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Faktencheck

Fakten für die Demokratie

Falschmeldungen stellen eine Gefahr für die Demokratie dar. Unsere Faktenchecker gehen Gerüchten nach und veröffentlichen ihre Rechercheergebnisse auf dieser Seite. Mehr erfahren

Bewertung: größtenteils falsch

Krankenkassen zahlen nicht für Viagra, aber manchmal für Brillen

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Wer so schlecht sehen kann, dem bezuschussen Krankenkassen die Brillengläser. (Symbolbild: David Travis / Unsplash)

von Tania Röttger

Die Facebook-Gruppe „Wir Kinder der 70er und 80er Jahre“ verbreitet ein Bild mit der Behauptung, Krankenkassen würden für Viagra bezahlen, aber nicht für Brillen. Das Bild ist offensichtlich ein Witz. Die Behauptung stimmt aber nicht. Hier die Fakten zu Brillen, Viagra und wofür Kassen zahlen.

Das Bild verbreitet die Gruppe „Wir Kinder der 70er und 80er Jahre“ auf Facebook. Es wurde mehr als 1.400 Mal geteilt.

Seit 2004 gilt eine Änderung des Sozialgesetzbuchs, die Viagra und ähnliche Mittel von den Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen ausnimmt: „Ausgeschlossen sind insbesondere Arzneimittel, die überwiegend zur Behandlung der erektilen Dysfunktion, der Anreizung sowie Steigerung der sexuellen Potenz (…) dienen.“ Der Gesetzgeber sieht sie nämlich als Mittel zur „Erhöhung der Lebensqualität“ an.

Aus dem fünften Sozialgesetzbuch

Es kann aber Krankenfälle geben, in denen Kassen Mittel verschreiben, die auch gegen Impotenz wirken. Doch speziell für Behandlungen von Impotenz oder Errektionsstörung zahlt sie eben nicht.

Bei Brillen gibt es hingegen bestimmte Fälle, in denen Krankenkassen ganz offiziell zahlen.

Kurz- und Weitsichtige erhalten ab sechs Dioptrie eine Brille auf Kosten der Krankenkasse. Allerdings nur die Gläser, nicht das Gestell. Sechs Dioptrie sind viel. Bei Personen mit Hornhautverkrümmung sinkt die Schwelle auf vier Dioptrie.  

Aus dem fünften Sozialgesetzbuch
Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch – es ist genau umgekehrt: Krankenkassen zahlen nicht für Viagra, dafür aber manchmal für Brillen.

Bewertung: falsch

Aufgebrochenes Ei ohne Schale im Supermarkt ist nicht echt

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BELGIUM-EUROPE-HEALTH-FOOD-EGGS
This photo taken on August 15, 2017 shows egg shells left over as Members of the World Brotherhood of the Huge Omelet create a 6500 egg omelet in Malmedy. - Ten thousand hen's eggs will be used for the traditional event in the town near the German border despite a scandal sweeping Europe involving eggs tainted with the insecticide fipronil. (Photo by JOHN THYS / AFP)

Auf Facebook kursiert ein Bild von einem aufgebrochenen Ei, das angeblich in einem Supermarkt verkauft wird. Es handelt sich um ein Scherz.

Seit dem 3. November kursiert ein Bild von einem aufgebrochenen Ei („Pre-cracked Egg“ auf Englisch), das die Facebook-Seite „Politik und Zeigeschehen” auf Facebook hochgeladen hat. Das Bild wurde mehr als 2000 Mal geteilt. Laut „Politik und Zeitgeschehen“ ist diese Ware echt. Die Facebook-Seite schreibt: „Dieses Produkt gibt es genau so zu kaufen. Die natürliche Eierschale wurde durch eine Schale aus Plastik ersetzt. Und die Leute kaufen es…“

Screenshot aus Facebook, 7.11.18

Correctiv hat die Echtheit des Produkts überprüft. Auf der Packung konnten wir zuerst zwei komische Sachen sehen: Das Wort „finally“ wird falsch geschrieben („fimally“) und der Hals des Kindes, in der rechten Ecke, ist unglaublich lang.

