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Frankreich

In vielen europäischen Statistiken nimmt das Land neben Griechenland einen der hintersten Plätze ein: Nach einer Studie des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten beispielsweise werden an jedem Tag in Frankreich knapp fünf Packungen Antibiotika pro tausend Einwohner außerhalb der Krankenhäuser verschrieben. Das ist fast doppelt so häufig wie im EU-Durchschnitt.

Noch immer gehört Frankreich zu der Gruppe von Ländern in der EU, in denen die Resistenzen spürbar zunehmen. Zwar gehen die gegen Methicilin resistenten Keime Staphylococcus aureus (MRSA) inzwischen zurück, andere Krankheitsverursacher wie Escherichia coli oder Klebsiella pneumoniae jedoch sind immer häufiger gegen die Wirkstoffe der Antibiotika immun.

Schon seit 2002 versuchen die französischen Gesundheitsbehörden, Ärzte und Patienten zu schulen. Die jährlichen Kampagnen zeigen offenbar erste Wirkungen: Laut einer aktuellen Untersuchung der nationalen Gesundheitsaufsichtsbehörde ist der Antibiotikaverbrauch in Kliniken zwischen 2013 und 2014 erstmals um knapp 2 Prozent zurückgegangen. 

Und die oberste Pariser Gesundheitsbehörde setzt private und öffentliche Kliniken gleichermaßen unter Druck. Einmal jährlich kommen deren Beamte für eine Woche in jedes Krankenhaus. Ein Bericht imI Internet listet die Mängel schonungslos auf, etwa, wenn Operationsbestecke zu nachlässig desinfiziert oder die Angehörigen nicht ausreichend aufgeklärt wurden. Hier gibt es Fortschritte: In den vergangenen zehn Jahren steigerten sich die Kliniken von 50 Prozent auf rund 80 Prozent der vorgeschriebenen Desinfektionen. Trotzdem haben immer noch einige Krankenhäuser eine „rote” und damit alarmierende Bewertung in dieser Kategorie erhalten.

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