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Faktencheck

Fakten für die Demokratie

Falschmeldungen stellen eine Gefahr für die Demokratie dar. Unsere Faktenchecker gehen Gerüchten nach und veröffentlichen ihre Rechercheergebnisse auf dieser Seite. Mehr erfahren

Bewertung: größtenteils falsch

Wieder falsche Bilder über Gelbwesten-Proteste

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Proteste der Gelben Westen am 1. Dezember in Paris (Symbolbild. Foto: AFP)

von Cristina Helberg

Das Bild einer Rauchsäule in der Nähe des Eifelturms aus dem Jahr 2013 wird aktuell im Netz mit falschem Kontext verbreitet. Die Behauptung: Paris brenne und die Medien würden nicht darüber berichten.

Die Facebookseite „Wir kämpfen für den Osten“ veröffentlichte am 27. November ein Foto des Pariser Eifelturms. Davor steigt eine Rauchsäule in den Himmel. Dazu postete die Seite ein zweites Bild. Darauf zu sehen: Proteste der Gelbwesten. Über den zwei Fotos die Behauptung: „Frankreich brennt und jetzt Nachrichtensperre“.

Anders als behauptet, stammt das Foto mit der Rauchsäule und dem Eifelturm aus dem Jahr 2013. Deutsche und französische Medien haben außerdem von Beginn an über die französische Protestbewegung berichtet. Der Post mit den falschen Behauptungen wurde 3.392 Mal geteilt.

Facebookpost mit falschen Behauptungen und Bild von 2013 (Screenshot von CORRECTIV)

Bilderrückwärtssuche: Foto stammt von 2013

Überprüfen lässt sich der Ursprung des Bildes anhand einer Bilderrückwärtssuche. Auf diese Weise stoßen wir auf einen Online-Artikel des französischen Fernsehsenders BFM TV aus dem Jahr 2013. Der Sender berichtete am 21. August 2018 über einen Brand im Zentrum von Paris. Das Artikelbild ist identisch mit dem auf Facebook verbreiteten Foto, nur der Ausschnitt ist etwas kleiner.

Berichterstattung des französischen Senders BFM TV vom 21. August 2018 (Screenshot CORRECTIV)

Der Brand ist durch verschiedene Medienberichte wie ein Youtube-Video von Line Press und Online-Artikel wie von LeMatin samt Bildergalerie belegt.

Das zweite Foto stammt dagegen tatsächlich von den Gelbwesten-Protesten aus Paris. Die französische Zeitung Levif nutzte das Foto der Nachrichtenagentur Reuters am 24. November 2018 in einer Bildergalerie über die Proteste der Gelbwesten.

Screenshot der Bildergalerie der französischen Zeitung Levif (Screenshot CORRECTIV)

Nein, es gibt keine Nachrichtensperre zu Protesten in Frankreich

Seit Beginn der französischen Proteste kursieren in Deutschland Gerüchte, dass darüber nicht berichtet werde, um eine ähnliche Bewegung in Deutschland zu verhindern. Wir haben bereits in mehreren Faktenchecks belegt, dass deutsche Medien ausführlich über die Proteste berichtet haben.  

Außerdem haben wir herausgefunden, dass Bilder von Protesten aus anderen Ländern im Netz fälschlicherweise in Frankreich verortet wurden und sind unbelegten Gerüchten über einen angeblich erschossenen Demonstranten in Paris nachgegangen.

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Das erste Bild stammt aus dem Jahr 2013. Deutsche Medien berichten ausführlich über die Proteste in Frankreich.

Bewertung: völlig falsch

Erfundenes Zitat – SPD Politikerin will Deutschen nicht das Recht auf Heimat absprechen

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Was ist Heimat? Karen Taylor will jedenfalls niemandem das Recht darauf absprechen (Symbolbild: Pexels / Pixabay)

von Tania Röttger

Ein Facebook-Post unterstellt der SPD-Politikerin Karen Taylor ein Zitat, das nicht von ihr stammt. Taylor sagte gegenüber CORRECTIV: „Ich kann niemandem das Recht auf eine Heimat nehmen.“

„Es gibt kein Recht auf Heimat für euch Deutsche“, soll Karen Taylor (SPD) gesagt haben, laut einem Bild, das die Facebook-Seite „Fuck the EU“ am 2. Dezember geteilt hat. Darauf steht auch: „Weißenhassende senegalesische SPD-Referentin verurteilt den ‘deutschen Kolonialismus’, betreibt aber die Kolonialisierung Deutschlands durch Afrikaner.“ Das Zitat stammt nicht von ihr. Außerdem hasst Taylor keine Weißen und ist keine Senegalesin.

