Missbrauch in der katholischen Kirche

CORRECTIV recherchiert mit Medienpartnern seit 2018 zum Missbrauch in der katholischen Kirche am Beispiel des Täters Peter H. Der ehemalige Priester wurde von 1973 bis 2010 in NRW und Bayern von Gemeinde zu Gemeinde geschickt, wo er Dutzende Jungen missbrauchte.
Der Papst Benedikt XVI. geht bei einem Gottestdienst im Dom von Freising Minstranten vorbei.
Missbrauch in der katholischen Kirche

Opfer verklagt Ex-Papst Benedikt XVI. im Missbrauchsskandal

Katholische Kirche: Ein Opfer verklagt den Ex-Papst. Der Prozess vor Gericht könnte die Lage für Opfer sexuellen Missbrauchs verändern.22.06.22

Foto: Arina Krasnikova / pexels.com
Missbrauch in der katholischen Kirche

Gericht muss Betreuung für Missbrauchstäter Peter H. prüfen

Ein ehemaliger Priester der katholischen Kirche und Missbrauchstäter soll jetzt an weiteren Taten gehindert werden.05.07.22

Licht fällt durch bunte Kirchenfenster ins Dunkel eines Kirchenschiffs. Foto: Ivo Mayr / Correctiv
Missbrauch in der katholischen Kirche

Missbrauchstäter H. verliert den katholischen Priesterstatus

Der ehemalige Pfarrer Peter H. hat jahrzehntelang Jungen missbraucht. Die Kirche deckte den Täter. Nun verliert H. seinen Priesterstatus.13.06.22

Papst em Benedikt XVI.
Missbrauch in der katholischen Kirche

Der Ex-Papst und der sonderbare Fehler eines Kirchenjuristen

Ex-Papst erklärt: Seine Unwahrheit im Missbrauchsgutachten sei Fehler seines Beraterteams gewesen. Ein Kirchenrechtler nimmt nun den Fehler auf sich. Brisant: Dieser Mann war mit dem Fall des Missbrauchspriesters H. schon 2010 befasst. 08.02.22

Foto: Rosemarie Anwander
Missbrauch in der katholischen Kirche

Gutachten von München entlastet Bischof, der pädokriminellen Priester beaufsichtigte

Er meldete immer nur positive Berichte. Gutachten der Kirche sieht kein „Fehlverhalten“ bei dem Aufpasser des pädokriminellen Priesters H.27.01.22

Foto: Diether Endlicher / AP Photo/ picture alliance
Missbrauch in der katholischen Kirche

Die Lüge des Ex-Papstes. Gutachten zum Missbrauch in der Kirche folgt Recherchen von CORRECTIV

Ehemaliger Papst Benedikt verstrickt sich in Widersprüche. Gutachten zum sexuellen Missbrauch bestätigt CORRECTIV-Recherchen.21.01.22

Sexueller Missbrauch in der Kirche
Missbrauch in der katholischen Kirche

Missbrauch in der katholischen Kirche: Fall in Bayern zeigt Verantwortung der Bischöfe

Jahrelang wurde ein pädokrimineller Priester geschützt. So klar war die Verantwortung der Bischöfe für sexuellen Missbrauch noch nie.20.01.22

Missbrauch in der katholischen Kirche

Was die Kirche zu Ratzinger und dem Missbrauchsskandal in Garching nicht erwähnt

Neue Details zu Verbindungen des ehemaligen Papstes Benedikt XVI. im Missbrauchsskandal um Priester H. in Garching.19.01.22

Missbrauch in der katholischen Kirche

Sexueller Missbrauch: Anzeige gegen die Bischöfe

Missbrauch in katholischer Kirche: Anwalt zeigt die Vorgesetzten des pädokriminellen Pfarrers wegen „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ an13.01.22

Missbrauchsskandal

Nach Recherche von CORRECTIV und Frontal: Kardinal Marx bittet in bayerischer Gemeinde um Entschuldigung

