Wie die Corona-Leugner
ein Netzwerk in
Europa aufbauten

Wie die Corona-Leugner
ein Netzwerk in
Europa aufbauten

Sie reisen durch Europa, organisieren Demonstrationen, veranstalten auf Youtube Konferenzen und schließen sich zu Allianzen zusammen – seit Beginn der Pandemie versuchen einige schillernde Persönlichkeiten der Corona-Leugner-Szene aus Europa ein internationales Netzwerk aufzubauen, das eine verloren geglaubte Freiheit wieder erkämpfen will. Doch wie gut vernetzt sind sie wirklich? Wir zeichnen gemeinsam mit der spanischen Faktencheck-Redaktion Maldita die Internationalisierung des Netzwerks seit Pandemie-Beginn nach.

Ein modernes Restaurant mitten in Stockholm ist an einem Novemberabend in warmes Licht getaucht. Menschen fallen sich zur Begrüßung in die Arme. Die Stimmung wirkt gelöst, man steckt am Tisch die Köpfe zusammen, singt und lacht. Mittendrin sitzt der deutsche Arzt Heiko Schöning. Die Menschen, mit denen er sich angeregt unterhält, denken wie er. Sie glauben, dass es die Corona-Pandemie nicht gibt. 

Das hochwertige Video dieses Treffens in Schweden am 1. November 2020 dokumentiert die Gründung einer internationalen Organisation – der World Freedom Alliance. Sie inszeniert sich als herzliche, freiheitliche Gegenbewegung zur gefühllosen, unterdrückenden Corona-Politik.

heiko schoening bei der gründung der world freedom alliance

Heiko Schöning bei der Gründung der World Freedom Alliance im November 2020 in Stockholm (Quelle: Odysee / Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

„Die World Freedom Alliance ist der Trichter für den Widerstand gegen den Covid-19-Betrug“, sagt Heiko Schöning bei einer ihrer Konferenzen in Basel einen Monat später. Er sei selbst Arzt, und Ärzte weltweit würden bestätigen, dass es kein tödliches Virus gebe. Natürlich höre man davon nichts in den Massenmedien, denn es gebe jede Menge Zensur. 

CORRECTIV.Faktencheck hat in einer monatelangen Recherche gemeinsam mit der spanischen Faktencheck-Organisation Maldita dokumentiert, wie sich die Corona-Leugner um Heiko Schöning seit Frühjahr 2020 international vernetzt haben, wo sie sich trafen und wer sie sind. Es zeigt sich: Hinter harmlos klingenden Leitsprüchen wie „We don’t want this new normal, we want a better normal“ steckt ein umfassendes Verschwörungsweltbild.

Seit dem Frühjahr 2020 vernetzen sich die Corona-Leugner international 

 

Es beginnt im April 2020 mit der Gründung der Initiative Ärzte für Aufklärung, einer Gruppe von vier Männern, darunter Heiko Schöning. Sie vertreten alternativmedizinische Heilmethoden, machen mit fragwürdigen Attesten gegen die Maskenpflicht von sich reden und schüren immer wieder mit falschen Behauptungen Ängste vor Impfungen – lange bevor es einen Impfstoff gegen das Coronavirus gibt. Die Vier stehen auch im Impressum des „Außerparlamentarischen Corona-Untersuchungsausschuss“ (ACU), den Schöning im Juli 2020 gründet. Dort führt er das Wort und diskutiert mit internationalen Gästen stundenlang über die Pandemie. Ein Mitglied und Sprecher der ersten Stunde ist der umstrittene HNO-Arzt Bodo Schiffmann.

In den folgenden Monaten tauchen weltweit immer mehr Initiativen auf, die das Konzept der Ärzte für Aufklärung übernehmen. Es folgen Treffen in Spanien, Ungarn, Schweden. Die Gruppen organisieren Versammlungen und Demonstrationen in vielen europäischen Städten. 

Die Beteiligten betonen bei allen Auftritten, eine große, weltweite Vereinigung zu sein. Doch sieht man genauer hin, reduzieren sich die Hauptprotagonistinnen und -protagonisten auf eine Handvoll Menschen. Sie inszenieren sich gekonnt im Internet und erreichen damit teilweise eine große Öffentlichkeit.

Die Akteure haben sich seit Beginn der Pandemie zunehmend vernetzt, wie unsere Recherche zeigt. Gemeinsam mit der spanischen Faktencheck-Redaktion von Maldita analysierten wir Telegram- und Video-Kanäle bis Februar 2022. Wir fanden mehr als 30 Veranstaltungen seit April 2020, auf denen sich Corona-Leugner wie Heiko Schöning, die Professorin Dolores Cahill oder die spanische Ärztin Natalia Prego austauschten. 

Die folgende Weltkarte zeigt, in welchen europäischen Städten diese Veranstaltungen stattfanden. Die Zahl in Klammern hinter der jeweiligen Stadt zeigt, wie häufig sich dort Corona-Leugner trafen. Diese Angaben sind nicht vollständig, doch sie geben einen Einblick, wie weit das Netzwerk inzwischen reicht. In der Tabelle unter der Karte werden diese Zusammenkünfte und die Organisationen, die dahinter steckten, detailliert aufgelistet – und sie zeigt auch, welche zentralen Akteure aus der Corona-Leugner-Szene dabei waren.