Facebook Post vom 2. Dezember

Wer das angebliche Zitat bei einer Suchmaschine eingibt, stößt auf ein Interview, dass Taylor im August 2018 der Taz gab. Von dort stammt auch das Foto. Allerdings steht das Zitat nicht in dem Interview. Das Gespräch behandelte aber das Wort Heimat, das Taylor kritisierte, wenn Politiker es nutzten. Sie meinte, oft sei das Wort ausgrenzend.

Auf Anfrage von CORRECTIV schreibt Taylor per Email: „Wie Sie dem Taz-Interview entnehmen konnten, habe ich diesen Satz nie gesagt! Viele Hetzer*innen haben allerdings in Posts auf Twitter, Facebook und in YouTube Videos ihre eigenen Schlussfolgerungen aus dem Interview (das die meisten bestimmt nicht gelesen haben) gezogen und sind zu dieser verkürzten Interpretation gekommen.“

Wir haben auch bei Archive.org nachgeschaut, um zu prüfen, ob der Taz-Artikel eventuell nachträglich verändert wurde. Doch auch die Fassung vom 18. August, ein Tag nach dem das Interview erschien, enthält das Zitat nicht.

Folgen des Bildes

Nach dem Interview erschienen Bilder wie dieses, und Taylor erhielt Hasskommentare. Die SPD Friedrichshain-Kreuzberg veröffentlichte dazu eine Pressemitteilung in der sie ankündigte, alle Kommentare, die den Straftatbestand der Volksverhetzung erfüllten, zur Anzeige zu bringen.

Neben dem erfundenen Zitat enthält das Bild auch weitere falsche Behauptungen. Zum Beispiel wird Taylor als Senegalesin bezeichnet. Sie schreibt dazu: „Mein Chef im Bundestag kommt aus dem Senegal. Ich nicht. Ich bin in Berlin geboren. Selbst das Ursprungsland meiner Eltern ist nicht der Senegal.“ Taylor arbeitet für den Bundestagsabgeordneten Karamba Diaby (SPD).

Und zu der Behauptung, Taylor betreibe die „Kolonialisierung Deutschlands durch Afrikaner“, schreibt sie: „Wie ich die Kolonialisierung Deutschlands durch Afrikaner vorantreiben wollen soll, ist mir ebenfalls vollkommen schleierhaft.“

Screenshot der Email von Karen Taylor an CORRECTIV

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Deutscher Kolonialismus

Deutscher Kolonialismus steht auf dem Bild in Anführungszeichen, was darauf hindeutet, dass der Urheber des Textes sich von dem Begriff distanzieren will. Dass es deutschen Kolonialismus gab, ist eigentlich nicht umstritten. Deutschland beanspruchte zwischen 1884 und 1914 die Macht über mehrere Staaten in Afrika und im Pazifik, von 1907 bis 1919 gab es dafür eine eigene Behörde, das Reichskolonialamt. Im Jahr 2016 zeigte das Deutsche Historische Museum die Ausstellung „Deutscher Kolonialismus. Fragmente seiner Geschichte und Gegenwart“.

Taylor schreibt, sie spreche hin und wieder über das Thema Rassismus, und betone dabei immer wieder, dass „Deutschland seine koloniale Vergangenheit aufarbeiten muss“. Das sei aber kein Weißenhass. „Der ‘Weißenhass’, der mir unterstellt wird, ist frei erfunden.“

Unsere Bewertung:
Das Zitat hat Karen Taylor nicht gesagt, auch die anderen Behauptungen über sie stimmen nicht.

