern. Nach 30 Minuten Tragedauer stellte Butz einen signifikanten Anstieg der CO2-Werte im Blut der Probanden fest. Die Atemfrequenz und der Sauerstoffgehalt im Blut blieben jedoch konstant. 

Die Autorin der Studie sagte zudem am 4. Mai 2020 der DPA: „Man kann aus der Arbeit keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen ableiten. Das wäre unseriös.“ Schließlich habe sie in der Zusammenfassung der Doktorarbeit weitere Studien auf dem Gebiet gefordert, um die Auswirkungen von OP-Masken auf den menschlichen Körper zu erforschen.

Zudem schrieb uns Dominic Dellweg, Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) auf eine Anfrage im Mai: „Die Maske ändert die Zusammensetzung der eingeatmeten Luft nicht. Alle Moleküle der Raumluft; und das sind im wesentlichen Sauerstoff, Stickstoff und Kohlendioxid; können die Maske passieren und werden nicht abgefiltert.“ Eine eng anliegende Maske habe keinen „wesentlichen Totraum“. Totraum meint die Menge an Luft, die nach der Ausatmung in der Maske bleibt und wieder eingeatmet wird. Da dieser kaum vorhanden sei, komme es nicht zu einem Anstieg von CO2 im Blut, schrieb Dellweg weiter.

Studie bezieht sich nicht auf FFP-Masken oder selbstgenähten Mundschutz (Mund-Nasen-Bedeckung)

Zudem beschäftigte sich die Studie 2004 ausschließlich mit zwei Modellen von OP-Masken, also medizinischen Gesichtsmasken  (PDF, S.18 bis 20). Das Tragen von filtrierenden Halbmasken (FFP-Masken) oder selbstgenähten Masken wurde nicht untersucht. 

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie kommen derzeit alle drei Maskentypen zum Einsatz. In der Hausmitteilung des Bundestags wird allerdings lediglich das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung empfohlen, wozu zum Beispiel selbstgenähte Masken oder Community-Masken zählen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat auf seiner Webseite einen Vergleich der Maskentypen veröffentlicht.

Die unterschiedlichen Maskentypen im Vergleich.
Die unterschiedlichen Maskentypen im Vergleich. (Quelle: Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte / Screenshot: CORRECTIV)

DIN-Normen verhindern, dass OP-Masken oder FFP2-Masken eine Gefahr darstellen können

Sowohl der medizinische Mund-Nasen-Schutz (OP-Maske) als auch die FFP-Masken sind durch das Deutsche Institut für Normierung (DIN) normiert. Die Normen wurden zuletzt 2009 überarbeitet, also vier Jahre nachdem die Studie an der TU München erschienen ist.

CORRECTIV hat im April mit 3M, einem Hersteller von medizinischen Masken, gesprochen. Pressesprecherin Anja Ströhlein schrieb uns: „Die EN149 Norm setzt klare Grenzen für den Ein- und Ausatemwiderstand von Atemschutzmasken – die Norm 14683 entsprechend für chirurgische Masken.“ Man könne deshalb davon ausgehen, dass es bei der korrekten Handhabung nicht zu einer Ansammlung von Kohlendioxid unter dem Atemschutz komme und daher von OP-Masken keine Gesundheitsgefahr für gesunde Menschen ausgehe. 

Die Ergebnisse der Studie der TU München lassen sich demnach nicht auf die heute während der Corona-Pandemie verwendeten Masken übertragen. 

E-Mail von Anja Ströhlein, Pressesprecherin 3M. (Screenshot und Markierung: CORRECTIV)
E-Mail von Anja Ströhlein, Pressesprecherin 3M. (Screenshot und Markierung: CORRECTIV)

Auch das RKI bestätigte im April per E-Mail an CORRECTIV: „Dass man mehr CO2 einatmet stimmt nicht, dass die Atmung behindert wird, schon“, schrieb uns Pressesprecherin Marieke Degen. Gerade das Tragen von mehrlagigen, sehr dichten und eng anliegenden Mund-Nasen-Bedeckungen könne beispielsweise für ältere Menschen oder für Menschen mit chronischen Lungenkrankheiten sehr anstrengend sein.

E-Mail von Marieke Dregen, Pressesprecherin des Robert Koch-Instituts. (Screenshot: CORRECTIV)
E-Mail von Marieke Dregen, Pressesprecherin des Robert Koch-Instituts. (Screenshot: CORRECTIV)

Auch in der Hausmitteilung des Bundestags steht deshalb der Hinweis: „Diese Empfehlung gilt nicht für Personen, denen das Tragen von Masken aus gesundheitlichen Gründen nicht zuzumuten ist.“

Fazit

Die Formulierung in der Hausmitteilung des Deutschen Bundestags ist missverständlich. Der Bundestag hat seine Mitarbeiter laut einer Sprecherin nicht vor einer Gesundheitsgefahr durch hohe CO2-Werte im Blut warnen wollen. Zudem wurde nicht geraten, die Maske alle 30 Minuten abzusetzen, wie bei Corona Transition behauptet wird.

Zudem ist die einzige Quelle, die einen Zusammenhang vom Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes und einem Anstieg von CO2 im Blut belegt, eine Studie von 2004. Sie bezieht sich nicht auf Alltagsmasken, sondern auf medizinische OP-Masken. Im Allgemeinen verhindern laut Herstellern jedoch auch die DIN-Normen für solche OP-Masken, dass man zu viel CO2 einatmet. Es gibt keine Belege, dass vom Masketragen eine gesundheitliche Gefahr für gesunde Menschen ausgeht.

Redigatur: Alice Echtermann, Uschi Jonas

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Die Hausmitteilung gibt es, der Bundestag hat seine Mitarbeiter aber nicht vor einer Gesundheitsgefahr mit hohen CO2-Werte im Blut durch das Tragen von Masken gewarnt.

Dieses Instagram-Video wurde in Sozialen Netzwerken mit der Behauptung verbreitet, es zeige, wie mit gestellten Aufnahmen Panik vor Corona geschürt werden soll. Das ist falsch, es handelte sich lediglich um eine medizinische Übung eines Krankenhauses in Berlin.
Dieses Instagram-Video wurde in Sozialen Netzwerken mit der Behauptung verbreitet, es zeige, wie mit gestellten Aufnahmen Panik vor Corona geschürt werden soll. Das ist falsch, es handelte sich lediglich um eine medizinische Übung eines Krankenhauses in Berlin. (Quelle: Facebook / Screenshot: CORRECTIV)

von Uschi Jonas

Eine junge Frau liegt in einem Krankenhausbett und filmt sich selbst. Das ist in einem Instagram-Video zu sehen, das zahlreiche Nutzer in Sozialen Netzwerken verbreiteten. Das Video soll angeblich beweisen, dass Aufnahmen für ARD oder ZDF inszeniert worden seien, um Panik vor Corona zu schüren. Das ist falsch. Die Frau nahm an einer Übung teil, bei der keine Presse anwesend war.

Menschen in grünen Kitteln mit Masken und eine junge Frau, die in einem Krankenhausbett liegt und in die Kamera spricht: Wir liegen hier und simulieren, wie man gut sehen kann, weil das das neue Corona-Zentrum ist und jetzt ein Testdurchlauf vorgenommen wird und wir haben bestimmte Aufgaben bekommen. Die Frau hält einen Zettel vor die Linse: Das ist meine. Informieren Sie einen Mitarbeiter darüber, dass Sie schlecht Luft bekommen. Um genau 13.35 Uhr

Es ist ein Video aus einer Instagram-Story einer jungen Frau, das sich seit Mitte September viral auf Facebook verbreitet. Zahlreiche Nutzerinnen und Nutzer haben das Video veröffentlicht und behauptet, dass dort zu sehen sei, wie Aufnahmen für deutsche TV-Sender wie ARD, ZDF oder RTL entstünden. Das Video zeige angeblich, dass die Corona-Pandemie nur Schauspielerei und Showund Hollywood sei und eine Inszenierung, die für Panik sorgen solle. 

Unsere Recherchen zeigen, dass diese Vorwürfe falsch sind. Die junge Frau war Teilnehmerin einer Übung in einem Corona-Behandlungszentrum in Berlin und erklärt dies auch selbst. Laut dem Krankenhaus war dabei keine Presse anwesend.

Das Ursprungs-Video findet sich in den Highlights eines Instagram-Profils

Ein Großteil der Facebook-Beiträge wurde am 11. September veröffentlicht. Bei der Suche nach dem betreffenden Instagram-Kanal der jungen Frau stoßen wir auf ein öffentliches Profil von Melisa. In ihrem Feed finden sich unterhaltende Beiträge aus ihrem Alltag, politische Meinung ist dort nicht zu finden. Die Instagram-Story, aus der das verbreitete Video stammt, hat sie in ihren Highlights unter dem Titel Coronagespeichert. 