Heiko Schöning – ein Arzt auf Abwegen 

 

Eine entscheidende Rolle spielt dabei Heiko Schöning. Von Beginn der Pandemie an verharmloste er sie, betonte stets, Arzt zu sein, und wird bei öffentlichen Auftritten als Arzt aus Hamburg vorgestellt. Allerdings ist er nicht unbedingt das, was man sich unter einem gewöhnlichen Arzt vorstellt. 

Bei der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg ist Schöning nicht gelistet, von der Ärztekammer Hamburg bekamen wir keine Auskunft. Im Netz stößt man allerdings auch auf Hinweise, dass Schöning in Berlin Medizin studiert habe. Tatsächlich erhielt er 2004 in Berlin die Approbation als Arzt, wie uns eine Sprecherin des Landesamts für Gesundheit und Soziales Berlin per E-Mail mitteilte. Seit damals sei er dort „nicht wieder in Erscheinung getreten“. „Ich gehe auch davon aus, dass er nicht in Berlin als Arzt tätig ist bzw. tätig war“, schrieb uns die Sprecherin. Auch die Ärztekammer Berlin bestätigte, dass Schöning dort kein Mitglied sei und laut der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin ist er nicht im Arztregister eingetragen. 

Wir fanden keine Belege, dass er je als Arzt praktiziert hat. Wir haben Heiko Schöning mit unseren Recherche-Ergebnissen konfrontiert und ihn um Stellungnahme gebeten. Eine Antwort erhielten wir allerdings nicht.

Faktenchecks per Mail

Einmal wöchentlich senden wir Ihnen eine Auswahl aktueller Faktenchecks und Hintergrundberichte per E-Mail.

Fest steht, dass er in den vergangenen zwei Jahrzehnten immer wieder als Unternehmer im medizinischen Bereich in Erscheinung getreten ist, zum Beispiel als Gründer des Gesundheitsdienstleisters „Onkocom“. Die Firma gründete der damals 32-Jährige laut der Zeit im Jahr 2000 mit einem Arzt der Charité. Laut einem Medienbericht ging das Unternehmen 2003 pleite. 2012 gründete Schöning ein neues Unternehmen, die Medcooling GmbH, im thüringischen Apolda. 2015 stellte er bei der TV-Sendung „Höhle der Löwen“ das Produkt der Firma vor: eine gekühlte Halskrause namens Carocooler, die Kranke im Falle eines Herzstillstands retten soll. In einem Artikel des Ärzteblatts von 2014 steht, Schöning habe zehn Aida-Schiffe damit ausgestattet. Doch inzwischen scheint sich auch diese Geschäftsidee Schönings aufgelöst zu haben: Den Carocooler gibt es aktuell in verschiedenen Onlineshops nicht mehr zu kaufen. Die Firma Medcooling meldete laut Handelsregister 2018 Insolvenz an.

Schönings Verschwörungsglaube entstand schon lange vor der Pandemie. Nach eigenen Aussagen organisierte Schöning 2017 und 2016 das laut Medienberichten rechts-esoterische Festival „Pax Terra Musica“ mit.

Inzwischen konzentriert sich Heiko Schöning auf den Aufbau eines internationalen Netzwerks

 

Im Sommer 2020 baut Schöning eine Verbindung nach Spanien auf. Dort wird er inzwischen von manchen wie ein Popstar gefeiert, er schickt dorthin zum Beispiel Video-Grußworte für Demonstrationen. Am 25. Juli 2020 nimmt Schöning an der Pressekonferenz einer neuen Partnerorganisation teil, deren Name sehr ähnlich klingt wie die Ärzte für Aufklärung: Médicos por la Verdad, „Ärzte für Wahrheit“. Nur wenige Tage später besucht ihn die Vorsitzende dieser Gruppe, Natalia Prego Cancelo, in Berlin. Unseren Recherchen zufolge trafen sie sich in den vergangenen zwei Jahren mindestens sechs Mal.

Prego ist eine Hausärztin aus der Region Galicien, die die Pandemie ebenfalls schon im März 2020 verharmlost hat. Wegen der Verbreitung falscher Informationen wurde sie von der Privatklinik, in der sie arbeitete, entlassen. Sie besucht in Berlin zwei internationale ACU-Anhörungen mit Heiko Schöning am 31. Juli und 1. August 2020 – und bei der Gelegenheit nimmt sie auch an der großen Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen am selben Tag teil.

Die Ärztin Natalia Prego und Heiko Schöning (rechts) stehen neben dem spanischen Mediziner Oscar Botta in Barcelona (Quelle: Telegram; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Bei diesem Treffen in Berlin ist auch József Támasi, ein Alternativmediziner aus Ungarn dabei. Auch diese Verbindung wird schnell vertieft: Am 21. August 2020 findet in Budapest eine „Wissenschaftskonferenz“ statt, organisiert von einer ungarischen Organisation namens Orvosok a Tisztánlátásért – übersetzt in etwa: „Ärzte für Klarheit“. 