Bewertung: völlig falsch

Nein, der Begriff „Black Friday“ entstand nicht durch Sklavenhandel

No Black Friday
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No Black Friday
Der Begriff „Black Friday“ hat nichts mit der Geschichte des Sklavenhandels zu tun.

von Cristina Helberg

Der Black Friday wird auch in Deutschland immer bekannter. Aber warum heißt der Tag eigentlich so? Seit mehreren Jahren taucht immer wieder eine Behauptung auf: Ursprünglich seien an diesem Tag Sklaven verkauft worden. Das ist falsch.

Auf Facebook teilte ein Nutzer am 26. November die Zeichnung eines Sklavenmarktes mit der Überschrift „The Original Black Friday“. Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Bezeichnung „Black Friday“ und Sklavenhandel?

Wir haben mit einem Historiker gesprochen. Norbert Finzsch ist Professor für Nordamerikanische Geschichte an der Universität Köln. Wir haben ihn gefragt, ob die Behauptung im Netz stimmt.

Screenshot Facebook

Norbert Finzsch schreibt auf Nachfrage von CORRECTIV: „An dem Gerücht ist nichts dran. Der innere Sklavenhandel wurde 1865 abgeschafft und der Begriff ‘Black Friday’ taucht zum ersten Mal 1951 auf. Er stammt aus der Praxis amerikanischer Arbeiter, sich am Freitag nach Thanksgiving krank zu melden, um vier hintereinander liegende Feiertage zu haben.“

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Außerdem gibt es laut dem Professor für Nordamerikanische Geschichte noch eine weitere Herleitung. Demnach stammt der Begriff von der Verkehrspolizei des Philadelphia Police Department. Die Polizisten bezeichneten damit den Tag der schlimmsten Staus im Jahr, zu denen es immer am Freitag nach Thanksgiving kam. Das schrieb Joseph P. Barrett am 25. November 1994 in der Zeitung The Philadelphia Inquirer.

Auch die  Faktenchecker von Snopes haben die Behauptung schon 2013 geprüft und für falsch befunden.

Unsere Bewertung:
Völlig falsch. Der Begriff „Black Friday“ hat nichts mit der Geschichte des Sklavenhandels zu tun.

Bewertung: völlig falsch

Doch, die Tagesschau berichtete über Proteste in Frankreich

Bildschirmfoto 2018-11-28 um 16.41.40
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Bildschirmfoto 2018-11-28 um 16.41.40
Screenshot des Sendungsarchivs der ARD

von Cristina Helberg

Im Netz werfen Menschen den deutschen Medien vor, die Proteste in Frankreich zu verschweigen. Unter dem Motto „Lügenpresse“ werden falsche Behauptungen aufgestellt. Eine Nutzerin behauptet auf Facebook, die ARD habe nicht berichtet. Das ist falsch.

Berichtete die ARD nicht über die Proteste der Gelben Westen in Frankreich? Das suggeriert zumindest ein Bild, das derzeit in Sozialen Netzwerken geteilt wird. Eine Nutzerin veröffentlichte die Fotomontage am 24. November auf Facebook. Ihr Post wurde bisher mehr als 4.800 Mal geteilt.

Darauf ist der Tagesschau Moderator Jan Hofer zu sehen, der vermeintlich gerade das Thema „Bürgerkrieg in Paris“ anmoderiert. Darunter steht: „Darüber, meine Damen und Herren, berichten wir Ihnen selbstverständlich nichts.“ Die Behauptung: In Frankreich gebe es einen Bürgerkrieg und die ARD habe nicht über die Proteste der Gelben Westen in Paris berichtet. Beides ist falsch und lässt sich für jeden nachvollziehbar widerlegen.

Tagesschau berichtet wiederholt über Proteste

Falschmeldung auf Facebook (Screenshot von CORRECTIV)

Im Sendungsarchiv der Tagesschau ist die Sendung vom 17.11.2018 abrufbar. Die Proteste in Frankreich waren an diesem Abend das erste Thema in der Sendung.

Screenshot des Sendungsarchivs der ARD

Auch als es eine Woche später, am 24. November, in Frankreich erneut zu Protesten kam, berichtete die Tagesschau darüber. Außerdem gibt es in Frankreich keinen Bürgerkrieg. Wohl aber Massenproteste im ganzen Land.