Am 14. September veröffentlichte die Instagram-Nutzerin ein Video, in dem sie erklärt, was es mit ihrer Corona-Instagram-Story auf sich hatte. (Quelle: Instagram / Screenshot: CORRECTIV)
Am 14. September veröffentlichte die Instagram-Nutzerin ein Video, in dem sie erklärt, was es mit ihrer Corona-Instagram-Story auf sich hatte. (Quelle: Instagram / Screenshot: CORRECTIV)

Die junge Frau hat bereits auf die Behauptungen über ihr Video reagiert. Am 14. September hat sie ein weiteres Video in ihrem Feed veröffentlicht, mit dem Titel STATEMENT. In dem mehr als fünfminütigen Video stellt sie klar, was sich hinter ihrer ersten Corona-Instagram-Story verbirgt. 

Instagram-Nutzerin stellt klar, dass es sich um eine Übung in einem Corona-Zentrum handelte

Sie sagt: „Meine Community kennt mich, meine Community weiß, dass meine Instagram-Seite ausschließlich Unterhaltungszwecken dient und deswegen glaube ich, dass ich ein paar Sachen klarstellen muss.

Sie erklärt, dass das Krankenhaus, in dem sie gefilmt habe, nicht in Benutzung sei, weil dafür aktuell kein Bedarf bestehe. Allerdings muss das Krankenhauspersonal ja trotzdem geschult werden, um einen sicheren Ablauf zu gewährleisten. 

 

Dann zeigt sie eine E-Mail, die eine ihrer Freundinnen von der Universität, an der sie studiere, erhalten habe. Darin ist zu lesen, dass Teilnehmer gesucht werden, um im Rahmen der Covid-19-Pandemie den Ernstfall zu üben. Dafür wird ein Großschadensereignis mit einer hohen Anzahl an Patienten inszeniert, ist dort weiter zu lesen. Mehrfach ist erwähnt, dass es sich um eine Übung handle. Die Teilnehmer erhielten 50 Euro Aufwandsentschädigung.

Die Instagram-Nutzerin zeigt die E-Mail, mit der Teilnehmer für die Übung gesucht wurden. (Quelle: Instagram / Screenshot: CORRECTIV)
Die Instagram-Nutzerin zeigt die E-Mail, mit der Teilnehmer für die Übung gesucht wurden. (Quelle: Instagram / Screenshot: CORRECTIV)

Die Frau erklärt dann weiter, dass das Ganze von einem Kamerateam des Krankenhauses gefilmt und dokumentiert worden sei, um Fehler im Ablauf zu finden. Es war nicht vom ZDF oder irgendwelchen Fernsehsendern (ab Minute 1:30 im Video). Es sei auch nicht gefilmt worden, um irgendwelchen Propaganda-Zwecken zu dienen. Ihre Story habe sich rasant über Twitter, Facebook, Tiktok, Instagram und Whatsapp verbreitet, sagt sie, ihr Konto sei daraufhin deaktiviert worden (ab Minute 2:30 im Video). 

Die Frau sagt, das Video sei verkürzt und instrumentalisiert worden, wovon sie sich distanzieren will

Mein Video […] wurde um eine Minute verkürzt, bearbeitet und instrumentalisiert, um die Weltanschauung und Interessen einer bestimmten Zielgruppe zu verbreiten. Und davon möchte ich mich klar distanzieren und klarstellen, dass ich weder diese Meinung noch diese Auffassung vertrete. Die Aufnahmen seien komplett zweck- und sinnentfremdet und irreführend verbreitet worden. 

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!
Unser Ziel ist eine aufgeklärte Gesellschaft. Denn nur gut informierte Bürgerinnen und Bürger können auf demokratischem Weg Probleme lösen und Verbesserungen herbeiführen. Jetzt spenden!

Im Video selbst sagt die Instagram-Nutzerin zwar nicht, um welches Krankenhaus es sich konkret handelte, aber aufgrund der Beschriftung der Bettwäsche haben wir bei Vivantes, einem lokalen Krankenhausbetreiber in Berlin, nachgefragt. Eine Sprecherin bestätigte uns die Aussagen der jungen Frau.

Aufnahmen stammen von einer Übung in einem Corona-Behandlungszentrum in Berlin Anfang September

Eine Sprecherin erläuterte uns am Telefon, dass die Aufnahmen im Video von einer Übung im Corona-Behandlungszentrum Jafféstraße (CBZJ) stammten. Es werde bisher nicht für die Patientenversorgung benötigt. Am 10. September sei dort zwischen 13 und 15 Uhr eine Übung durchgeführt worden. Dies diente als Vorbereitung für den Fall, dass steigende Infektionszahlen eine Belegung der Reserveeinrichtung notwendig machen würden, wie auch in einer Pressemitteilung auf der Webseite von Vivantes vom 11. September zu lesen ist. 

Solche Übungen seien üblich, erklärt die Sprecherin. Damit man das realistisch üben kann, werden Patientendarsteller rekrutiert, die bestimmte Krankheitsbilder darstellen sollen. Im Normalfall werde in Krankenhäusern auf diese Weise ein Ausnahmezustand geübt. Bei dem CBZJ handele es sich um eine Reserveklinik, die erst dann zum Einsatz käme, wenn alle anderen Kapazitäten in Krankenhäusern für die Behandlung von Corona-Patienten ausgeschöpft wären. 

Vivantes-Sprecherin: Die Übung wurde für interne Zwecke dokumentiert, es war keine externe Presse anwesend

An der Übung hätten rund 50 Mitarbeitende aus dem Vivantes-Kernteam sowie externe Freiwillige teilgenommen. Diese seien bereits am CBZJ geschult worden und hätten dabei geholfen, die Abläufe zu optimieren. Zudem hätten sich rund 70 Statistinnen und Statisten in der Rolle als Patienten beteiligt. 

Durchgespielt wurde die Aufnahme, Versorgung, Verlegung und Entlassung der fiktiven Corona-Patient*innen. Durch die verschiedenen Szenarien gaben die Patient*innen den Mitarbeitenden Aufgaben vor, die erfüllt werden mussten: so beispielsweise die Situation einer Luftnot, eine notwendige Reanimation, oder individuelle Wünsche wie die Unterstützung beim Toilettengang oder die Frage nach einem Getränk, steht in der Pressemitteilung

Die Patientendarsteller würden beispielsweise über Anfragen an Universitäten oder bestimmte Organisationen wie den Arbeiter-Samariter-Bund gefunden, sagte uns die Sprecherin von Vivantes. Das Ganze sei für interne Zwecke von einem Kamerateam begleitet worden. Es war keine externe Presse dabei. 

Unsere Bewertung:
Falsch. In einem Corona-Behandlungszentrum wurden keine Szenen für Medien gestellt, um Panik vor Corona zu schüren. Das Video ist kein Beleg, dass die Pandemie „inszeniert“ ist.

Markus Söder
Über den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder werden immer wieder Falschbehauptungen in den Sozialen Netzwerken verbreitet. (Quelle: Josef A. Preiselbauer / Pixabay)

von Sarah Thust

Auf Facebook wird erneut ein Gerücht über Markus Söder verbreitet. Er habe ein Mädchen mit dem angeblich drohenden Tod ihrer Eltern unter Druck gesetzt, damit es die Abstandsregeln befolgt. Doch das vermeintliche Zitat hat Söder nicht wörtlich so gesagt.

In mehreren Beiträgen auf Facebook wird behauptet, dass der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ein zehnjähriges Mädchen „verängstigt“ habe. Er habe zu ihr gesagt: „Wenn du keinen Abstand hältst zu deinen Schulfreundinnen, musst du mit dem Tod deiner Eltern rechnen“, heißt es in zwei Beiträgen

Die Fraktionsvorsitzende der AfD im Bayerischen Landtag, Katrin Ebner-Steiner, unterstellte Söder zudem, „sinngemäß“ Folgendes gesagt zu haben: „Hältst Du Dich nicht an meine Regeln solange ich es sage, können deine Eltern oder Großeltern sterben.“

Alle Facebook-Beiträge zusammen wurden mehr als 4.000 Mal geteilt. Die erste Veröffentlichung stammt vom 4. September. Die angeblichen Zitate hat Söder jedoch so nicht geäußert.

Fraktionsvorsitzende der AfD hat auf Facebook ein falsches Zitat von Markus Söder verbreitet.
Die Fraktionsvorsitzende der AfD hat auf Facebook ein falsches Zitat von Markus Söder verbreitet. (Quelle: Facebook / Screenshot: CORRECTIV)

Die zehnjährige Matilda fragte Söder, ob man je wieder in der Schule neben jemandem sitzen könne

Wir haben uns die Audiodatei angehört, in der die Zitate Söders angeblich zu hören ist. Sie ist als Kopie sogar in zwei der Facebook-Beiträge eingebunden. Darin ist nicht zu hören, wie Söder sagt „Hältst Du Dich nicht an meine Regeln, solange ich es sage, können deine Eltern oder Großeltern sterben“ oder „Wenn du keinen Abstand hältst zu deinen Schulfreundinnen, musst du mit dem Tod deiner Eltern rechnen“.

In dem Beitrag stellt sich ein zehn Jahre altes Mädchen namens Matilda vor. Sie fragte den Ministerpräsidenten, ob man je wieder in der Schule neben einem Banknachbarn oder einer Banknachbarin sitzen könne.