An der Konferenz nehmen neben Heiko Schöning auch der umstrittene Mikrobiologe Sucharit Bhakdi teil, zudem Walter Weber und Olav Müller-Liebenau von den Ärzten für Aufklärung. Bodo Schiffmann ist per Video zugeschaltet. Schiffmann bedankt sich im Gespräch mit József Támasi für die Einladung nach Budapest und schwärmt: „Das ist ja das Schöne an dieser Erkrankung, an Corona, dass ich wahnsinnig viele tolle Menschen kennengelernt habe und Leute, mit denen ich sonst in meinem Leben nie gesprochen hätte.“ 

Ihre Verbindungen beschränken sich nicht auf gemeinsame Auftritte. Sie teilen auch dieselbe Desinformation. Die Ärzte für Aufklärung um Schöning verbreiteten im August 2020 die Falschmeldung, dass PCR-Tests in 85 Prozent der Fälle ein falsch positives Ergebnis anzeigten. Zeitgleich verbreitete Natalia Prego dieselbe Behauptung.

Die Corona-Leugner-Szene vernetzt sich auf Demonstrationen

 

Konferenzen, Demonstrationen und „Untersuchungsausschüsse“ – dort vernetzen sich die einzelnen Akteure. Die folgende Grafik zeigt zum Beispiel, wann und wo sich die Wege des Arztes Heiko Schöning, der spanischen Ärztin Natalia Prego und des deutschen Anwalts Markus Haintz kreuzten:

Eine starke Verbindung hat Heiko Schöning auch zu dem Rechtsanwalt Markus Haintz. Dieser reist von Demonstration zu Demonstration und ist an vielen Initiativen lose beteiligt, darunter Querdenken 711, Anwälte für Aufklärung, kurzzeitig war er auch Mitglied der Querdenker-Partei Die Basis. Im September 2021 hat Haintz ein Interview mit dem brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro geführt.

Markus Haintz (links) im Juli 2021 neben Heiko Schöning (Mitte) und dem Blogger Nana Domena (rechts) auf Mallorca (Quelle: Telegram / Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Schöning und Haintz sind beide anwesend, als Robert Kennedy jr. Ende August 2020 nach Berlin kam. Kennedy war schon lange vor der Corona-Pandemie Impfgegner – er und seine Organisation Children’s Health Defense erreichen Hunderttausende in Sozialen Netzwerken. Er nutzt seinen Besuch in Deutschland, um einen europäischen Ableger seiner US-Organisation zu gründen: Children’s Health Defense Europe. Es sei an der Zeit, international tätig zu werden, erklärt Kennedy, denn man habe erkannt, dass die Pharmaindustrie die Regierungen aller Länder der Welt kontrolliere. Leiterin der Organisation ist die Belgierin Senta Depuydt, eine Anti-Impf-Aktivistin, die später auch bei Konferenzen der World Freedom Alliance dabei ist. Laut Kennedy kennen sich die beiden schon seit 2018.

Wie Schöning und Haintz glaubt auch Robert Kennedy jr. an eine große Verschwörung von Eliten

 

Bei der zweiten großen Corona-Demonstration in Berlin am 29. August 2020 hält Kennedy eine Rede. Darin wird klar, was ihn mit Schöning verbindet: Auch Kennedy glaubt an eine große Verschwörung von Eliten, die die Welt umgestalten und Menschen ihrer Rechte berauben. Die Proteste an diesem Tag in der Hauptstadt sind die bis dahin größten während der Pandemie. Bundesweit sorgen Bilder von Demonstrierenden, die die Treppen des Reichstagsgebäudes stürmen, für Empörung.

In diesen Organisationen
vernetzen sich Corona-Leugner

Ärzte für Aufklärung

Gründung im April 2020

Die Ärzte für Aufklärung sind eine Gruppe von vier Ärzten aus Deutschland, die sich nach eigenen Angaben im April 2020 zusammengefunden haben: Heiko Schöning, Walter Weber, Marc Fiddike und Olav Müller-Liebenau. Walter Weber ist nach eigenen Angaben auf dem Gebiet der Psychosomatik und Krebstherapie tätig und vertritt eine Theorie, nach der Gesundheit vor allem von der „Harmonie von Körper und Seele“ abhängt. Marc Fiddike ist nach eigenen Angaben Hausarzt und Homöopath, und auch Olav Müller-Liebenau ist laut Einträgen in Ärzte-Datenbanken praktischer Arzt, spezialisiert auf Naturheilverfahren. Im Sommer 2020 verbreiteten sich Videos und Behauptungen der Ärzte für Aufklärung teilweise viral im Netz, in letzter Zeit war es aber still um diese Gruppe.

Außerparlamentarischer Corona-Untersuchungsausschuss

Videokonferenzen, verwaltet von den Ärzten für Aufklärung

Der ACU wird laut Impressum von Ärzten verwaltet, Sprecher wurden im Juli 2020 zunächst Heiko Schöning, der HNO-Arzt Bodo Schiffmann und der österreichische Infektiologe Martin Haditsch. De facto tritt in den Videos des ACU aber vor allem Heiko Schöning auf. Er moderiert dort seit Juli 2020 „Anhörungen“ von Gästen aus aller Welt und treibt die internationale Vernetzung der Szene voran.