Screenshot des Sendungsarchivs der ARD

Proteste der Gelben Westen: Falschmeldungen und Desinformation im Netz

In Deutschland kursieren mehrere falsche Behauptungen über die Proteste in Frankreich. Der falsche Vorwurf, nicht berichtet zu haben, richtet sich nicht nur an die ARD, sondern an deutsche Medien allgemein. Dabei lässt sich die Berichterstattung zweifelsfrei belegen, wie ein CORRECTIV-Faktencheck ergab.

Außerdem verbreiten Internetnutzer Bilder, die verletzte Demonstranten der Gelbwesten-Proteste in Frankreich zeigen sollen. Tatsächlich stammen die Bilder teilweise aus Spanien. Auch in diesem Fall haben wir die Fakten gecheckt.

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Andere Nutzer teilten Meldungen über einen angeblich erschossenen Demonstranten in Paris. Die Pariser Polizei hat diese Berichte uns gegenüber dementiert.

Auch in Deutschland wollen jetzt einige Menschen zivilen Ungehorsam üben: Eine Mischung aus Aktionisten, Islamhassern und Verschwörungstheoretikern. Einer aus der Bewegung hat unsere Fragen beantwortet.

Unsere Bewertung:
Völlig falsch. Die Tagesschau hat wiederholt über die Proteste berichtet. Außerdem herrscht in Frankreich kein Bürgerkrieg.

Bewertung: falsch

Doch, Deutsche Medien berichteten über französische Protestbewegung

FRANCE-ECONOMY-POLITICS-GAS-TRANSPORT-DEMO
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A man holds a French flag with the inscription "All united, glory to the people, stop taxes" as he stands on the rocade (ring road) during a demonstration of Yellow Vests (Gilets jaunes) against the rising of the fuel and oil prices on November 17, 2018 in Bordeaux, southwestern France. - Thousands of drivers blocked roads across France in a "yellow vest" movement against high fuel prices which has mushroomed into a widespread protest against stagnant spending power under French President. (Photo by NICOLAS TUCAT / AFP)

von Jacques Pezet

Ein Facebooknutzer wirft den deutschen Medien vor, nicht über Demonstrationen in Frankreich zu berichten. Unser Faktencheck zeigt: Das ist nicht wahr.  

Am Samstag, den 17. November, blockierten viele Franzosen Straßen, um gegen eine von der französischen Regierung beschlossene Erhöhung der Kraftstoffsteuern zu protestieren. Die Demonstranten trugen Warnwesten und versammelten sich unter dem Namen „Gilets Jaunes“ (Gelbe Westen).

Die französische Protestbewegung scheint auch in Deutschland Anklang zu finden. Auf Facebook rufen Nutzer für kommenden Montag zu einem Tankboykott auf und teilen Videos der Proteste in Frankreich. Ein Nutzer schrieb dazu am 20. November in einem Post: „1,3 Millionen Menschen sind in Frankreich auf den Straßen und demonstrieren! Unsere Presse weiß davon nichts“. Mehr als 2.000 Mal wurde der Beitrag geteilt.

Screenshot aus Facebook, 22.11.2018

Stimmt die Behauptung ?

Wir haben nach Berichten über die französische Protestbewegung in deutschen Medien gesucht. Mit wenigen Klicks fanden wir heraus: Sehr viele deutsche überregionale Zeitungen veröffentlichten schon am ersten Tag der Demonstrationen Artikel. Es ist daher falsch, den deutschen Medien vorzuwerfen, die Proteste zu verschweigen.

Screenshot aus Google News

Wie viele Menschen demonstrierten in Frankreich ?

In seinem Post schreibt der Nutzer, 1,3 Millionen Menschen hätten in Frankreich demonstriert. Zur Zahl der Demonstranten gibt es unterschiedliche Angaben. Laut dem französischen Innenministerium nahmen 282 710 Personen an 2039 Demonstrationen im ganzen Land am 17.11 teil.

Da die Bürgerproteste vom 17. November unorganisiert und ohne zentrale Kundgebungen stattfanden, lässt sich die Zahl der Teilnehmer schwer beziffern. Die Zahl von 1,3 Millionen Demonstranten stammt aus einer Schätzung der Polizeigewerkschaft „Wütende Polizisten“.