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!
Unser Ziel ist eine aufgeklärte Gesellschaft. Denn nur gut informierte Bürgerinnen und Bürger können auf demokratischem Weg Probleme lösen und Verbesserungen herbeiführen. Jetzt spenden!

Söder antwortete:

„Irgendwann schon. Und zwar dann, wenn Corona besiegt ist. Allerdings wird es noch etwas dauern. Das wird deswegen so lange brauchen, weil, solange wir keinen Impfstoff haben oder keine Medikamente, solange müssen wir aufpassen. Es kommt jetzt erstmal drauf an, dass der Schulbetrieb wieder losgeht. Das müssen wir sehr vorsichtig machen. Gibt auch viele Lehrer, die zur Risikogruppe gehören, Ältere beispielsweise oder mit einer Vorerkrankung, auch die wollen wir schützen. Und wir wollen auch die Großeltern und die Älteren schützen. 

Wenn wir einfach nur nebeneinander sitzen und die Regeln nicht beachten, dann stecken wir uns vielleicht untereinander an, und Kinder und junge Jugendliche haben selber weniger Symptome, aber das kann schon am Ende den Tod bedeuten im schlimmsten Fall für Eltern oder Großeltern oder auch Urgroßeltern. 

Deswegen würde ich sagen: Abstand halten ist okay, aber mal unter uns: Das Abstandhalten schadet ja auch nicht. Erstens kann man nicht abschreiben, wenn man in der Schule ist, darüber freuen sich die Lehrer, und zum anderen ist man überhaupt nicht abgelenkt vom Banknachbarn oder der Banknachbarin.“

Das angebliche Zitat ist also gar kein Zitat. Es ist eine Zuspitzung von Söders Aussagen gegenüber dem Kind, bei der der Kontext nicht berücksichtigt wird. In Söders gesamter Aussage wird deutlich, dass er der Zehnjährigen ausführlich erklärt hat, weshalb es Abstandsregeln gibt.

Söder-Aufnahme stammt aus einer Radiosendung von Mai 2020

Woher der Mitschnitt stammt, wurde in keinem der Beiträge auf Facebook angegeben. Die AfD-Fraktionsvorsitzende Katrin Ebner-Steiner behauptete in ihrem Beitrag, die komplette Radiosendung sei inzwischen „erstaunlicherweise gelöscht“ worden. 

Doch die Radiosendung wurde nicht gelöscht: Eine Google-Suche nach „Matilda Söder Radio“ führte uns zu dem originalen Mitschnitt von Hitradio RT1 auf der Webseite des Senders. Er entstand Anfang Mai 2020 bei der Sendung „Kinder fragen – Söder antwortet“.

Der Mitschnitt ist nicht wie behauptet von der Internetseite des Radiosenders verschwunden.
Der Mitschnitt ist nicht wie behauptet von der Internetseite des Radiosenders verschwunden. (Quelle: Hitradio RT1 / Screenshot: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Das angebliche Zitat hat Markus Söder nicht wörtlich so gesagt. Es handelt sich um eine Zuspitzung seiner Aussagen, die den Kontext nicht berücksichtigt.

Astrazeneca, Astra Zeneca, COVID-19, science-led biopharmaceutical business
Der Impfstoffhersteller AstraZeneca hat die Studie lediglich pausiert und fährt nach einer Untersuchung mit seinen Tests für den Covid-19-Impfstoff fort. (Symbolfoto: Picture Alliance/PRO SHOTS)

von Kathrin Wesolowski

Ein Proband einer Studie für einen potenziellen Impfstoff gegen Covid-19 habe schwere gesundheitliche Beschwerden erlitten, wird im Netz behauptet. Deswegen müsse der Hersteller AstraZeneca den Impfstoff zurückziehen. Das stimmt so nicht.

Auf Facebook kursiert die Behauptung, der britisch-schwedische Covid-19-Impfstoffhersteller AstraZeneca müsse „einen Impfstoff zurückziehen“, da ein Proband einer Studie dadurch eine Transverse Myelitis, also eine Entzündung des Rückenmarks, erlitten habe. Der Proband sei damit das „erste Opfer der Menschenversuche“, schreibt der Facebook-Nutzer. Die New York Times und die Bild-Zeitung hätten darüber berichtet. 

Der Facebook-Beitrag wurde am 9. September veröffentlicht und mehr als 1.500 Mal geteilt. CORRECTIV hat die Behauptungen überprüft: Es stimmt nicht, dass AstraZeneca den Impfstoff zurückziehen muss. Ob die gesundheitlichen Beschwerden mit dem Impfstoff zusammenhängen, ist unbelegt.

Informationen aus dem Artikel der New York Times wurden ohne Kontext wiedergegeben

Als eine der Quellen der Behauptung im Facebook-Beitrag wird die New York Times genannt. „Die New York Times berichtet unter Berufung auf eine informierte Person, dass es sich bei dem gesundheitlichen Problem um Transverse Myelitis handele.“ Der Verfasser des Facebook-Beitrags bezieht sich vermutlich auf einen Artikel vom 8. September

Hier fehlt allerdings der Kontext: In dem Artikel der New York Times steht nämlich, dass AstraZeneca die Impfstoff-Tests „wegen eines schwerwiegenden Verdachts auf Nebenwirkungen bei einem Teilnehmer“ pausiere. „Es ist noch nicht bekannt, ob die Reaktion direkt durch den Impfstoff des Unternehmens verursacht wurde oder zufällig war“, schrieben die Autorinnen weiter.  

Tatsächlich wird in dem Artikel eine Insider-Person erwähnt. Diese soll gesagt haben, dass der freiwillige Proband aus dem Vereinigten Königreich komme und sich bei ihm eine Transverse Myelitis entwickelt hätte. 

Im Facebook-Beitrag wird auch behauptet, dass die Bild-Zeitung über den Vorfall berichtet habe. Das bezieht sich vermutlich auf einen Artikel vom 9. September. Die Überschrift „Nebenwirkungen bei einem der Teilnehmer: AstraZeneca muss Studie für Oxford-Impfstoff stoppen“ ist missverständlich. Im Text der Bild wird jedoch erklärt, dass der Hersteller noch überprüfe, ob die gesundheitlichen Beschwerden mit dem Impfstoff in Zusammenhang stehen.

AstraZeneca: Die Testpause ist eine Routinemaßnahme und freiwillig

In einer Pressemitteilung vom 9. September bestätigte AstraZeneca, dass bei einem Probanden im Vereinigten Königreich eine Krankheit aufgetreten sei. „In großen klinischen Studien treten Krankheiten zufällig auf und müssen unabhängig überprüft werden“, heißt es in der Mitteilung weiter. „Dies ist eine Routinemaßnahme, die immer dann durchgeführt werden muss, wenn in einer der Studien eine möglicherweise ungeklärte Krankheit vorliegt.“ Die Pause sei freiwillig erfolgt.

Inzwischen gibt es weitere Informationen zu dem Fall, die am 9. September, als der Facebook-Beitrag veröffentlicht wurde, noch nicht zur Verfügung standen. 

Am 12. September teilte AstraZeneca auf seiner Webseite mit, dass die Tests im Vereinigten Königreich wieder aufgenommen würden. Ein britisches Komitee habe seine Untersuchungen abgeschlossen und sei zu dem Ergebnis gekommen, das es sicher sei, mit den Tests fortzufahren. AstraZeneca sowie die Oxford Universitä, die Partnerin und Sponsorin des Unternehmens in Bezug auf die Covid-19-Impfung, könnten keine weiteren medizinischen Auskünfte geben. 

Am 14. beziehungsweise 17. September wurden die klinischen Studien auch in Brasilien und Südafrika wieder aufgenommen

Es ist unbelegt, ob der Impfstoff zu den gesundheitlichen Beschwerden führte

Die Oxford Universität und AstraZeneca reagierten nicht auf unsere Presseanfragen per E-Mail. Ob es sich bei der Transversen Myelitis um eine Nebenwirkung des Impfstoffs handelt, ist unklar. 

Medien berichteten zu dem Vorfall unterschiedlich. Die Tagesschau berichtete am 12. September, dass es sich bei dem Probanden um einen zuvor nicht diagnostizierten Fall von Multipler Sklerose, einer chronischen Erkrankung des zentralen Nervensystems, gehandelt habe. Eine akute Transverse Myelitis ist häufig auf auf Multiple Sklerose zurückzuführen. Die Krankheit habe nicht mit dem Impfstoff in Zusammenhang gestanden. Als Quelle beruft sich die Tagesschau auf die Oxford Universität.

Es handelt sich dabei jedoch mutmaßlich um eine Verwechslung mit einem früheren Fall. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete am 9. September, dass der Fall der Multiplen Sklerose bereits im Juli bei einem anderen Probanden aufgetreten sei. Auch damals sei die Impfstoff-Studie von AstraZeneca kurzzeitig pausiert worden. Einen Zusammenhang mit dem Impfstoff gebe es dabei aber nicht. 

Das berichteten unter anderem auch die Frankfurter Rundschau und die Süddeutsche Zeitung. Die SZ schreibt, bei der ersten Person im Juli habe es sich um einen Mann gehandelt. Die zweite Person im September sei eine Frau.