Eine Recherche von CORRECTIV und frontal über einen wegen Kindesmissbrauch verurteilten Priester löste im bayerischen Garching an der Alz eine Bewegung für Aufklärung aus. Jetzt besuchte Kardinal Reinhard Marx die Gemeinde und entschuldigte sich für die Versäumnisse der Katholischen Kirche.19.07.21

Häufig gestellte Fragen

Strafrechtlich sind die bisher bekannten Taten des Priesters H. verjährt. Der Kläger und dessen Anwalt Andreas Schulz sehen aber die Möglichkeit, über eine zivilrechtliche Feststellungsklage die Verantwortung des Priesters sowie der vorgesetzten Bischöfe bis hoch zum Ex-Papst vor dem Landgericht Traunstein feststellen zu lassen. Für die Aufarbeitung der Fälle von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche könnte diese Klage Signalwirkung haben.

Berichte über massenhaften Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche weltweit begannen mit der Recherche des Boston Globe in den USA 2002. Der systematische Missbrauch in Irland, Frankreich und Australien wurde öffentlich, 2010 erreichte die Missbrauchsdebatte auch Deutschland. Immer war die zentrale Frage: was wussten der Vatikan und der Papst über den Missbrauch.

Die New York Times-Recherche legte damals die direkte Mitverantwortung des deutschen Papstes für die Wiedereinsetzung des Priesters H. offen, der vorher Kinder missbraucht hatte, was der Kirche bekannt war. In Studien und Untersuchungen versuchen die Bistümer und die deutsche Bischofskonferenz seither das Ausmaß und die Gründe für den Missbrauch aufzuklären. Am 20. Januar veröffentlicht die Münchner Anwaltskanzlei Kanzlei Westpfahl, Spilker, Wastl die Untersuchung zum sexuellen Missbrauch im Erzbistum München und Freising, die die Kirche in Auftrag gegeben hatte. Der Fall H. wird in dieser Studie eine zentrale Rolle einnehmen. Bis heute ist nicht über Entschädigungszahlungen für die tausenden Opfer des Missbrauchs in Deutschland entschieden.

Das Erzbistum München und Freising hatte die Rechtsanwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) beauftragt, die Dimension des sexuellen Missbrauchs im Bistum seit 1949 sowie den Umgang mit den Fällen innerhalb der Kirche zu untersuchen. Für das Gutachten wurden Opfer und Zeugen befragt. Die Anwälte gehen von mindestens 497 Geschädigten aus, in 42 Fällen wurden Unterlagen an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Den Gutachtern zufolge tragen Vorgesetzte der katholischen Kirche eine Mitverantwortung. Ein eigener Teil des Gutachtens beschäftigt sich mit dem Fall des Priesters H., der in Bayern über Jahrzehnte eingesetzt wurde, obwohl der Kirchenleitung sein pädokriminelles Verhalten bekannt war. Ein neuer Zeuge, der sich im Vorfeld gegenüber CORRECTIV und dem BR geäußert hat, berichtet dort von Missbrauch durch H. bis in die 1990er Jahre.

Das Gutachten wurde am 20. Januar 2022 vorgestellt und veröffentlicht.

Auch dem ehemaligen Papst Benedikt XVI. wird Fehlverhalten in vier Fällen im Zusammenhang mit sexuellen Missbrauch durch Priester vorgeworfen. Kardinal Joseph Ratzinger war ab 1977 mehrere Jahre Erzbischof in München und Freising. In dieser Position sei er mitverantwortlich gewesen, sein Verhalten muss nach Ansicht der Gutachter neu bewertet werden. In diese Zeit fällt auch der Fall des Priesters H., von dem der ehemalige Papst gewusst haben soll. Dieser bestreitet, Kenntnis von dem Verhalten des Priesters gehabt zu haben. Ratzinger hat in einem 82-seitigen Schreiben ausführlich auf Fragen der Anwälte geantwortet, das auch Teil des Gutachtens ist.