World Doctors Alliance (WDA)

Gründung im Oktober 2020 in Berlin

Die World Doctors Alliance wurde bei einem internationalen Treffen des ACU am 10. Oktober 2020 in Berlin gegründet. Vorsitzender ist laut der Webseite Mohammad Adil, ein Chirurg, gegen den in Großbritannien laut einem Medienbericht ein Verfahren eingeleitet wurde, weil er Covid-19 als Schwindel bezeichnet hatte. Mitglieder der WDA sind unter anderem Heiko Schöning, der ehemalige AfD-Landtagsabgeordnete aus Baden-Württemberg Heinrich Fiechtner, Dolores Cahill (Wissenschaftlerin aus Irland), Elke de Klerk (Allgemeinärztin aus den Niederlanden), Mikael Nordfors (Arzt aus Schweden), Zac Cox (Homöopath und Zahnchirurg aus Großbritannien) und Scott Jensen (Arzt und republikanischer Politiker aus den USA).

World Freedom Alliance (WFA)

Gründung im November 2020, Überschneidungen mit der World Doctors Alliance

Die World Freedom Alliance wurde laut der ACU-Webseite offiziell am 1. November 2020 gegründet. Direkt zuvor, am 31. Oktober 2020, hatte ein internationales Treffen in Stockholm stattgefunden. Die World Freedom Alliance und World Doctors Alliance bestehen teilweise aus denselben Personen. Präsidentin der WFA ist Dolores Cahill, eine Wissenschaftlerin aus Irland. Heiko Schöning ist Vizepräsident. Die Schwedin Maneka Helleberg ist Vorsitzende, der Däne Mads Palsvig der Schatzmeister. Die World Freedom Alliance richtete mehrere größere Treffen aus, zum Beispiel in Kopenhagen im November 2020 und in Budapest im August 2021.

Stiftung Corona-Ausschuss

Gründung im Juli 2020

Der sogenannte Corona-Ausschuss hält wöchentliche „Sitzungen“ ab, die online übertragen werden – in den einfach produzierten Videos sprechen internationale Corona-Kritiker mehrere Stunden miteinander und verbreiten dabei häufig absurde Falschmeldungen. Die Videos erscheinen auch auf Englisch. Gründer und Moderatoren sind unter anderem die Anwälte Reiner Fuellmich und Viviane Fischer, ein häufiger Gast ist Wolfgang Wodarg. Inzwischen hat Youtube die meisten Videos des Ausschusses entfernt, weil sie gegen die Fehlinformationsrichtlinie verstoßen. Auf anderen Plattformen sind sie aber weiterhin zu sehen und erreichen teilweise sechsstellige Klickzahlen.

Ende 2020 gründen Pandemie-Leugner aus Deutschland, Irland, Schweden und Dänemark die World Freedom Alliance

 

Wenige Monate später, Ende Oktober und Anfang November 2020, sitzen Heiko Schöning und seine neuen Freunde in schicken Restaurants in Stockholm und gründen dort die World Freedom Alliance. Die WFA wird zu einer Dachorganisation, die die losen Enden der kleinen Protestbewegungen der verschiedenen Länder vereint. Präsidentin ist zum Beispiel die Wissenschaftlerin Dolores Cahill aus Irland. In Deutschland wurde sie durch ihre unbelegten Behauptungen bekannt, Impfungen gegen Covid-19 verursachten eine gefährliche Immunreaktion, sogenannte „Zytokinstürme“. Weitere prominente Mitglieder sind die ehemalige Lehrerin Maneka Helleberg aus Schweden und der ehemalige Investmentbanker und Politiker Mads Palsvig aus Dänemark. 

Palsvig nimmt kein Blatt vor den Mund: Beim zweiten Treffen der WFA in Kopenhagen am 21. November 2020 sagt er, seine 2016 gegründete Partei JFK21 arbeite nun mit der World Freedom Alliance zusammen, um politische Bewegungen zu motivieren und zu vereinen. „Aber wir haben auch einen Plan, wie wir die Politiker loswerden, die Kriege starten, links, rechts und in der Mitte, die unser Essen vergiften, unsere Luft, unser Wasser, unsere Medizin und sicherlich auch unsere Impfstoffe.“ 

Bei einem weiteren Treffen der WFA in Basel Mitte Dezember 2020 sagt Palsvig: „Dies ist der Dritte Weltkrieg, und wir werden ihn gewinnen.“

V.l.n.r: Mads Palsvid, Astrid aus Deutschland, Maneka Helleberg, Heiko Schöning, Senta Depuydt, Margareta Griesz-Brisson (Quelle: Bitchute; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Die World Freedom Alliance bittet auf ihrer Webseite um Spenden, wer sie finanziert ist jedoch unklar. Fest steht: Ihre Treffen in gemieteten Räumen kosten Geld. Das Restaurant Pelikan in Stockholm zum Beispiel, in dem die WFA ihre Diskussionsrunde abhielt, berechnete ihnen 3.800 Euro, wie uns Inhaber Juha Harmaala sagte. 

Um was es seinen Gästen bei ihrer Tagung ging, wusste Harmaala nach eigener Aussage nicht. Schnell sei aber klar geworden, dass es sich um „eigenartige“ Menschen handele. Die Rechnung sei erst spät beglichen worden. Er vermute, die Veranstalter hätten das Geld zusammenkratzen müssen und aus eigener Tasche gezahlt.