In einer am 11. September veröffentlichten Patienteninformation auf der Impfstoff-Webseite der Oxford Universität (PDF Seite 12) heißt es ebenfalls, es habe Fälle gegeben, in denen die Probanden „unerklärliche neurologische Symptome“ gezeigt hätten. Eine Verbindung zu der Impfung sei aber unwahrscheinlich oder unbelegt.

Der Impfstoff ist ein Vektor-Impfstoff wie beispielsweise Impfstoffe gegen Ebola

AstraZeneca und die Oxford Universität befinden sich mit ihrer Forschung zu einem Impfstoff gegen Covid-19 derzeit in Testphase drei, also der abschließenden klinischen Testphase. In dieser wird der Impfstoff an zahlreichen Probanden getestet, um mögliche Nebenwirkungen zu erkennen oder ausschließen zu können. 

Bei dem Impfstoff handelt es sich um einen sogenannten Vektor-Impfstoff. Bei solchen Impfstoffen wird laut Paul-Ehrlich-Institut (PEI) genetisches Material von SARS-CoV-2 in ein harmloses Trägervirus eingebaut (PDF, Seite 2). Es wird dem Menschen gespritzt und gelangt so in die Zellen. Die Zellen produzieren dann für das Coronavirus typische Proteine – und der Körper bildet dagegen Abwehrstoffe. Wenn der Mensch später in Kontakt mit dem SARS-CoV-2-Erreger kommt, ist er bereits geschützt. Vektor-Impfstoffe gibt es laut PEI bereits gegen Ebola oder das Dengue-Fieber. Im Falle von AstraZeneca nutzt der Impfstoff eine abgeschwächte Version eines Erkältungsvirus, das bei Schimpansen Infektionen verursacht, als Träger. 

Fazit: Es stimmt nicht, dass der Impfstoffhersteller AstraZeneca seinen Covid-19-Impfstoff zurückziehen musste. Das Unternehmen hat die Studie kurzzeitig pausiert, setzt seine Tests nun aber in der dritten Studienphase fort. Es gibt bisher keine Belege, dass der Impfstoff bei einem Probanden in Großbritannien eine Transverse Myelitis ausgelöst hat. 

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Der Hersteller AstraZeneca muss seinen Impfstoff nicht zurückziehen. Ob die Erkrankung eines Probanden an einer Transversen Myelitis in Zusammenhang mit der Impfung steht, ist unbelegt.

Polizist sagt Corona-Demo in Berlin ab
Dieser Polizist hat auf der Corona-Demo am 1. August eine Durchsage gemacht. Im Internet kursieren Gerüchte, dass er sich lieber den Demonstranten angeschlossen hätte. Das sind unbelegte Spekulationen, gekündigt hat er seinen Job bei der Polizei nicht. (Quelle: „Motherdrum“ auf Youtube / Screenshot)

von Sarah Thust

In einer Whatsapp-Nachricht heißt es, ein Polizist sei nach seinem Einsatz beim Corona-Protest am 1. August in Berlin abgemahnt worden und habe im Anschluss gekündigt. Unseren Recherchen zufolge gibt es dafür keine Belege. Der Mann ist laut Polizei weiterhin als Einsatzbeamter in Berlin tätig.

Am 1. August protestierten in Berlin tausende Menschen gegen die Corona-Maßnahmen in Deutschland. In einer Whatsapp-Nachricht wurde anschließend behauptet, ein Polizist sei nach seinem Einsatz bei der Demonstration abgemahnt worden und habe im Anschluss seinen Job gekündigt, weil er mit dem Vorgehen der Polizei nicht einverstanden gewesen sei. Ein Screenshot dieser Nachricht wurde am 1. September in einem Facebook-Beitrag veröffentlicht, der mehr als 700 Mal geteilt wurde. Der Beitrag ist inzwischen gelöscht.

Unsere Recherchen ergaben: Das Foto ist echt, doch die Behauptungen im Text der Whatsapp-Nachricht sind unbelegt und in großen Teilen unplausibel. Der Polizist wird laut Polizei Berlin weiterhin als Einsatzbeamter eingesetzt.

Dieser Facebook-Beitrag zeigt eine Nachricht auf Whatsapp. Die Behauptungen darin sind größtenteils falsch.
Dieser Facebook-Beitrag zeigt eine Nachricht auf Whatsapp. Die Behauptungen darin sind größtenteils falsch. (Quelle: Facebook / Screenshot: CORRECTIV)

Es wird behauptet: „Nun hat er die Schnauze voll gehabt und hat gekündigt“ 

In der Whatsapp-Nachricht heißt es über den Polizisten: „Nachdem er bei der Demo am 1.8. lange gezögert hat, weil es ihm weh tat, der Masse zu erklären, das [sic] die Demo für beendet erklärt wird, hat er für die Verzögerung eine Abmahnung bekommen, mit dem Hinweis, bei Wiederholung Strafversetzung in den Innendienst! Bei der Demo am 29.8. hat er vor der russischen Botschaft den Befehl gegeben: Helme ab! Dafür wurde er 4 Wochen vom Dienst suspendiert und ein Stern abgezogen! Nun hat er die Schnauze voll gehabt und hat gekündigt!“

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!
Unser Ziel ist eine aufgeklärte Gesellschaft. Denn nur gut informierte Bürgerinnen und Bürger können auf demokratischem Weg Probleme lösen und Verbesserungen herbeiführen. Jetzt spenden!

Hintergrund: Die Polizei hat die Corona-Demonstration am 1. August laut einer Pressemitteilung am frühen Nachmittag aufgelöst. Dies begründete die Berliner Polizei damit, dass sich die Teilnehmenden nicht an „das geltende Hygienekonzept und die Auflage zum Tragen des Mund-Nase-Schutzes“ gehalten hätten. 

Polizist machte Durchsage bei der Demonstration

Der Polizist, der auf dem Foto zu sehen ist, hat tatsächlich eine Durchsage auf der Corona-Demonstration am 1. August gemacht. Um die Privatsphäre des Mannes zu schützen, haben wir sein Gesicht und seine persönlichen Daten in allen hier veröffentlichten Bildern unkenntlich gemacht.

Über eine Bilder-Rückwärtssuche mit Google sind wir auf ein Video gestoßen, das am 1. August von einem Nutzer auf Youtube veröffentlicht wurde. Darin ist derselbe Polizist wie auf dem Foto in der Whatsapp-Nachricht zu sehen. Er will eine Durchsage auf der Bühne machen, die an jenem Tag auf der Straße des 17. Juni aufgebaut war, wie auf Pressefotos zu sehen ist. Vor der Bühne sind tausende Demonstranten und die Berliner Siegessäule zu erkennen. 

Diese Bühne war am 1. August auf der Straße des 17. Juni aufgebaut – mit Blick auf die Siegessäule.
Diese Bühne war am 1. August auf der Straße des 17. Juni aufgebaut – mit Blick auf die Siegessäule. (Quelle: Youtube / Screenshot: CORRECTIV)

Das Youtube-Video trägt den Titel: „Stephan Bergmann versucht Polizisten zum Helden zu machen“. Stephan Bergmann ist Pressesprecher von „Querdenken 711“, eine Initiative, die sich gegen die staatlichen Maßnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie richtet.

Video zeigt: Die Durchsage des Polizisten war wegen „Buh“-Rufen und Pfiffen kaum zu verstehen

Das Video zeigt, wie der Polizist ein Mikrofon in der Hand hält und eine Durchsage der Polizei ankündigt (ab Minute 0:15). Dann sind lautes Pfeifen und „Buh“-Rufe aus der Menge zu hören. Neben ihm steht ein Mann, der dem Polizisten sagt, er solle, „das Richtige zu tun“. Dabei könnte es sich um Stephan Bergmann handeln, der im Titel des Videos genannt wird. Sicher ist das aber nicht, da er nicht zu sehen ist. 

Der Polizist reagiert nicht auf den Mann, der ihn anspricht. Stattdessen schaut er auf den Boden oder zur Seite und wartet ab. Mehr als eine Minute lang sagt der Polizist nichts, erst bei Minute 1:35 hält er wieder das Mikrofon an den Mund. Dann sagt er: „Es folgt eine Durchsage der Berliner Polizei. […] Die Versammlung ist hiermit aufgelöst.“ Zwischendurch ist der Polizist kaum noch zu verstehen. Die Rufe aus der Menschenmenge übertönen ihn. Zudem redet der Mann neben ihm weiter auf ihn ein. 

Nachdem die Durchsage beendet ist, diskutieren mehrere Personen mit dem Polizisten. Der Mann, bei dem es sich um Bergmann handeln könnte, sagt ab Minute 3:50: „Das ist deine Chance, du wirst reich. Wir sorgen für dich.“ Der Polizist sagt nur: „Ich bin der falsche Ansprechpartner, das ist vergebene Liebesmüh.“

Drei Männer reden gleichzeitig auf den Polizisten ein.
Drei Männer reden gleichzeitig auf den Polizisten ein. (Quelle: Youtube / Screenshot: CORRECTIV)

Polizeisprecher über das Zögern bei der Durchsage: „Der wird einfach noch kurz gewartet haben, dass sich die Stimmung wieder ein wenig legt“

In der Whatsapp-Nachricht wurde behauptet, dass es dem Polizisten „weh tat, der Masse zu erklären, das [sic] die Demo für beendet erklärt wird“. Das wirkt in dem Video, das uns vorliegt, nicht so. Es ist zu hören, wie der Mann sachlich erklärt, warum die Versammlung beendet werden muss. 

