Hintergrund

Die 15 häufigsten Gerüchte und Theorien zum Coronavirus im Faktencheck

Ist das Virus eine Biowaffe? Sterben aktuell gar nicht mehr Menschen als normalerweise? Helfen Vitamine, Covid-19 zu heilen? Diesen Fragen begegnen wir bei unserer Arbeit immer wieder, meist in Form von irreführenden Behauptungen. Eine Zusammenstellung.

von Alice Echtermann

Coronavirus Symbolbild
Rund um das Thema Covid-19 tauchen im Netz immer wieder ähnliche Behauptungen auf. Viele Menschen sind deshalb verunsichert. (Foto: Ivo Mayr / CORRECTIV)

Bestimmte Narrative tauchen rund um die Pandemie durch das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 immer wieder auf. Viele von ihnen erreichen in Sozialen Netzwerken wie Facebook oder Youtube ein riesiges Publikum, halten aber einem Faktencheck nicht Stand: Sie sind irreführend. Hier fassen wir die häufigsten Behauptungen, Gerüchte und Theorien als Fragen zusammen – und antworten mit den Ergebnissen unserer Recherchen. 

Hinweis: Dieser Text gibt den Stand vom 23. April 2020 wieder.  

1. Ist das neuartige Coronavirus aus einem Forschungslabor „entwischt“?

Was oder wo genau die Quelle des Ausbruchs war, ist noch unklar. Es gibt Hinweise auf einen Markt mit exotischen Tieren in Wuhan, zu dem einer Studie aus China zufolge sehr viele der ersten Infizierten Kontakt hatten (27 von 41). Allerdings ist nicht gesichert, dass das Virus wirklich dort erstmals auf Menschen übertragen wurde. Zum Beispiel hatte der erste bekannte Fall am 1. Dezember 2019 offenbar keine Verbindung zu dem Markt, wie wir in unserem Faktencheck im Januar erläutert haben.


Eine andere Theorie, die deshalb immer noch kursiert, für die es aber bisher keine Belege gibt, ist, dass das Virus versehentlich aus einem Forschungslabor freigesetzt wurde. Aktuell wurde die Debatte befeuert durch eine Enthüllung der Washington Post: Mitglieder der US-Botschaft in Peking hätten demnach vor zwei Jahren, im Januar 2018, eine Forschungseinrichtung in Wuhan besucht und anschließend über Sicherheitsmängel in dem Institut für Virologie berichtet.  

2. Ist das neuartige Coronavirus absichtlich manipuliert worden oder gar eine Biowaffe?

Diese Verschwörungstheorie hält sich hartnäckig, obwohl bereits im Februar zahlreiche Wissenschaftler betonten, alles deute auf einen natürlichen Ursprung des Virus hin. Autoren einer neueren Studie im wissenschaftlichen Journal Nature kommen nach einer genetischen Analyse des Coronavirus ebenfalls zu dem Schluss: „SARS-CoV-2 ist kein Labor-Konstrukt oder absichtlich manipuliertes Virus.“ 

Ein „starker Beleg“ dafür sei, dass die Interaktion des Virus mit den menschlichen ACE2-Rezeptoren „nicht ideal“ sei. Dies deute darauf hin, dass es durch „natürliche Auslese“, also Evolution zustande kam. Plausibel sind laut den Wissenschaftlern zwei Szenarien – entweder sei die Veränderung des Virus in einem tierischen Wirt vor der Übertragung auf den Menschen geschehen, oder erst danach, also im Menschen selbst. Im ersten Szenario sei es wahrscheinlich, dass Fledermäuse als „Reservoir“ des Virus dienten. Doch auch bei Schuppentieren (pangolins) kämen Coronaviren vor, die SARS-CoV-2 sehr ähnlich seien. 

Auch die Möglichkeit einer „versehentlichen Laborfreigabe“ wird von den Wissenschaftlern analysiert (siehe Frage 1). Es sei theoretisch auch möglich, dass sich SARS-CoV-2 in Zellkulturen verändert habe, schreiben sie. Diese Theorie könne mit ihrer Forschung zwar nicht widerlegt werden – man halte sie jedoch für unplausibel. 