Wir suchten auch im Internet nach der Marke „Obvious Plant“, die unter dem langen Hals, steht. So konnten wir herausfinden, dass es sich nicht um eine Lebensmittelmarke handelt, sondern um ein Projekt vom Internet-Komiker Jeff Wysaski. In der Beschreibung von Obvious Plant auf der Crowdfunding-Webseite Patreon, erklärt Wysaski: Ich mache lustige Schilder, Broschüren und Produkte und lasse sie in der realen Welt, damit Menschen sie finden. Oft werden seine skurrilen Kreationen auf Reddit geteilt. Bilder von dem Ei veröffentlichte er am 2. November auf seinen Facebook-, Twitter-, Instagram– und Tumblr-Profilen.

Unsere Bewertung:
Falsch. Das aufgebrochene Ei ist ein Scherz vom Komiker Jeff Wysaski.

Bewertung: falsch

Diese Pflanze heilt Krebs nicht in 16 Stunden

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Einjähriger Beifuß in West Virginia. Diese Pflanze soll ein Wunderheilmittel gegen Krebs sein.© Jorge Ferreira, via Wikimedia Commons

von Tania Röttger

Die Webseite „Genialetricks.de“ behauptet, eine Pflanze könne „98% aller Krebsarten in 16 Stunden“ zerstören. Das ist irreführend.

Die Webseite „Geniale Tricks“ schreibt dem Pflanzenwirkstoff Artemisinin Wunderheilkräfte gegen Krebs zu.

Artemisinin kommt von den Blättern des Einjährigen Beifußes und ist ein Wirkstoff gegen Malaria. Die Chinesin Youyou Tu hat für diese Entdeckung den Medizinnobelpreis im Jahr 2015 erhalten.

Seit einigen Jahren wird geforscht, ob der Pflanzenstoff auch gegen Krebs helfen kann. Die Hersteller von Malaria-Medikamenten haben ein Interesse daran, dass der Wirkstoff auch für andere Krankheiten angewendet werden kann, sagt Thomas Efferth, der in Mainz zu Artesunaten forscht.

In Laborstudien hat sich gezeigt, dass Tumorzellen nach Zugabe von Artemisinin langsamer wachsen oder auch sterben. Allerdings fanden die Studien bisher im Reagenzglas statt. Efferth sagt: „Auch ein halbes Kilo Kochsalz tötet Krebszellen im Reagenzglas“ – das bedeute aber nicht, dass Kochsalz Krebs beim Menschen wirksam bekämpft. In Zahlen ausgedrückt: nur 10 Prozent – also jeder zehnte Wirkstoff – der im Labor anschlägt, schafft es zu einer Zulassung.

Trotzdem schreibt „Geniale Tricks“: „Artemisinin ist offenbar ein effektives Hilfsmittel im Kampf gegen Krebs!“

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Studien mit Menschen

Es gab bereits eine klinische Studie in London. Mit Frauen, die Dickdarmkrebs hatten. Zusätzlich zur Operation erhielt eine Gruppe Artesunate, die andere ein Placebo. Die Forscher, unter anderem Efferth, konnten eine Lebenszeitverlängerung bei den Frauen beobachten, die neben der Operation Artesunate erhalten haben.

Auch Peter Kremsner war an der Studie beteiligt. Er ist eigentlich Spezialist für Malaria, forscht in Heidelberg. Kremsner sagt, die Fallzahlen in der ersten Studie waren zu klein. Deshalb soll es eine zweite Studie geben, die Rekrutierung laufe gerade. In London und Hanoi werden jeweils 200 Personen gesucht. Auch in dieser Studie soll ein Teil der Gruppe ein Placebo erhalten. Die Ergebnisse erwartet Kremsner in zweieinhalb Jahren.

Verstoß gegen Pressekodex?

Bisher sei aber die Datenlage noch nicht gut genug für Aussagen, wie sie „Geniale Tricks“ verbreitet. Kremsner würde den Wirkstoff nur in sehr wenigen Fällen anwenden.