Diese Personen sind Teil des
internationalen Corona-Netzwerks

Heiko Schöning

Heiko Schöning

Unternehmer, Mitgründer der Ärzte für Aufklärung, Vizepräsident der World Freedom Alliance

Der Arzt Heiko Schöning verbreitet bereits seit Frühjahr 2020 falsche und irreführende Behauptungen über die Pandemie. Er ist Mitgründer der Ärzte für Aufklärung und vom „Außerparlamentarischen Corona-Untersuchungsausschuss“ (ACU). Schöning tritt immer wieder auf Veranstaltungen außerhalb Deutschlands in Erscheinung und inszeniert sich als treibende Kraft hinter der internationalen Vernetzung der Corona-Gegner. Er ist Vizepräsident der „World Freedom Alliance“ und Mitglied der World Doctors Alliance, und taucht dort regelmäßig in Videos auf. Im November 2021 veröffentlichte Schöning zudem ein Buch, in dem er die Pandemie als geplante Verschwörung der Eliten darstellt und von einem „vorgeplanten Verbrechen“ und einer „weltweiten Mafia“ schreibt.

Faktenchecks von CORRECTIV:

Markus Haintz

Markus Haintz

Rechtsanwalt, Mitgründer der Anwälte für Aufklärung und ehemaliges Partei-Mitglied der Basis

Der Rechtsanwalt Markus Haintz ist Gründungsmitglied der Anwälte für Aufklärung. In Ulm gehörte er zur vom Verfassungsschutz beobachteten Querdenken-Bewegung. Er ist der Mann vor Ort und tritt bei Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen in unterschiedlichen Rollen auf – mal als Anwalt oder Journalist, mal als Organisator oder Sprecher. Immer wieder kommt er in Konflikt mit der Polizei und wurde mehrmals bei Demonstrationen festgenommen. Mittlerweile ist Haintz’ Blick internationaler geworden, seit Frühjahr 2021 teilt er auf seinem Telegram-Kanal häufig Texte oder Beiträge aus anderen Ländern. Er reist zu Corona-Protesten in Spanien und Belgien und spricht mit Impfkritikern weltweit. 

Faktenchecks von CORRECTIV:

Reiner Fuellmich

Reiner Fuellmich

Rechtsanwalt, Mitgründer der Anwälte für Aufklärung und Mitgründer der Stiftung Corona-Ausschuss

Der Rechtsanwalt Reiner Fuellmich hält sich laut eigener Angabe schon seit Schulzeiten immer wieder in den USA auf. Er ist auch im US-Bundesstaat Kalifornien als Rechtsanwalt zugelassen. Nach Beginn der Pandemie gründete er unter anderem mit Markus Haintz die Anwälte für Aufklärung, ist dort aber nicht mehr aktiv. Inzwischen wirbt er für Sammelklagen, die er vor Gerichten in den USA und Kanada gegen die Corona-Maßnahmen oder beispielsweise den Virologen Christian Drosten anstrengen will – bisher ohne relevante Ergebnisse. Zudem moderiert Fuellmich die Sitzungen der Stiftung Corona-Ausschuss, wo er vermeintliche Experten wie Robert F. Kennedy jr. oder seinen Kollegen Markus Haintz interviewt. Die Sitzungen werden auf Englisch übersetzt und erreichen dadurch ein internationales Publikum.

Faktenchecks von CORRECTIV:

Faktenchecks von Maldita (Spanisch):

Sucharit Bhakdi

Sucharit Bhakdi

Ehemaliger Leiter des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Universitätsmedizin Mainz

Der ehemalige Leiter des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Universitätsmedizin Mainz spielt seit Beginn der Pandemie die Gefahr des Coronavirus’ runter. Im Mai 2020 war er an der Gründung des Vereins Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie (MWGFD e.V) beteiligt, der Kontakte für dubiose Maskenatteste vermittelte und als Vernetzungsplattform für Corona-Gegner diente. Bei der Bundestagswahl 2021 kandidierte er für die Corona-kritische Partei Die Basis. Im Juli 2021 geriet er wegen antisemitischer Aussagen in Kritik; ein Verfahren wegen Volksverhetzung wurde im November 2021 wieder aufgenommen.

Faktenchecks von CORRECTIV:

Dolores Cahill

Dolores Cahill

Ehemalige Vorsitzende der rechtsgerichteten Partei Irish Freedom Party, heute Präsidentin der World Freedom Alliance

Cahill ist ehemalige Vorsitzende der rechtsgerichteten, euroskeptischen Partei Irish Freedom Party und ehemalige Professorin am University College Dublin. In Deutschland wurde sie durch ihre unbelegten Behauptungen bekannt, Impfungen gegen Covid-19 verursachten eine gefährliche Immunreaktion, sogenannte „Zytokinstürme“. In Irland nahm sie im August 2020 an Gelbwesten-Protesten teil, die durch Querdenken und „Honk For Hope“ unterstützt wurden. An der „Trafalgar Square Freedom Rally“ im September 2020 nahm sie ebenfalls teil, damals noch als Vorsitzende der Irish Freedom Party. Nach der Demo wurde gegen Cahill ein Gerichtsverfahren eröffnet. Cahill ist Mitglied der World Doctors Alliance und Präsidentin der World Freedom Alliance.