In dem Video ist auf der Jacke des Polizisten auch sein Name zu erkennen. Bei der Suche nach diesem Namen im Internet stießen wir auf ein weiteres Youtube-Video mit dem Sprecher der Berliner Polizei, Thilo Cablitz. Darin fragte der politische Aktivist Martin Lejeune, warum der Polizist auf der Bühne mit der Durchsage so lange gewartet habe. Sprecher Cablitz antwortete: „Ich kenne den Kollegen persönlich, der wird einfach noch kurz gewartet haben, dass sich die Stimmung wieder ein wenig legt, damit er weiter sprechen kann und auch hörbar ist“ (ab 00:42). 

Lejeune fragte erneut nach: „Also der Kollege hat jetzt nicht überlegt, ich schmeiße das jetzt alles hin und schließe mich den Demonstranten an und ruft die Revolution aus?“ Cablitz antwortete: „Nein, nicht mal ansatzweise.“

Der Polizist ist weiterhin für die Polizei Berlin im Einsatz

Es wird behauptet, dass der Polizist für die Verzögerung bei der Durchsage eine Abmahnung bekommen habe. Das ist nicht plausibel. Der Pressesprecher der Berliner Polizei betonte in dem Interview mit Lejeune, dass sich der Polizist richtig verhalten habe: „Der war einfach ruhig und hat wieder die Möglichkeit abgewartet, dass man ihn auch hören kann.“ Das deutet nicht darauf hin, dass der Mann abgemahnt wurde.

Wir haben zudem bei der Pressestelle der Berliner Polizei nachgefragt, ob der Polizist abgemahnt, versetzt oder suspendiert wurde, beziehungsweise gekündigt hat. Ein Sprecher antwortete uns per E-Mail: „Der angefragte Kollege wird weiterhin als Einsatzbeamter der Polizei Berlin eingesetzt. Ich bitte um Ihr Verständnis, dass weitere Auskünfte zu einzelnen Mitarbeitenden der Polizei aus Persönlichkeits- und Datenschutzgründen nicht erteilt werden.“

Unsere Bewertung:
Unbelegt: Es gibt keine Belege, dass der Polizist eine Abmahnung bekam oder kündigte. Er wird weiterhin als Einsatzbeamter der Polizei Berlin eingesetzt.

Dieses Foto eines demolierten Feuerwehrautos stammt nicht aktuell aus Moria.
Dieses Foto eines demolierten Feuerwehrautos stammt nicht aktuell aus Moria. (Quelle: Facebook, Screenshot: CORRECTIV)

von Uschi Jonas

Geflüchtete aus dem Lager Moria auf Lesbos hätten in Zusammenhang mit dem Brand Anfang September ein Feuerwehrauto demoliert – das suggeriert ein Foto auf Facebook. Dieses stammt zwar aus Moria, aber aus dem Jahr 2019.

Ein Feuerwehrwagen, eine eingeworfene Frontscheibe und ein griechisches Kennzeichen ­ dieses Foto kursiert aktuell in den Sozialen Netzwerken. Es wird behauptet, Geflüchtete aus dem Camp Moria auf der griechischen Insel Lesbos hätten die Scheibe des Fahrzeugs beschädigt. Das ist falsch: Das Foto verbreitet sich bereits seit 2019. Ein Zusammenhang mit den aktuellen Geschehnissen in Moria ist folglich ausgeschlossen. 

In einem Facebook-Beitrag, der am 12. September veröffentlicht und bereits mehr als 1.000 Mal geteilt wurde, heißt es zu dem Foto: „Feuerwehrfahrzeug nach Rettungsversuch in Moria. Und solche Flüchtlinge sollen wir hier aufnehmen?“

In der Nacht auf den 9. September waren mehrere Brände in dem griechischen Flüchtlingslager ausgebrochen. Medienberichten zufolge beschuldigt die griechische Regierung dort lebende Geflüchtete, die Brände gelegt zu haben. Am 16. September wurden sechs mutmaßliche Brandstifter festgenommen.

 

Im Zuge der Gerüchte um die Ursache der Brände verbreiteten sich in Sozialen Netzwerken Fotos und Videos, die fälschlicherweise den aktuellen Geschehnissen zugeordnet wurden. Wir haben dazu mehrere Faktenchecks veröffentlicht. 

Das Foto des Feuerwehrfahrzeugs entstand mutmaßlich 2019 im Lager Moria

Auch das Foto des demolierten Feuerwehrautos lässt sich, anders als im Facebook-Beitrag suggeriert, nicht der derzeitigen Lage in Moria zuordnen.

Auf Facebook wird behauptet, dieses Foto eines Feuerwehrautos stehe im Zusammenhang mit den aktuellen Geschehnissen rund um die Brände im Camp in Moria. Das Foto kursiert aber bereits seit 2019. (Quelle: Facebook / Screenshot und Schwärzungen: CORRECTIV)
Auf Facebook wird behauptet, dieses Foto eines Feuerwehrautos stehe im Zusammenhang mit den aktuellen Geschehnissen rund um die Brände im Camp in Moria. Das Foto kursiert aber bereits seit 2019. (Quelle: Facebook / Screenshot und Schwärzungen: CORRECTIV)

Das Kennzeichen passt der Bilddatenbank Alamy zufolge (zum Beispiel hier und hier) zu denen griechischer Feuerwehrfahrzeuge. Eine Bilder-Rückwärtssuche mit Google ergibt, dass sich das Foto mindestens seit Ende September 2019 in Sozialen Netzwerken und auf Webseiten verbreitet. 

Einige griechische Webseiten berichteten damals unter Verwendung des Fotos des demolierten Wagens davon, dass im Lager Moria Geflüchtete ein Feuerwehrauto attackiert hätten. Ende September 2019 war Medienberichten zufolge ebenfalls ein Brand dort ausgebrochen.

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Das Foto stammt zwar aus Moria, ist aber nicht aktuell, sondern von 2019.

Oliver Kahn habe Fußballer „Muschis” genannt, die „gleich“ anfangen würden „zu heulen”, dafür gibt es aber keine Belege.
Oliver Kahn habe Fußballer „Muschis” genannt, die „gleich“ anfangen würden „zu heulen”, dafür gibt es aber keine Belege.(Symbolbild: picture alliance / augenklick/firo Sportphoto)

von Uschi Jonas

Manchmal frage er sich, ob Fußballer „noch Männer oder Muschis“ sind – das habe Ex-Profi-Fußballer Oliver Kahn gesagt, wird auf Facebook behauptet. Für das angebliche Zitat gibt es jedoch keine Belege.

Ein beleidigendes und sexistisches Zitat, das angeblich von Oliver Kahn stammt, verbreitet sich seit Anfang September auf Facebook. Doch dafür, dass der Ex-Profi-Fußballer das jemals so gesagt hat, gibt es keine Belege.

Das Zitat wurde am 1. September in der Facebook-Gruppe AC Milan Deutschland veröffentlicht. Der Beitrag wurde bislang fast 3.200 Mal geteilt. Demnach habe der Ex-Fußballtorwart Fußballer folgendermaßen beschimpft und sich sexistisch geäußert:

„Der heutige Fußball kommt mir wie Ballett vor. Sobald man die Gegenspieler etwas zu hart angeht, fangen sie gleich an zu heulen. Nach 3 aufeinanderfolgenden Spielen beschweren sie sich über ihr Leben, aber wenn sie interviewt werden, sind sie die besten Schauspieler der Welt. Deswegen gefallen mir Typen wie Thomas Müller und Zlatan Ibrahimović. Typen, die kämpfen und sich auf dem Feld schon fast prügeln. Es gibt Leute, die ihnen übel nachreden, aber vor laufender Kamera sagen sie das, was sie denken und nicht das, was die Masse hören will. Manchmal frage ich mich, ob Fußballer noch Männer oder Muschis sind.“

Angebliches Zitat von Oliver Kahn verbreitete sich bereits 2017

Es gibt keine Belege dafür, dass Oliver Kahn, wie hier auf Facebook behauptet, Fußballer mit diesem Zitat beschimpft hat. (Quelle: Facebook, Screenshot: CORRECTIV)
Es gibt keine Belege dafür, dass Oliver Kahn, wie hier auf Facebook behauptet, Fußballer mit diesem Zitat beschimpft hat. (Quelle: Facebook, Screenshot: CORRECTIV)

Eine Google-Suche ergibt, dass das angebliche Zitat bereits im Oktober 2017 und im August 2018 auf Facebook verbreitet wurde. Ansonsten finden sich online keine Hinweise dafür, dass Kahn sich irgendwann einmal so geäußert hätte. Auch die Pressedatenbank Genios liefert keine Suchergebnisse. 