Unsere Bewertung:
Falsch. Viele deutsche Medien haben über die Protestbewegung der Gilets Jaunes in Frankreich berichtet

Bewertung: größtenteils falsch

Rechter Influencer verbreitet falsche Informationen über Mordfall in Frankreich

Baptiste Henryk Stoeckl 3
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Baptiste Henryk Stoeckl 3
In Gedenken an ihren Sohn organsierten die Eltern des Opfers einen „Marche blanche". (Foto von Corinne Franquet, Screenshot von Correctiv)

von Caroline Schmüser

Der rechte Influencer Henryk Stöckl behauptet auf Facebook, die französische Polizei und Medien würden einen Mordfall verschweigen. Der Täter sei zwei Monate nach der Tat noch immer auf freiem Fuß. Beides ist falsch.

„Flüchtling sticht 23-mal auf 19-Jährigen ein und tötet ihn, weil er zu laut war”, schrieb der rechte Influencer Henryk Stöckl am 17. November auf seiner Facebookseite. Die Tat habe sich in Frankreich ereignet. Polizei und Medien hätten den Vorfall mehr als zwei Monate lang verschwiegen, der Täter sei noch immer auf freiem Fuß.

Die Eltern des Opfers hätten sich nun in einer TV-Sendung an die Öffentlichkeit gewandt, um die Flüchtlingspolitik der Regierung zu kritisieren.

Influencer Henryk Stöckl behauptet via Facebook, die französische Polizei habe einen Mordfall vertuscht. Der Täter sei immer noch auf freiem Fuß. Beides ist falsch. (Screenshot von Correctiv)

Als Quelle für diese Behauptungen nennt Stöckl einen Bericht der französischen Regionalzeitung La Voix du Nord vom 25. September 2018. Darin berichtet die Regionalzeitung über die Beerdigung des 19-Jährigen Baptiste, der am 15. September in der Stadt Lomme im Norden Frankreichs von einem Nachbarn erstochen wurde.

Französische Medien berichteten über den Vorfall

Die Tat ist tatsächlich passiert: Es hatte einen Streit über eine nächtliche Ruhestörung am Vortag gegeben. Das Opfer hatte mit dem Lärm nichts zu tun, der junge Mann war im Gebäude nur zu Besuch. Dies teilte uns die Staatsanwaltschaft Lille per E-Mail mit. Staatsanwaltschaft und Polizei wollten auf Anfrage von Correctiv keine Informationen zur Person des Tatverdächtigen geben. Die Zeitung La Voix du Nord hatte aber in einem Artikel vom 17. September bereits berichtet, bei dem Tatverdächtigen würde es sich „nach ersten Angaben” um einen Asylbewerber handeln.

Der Bericht zeigt bereits, dass Stöckls Behauptungen falsch sind: Bereits am Tattag hatte La Voix du Nord berichtet. Auch andere französische Medien wie die Nachrichtenagentur AFP, die Pariser Zeitung Le Parisien oder das öffentlich-rechtliche Radionetzwerk France Bleu berichteten bereits wenige Tage nach der Tat. Die Medien verschwiegen den Vorfall also nicht.

Das ist die erste von Stöckls Behauptungen, die falsch ist. Und es ist nicht die einzige.

Tatverdächtiger wegen Mordes angeklagt

Stöckl behauptet, dass die Polizei  – zwei Monate nach der Tat – noch immer keine Ermittlungen aufgenommen habe. Der Täter sei also auf freiem Fuß. Das widerspricht französischen Medienberichten. Die Regionalzeitung La Voix du Nord beispielsweise berichtete über eine Festnahme des Tatverdächtigen. Stöckl nennt die Zeitung zwar als Quelle, hat den Text aber anscheinend nicht gelesen.

Wir fragten die zuständige Staatsanwaltschaft in Lille nach dem Fall. Ihnen zufolge sei ein Tatverdächtiger am gleichen Tag festgenommen worden. Am 17. September klagte ihn ein Ermittlungsrichter wegen Mordes an. „Der Richter überwies ihn in Untersuchungshaft.”