Und  selbst wenn sich Artemisinin als wirksam gegen Krebs herausstellt, der Bericht von „Genialetricks“ verstößt gegen den Pressekodex. Unter Ziffer 14 steht zur Medizin-Berichterstattung: „unangemessen sensationelle Darstellung“ sei zu vermeiden, vor allem, wenn sie unbegründet Hoffnungen beim Leser erwecken könnte. Und: „Forschungsergebnisse, die sich in einem frühen Stadium befinden, sollten nicht als abgeschlossen oder nahezu abgeschlossen dargestellt werden.“

„Geniale Tricks“ hält sich an beides nicht.

Unsere Bewertung:
Die Forschung über die Heilkräfte von Artemisinin bei Krebs steht noch am Anfang. Der Artikel macht nicht deutlich, dass es sich vor allem um Beobachtungen im Labor handelt.

Bewertung: völlig falsch

Nein – Die Studie von Dr. Jones beweist nicht, dass Chemotherapie Krebspatienten früher sterben lässt

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Chemotherapie ist ein beliebter Gegner von Anhängern der alternativen Medizin. (Symbolbild: Infusion)© Marcelo Leal / Unsplash

von Tania Röttger

Verschiedene Medien zitieren eine angebliche Studie um zu belegen, dass mehr Krebspatienten mit Chemotherapie sterben als ohne. Doch die Informationsquelle ist Jahrzehnte alt, in verschiedenen Artikeln werden Aussagen unterstellt, die bei der Quelle nicht zu finden sind.

Die Webseite „Dasperfektehaus.net“ veröffentlicht im Dezember 2017 und nochmal im April 2018 einen Beitrag mit dem Titel: „Erschreckende Studie: Krebspatienten sterben mit Chemotherapie schneller als ohne Behandlung“. Als Quelle nennt „Das perfekte Haus“ eine Studie von einem Dr. Jones. Derselbe Artikel erschien im Dezember auch auf der Webseite „Mutter Natur“.

Auch andere Webseiten zitieren die Arbeit des Dr. Hardin Jones, zum Beispiel „Erhöhtes Bewusstsein“ (Titel: „Berkley Professor: Menschen sterben nicht wegen dem Krebs! Menschen sterben wegen der Chemotherapie und den schrecklichen Schmerzen!“).

Die Artikel beziehen sich auf Hardin Jones Text „Demographic Consideration of the Cancer Problem“, erschienen 1956 im Magazin der New York Academy of Science. Jones war Professor für medizinische Physik an der Universität Berkeley und starb im Jahr 1978.

Die zitierte „Studie“ ist eigentlich ein Aufsatz. Darin fasst Jones verschiedene Beobachtungen von Ärzten zusammen, die Sterberaten von Krebspatienten notiert haben, und zwar zwischen den Jahren 1911 und 1943.

Falsche Zahlen

„Das perfekte Haus“ beruft sich auf den Aufsatz von Jones und schreibt: „Krebspatienten ohne Chemotherapie leben durchschnittlich noch 12,5 Jahre, mit Chemotherapie nur noch durchschnittlich 3 Jahre!“

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Doch spezielle Zahlen nennt Jones nicht, er behauptet auch nicht, dass die geäußerten Annahmen bewiesen seien. Der Artikel auf „Das perfekte Haus“ stellt die Aussagen der vermeintlichen Studie also falsch dar.

Außerdem geht Jones in dem mehr als 60 Jahre alten Aufsatz gar nicht auf die Chemotherapie ein, die zu der Zeit noch in den Kinderschuhen steckt. Tatsächlich waren damals Sterberaten frustrierend, was unter anderem an der späten Erkennung von Tumoren lag und der geringen Entwicklung von Behandlungen.

Das erklärt Jones pessimistische Sicht auf die damaligen Therapien: „Es ist sehr wahrscheinlich, in Bezug auf die Lebenserwartung, dass die Überlebenschancen mit Therapie nicht besser sind als ohne Therapie, und es besteht die Möglichkeit, dass eine Therapie die Überlebenszeit verkürzen könnte.“

Aktuelle Studie belegt das Gegenteil

Eine Studie von 2017 hat nun gezeigt, dass Menschen, die Krebs mit alternativen Heilmitteln behandeln, früher sterben also die, die konventionelle Therapien nutzen. Neben der Chemotherapie gehören auch Bestrahlung, Operationen oder Hormonbehandlungen dazu.