Faktenchecks von CORRECTIV:

Robert Kennedy jr.

Robert Kennedy jr.

Rechtsanwalt und Impfgegner aus den USA und Gründer der Children’s Health Defense

Der Rechtsanwalt Robert Kennedy jr. ist ein bekannter Impfgegner und der Neffe des ehemaligen US-Präsidenten John F. Kennedy. 2016 gründete er die impfkritische Organisation Children’s Health Defense. Während der Pandemie begann Kennedy, gegen Covid-19-Impfungen Stimmung zu machen. Er trat bei einer Großdemonstration gegen die Corona-Maßnahmen in Berlin auf, vernetzte sich mit Heiko Schöning und Markus Haintz und gründete einen europäischen Ableger seiner US-Organisation: Children’s Health Defense Europe. Längst spricht er nicht mehr nur von Impfungen, sondern von einer Weltverschwörung der Pharmaindustrie, die Regierungen weltweit kontrolliere.

Faktenchecks von CORRECTIV: 

Faktenchecks von Maldita (Spanisch):

Senta Depuydt

Senta Depuydt

Journalistin und Impfgegnerin aus Belgien, leitet die Children’s Health Defense Europe

Senta Depuydt ist ihrer Biografie zufolge eine belgische Journalistin. Ihr Kind hatte nach ihren Angaben eine „autistische Rückentwicklung“. Diese sei zwar geheilt worden, seitdem ist Depuydt dennoch Anti-Impf-Aktivistin und vernetzte sich später mit verschiedenen Impfgegner-Organisationen. Seit dessen Gründung am 28. August 2020 leitet Depuydt den europäischen Ableger der Impfkritik-Organisation von Robert Kennedy jr., Children’s Health Defense Europe. Kennen sollen sich die beiden laut Kennedy allerdings schon seit 2018. Als dessen Vertreterin nimmt sie auch an Veranstaltungen in Deutschland teil, zum Beispiel im Mai 2021 in Hamburg.

Maneka Helleberg

Maneka Helleberg

Ehemalige Lehrerin aus Schweden, heute Vorsitzende der World Freedom Alliance

Maneka Helleberg ist eine ehemalige Lehrerin aus Schweden und aktuell Vorsitzende der World Freedom Alliance und Freedom Sweden („Frihet Sverige“). Im Oktober 2020 nahm Helleberg zuerst an Sitzungen des „Außerparlamentarischen Corona-Untersuchungsausschusses“ von Heiko Schöning in Berlin und kurz danach am Gründungstreffen der World Freedom Alliance in Stockholm teil. Sie ist die Tochter von Mikael Nordfors, der ebenfalls bei diesen Events auftritt und laut Medienberichten aufgrund mehrere Anzeigen 2015 seine Zulassung als Arzt verlor. Laut einer weiteren Recherche aus Schweden war Maneka Helleberg an der Planung eines eigenen Dorfes für Menschen aus der Alternativen-Medizin-Szene beteiligt.

Mads Palsvig

Mads Palsvig

Ehemaliger Investmentbanker aus Dänemark, heute Schatzmeister der World Freedom Alliance

Mads Palsvig ist ein ehemaliger Investmentbanker aus Dänemark. Er fiel schon vor der Pandemie mit Verschwörungsmythen über böse Eliten, die die Welt kontrollieren und von Satanisten und Pädophilen durchsetzt seien, auf. Im Oktober 2020 nahm Palsvig an Sitzungen des „Außerparlamentarischen Corona-Untersuchungsausschusses“ von Heiko Schöning in Berlin teil. Kurz danach war er beim Gründungstreffen der World Freedom Alliance in Stockholm mit dabei. Seitdem ist er dort Mitglied des Vorstands und Schatzmeister. Bei einem Treffen in Basel im Dezember 2020 sagte Palsvig in Bezug auf die Politik während der Corona-Pandemie: „Dies ist der Dritte Weltkrieg, und wir werden ihn gewinnen.“

Natalia Prego

Natalia Prego

Ärztin aus Spanien, Gründerin der Médicos por la Verdad

Natalia Prego ist Ärztin und Gründerin von Médicos por la Verdad („Ärzte für Wahrheit“) in Spanien. Seit März 2020 verbreitet sie Falschmeldungen zu der Wirksamkeit und Sicherheit der Covid-19-Impfstoffe, dadurch angebliche ausgelöste Unfruchtbarkeit und genetische Manipulationen. Wegen der Verbreitung falscher Informationen wurde sie von der Klinik, in der sie arbeitete, entlassen. Seither vernetzt sie sich international, und trat auf bei Veranstaltungen gegen die Covid-19-Maßnahmen in den Niederlanden, Polen und Italien. Ihre Verbindung zu Heiko Schöning ist eng: Prego lädt ihn zu Konferenzen in Spanien ein und auch sie ist bei internationalen Sitzungen des „Außerparlamentarischen Corona-Untersuchungsausschusses“ in Berlin dabei. 