 

CORRECTIV hat sich mehrfach per E-Mail und via Instagram an das Management von Oliver Kahn gewandt und nachgefragt, allerdings bis zur Veröffentlichung des Artikels keine Rückmeldung erhalten. Auch telefonisch konnten wir das Management nicht erreichen.

Unsere Bewertung:
Unbelegt. Es gibt keine Belege dafür, dass Oliver Kahn das Zitat gesagt hat.

mufid-majnun-oI20ehIGNd4-unsplash
Eine Liste der Weltbank zu Covid-19-Testkits beweist nicht, dass es Covid-19 bereits 2017 gab. (Symbolbild: Unsplash/ Mufid Majnun)

von Kathrin Wesolowski

Auf Facebook kursiert die Behauptung, dass bereits 2017 Covid-19-Testkits im Umlauf gewesen seien und es das Virus folglich schon damals gegeben habe. Die Corona-Pandemie sei demnach geplant worden. Ein Verweis auf eine weltweite Handelsdatenbank soll das beweisen. Die Produktinformationen darin führten in die Irre – und wurden mittlerweile korrigiert.

SARS-CoV-2 habe es schon 2017 gegeben, behauptet der Blog Freie Medien auf Facebook. Ein Screenshot aus einer Datenbank der Handelsdatenbank WITS (World Integrated Trade Solution) beweise, dass Länder bereits damals Covid-19-Testkits exportiert hätten. Der Facebook-Beitrag wurde am 6. September veröffentlicht und bisher mehr als 1.400 Mal geteilt.

CORRECTIV hat die Behauptung überprüft: Die Produktinformationen der WITS-Datenbank beweisen nicht, dass SARS-CoV-2 schon 2017 existierte und die Pandemie vorbereitet wurde.  

Der Blog Freie Medien behauptet, eine öffentliche Datenbank auf der Webseite der Weltbank beweise, dass SARS-CoV-2 schon vor drei Jahren existiert habe und die Pandemie geplant worden sei. (Quelle: Facebook, Screenshot: CORRECTIV)

Überschrift und Beschreibung der WITS-Datenbank waren irreführend

Die World Integrated Trade Solution (WITS) ist eine von der Weltbank bereitgestellte Handelssoftware, mit der Benutzer mehrere internationale Handelsdatenbanken abfragen können. Auf dem Screenshot im Facebook-Beitrag ist eine Tabelle zu sehen, die nach Ländern sortiert zeigt, wie viele Kilogramm „Covid-19 Test kits“ mit dem Produktcode 300215 im Jahr 2017 exportiert wurden und wie hoch der jeweilige Handelswert war. Die Schweiz lag der Datenbank zufolge auf dem ersten Platz, gefolgt von Deutschland.

 

Die Beschreibung der Tabelle führte jedoch in die Irre. Sie wurde zwischen dem 6. September um 17:10 Uhr und dem 7. September um 01:33 Uhr aktualisiert, hier findet sich eine archivierte Fassung davon. Die ursprüngliche Überschrift lautete „COVID-19 Test kits (300215) exports by country in 2017“. Auch in der Tabelle wurden „Covid-19 tests kits“ gelistet, die im Jahr 2017 exportiert worden seien. 

Die aktualisierte Fassung der Datenbank löst das Missverständnis jedoch auf: Dort lautet die Überschrift nun „Medical Test kits (300215) exports by country in 2017“. 

In der Beschreibung der Tabelle ist jetzt zu lesen, dass die Tabelle Daten über medizinische Geräte liste, die bereits vor der Pandemie vorhanden waren und „die jetzt von der Weltzollorganisation als entscheidend für die Bekämpfung von Covid-19 eingestuft werden“. 

Testkits zur Erkennung von Covid-19 existierten bereits vor der Pandemie für andere Zwecke

Es geht also um ältere Produkte, die jetzt gegen Covid-19 oder zur Erkennung von Covid-19 genutzt werden können. Für die Diagnose von Covid-19 werden beispielsweise medizinische Testkits genutzt, und solche Testkits existierten für andere Zwecke schon vor der Pandemie. 

Laut Beschreibung zeigt die Tabelle der Datenbank die Exportmenge solcher medizinischer Testkits und anderer Instrumente für diagnostische Tests nach Ländern im Jahr 2017. 

Bei dem Produktcode 300215 handelt es sich um einen internationalen Code, mit dem die Weltzollorganisation (WCO) Waren klassifiziert. Der Code 30021500 steht laut dem Europäischen Zollportal für immunologische Erzeugnisse. Mithilfe immunologischer Tests kann eine Infektion mit SARS-CoV-2 nachgewiesen werden. 

Corona-Pandemie: WCO und WHO änderten im April die Beschreibungen einiger Produktnummern

Im April verkündete die WCO auf ihrer Webseite, dass sie und die WHO die Klassifizierung von medizinischen Produkten angepasst hätten, „um auf die beispiellose Nachfrage nach medizinischer Versorgung inmitten der gegenwärtigen globalen Covid-19-Pandemie auf der ganzen Welt zu reagieren und den Ländern zu helfen, die grenzüberschreitende Bewegung dieser kritischen Produkte zu beschleunigen“. Es wurde eine Liste von Produkten erstellt, die wegen Covid-19 weltweit dringend benötigt werden.

Es wurden folglich Beschreibungen bereits vorhandener medizinischer Güter angepasst. Das betrifft beispielsweise die oben erwähnten immunologischen Test-Kits mit der Produktnummer 300215. Darüber hinaus finden sich in der Liste Testkits für PCR-Tests (Produktnummer 382200) oder weitere Diagnoseinstrumente (Produktnummer 902780). 

Fazit: Die WITS-Datenbank beweist nicht, dass SARS-CoV-2 schon im Jahr 2017 existierte und auch nicht, dass die Corona-Pandemie geplant wurde. Bei den Zahlen zu Exporten medizinischer Testkits wurden diese in der Datenbank irreführend als „Covid-19 Testkits“ bezeichnet. Die medizinischen Testkits existierten jedoch bereits vor der Pandemie. Es wurde lediglich die Produktbeschreibung verändert.

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Eine Datenbank der WITS beweist nicht, dass es das neuartige Coronavirus schon 2017 gab. Die Beschreibung der Tabelle führte allerdings in die Irre und wurde angepasst.

Frank-Walter Steinmeier
Frank-Walter Steinmeier wurde am 12. Februar 2017 zum Bundespräsidenten gewählt, also rund zwei Monate nach dem Terroranschlag auf dem Breitscheidplatz. (Symbolbild: Christian Bueltemann / Pixabay)

von Sarah Thust

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat Ende August fünf Polizisten und eine Polizistin ins Schloss Bellevue eingeladen, um sich für ihren Einsatz bei der Corona-Demonstration zu bedanken. Auf Facebook wird behauptet, dass die Helfer des Terroranschlags am Breitscheidplatz keine solche Anerkennung erhalten hätten. Das stimmt nicht.

Der deutsche Bundespräsident hat am Montag, 31. August, fünf Polizisten und eine Polizistin zu seinem Amtssitz im Schloss Bellevue eingeladen. Er bedankte sich für den Einsatz der Polizei bei den Corona-Demonstrationen in Berlin. Ein Blogger suggeriert in einem Facebook-Beitrag, die „Feierstunde“ sei unverhältnismäßig gewesen. Im Vergleich dazu, behauptet er, habe der Bundespräsident vor vier Jahren die Helfer nach dem Terroranschlag auf dem Breitscheidplatz nicht geehrt. Der Beitrag wurde am 1. September auf Facebook veröffentlicht und bislang mehr als 1.400 Mal geteilt. 

Der Facebook-Nutzer ist ein rechter Blogger: Holm Teichert schreibt in dem Facebook-Beitrag, dass er auch für die Deutschlandstimme schreibe. Dort wurden bereits häufiger Falschmeldungen verbreitet, zum Beispiel nach dem Anschlag in Hanau, wie CORRECTIV in einem Faktencheck berichtete

Recherchen von CORRECTIV zeigen, dass die Behauptungen in dem Facebook-Beitrag über die geehrten Polizisten und Polizistinnen größtenteils falsch sind. Am Tag des Terroranschlags auf dem Breitscheidplatz in Berlin, am 19. Dezember 2016, war Steinmeier noch nicht im Amt. Die Angehörigen der Opfer wurden zwei Monate später ins Schloss Bellevue eingeladen vom damals amtierenden Bundespräsidenten Joachim Gauck.   

Ein rechter Blogger hat diesen Beitrag auf Facebook veröffentlicht. (Quelle: Facebook / Screenshot: CORRECTIV)
Ein rechter Blogger hat diesen Beitrag auf Facebook veröffentlicht. (Quelle: Facebook / Screenshot: CORRECTIV)

Demonstranten durchbrachen Absperrung und stellten sich auf die Treppen vor dem Reichstag – die Polizei reagierte

Den Vorfall am Reichstagsgebäude am 29. August spielt Teichert in seinem Facebook-Beitrag runter: Der Blogger schreibt, dass die „drei Polizisten“ zum Amtssitz des Bundespräsidenten eingeladen worden seien, weil sie „300 oder 400 Gipfelstürmer aufhielten, die in Wahrheit nur (sic!) auf die Treppen des Reichstages wollten“. Teichert bezieht sich auf eine unerlaubte Versammlung, bei der 300 bis 400 Demonstranten laut Polizei eine Absperrung durchbrachen und – teils mit Reichsflaggen – auf die Treppen des Reichstagsgebäudes vordrangen.