3. Wussten Behörden, andere Organisationen oder Bill Gates schon vorher von diesem Coronavirus?

Verbreitet ist seit Wochen eine Behauptung, die im Grunde eine Verschwörungstheorie ist: Die Bundesregierung, andere Institutionen, Bill Gates oder Drehbuchautoren hätten schon vorher von der aktuellen Pandemie gewusst; sie sei sogar geplant gewesen. 

Als angeblicher Beleg wird immer eine Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz herangezogen, die 2013 dem Bundestag vorgelegt wurde. Der angebliche „Geheimplan“ ist öffentlich einsehbar. In unserem Faktencheck haben wir erklärt, was es damit auf sich hatte: Es wurde das Szenario einer Pandemie durch ein hypothetisches Coronavirus namens „Modi-SARS“ durchgespielt, um zu analysieren, ob Deutschland darauf vorbereitet wäre. Ähnlichkeiten zu der heutigen Pandemie sind vorhanden, aus einem einfachen Grund: Es gab ein reales Vorbild. Bereits 2003 wurde das SARS-Coronavirus (SARS-CoV) entdeckt. 

Es diente offenbar auch als Inspiration für das Drehbuch der koreanischen TV-Serie „My Secret, Terrius“ 2018, in dem ein mutiertes Coronavirus vorkommt. Diese Serie war ebensowenig eine Vorhersage der Pandemie wie die Übung „Event 201“, die im Oktober 2019 stattfand und an der unter anderem die „Bill & Melinda Gates“-Stiftung teilnahm. (Bill Gates hat übrigens auch kein Patent auf das neuartige Coronavirus.) Wer darin oder in der Tatsache, dass auf einigen alten Desinfektionsmittel-Flaschen auch der Begriff „Coronavirus“ auftaucht, eine Verschwörung wittert, muss enttäuscht werden. 

Die Erklärung ist simpel: Es gibt viele verschiedene Coronaviren, die seit Jahrzehnten bekannt sind. Es tauchten in der Vergangenheit bereits Erreger auf, die von Mensch zu Mensch übertragen wurden. Vor diesem Hintergrund wurde öfter vor einer möglichen Pandemie durch ein neues Coronavirus gewarnt.   

4. Gibt es Mittel, die Covid-19 heilen oder die Krankheit verhindern?

Es gibt bisher kein Heilmittel für die Lungenkrankheit Covid-19 und keinen Impfstoff. In verschiedenen Ländern werden unterschiedliche Medikamente getestet. Teilweise handelt es sich um Mittel, die eigentlich gegen andere Krankheiten eingesetzt werden. Bisher ist eine Wirksamkeit gegen Covid-19 bei keinem Medikament bestätigt, wie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte mitteilt

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
Auszug der Webseite des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte, Stand 23. April 2020. (Screenshot: CORRECTIV)

Es werden jedoch immer wieder andere Stoffe ins Gespräch gebracht, die angeblich helfen sollen. Manche dieser Versprechen, zum Beispiel über die Einnahme von Chlordioxid, können gefährlich sein. Oft ist auch die Rede von Vitamin C oder Vitamin D. Hierbei gibt es einen schmalen Grat: Der Mensch braucht Vitamine und eine ausreichende Versorgung damit ist sicherlich gut. In einer Überdosierung kann jedoch auch Vitamin D gesundheitsschädlich werden. Und Versprechen, dass Vitamine eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus verhindern oder gar heilen könnten, führen in die Irre. 

In unseren Faktenchecks gehen wir ausführlicher auf Vitamin C und Vitamin D ein.

5. Machen bestimmte Medikamente die Krankheit schlimmer?

In mehreren europäischen Ländern kursierte im März die Meldung, das Schmerzmittel Ibuprofen könnte eine Infektion mit dem Coronavirus verschlimmern. Dafür gab es keine wissenschaftlichen Belege, wie unser Faktencheck zeigte. 

Laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte wird aktuell geprüft, ob „von der Einnahme sogenannter nichtsteroidaler Antirheumatika (NSAR) im Falle einer Erkrankung mit dem Coronavirus abgeraten“ werden sollte. Zu dieser Gruppe zählten neben Ibuprofen auch Aspirin und Diclofenac. „Die europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) sieht gegenwärtig keine Evidenz für die Verschlechterung des Krankheitsverlaufs von COVID-19 (…).“ Ibuprofen könne also weiter eingenommen werden, in niedrigen Dosen und über einen möglichst kurzen Zeitraum. Alternativen wie Paracetamol sollten in Betracht gezogen werden. 

Auch über sogenannte ACE-Hemmer – Medikamente, die zur Senkung des Blutdrucks eingesetzt werden – wird diskutiert, ob sie eine Auswirkung haben können. Das Bundesinstitut schreibt dazu: „Diese Zusammenhänge sind theoretischer Natur, wobei einige auf ein Komplikationsrisiko und andere auf eine schützende Wirkung dieser Medikamente hinweisen. Derzeit gibt es keine wissenschaftlichen Beweise, die beide Behauptungen stützen.“ Patienten sollten diese Medikamente auf keinen Fall eigenmächtig absetzen. 

6. Sind die Todeszahlen im Vergleich zu denen durch die saisonale Grippe (Influenza) harmlos?

Die Todeszahlen durch Covid-19 und Influenza sind aktuell nicht vergleichbar. Die Zahl der nachweislich mit dem Coronavirus infizierten und gestorbenen Menschen wird aktuell an das Robert-Koch-Institut gemeldet. Am 22. April waren das 4.879 Fälle. 

Die Zahl der Grippetoten wird dagegen jede Saison statistisch geschätzt. In unserem Faktencheck haben wir erklärt, dass die Grundlage hierfür die sogenannte Exzess-Mortalität oder Übersterblichkeit ist. Experten beobachten dabei, wie viele Menschen in der Grippesaison im Vergleich zu den übrigen Monaten im Jahr sterben. Sollte es in der Zeit einen „Mortalitätsanstieg“ geben, werden diese zusätzlichen Todesfälle der Influenza zugeordnet. 

In der besonders schweren Grippesaison 2017/18 gab es demnach schätzungsweise 25.000 Todesfälle, erklärt das RKI. Tatsächlich gemeldet wurden damals 1.674 Todesfälle „mit laborbestätigter Influenza“. 

7. Sterben aktuell gar nicht mehr Menschen als normalerweise?

Dazu lässt sich für ganz Europa oder Deutschland aktuell noch keine Aussage treffen. Zu einer Übersterblichkeit in Deutschland (siehe Frage 6) gibt es bisher keine Daten. Das Statistische Bundesamt hat am 17. April eine Auswertung der täglichen Sterbezahlen in Deutschland seit Januar 2020 veröffentlicht – allerdings geben diese Zahlen bisher nur die Entwicklung bis zum 15. März wieder. Am 15. März gab es in Deutschland laut Robert-Koch-Institut erst 12 Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19. Wie sich die Todeszahlen entwickeln, werden die Auswertungen in Zukunft zeigen. In unserem Faktencheck gehen wir genauer auf das Thema der Übersterblichkeit ein.

In anderen Ländern lassen sich bereits Trends beobachten. In Italien gab es laut dem italienischen Gesundheitsministerium seit Anfang März einen deutlichen Anstieg der durchschnittlichen Mortalität, insbesondere im Norden des Landes und besonders stark bei Menschen über 85 Jahren. Auch die Autoren einer am 20. April als Preprint veröffentlichten Studie von US-amerikanischen Wissenschaftlern kommt zu dem Schluss, dass die Mortalität in Italien gestiegen ist. 