Faktenchecks von Maldita (Spanisch):

Die Pandemie wird für viele zum Katalysator, sich selbst und die eigenen Botschaften in die Welt zu tragen

 

Die Allianz verfestigt sich Stück für Stück. Heiko Schöning feiert mit einigen Mitgliedern, darunter Cahill und Helleberg, Silvester 2020/21 in Berlin. Im folgenden Jahr jettet er durch Europa – im April 2021 ist er in den Niederlanden, im Juni in Barcelona. Bei einer Veranstaltung im spanischen Sitges, die von einer unbedeutenden Organisation mit dem Namen World Freedom Forum ausgerichtet wurde, trat Schöning neben Wolfgang Wodarg, Natalia Prego und Dolores Cahill auf. 

Zwei andere Deutsche dort waren Reiner Fuellmich und Andreas Kalcker. Fuellmich ist Rechtsanwalt, leitet den sogenannten Corona-Ausschuss der internationalen Corona-Leugnern bei der Verbreitung ihrer Falschaussagen hilft – unter anderem mit Videos auf Englisch. Auch kandidierte er für die Corona-kritische Partei Die Basis für den Bundestag und hatte versucht, einen Internationalen Gerichtshof zu starten.

Kalcker ist Autor, lebt in der Schweiz und preist das Bleichmittel Chlordioxid seit Jahren weltweit als angebliches Heilmittel für verschiedene Leiden wie Alzheimer, HIV, Krebs und Covid-19 an.

Einige der Gesichter, mit denen das World Freedom Forum für seine Veranstaltung in Sitges warb (Quelle: World Freedom Forum, Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Im Juli 2021 ist Schöning mit dem Anwalt Markus Haintz auf Mallorca, wo ihre Protestaktion an einem Flughafen zu einer Begegnung mit der Polizei führte. Im August organisiert die WFA ihr großes Jahrestreffen wieder bei den ungarischen „Ärzten für Klarheit“ in Budapest – immer wieder mit denselben Personen. Diesmal unter anderem mit Natalia Prego aus Spanien, Robert Kennedy jr., Markus Haintz und Sucharit Bhakdi. Auch im Jahr 2022 ist Schöning noch aktiv, zum Beispiel reist er mit Dolores Cahill und Maneka Helleberg am 22. Januar zu einer Anti-Impfpass-Demonstration in Stockholm. 

In Deutschland dagegen ist es schon seit mehr als einem Jahr still um die Ärzte für Aufklärung geworden. Heiko Schöning wird auf ihrer Webseite nicht mehr genannt. Seit einigen Monaten tritt er nicht mehr als Vertreter der Gruppierung in Erscheinung, er konzentriert sich anscheinend auf das internationale Netzwerk. Er ist Vizepräsident der World Freedom Alliance, Mitglied der World Doctors Alliance und taucht regelmäßig in deren Videos auf. Heiko Schöning ist in Deutschland jedoch kein Popstar; sein Telegram-Kanal, den er erst im Mai 2021 gestartet hat, erreicht im Vergleich zu vielen anderen Corona-Gegnern eine eher kleine Leserschaft. Und dennoch ist er aus internationaler Sicht eine zentrale Figur.

Im November 2021 veröffentlichte Schöning ein Buch: „Game Over“. Darin beschreibt er die Pandemie als eine geplante Verschwörung der Eliten, schreibt von einem „vorgeplanten Verbrechen“ und einer „weltweiten Mafia“, deren Machenschaften er in seinem Buch nachweise.

Welchen Einfluss die internationale Vernetzung tatsächlich auf die Corona-Proteste in europäischen Ländern hat, ist unklar. Aber wenn sich die Akteure in ihren Telegram-Kanälen aufeinander beziehen, oder sich in Youtube-Videos zusammen zeigen, benutzen sie einander dafür, ihren Narrativen mehr Nachdruck zu geben. 

Wirklich erfolgreich seien sie mit ihrer internationalen Vernetzung alle nicht, sagt Josef Holnburger, Geschäftsführer des Center für Monitoring, Analyse und Strategie (Cemas), im Gespräch mit CORRECTIV: „Markus Haintz‘ Versuche, Akteure in Europa stärker zu vernetzen, waren nicht wirklich erfolgreich. Die Anhänger von Reiner Fuellmich sind gefrustet, weil vieles, was er angekündigt hatte, letztlich doch in der Versenkung verschwunden ist und Heiko Schöning versucht, sich größer darzustellen, als er ist.“ Mit seinen internationalen Auftritten wolle Schöning suggerieren, dass er derjenige sei, der die internationale Szene zusammenhält. Seine Reichweite und die der World Freedom Alliance seien allerdings falls überhaupt nur punktuell erfolgreich. 

Am erfolgreichsten waren sie im Jahr 2021, sagt Holnburger. Vor allem im September als es zum Beispiel große Demonstrationen der World Freedom Alliance gab. „In den letzten Monaten ist das deutlich eingeschlafen“, sagt er. Das liege auch daran, dass es in vielen Ländern eine Rücknahme der Maßnahmen gab und somit auch der Handlungsdruck geringer sei. „Natürlich ist es schwerer, Leute zu motivieren, gegen die Maskenpflicht zu protestieren, wenn es gar keine gibt“, so Holnburger. 