Corona-Demo am 29. August 2020: Demonstranten schwenken Reichstagsflaggen vor dem deutschen Bundestag.
Corona-Demo am 29. August 2020: Demonstranten schwenken Reichsflaggen vor dem Deutschen Bundestag. (Quelle: AttilaHildmannTV auf Youtube / Screenshot: CORRECTIV)

Die Menge hatte die Polizisten und Polizistinnen unten an der Absperrung überrascht, sodass anfangs nur drei Beamte am oberen Ende der Treppe standen und die Eingänge blockierten. Wie uns ein Sprecher des Bundespräsidialamts sagte, seien drei weitere Kollegen „schnell zur Stelle“ gewesen. Diese sechs Polizisten, darunter eine Frau, wurden am 31. August zum Hauptsitz des Bundespräsidenten eingeladen.

Bundespräsident Steinmeier bedankte sich bei allen Polizisten und Polizistinnen, die in Berlin im Einsatz waren 

In einer Pressemitteilung des Bundespräsidenten heißt es: „Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den Polizistinnen und Polizisten gedankt, die am 29. August bei den Demonstrationen in Berlin im Einsatz waren. Am 31. August empfing er stellvertretend sechs von ihnen zu einem Gespräch in Schloss Bellevue.“

Demnach sagte Steinmeier nach dem Treffen am 31. August: „Sie, die Polizistinnen und Polizisten, haben dafür gesorgt, dass zehntausende Menschen ihr Grundrecht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit ausüben konnten. (…) Als aber die Auflagen willentlich und wissentlich missachtet wurden und Demonstranten zur Gewalt aufriefen, haben Sie unter äußerst schwierigen Bedingungen die Demonstration aufgelöst und das Recht durchgesetzt.“

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier steht zwischen fünf Polizisten sowie einer Polizistin, die stellvertretend für den Einsatz der Polizei bei der Corona-Demo in Berlin geehrt wurden.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier steht zwischen fünf Polizisten sowie einer Polizistin, die stellvertretend für den Einsatz der Polizei bei der Corona-Demo in Berlin geehrt wurden. (Quelle: picture alliance/dpa/Bernd von Jutrczenka)

Nach Terroranschlag auf dem Breitscheidplatz: Betroffene, Angehörige und Helfer erhielten Anerkennung 

Im Facebook-Beitrag behauptet Teichert, der Bundespräsident habe vor vier Jahren die „Ersthelfer vom Breitscheidplatz, die Sanitäter, die Feuerwehrmänner, die Notärzte, die Chirurgen und die Opfer“ nicht empfangen. Er bezieht sich auf den Terroranschlag am Berliner Breitscheidplatz am 19. Dezember 2016, bei dem laut Abschlussbericht des Bundesbeauftragten für die Opfer insgesamt zwölf Menschen ums Leben kamen und Dutzende verletzt wurden. 

Zudem suggeriert Teichert, dass Steinmeier zu diesem Zeitpunkt Bundespräsident gewesen und somit verantwortlich sei. Doch das stimmt nicht. Damaliger Bundespräsident war Joachim Gauck.

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!
Unser Ziel ist eine aufgeklärte Gesellschaft. Denn nur gut informierte Bürgerinnen und Bürger können auf demokratischem Weg Probleme lösen und Verbesserungen herbeiführen. Jetzt spenden!

Tatsächlich wurde die Regierung damals für ihren Umgang mit den Angehörigen der Opfer des Anschlags kritisiert, wie mehrere Medien berichteten. Die Angehörigen beklagten vor allem den Mangel an Information. Gauck habe versprochen, in Zukunft die Kommunikation zu verbessern.

Das Bundespräsidialamt teilte uns auf Nachfrage mit: Zwei Monate nach dem Anschlag habe Gauck rund 60 Angehörige der Opfer im Schloss Bellevue empfangen. Zudem gab es eine Trauerfeier unmittelbar nach dem Terroranschlag am 20. Dezember 2016.

Frank-Walter Steinmeier bedankte sich ein Jahr später bei den „Helden“ vom Breitscheidplatz

Ein Jahr nach dem Anschlag fand außerdem eine Gedenkveranstaltung auf dem Breitscheidplatz statt. Mit dabei: der neue, amtierende Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. In seiner Rede dankte er unter anderem den Polizisten, Sanitätern und Ersthelfern.

Steinmeier sagte damals: „Unser Dank gilt all denen, die geholfen haben, unmittelbar nach dem Anschlag und in den Wochen und Monaten danach: den stillen Helden, die für die Verletzten und Hinterbliebenen da waren, den Polizisten, Sanitätern und Ersthelfern, den Hilfsorganisationen und Opferbeauftragten.“

Fazit: Die Behauptung, dass der Bundespräsident die „Ersthelfer vom Breitscheidplatz, die Sanitäter, die Feuerwehrmänner, die Notärzte, die Chirurgen und die Opfer“ nicht empfangen habe, ist größtenteils falsch. Der damalige Bundespräsident Gauck hat die Angehörigen der Opfer zwei Monate nach dem Anschlag ins Schloss Bellevue eingeladen. Gaucks Nachfolger Steinmeier hat sich ein Jahr später noch einmal öffentlich bei allen „Helden“ bedankt.

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch: Der Bundespräsident hat sich bei den Helfern nach dem Terroranschlag auf dem Breitscheidplatz bedankt.

Wladimir Putin
In einem Blog wird behauptet, Wladimir Putin habe die vollständige Unabhängigkeit vom US-Dollar erklärt. Das ist teilweise falsch. Putin hat 2018 lediglich betont, dass Russland unabhängiger von der US-Währung werden sollte. (Symbolbild: Дмитрий Осипенко / Pixabay)

von Sarah Thust

Ein Blog-Artikel stellt den russischen Präsidenten Wladimir Putin als Helden dar. Er habe die „vollständige Unabhängigkeit“ vom US-Dollar erklärt, der von der Rothschild-Familie kontrolliert werde. Der Artikel bedient damit eine antisemitische Verschwörungstheorie. Die Behauptungen sind größtenteils falsch.

Seit Jahren kursiert im Internet das Gerücht, dass der russische Präsident Wladimir Putin die Bankiersfamilie Rothschild aus Russland verbannt haben soll. Dahinter steckt ein antisemitischer Verschwörungsmythos. Auch die deutsche Internetseite Sari Blog griff ihn im vergangenen Jahr auf. Der Artikel wird noch immer auf Facebook verbreitet; insgesamt wurde er bisher mehr als 6.600 Mal geteilt. 

Es wird suggeriert, dass die jüdische Familie Rothschild die Finanzmärkte weltweit beherrsche und eine neue „Weltordnung“ schaffen wolle. Die Familie ist seit vielen Generationen im Finanzgeschäft tätig und steht heute zum Beispiel hinter Rothschild & Co., einem großen Finanzberatungsinstitut.  

In dem Text von Sari Blog, der laut dem Analysetool Crowdtangle im März 2019 erstmals auf Facebook geteilt wurde, wird behauptet: Putin habe „die vollständige Unabhängigkeit vom Rothschild-kontrollierten US-Dollar“ erklärt – und die Familie Rothschild aus dem Land vertrieben. Derselbe Text wurde bereits im Mai 2018 in englischer Sprache auf der Seite NewsPunch veröffentlicht.

Unsere Recherchen zeigen: Die Behauptungen sind größtenteils falsch. Putin hat lediglich 2018 erklärt, dass Russland unabhängiger vom US-Dollar werden müsse. Doch die Rothschilds hat er dabei nicht erwähnt. Ein Unternehmen der Familie ist nach wie vor in Russland tätig.

Der Name des Autors von Sari Blog ist Faktencheckern im englischsprachigen Raum bekannt: Baxter Dmitry schrieb bereits 2016 einen Text über Putins angebliche „Verbannung“ der Rothschilds für die Seite YourNewsWire. Diese Webseite, die inzwischen nicht mehr existiert, galt laut Poynter-Institut als einer „der berüchtigtsten Fehlinformatoren im Internet“. 

1. Behauptung: Putin habe die vollständige Unabhängigkeit vom US-Dollar erklärt

Bis vor wenigen Jahren war die russische Wirtschaft stark vom US-Dollar abhängig. Ob im Außenhandel oder bei Währungsreserven – ein großer Teil davon wurde laut der Bank of Russia in der US-amerikanischen Währung gehandelt beziehungsweise angelegt. 

Doch nachdem Russland nach einem Referendum im Jahr 2014 die ukrainische Halbinsel Krim annektiert hatte, belegten die USA und die Welthandelsorganisation die russische Föderation mit Zollbeschränkungen und Sanktionen. Präsident Wladimir Putin kritisierte die Sanktionen gegen Russland scharf und sagte in einer Rede vor dem Parlament im Jahr 2018, dass er sich vom US-Dollar lösen wolle.