Übersterblichkeit in Italien
Auswertung der Gesamtmortalität (durchschnittliche Sterblichkeit) in Norditalien sowie Mittel- und Süditalien von Oktober 2019 bis April 2020. (Quelle: Ministero della Salute, Screenshot: CORRECTIV)

Für England und Wales hat zudem das Office of National Statistics kürzlich Zahlen veröffentlicht, die einen Anstieg der wöchentlichen Todesfälle im Vergleich zum Fünf-Jahres-Durchschnitt aufweisen.

Übersterblichkeit in England und Wales
Auswertung der pro Woche registrierten Sterbefälle in England und Wales vom 28. Dezember 2019 bis 10. April 2020. (Quelle: Office for National Statistics, Screenshot: CORRECTIV)

8. Ist in Wahrheit 5G-Strahlung Schuld an den Todesfällen?

Nein, es gibt keinen Zusammenhang zwischen den Todesfällen und dem Mobilfunkstandard 5G. Das Bundesamt für Strahlenschutz teilte uns mit: Elektromagnetische Strahlung könne keine solchen Auswirkungen haben. „5G verursacht weder Zellabbau noch grippeähnliche Symptome. 5G kann (wie alle Felder von Mobilfunksendeanlagen, also auch 2G, 3G, 4G) höchstens eine geringfügige, nicht wahrnehmbare Erwärmung verursachen, die sich vor allem auf die Körperoberfläche beschränkt (und die Lunge nicht erreicht).“ Die aktuellen Grenzwerte für die Strahlung seien daran angepasst. 

9. Ist der PCR-Test auf das Coronavirus unzuverlässig?

Behauptungen, der PCR-Test zur Diagnose einer Infektion mit dem Coronavirus habe eine Fehlerquote von 30 bis 50 Prozent, sind nicht zutreffend, zeigt unser Faktencheck. PCR steht für Polymerase-Ketten-Reaktion. Laut Robert-Koch-Institut sind die angegebenen Prozentwerte „nicht nachvollziehbar“. 

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Der Test wurde vom Virologen-Team der Berliner Charité um Christian Drosten entwickelt. Drosten zufolge ist es ausgeschlossen, dass er auf andere Erreger als SARS-CoV-2 reagiert und so ein „falsch positives“ Ergebnis liefert. Der Test könnte höchstens auf das erste SARS-Virus reagieren, das 2003 entdeckt wurde, aber heute beim Menschen nicht mehr vorkomme. Der Test sei durch eine umfassende Studie geprüft worden. 

Möglich ist allerdings laut RKI, dass der Test kontaminiert wird. Auch „falsch negative“ Ergebnisse sind möglich, vor allem im späteren Stadium der Infektion, da das Virus dann laut Drosten oft nicht mehr im Hals des Patienten nachweisbar ist. Experten von drei Universitätskliniken haben uns auf Nachfrage bestätigt, dass der Test sehr zuverlässig sei und bei richtiger Anwendung falsche positive Ergebnisse so gut wie ausgeschlossen seien.

10. Können junge Menschen nicht an Covid-19 erkranken? 

Doch, das können sie, allerdings verläuft die Krankheit bei ihnen offenbar meist weniger stark. Das RKI schreibt (Stand 30. März): „Bisherigen Daten nach, die meist aus China stammen, ist noch unklar, ob Kinder weniger an COVID-19 erkranken als Erwachsene. Die Symptomatik der Erkrankung bei Kindern scheint jedoch häufig geringer ausgeprägt als bei Erwachsenen, obwohl auch, insbesondere bei jüngeren Kindern, schwere Verläufe vorkommen können.“ 

In einer Pressekonferenz am 26. März sagte Lothar Wieler, Präsident des RKI: „An Covid-19 können alle Menschen in Deutschland erkranken, unabhängig vom Alter und unabhängig vom Gesundheitszustand […].“ Auch jüngere und gesunde Menschen könnten sehr schwer erkranken oder sterben, betonte er.