Diese Informationen konnten wir auch dem TV-Bericht entnehmen, auf den Stöckl hinwies. Die Eltern des Opfers waren am 15. November in der Fernsehshow Crimes et Faits Divers des Senders NRJ12 aufgetreten. Eine Vollversion der Sendung ist auf der Webseite des TV-Senders abrufbar.

Auf die Frage des Moderators, ob der Tatverdächtige sich in Haft befinden würde, antwortete der Vater des Getöteten: „Ja, er wurde sofort in Untersuchungshaft genommen. Er hat die Tat gestanden. Soweit ich gehört habe, war er Student in Lille, Informatiker, dieser junge Mann.”

Vater des Opfers fühlt sich von Regierung im Stich gelassen

Auch auf die Frage der Herkunft des Tatverdächtigen gibt das Interview mit den Eltern Antwort. Der Vater von Baptiste sagte in der Sendung: „Der Mörder meines Sohnes verließ sein Land, weil es einen Krieg gab, und er kam zu uns, um Frieden zu finden. Und leider hat er meinen Sohn getötet.”

Er sei wütend, da der Staat seinen Sohn hätte beschützen können. „Sie [Staat und Regierung] haben nichts getan. Nichts. Nicht einmal Nachrichten geschickt. Nicht einmal ein Wort, nicht einmal eine Geste.” Diese Szene konnten wir auch auf YouTube finden.

Unsere Bewertung:
Das ist größtenteils falsch. Medien und Polizei haben die Tat nicht verschwiegen. Der Tatverdächtige befand sich bereits zwei Tage nach dem Vorfall in U-Haft.

Bewertung: völlig falsch

Nein, zugefrorene Seen und Flüsse sind nicht vom Deutschen Wetterdienst freigegeben

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Der Deutsche Wetterdienst hat zugefrorene Seen und Flüsse nicht freigegeben. (Symbolbild: Marcus Löfvenberg / Unsplash)

von Cristina Helberg

Auf perfide Weise vermischt eine aktuelle Meldung falsche Behauptungen und Ausländerfeindlichkeit.

Facebooknutzer teilen zurzeit eine angebliche Meldung des Deutschen Wetterdienst (DWD). Angeblich soll der DWD mitgeteilt haben: „Das Eis auf Gewässern hält und ist freigegeben“. Die „Eilmeldung“ richte sich an „alle Mitbürger die ‘noch nicht solange hier sind’ “.

Der Deutsche Wetterdienst stellt auf Nachfrage von CORRECTIV klar: Die Meldung ist frei erfunden. Und es ist nicht das erste Mal, dass solche falschen Behauptungen kursieren.

Screenshot der Falschmeldung auf Facebook

Screenshot Facebook

Bereits im letzten Winter sah sich der Wetterdienst mit Behauptungen dieser Art im Netz konfrontiert. „Wir sind dagegen juristisch vorgegangen“, sagt Uwe Kirsche, Pressesprecher des DWD. Auch in diesem Jahr werde der DWD ähnliche Behauptungen an Anwälte weiterleiten. „An der perfiden Meldung ist nichts dran“, so Kirsche.

Unsere Bewertung:
Völlig falsch. Die Meldung ist frei erfunden.

Bewertung: falsch

Nein, dieses Plakat will Weihnachten nicht abschaffen

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Beim Lichtermarkt geht es um die Beleuchtung. (Symbolbild: Annie Spratt / Pixabay)

von Tania Röttger

Manche Facebook-Nutzer sind erbost über ein Plakat für einen Weihnachtsmarkt und rufen auf zum Boykott. Der Grund: Der Markt wird als Lichtermarkt angepriesen und das Kind auf dem Bild ist nicht weiß.

Die Facebook-Seite „Frauenbündnis Nordbaden“ teilte das Bild am 13. November mit dem Kommentar: „Weihnachten und weiße Kinder abgeschafft“. Über das Plakat gab es bereits im vergangenen Jahr eine Debatte mit falschem Kontext und falschen Behauptungen.

Screenshot vom Facebook-Post

Andere fragen sich, ob das Plakat überhaupt echt ist (Kommentar: „Fake!!! Guckt euch mal an, wie das Plakat angebracht ist!!!“).