Dass eine Chemotherapie Nebenwirkungen haben kann ist bekannt, manchmal wirkt sie auch nicht. Doch genau so bekannt ist, dass sie die Heilungschancen bei bestimmten Arten von Krebs erhöhen kann.

Die Chemotherapie ist ein beliebter Angriffspunkt von Alternativmedizinern. Die Webseiten, die Artikel zu dieser Studie veröffentlichen, beschreiben meist auch die Verbandelung zwischen Schulmedizin und Pharmaindustrie, die angeblich wollen, dass Menschen krank bleiben, um möglichst viel Geld einzunehmen. Auf ihren Seiten preisen sie hingegen alternative Heilmittel und Homöopathie an, die, wie die oben erwähnte Studie zeigt, das Überleben verkürzen kann. In den USA wird diese Bewegung „alt-med“ genannt.

Unsere Bewertung:
Der Artikel behauptet, Chemotherapie wirke bei Krebspatienten schlechter als keine Therapie. Die einzige Quelle ist ein Aufsatz aus dem Jahr 1956, der die behaupteten Aussagen nicht enthält. Eine aktuelle Studie belegt das Gegenteil.

Bewertung: falsch

Hintergründe zum Right-To-Try-Gesetz

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Anhänger von alternativen Heilmethoden sehen in der Arzneimittelbehörde einen Gegner, der den Menschen wirksame Medikamente vorenthält.

von Tania Röttger

Donald Trump setzt sich für ein neues Gesetz ein. Kritiker fürchten, dass die Arzneimittelbehörde verwässern könnte.

Am 30. Januar hielt US-Präsident Donald Trump eine Rede zur Lage der Nation. Darin forderte er den Kongress auf, den sogenannten „Right-to-try-Act“ zu erlassen. Das Gesetz soll Menschen mit unheilbaren Krankheiten erlauben, Medikamente zu konsumieren, die sich erst in der Anfangsphase von klinischen Studien befinden, also noch keine Zulassung haben.

Das Schweizer Portal „Legitim.ch“ veröffentlichte daraufhin einen Artikel mit dem Fazit: „Mit diesem neuen System könnte man sehr schnell viele Daten sammeln und der breiten Masse aufzeigen, wie wirksam alternative Krebstherapien tatsächlich sind.“ Dahinter steckt der Glaube, dass die Arzneimittelbehörden Medikamente, die große Heilungschancen hätten, nicht zulässt.  

Das von Trump gelobte Gesetzesvorhaben stößt allerdings auf Kritik.

Programme für Medikamente ohne Zulassung

Schon jetzt können Menschen nicht zugelassene Medikamente probieren, die US-Arzneimittelbehörde FDA hat dafür das „compassionate use“-Programm (Übersetzung: „Anwendung aus Mitgefühl“, in Deutschland gibt es eine ähnliche Möglichkeit, hier heißt sie „Härtefallprogramm“).

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Wer über das Programm ein Medikament haben möchte, aber nicht an einer klinischen Studie teilnehmen kann, braucht dafür die Zustimmung des Pharmaunternehmens. Die wird allerdings manchmal verwehrt. Laut Vertretern von Patienteninteressen lehnen Pharmaunternehmen solche Gesuche ab, weil sie das Risiko als größer einschätzen als den mögliche Nutzen oder weil es dem Ruf des Medikamentes schaden könnte, wenn Komplikationen auftreten.

Laut mehreren US-Medien will die Bewegung, die sich für das Gesetz einsetzt, die Arzneimittelbehörde verwässern und deren Regulierungen zurückfahren. Libertäre Think-Tanks wie das Goldwater Institute und Unternehmenschefs wie die libertären Koch-Brüder setzen sich für das Gesetz ein. Und folglich gegen die Sicherheitsbestimmungen der Arzneimittelbehörde FDA. 

Fraglich bleibt, ob das Right-to-Try Gesetz nützlich ist. Bereits 38 Bundesstaaten haben es, Belege, dass dadurch Menschen geheilt wurden, gibt es nicht. Es gibt lediglich Anekdoten, vier Stück hat das Goldwater Institute auf der eigenen Kampagnenseite veröffentlicht.