Etwa ein Jahr danach, im März 2019, erschien der Beitrag der Seite Sari Blog, der in den Sozialen Netzwerken bis heute geteilt wird. Darin hieß es, Putin habe die „Unabhängigkeit vom US-Dollar erklärt“. Der US-Dollar werde angeblich von Familie Rothschild „kontrolliert“, darum wolle ihn Putin abschaffen.

Der Blog-Beitrag über Putin in der Facebook-Gruppe „Menschen für Deutsch Russische Freundschaft“.
Der Blog-Beitrag über Putin in der Facebook-Gruppe „Menschen für Deutsch Russische Freundschaft“. (Quelle: Facebook / Screenshot: CORRECTIV)

Es wird behauptet, dass sich Russland angeblich „vom tyrannischen Griff des Bankensystems“ befreit habe 

Der Autor bezieht sich laut dem Artikel auf die von uns bereits erwähnte Rede, die Wladimir Putin am 8. Mai 2018 vor dem russischen Parlament gehalten hat. Der Autor behauptet: „In seiner Ansprache vor dem russischen Parlament nach seiner Amtseinführung (nach der Präsidentenwahl im März 2018) sagte Wladimir Putin, dass die Erklärung der ‘völligen Unabhängigkeit’ vom globalen Bankkartell und den internationalen Geldverleihorganisationen von Rothschild das ‘größte Geschenk’ sei, das er zukünftigen Generationen machen könne.“

Am 8. Mai 2018 hat Putin tatsächlich in einer Rede über den „Ausstieg aus dem Dollar“ gesprochen. Wir haben auf der Webseite des russischen Präsidenten das schriftliche Transkript in russischer Sprache gefunden und übersetzt. Dafür haben wir den Online-Übersetzer DeepL genutzt.

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!
Unser Ziel ist eine aufgeklärte Gesellschaft. Denn nur gut informierte Bürgerinnen und Bürger können auf demokratischem Weg Probleme lösen und Verbesserungen herbeiführen. Jetzt spenden!

Putin hat in seiner Rede zwar das „Monopol des Dollars“ kritisiert. Er hat aber nicht die „vollständige Unabhängigkeit“ Russlands vom Dollar erklärt. Wir haben außerdem das gesamte Transkript überprüft, die Familie Rothschild wird darin nicht erwähnt. 

Putin sagte in seiner Rede: „Illegale“ Sanktionen würden dazu beitragen, dass „die ganze Welt sieht, dass das Monopol des Dollars unzuverlässig ist, dass es für viele gefährlich ist und dass es nicht nur um uns geht.“ In einer Tabelle haben wir die Zitate, die im Sari Blog verwendet werden, und einige Sätze aus der Rede von Putin gegenübergestellt. Sinngemäß stimmen sie überein. 

Die Tabelle zeigt links zwei Absätze aus dem Sari Blog und rechts die Originalzitate von Putin, übersetzt mit dem Online-Übersetzer DeepL.
Die Tabelle zeigt links zwei Absätze aus dem Sari Blog und rechts die Originalzitate von Putin, übersetzt mit dem Online-Übersetzer DeepL. (Quelle: Sari Blog, Rede von Putin / Tabelle: CORRECTIV)

Staatsreserven wurden diversifiziert, aber von einem Ausstieg aus dem Dollar kann nicht die Rede sein 

In seiner Rede 2018 kündigte Putin an, dass Russland seine Staatsreserven [Anm. d. Red. Devisen- und Goldvermögen des Staates] stärker auf unterschiedliche Währungen verteilen wolle. Mit anderen Worten: die Zentralbanken halten Werte vor, mit denen sie – unabhängig vom Wert der heimischen Währung – international agieren können. 

Eine Statistik des Devisen- und Goldvermögens der Zentralbank der Russischen Föderation (Bank of Russia) nach Währung zeigt, dass der Anteil des US-Dollars in den Staatsreserven von 43,7 Prozent 2018 auf 23,6 Prozent im Jahr 2019 gefallen ist (Seite 7). 

Grafik vom März 2019: Vorhandenes Devisen- und Goldvermögen der Bank von Russland nach Währung laut eines Berichts der Bank of Russia.
Grafik vom März 2019: Vorhandenes Devisen- und Goldvermögen der Bank von Russland nach Währung laut eines Berichts der Bank of Russia. (Quelle: Bank of Russia, Foreign Exchange and Gold Asset Management Report / Screenshot: CORRECTIV)

Verzichten kann Russland auf den Dollar aber vorerst nicht, wie Putin selbst in seiner Rede 2018 andeutete: „Wir müssen das Niveau unserer wirtschaftlichen Souveränität erhöhen. Aber das sind mehrdimensionale Entscheidungen, da beispielsweise Öl an der Börse in Dollar gehandelt wird, und natürlich denken wir darüber nach, was wir tun müssen, um uns von dieser Last zu befreien.“ 

Auch was den Handel mit anderen Ländern betrifft, ist Russland nach wie vor auf den US-Dollar als Währung angewiesen. Daten der Bank of Russia zeigen, dass die Einnahmen des Landes durch Exporte im Außenhandel im ersten Quartal 2020 zu mehr als 60 Prozent aus US-Dollar bestanden (Stand: 24. Juli 2020). (Hinweis: Diese Zahl stammt von der Webseite der Bank of Russia aus der Tabelle „Currency Composition of Settlements for Goods and Services“ im Abschnitt „External Trade in Goods“.)

Russlands Einnahmen durch Außenhandel mit anderen Ländern nach Währung: Die Grafik zeigt die Entwicklung vom ersten Quartal 2013 bis zum ersten Quartal 2020.
Russlands Einnahmen durch Außenhandel mit anderen Ländern nach Währung: Die Grafik zeigt die Entwicklung vom ersten Quartal 2013 bis zum ersten Quartal 2020. (Quelle: Bank of Russia, Tabelle „Currency Composition of Settlements for Goods and Services“ / Diagramm: CORRECTIV)

Zwischenfazit: Wladimir Putin hat nicht, wie bei Sari Blog behauptet, die vollständige Unabhängigkeit vom Dollar erklärt. Daten der Bank of Russia zeigen, dass Russland den Anteil der US-Währung zwar beispielsweise im Außenhandel reduzieren konnte. Dennoch spielt der Dollar für Russland weiterhin eine bedeutende Rolle. 

2. Behauptung: Putin habe die Rothschilds aus Russland vertrieben

Putin habe die Familie „durch die Hintertür Russlands hinausgeworfen“, wird im Artikel von Sari Blog behauptet. Dazu ist ein anderer Text des Autors Dmitry aus dem Jahr 2016 verlinkt. Bereits damals schrieb er, Putin hätte die Rothschilds aus Russland verbannt und geschworen, die „Neue Weltordnung“ zu zerstören. Dabei bezog er sich auf eine anonyme „Quelle aus dem Kreml“.

Dass Putin die Rothschilds „hinausgeworfen“ habe, ist nicht korrekt. Die börsennotierte Finanzholding Rothschild & Co. hat laut eigenen Angaben nach wie vor einen Sitz in Moskau und ist dort geschäftlich tätig. 

Zudem gibt es für die Behauptung, dass die Familie den US-Dollar „kontrolliert“, keine Belege. Der Dollar wird von der Zentralbank der Vereinigten Staaten überwacht. Die Entscheidungen beim Internationalen Währungsfonds und der Weltbank, die angeblich ebenfalls unter Kontrolle der Rothschilds stünden, werden von den jeweiligen Mitgliedsländern getroffen.

In Verschwörungsmythen wird häufig über eine geheime Machtelite spekuliert, die eine neue Weltordnung plane oder die Weltherrschaft ergreifen wolle. So ist es auch in dem Artikel von Sari Blog. Er nährt die antisemitische Vorstellung, dass eine jüdische Elite das weltweite Finanzwesen kontrolliere. Solche Verschwörungsmythen waren laut der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit bereits ein wesentlicher Bestandteil der Rassenpolitik der Nationalsozialisten. Diese hatte den Tod von Millionen Menschen zur Folge.

Fazit

Putin hat im Mai 2018 angekündigt, dass die russische Wirtschaft unabhängiger vom US-Dollar werden solle. Doch die vollständige Unabhängigkeit des Landes vom Dollar hat er nicht erklärt; die Währung spielt aktuell immer noch eine wichtige Rolle für die russische Wirtschaft. Die Behauptung, dass Russland sich vom Dollar befreit habe, ist folglich falsch. 

Darüber hinaus sind die weiteren Behauptungen im Blog falsch oder unbelegt. Die Firma der Familie Rothschild wurde nicht aus Russland vertrieben, sondern ist dort immer noch tätig. Dass „internationale Bankenorganisationen“ von der „Rothschild-Bankenfamilie privat kontrolliert werden“, ist ein Verschwörungsmythos, für den es keine Beweise gibt.

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Es stimmt nicht, dass Putin die Rothschilds aus Russland vertrieben hat. Er forderte mehr Unabhängigkeit vom US-Dollar, es gab aber keinen kompletten Ausstieg.