Kommentare unter dem Facebook-Post

Telefonat mit den Veranstaltern

Auf der Webseite sprechen die Organisatoren des Marktes abwechselnd von Lichtermarkt

und Weihnachtsmarkt. Verantwortlich ist das Stadtmarketing Elmshorn. CORRECTIV hat mit der Geschäftsführerin Manuela Kase telefoniert.

Sie bestätigt zuerst: Das Plakat ist echt. Es existiere seit dem Jahr 2011 und stamme aus einem Wettbewerb, an dem 150 Kinder im Alter von drei bis fünfzehn Jahren teilnahmen, die sich als Engel verkleiden hatten. Das aktuelle Plakat war das Siegermotiv. Die archivierte Webseite von 2017 bestätigt: Dasselbe Plakat wurde 2017 genutzt.

Kase sagt auch: „Der Markt hat auf jeden Fall einen christlichen Hintergrund.“ Er sei ein traditioneller, klassischer Weihnachtsmarkt. Den Namen Lichtermarkt gebe es seit 2007. Der Grund: 120.000 Lichtpunkte in der Weihnachtsbeleuchtung seien ein Alleinstellungsmerkmal.

Angriffe wegen Plakat

„Dieses Jahr hält es sich in Grenzen“, sagt Kase zur Resonanz auf das Plakat, „letztes Jahr war es ziemlich heftig.“

Im vergangenen Jahr teilte unter anderem die ehemalige AfD-Politikerin Erika Steinbach ein Bild des Plakats, wie verschiedene Medien berichteten, danach folgten Angriffe auf die Stadt, per Email und auf den Sozialen Medien. Die Linken-Politikerin Cornelia Möhring veröffentlichte damals ein Statement dazu, der Markt befindet sich in ihrem Wahlkreis: „Die Aufregung empfinde ich als gekünstelt und konstruiert. Diese regionale Besonderheit für deutschtümelnde und völkische Propaganda zu instrumentalisieren ist voll inakzeptabel.“

Unsere Bewertung:
Name und Motiv sind nicht gewählt, um sich von Weihnachten zu distanzieren.

Bewertung: völlig falsch

Falsche Manipulationsvorwürfe zu Demofoto

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Bildschirmfoto 2018-11-20 um 10.30.21
Auf Twitter wehrte sich der rbb gegen die Manipulationsvorwürfe. (Screenshot)

von Cristina Helberg

Auf Facebook behauptet der rechte Influencer Henryk Stöckl, der Rundfunk Berlin-Brandenburg habe ein AfD-Plakat in das Bild einer Demonstration montiert. Doch weitere Fotos belegen: Das AfD-Plakat war tatsächlich auf der Demo.

„RBB manipuliert Foto und fügt AFD Transparent hinzu, das es nie gab!“, schrieb der Facebooknutzer Henryk Stöckl am 11. November. Darunter fügte er das Foto einer Demo ein. Weiß kreiste er darauf ein AfD-Plakat ein und schrieb „Manipuliert!“ dazu.

BuzzFeedNews schreibt über Henryk Stöckl: „Der 24-jährige Immobilienkaufmann ist einer der auffälligsten rechten Meinungsmacher in Deutschland. Auf Facebook und YouTube verbreitet er falsche Behauptungen und manipuliert Hunderttausende Menschen.“

Einen Tag nach Henryk Stöckl twitterte eine Profil mit denselben Manipulationsvorwürfen verschiedene Redaktionen des Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) an, außerdem die Berliner Polizei und die AfD Berlin. Bei den Vorwürfen geht es um eine Demo zum Tag der Deutschen Einheit am 3.10.2018 in Berlin.

Screenshot Twitter

rbb wehrt sich gegen Manipulationsvorwürfe

Der offizielle Account der Onlineredaktion des rbb reagierte darauf mit einem Statement. „Es handelt sich bei diesem Foto um keine Manipulation: Es wurde bei der letzten großen Demo von Rechtsextremisten in Berlin am 3.10. von einem Agenturfotografen aufgenommen. Der ‘Fake News’-Vorwurf ist damit falsch.“

Screenshot Twitter

Als Beleg postete der rbb zusätzlich am darauffolgenden Tag weitere Bilder aus anderen Perspektiven, die das AfD-Plakat zeigen.