Fazit: Für die These von „Legitim.ch“, dass durch das Right-to-Try Gesetz endlich die Wirksamkeit alternativer Krebsheilmittel bewiesen werden könnte, gibt es keine Belege. 

Unsere Bewertung:
Der Kontext fehlt, Kausalitäten und Zusammenhänge sind falsch dargestellt.

Bewertung: völlig falsch

Nein – Cannabis heilt nicht alle Arten von Krebs

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Im Januar 2016 erzählt die Webseite „Der Wächter“ vom angeblichen Wunderheiler Rick Simpson.

von Tania Röttger

Cannabis soll Krebs heilen – doch Studien, die das beweisen, gibt es nicht. Nun wird ein Artikel über Rick Simpson auf Facebook geteilt, der 5.000 Kranke mit Cannabis geheilt habe soll.

Rick Simpson ist eine Art Kultfigur in den Kreisen der alternativen Krebsbehandlung. Sein Allheilmittel ist Cannabis. Berühmt wurde er durch ein Öl, das RSO oder „Rick Simpson Oil“ genannt wird. Sein Buch „Die Anwendung der Natur auf Krebs“ ist auch auf Deutsch erschienen. Das Öl soll „alle Arten von Tumoren töten“ können.

Webseiten wie „Der Wächter“ verbreiten Artikel über Rick Simpson‘s angeblichen Erfolg mit dem Öl. Dass solche Berichte Wirkung zeigen, sieht man in Foren, in denen Leute über ihre Kreberskrankung schreiben. Da werden dann Rezepte für das Öl ausgetauscht, und Dosierungen besprochen.

In seinem Buch schreibt Simpson: seit 2003 habe er sein Öl an etwa 5.000 Menschen gegeben, „die an allen möglichen Krankheiten litten“. Neben Krebs auch an Diabetes, Asthma, Schuppenflechte, Epilepsie – die Liste ist noch länger. Viele seien durch der Einnahme des Öls geheilt worden, behauptet Simpson.

Wie er zu dieser Zahl kam, ist unklar. Er selbst schreibt, dass sich nur ein Zehntel der 5.000 Leute, denen er das Öl gab, bei ihm zurückmeldeten – das wären 500 Leute. Einen Datensatz legt er nicht vor, und selbst wenn, würde das nicht die Anforderungen an klinische Studien erfüllen.

Cannabis und Krebs

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) bekommt regelmäßig Anfragen zur Therapie mit Cannabis und auch speziell zu dem Öl von Rick Simpson, wie DKFZ-Sprecherin Susanne Weg-Remers bestätigt.

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Es gibt Studien, bei denen Cannabis tatsächlich Krebszellen zerstört hat. Allerdings wurden die im Labor gemacht, in Petrischalen oder mit Tieren – nicht mit Menschen. Daher gibt es bisher keine Erkenntnisse, in wie weit Cannabis möglicherweise für die Therapie von bestimmten Arten von Krebs geeignet sein könnte.

Selbst einem Arzt, der sich für die medizinische Anwendung von Cannabis einsetzt und alternative Medizin betreibt, gehen Simpsons Thesen zu weit. So schreibt Franjo Grotenhermen in einem offenen Brief, Simpson nehme sich „die Freiheit zu übertriebenen Heilsversprechen [heraus], die keiner sachlichen Überprüfung standhalten können“.

Weg-Remers meint, man sollte misstrauisch werden, wenn Allheilmittel angepriesen werden. Meistens handele es sich bei den Entdeckern um Scharlatane, die damit ein Geschäft machen wollen.

Gegen herkömmliche Therapien

Am problematischsten findet Arzt Grotenhermen, dass Simpson sein Öl als Ersatz für herkömmliche Krebstherapien, etwa Chemotherapie oder Bestrahlung, empfiehlt. Er fragt: „Wie viele Patienten sind unnötig gestorben, weil sie Ihrem Rat gefolgt sind?“.

Fazit: Die Anekdoten von Rick Simpson sind kein Beweis dafür, dass Cannabis Krebs heilen kann.

Unsere Bewertung:
Der Artikel beinhaltet keine wissenschaftlichen Beweise für die Theorie, dass Cannabis Krebs und viele andere Krankheiten heilen kann.