Um es mit Bodo Schiffmanns Worten zu sagen: Durch die Pandemie haben sie wohl vor allem eins: viele neue Freunde gefunden.

Den spanischen Text unserer Kooperationspartner von Maldita finden Sie hier.

Texte und Recherchen: Alice Echtermann, Tania Röttger, Matthias Bau, Sarah Thust, Uschi Jonas, Sophie Timmermann Kooperation mit Maldita: Sergio Sangiao, Rubén Díaz Illustration: Mohamed Anwar Design: Benjamin Schubert Animation: Mustafa Nada

Direkt ins Postfach: Einmal wöchentlich senden wir Ihnen eine Zusammenfassung der interessantesten Faktenchecks.

CORRECTIV.Faktencheck ist eine eigenständige Redaktion des gemeinnützigen Recherchezentrums CORRECTIV. Wir setzen uns ein gegen Desinformation im Netz und klären Menschen auf, wie sie sich selbst vor Falschmeldungen schützen können.

Um Falschmeldungen weitgehend einzudämmen, arbeiten wir mit anerkannten Partnern zusammen. CORRECTIV.Faktencheck ist Teil eines internationalen Netzwerks von Faktenprüfern, dem IFCN des US-amerikanischen Poynter Instituts. Der Allianz gehören über 90 Organisationen an, darunter die Washington Post, Reuters, Le Monde und die Deutsche Presseagentur (dpa).

Wir überprüfen Gerüchte und potenzielle Falschinformationen, die sich im Internet, auf Blogs, in Videos oder in anderer Form in Sozialen Netzwerken verbreiten. Wir suchen selbst aktiv nach solchen Beiträgen, berücksichtigen aber auch Zuschriften von Lesenden. Geeignet für einen Faktencheck sind nur Tatsachenbehauptungen, keine Meinungen oder Zukunftsprognosen. Wir überprüfen vor allem Beiträge, die sich bereits viral verbreiten, also schon potenziell viele Menschen erreicht haben und großen Schaden anrichten können.

Für unsere Faktenchecks machen wir uns auf die Suche nach Belegen für oder gegen eine Behauptung. Wir verwenden dabei soweit möglich nur Primärquellen: Dokumente, Statistiken, Studien, Angaben von Augenzeugen, Betroffenen und Behörden sowie Einordnungen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Den Rechercheweg dokumentieren wir in unseren Artikeln und legen unsere Quellen offen. Am Ende stufen wir die Behauptung, die wir überprüft haben, auf einer Skala von „Richtig“ über „Teilweise falsch“ bis „Frei erfunden“ ein. (Mehr zu der Bewertungsskala hier.)

Weitere Informationen finden Sie in der Rubrik Wie wir arbeiten.

Facebook geht seit 2016 Kooperationen mit unabhängigen Faktencheck-Organisationen ein. Neben uns sind in Deutschland auch die Agenturen DPA und AFP Teil dieses Programms. Das bedeutet: Unsere Faktenchecks werden auf Facebook direkt mit den Beiträgen verknüpft, die die falsche Information enthalten. Menschen, die diese Beiträge teilen möchten, bekommen einen Warnhinweis, der sie auf unseren Faktencheck verweist. Die Facebook-Beiträge werden nicht aufgrund unserer Faktenchecks gelöscht, sondern bleiben weiterhin sichtbar. Dafür, dass Facebook unsere Recherchen auf diese Art verwenden darf, werden wir von dem Unternehmen vergütet. (Mehr über die Kooperation lesen Sie hier).

CORRECTIV.Faktencheck arbeitet nach den Prinzipien des International Fact-Checking-Network (IFCN). Das ist ein Verband, der Faktencheck-Organisationen weltweit zertifiziert. Die Standards beinhalten:

  • Verpflichtung zur Überparteilichkeit und Fairness
  • Verpflichtung zur Offenlegung unserer Quellen
  • Verpflichtung zur Offenlegung unserer Unterstützer und unserer Organisation
  • Verpflichtung zur Transparenz der Arbeitsweise
  • Verpflichtung zur offenen und ehrlichen Korrektur

Unsere Standards im Detail

CORRECTIV.Faktencheck ist darüber hinaus an das Redaktionsstatut von CORRECTIV gebunden.

Gegen eine Flut irreführender Behauptungen und gezielter Desinformation hilft nur Aufklärung. Faktenchecks und Hintergrundberichte helfen den Dialog zu ermöglichen. Das ist nicht immer leicht – Hassnachrichten, Beleidigungen und Drohungen gehören zum Alltag unseres Faktencheck-Teams. Aber die Arbeit wirkt: Falschmeldungen werden deutlich weniger geteilt. Leisten Sie einen Beitrag und unterstützen Sie CORRECTIV mit einer Spende.

Helfen Sie mit, Falschmeldungen einzudämmen.  Das geht online über unseren CrowdNewsroom oder über unseren Whatsapp-Chatbot. Bitte schicken Sie uns dabei wenn möglich einen Link zu dem Originalinhalt, zum Beispiel einem Video auf Youtube, einem Artikel auf einer Webseite oder einem Facebook-Beitrag. Wir gehen eingereichten Zuschriften und Hinweisen nach.