Screenshot Twitter

Das kann auch jeder Internetnutzer selbst überprüfen. Die Bilddatenbank imago bietet im frei zugänglichen Gästezugang einen Überblick über zahlreiche Bilder der Demo vom 3.10.2018. Dafür müssen Nutzer als Suchbegriff „Demo Berlin“ und in den Filtereinstellungen das Datum 3.10.2018 angeben. In den Suchergebnissen ist das AfD-Plakat auf mehreren Fotos in unterschiedlichen Situationen zu sehen.

Unsere Bewertung:
Das AfD-Transparent wurde nicht nachträglich in Fotos der Demo montiert. Es ist auf verschiedenen Bildern zu sehen.

Bewertung: falsch

Nein, in Freiburg demonstrierten Menschen nicht für Gruppenvergewaltigungen

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Die Kaiser-Joseph-Straße mit Bertoldsbrunnen in Freiburg. Dort fanden unter anderem die Demonstrationen statt. (Symbolbild: Andreas Schwarzkopf, Kaiser-Joseph-Straße mit Bertoldsbrunnen in Freiburg 2, CC BY-SA 3.0)

von Cristina Helberg

Auf Facebook wird das Bild einer Demo geteilt, deren Teilnehmer angeblich „für Gruppenvergewaltigungen“ protestieren. Das ist falsch.

Menschen schreien und strecken den Mittelfinger in Richtung Kamera. Dieses Foto teilte ein Nutzer Ende Oktober auf Facebook. Dazu der Hinweis „So sehen ‘Menschen’ aus, die für Gruppenvergewaltigungen demonstrieren“. Woher stammt das Foto und wofür demonstrieren die abgebildeten Menschen tatsächlich? Diese Fragen beantwortet eine Bilderrückwärtssuche.

Facebookpost (Screenshot CORRECTIV)

Einer der ersten Treffer, wenn man bei Google nach ähnlichen Bildern sucht, ist ein Artikel der Süddeutschen Zeitung vom 29.10.2018. Das Titelbild zeigt dasselbe Foto wie der Facebookpost, allerdings einen größeren Bildausschnitt.

Artikel der Süddeutschen Zeitung mit Foto der dpa zu den Demonstrationen in Freiburg (Screenshot CORRECTIV)

Im Bildhinweis steht: „Hunderte Menschen haben in Freiburg gegen eine Kundgebung der AfD protestiert“. Das Foto stammt von der Presseagentur dpa.

Mutmaßliche Vergewaltigung als Anlass für Demos

Anlass für die Proteste war die mutmaßliche Vergewaltigung einer Frau durch mehrere Männer. Die Frau erstattete am 14.10.2018 Anzeige und gab an, von mehreren Männern nach einem Diskobesuch in Freiburg vergewaltigt worden zu sein. Die Polizei nahm in den Tagen danach insgesamt acht Tatverdächtige fest, davon sieben Männer syrischer Staatsangehörigkeit und einen Deutschen. „Fast alle der aktuellen Tatverdächtigen sind bereits polizeilich in Erscheinung getreten“, teilte die Polizei mit.

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe rief ein Verbund aus AfD, Junge Alternative und dem Bündnis „Kandel ist Überall“ zu einer Demonstration auf. „Anlass ist die Massenvergewaltigung einer 18-jährigen durch 7 Syrer und einen Deutschen” hieß es in einem Demoaufruf bei Facebook.   

Demoaufruf der AfD bei Facebook (Screenshot CORRECTIV)

Als Reaktion auf diese Ankündigung rief unter anderem die Gruppe „Antifaschistische LInke Freiburg“ zu Gegenprotesten auf und warf der AfD eine „rassistische Vereinnahmung der grausamen Gruppenvergewaltigung“ vor. Der Polizei zufolge protestierten rund 1.500 Menschen gegen den Demozug der AfD.

Unsere Bewertung:
Falsch. Die Menschen protestierten gegen eine Demo der AfD. Die Gegendemonstranten verurteilten die Gruppenvergewaltigung als grausam.