11. Sterben ausschließlich Menschen mit Vorerkrankungen an Covid-19?

Nein, aber Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen sind besonders gefährdet. Das RKI schreibt: „Schwere Verläufe können auch bei Personen ohne bekannte Vorerkrankung auftreten und werden auch bei jüngeren Patienten beobachtet.“ Das Risiko für einen schweren Verlauf steige ab einem Alter von 50 bis 60 Jahren stetig an. 87 Prozent der in Deutschland verstorbenen Menschen waren laut RKI 70 Jahre alt oder älter. 

Ebenfalls potenziell gefährdet seien Raucher, Menschen mit Übergewicht und Menschen mit Vorerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, chronischen Lungenerkrankungen, Diabetes, Krebs oder geschwächtem Immunsystem (wegen einer Krankheit oder der regelmäßigen Einnahme von Medikamenten).

12. Werden alle Infizierten, die sterben, als Covid-19-Todesfälle gezählt – auch wenn sie einen Unfall hatten?

Das ist korrekt. Wie uns das Robert-Koch-Institut auf Nachfrage für unseren Faktencheck mitteilte, werden alle Menschen mit laborbestätigtem Nachweis einer Infektion, die anschließend sterben, in der Statistik als Covid-19-Todesfall geführt. Der Grund: „Das Risiko an COVID-19 zu versterben ist bei Personen, bei denen bestimmte Vorerkrankungen bestehen, höher. Daher ist es in der häufig Praxis schwierig zu entscheiden, inwieweit die SARS-CoV-2 Infektion unmittelbar zum Tode beigetragen hat.“ 

Aus diesem Grund werde nicht unterschieden zwischen „verstorben an Coronavirus“ und „verstorben mit Coronavirus“. So wolle man „ein möglichst genaues Bild der Todesfälle“ bekommen. „Wie gesagt, die beschriebene Situation – dass jemand an COVID-19 erkrankt ist und danach tödlich verunglückt – ist sehr selten.“

Auszug aus einer E-Mail des Robert-Koch-Instituts
Auszug aus einer E-Mail des Robert-Koch-Instituts an CORRECTIV. (Screenshot: CORRECTIV)

13. Werden die Verstorbenen nicht obduziert? 

Häufig wird wegen der statistischen Erfassung der Todesfälle zum Beispiel von Pathologen gefordert, dass alle Verstorbenen obduziert werden. So könne man ausschließen, dass sie an einer anderen Krankheit starben. Der Deutschen Gesellschaft für Pathologie zufolge hatte das RKI im März noch davon abgeraten, die Verstorbenen zu obduzieren, wegen des Infektionsrisikos. Aktuell ist eine solche Empfehlung beim RKI in den Hinweisen zum Umgang mit Verstorbenen jedoch nicht mehr zu finden. 

Wie einer unser Faktenchecks zeigte, werden in Hamburg bereits alle Menschen, die laut Statistik an Covid-19 starben, von der Rechtsmedizin begutachtet. Aktuell meldet das RKI 91 Todesfälle für Hamburg (Stand 22. April). Laut einem Lagebericht der Stadt vom 22. April konnte Covid-19 als Todesursache insgesamt bei 95 Patienten festgestellt werden. 

Auszug aus dem Corona-Bericht Hamburgs vom 22. April 2020. (Screenshot: CORRECTIV)

Zudem wird aktuell ein Zentralregister für Obduktionen in Deutschland aufgebaut. 

Update, 4. Mai: Im Hamburger Lagebericht vom 3. Mai übersteigt die Zahl der Personen, bei denen Covid-19 durch die Obduktion als Todesursache festgestellt wurde, erneut die offizielle Zahl der Todesfälle des RKI (165 zu 164). Der Grund: „Die Diskrepanz ist auf einen Meldeverzug durch das RKI zurückzuführen.“

14. Stirbt das Virus bei Hitze ab und sind deshalb heiße Bäder oder heiße Getränke hilfreich? 

Es gibt bisher kein Mittel, die Krankheit zu heilen oder wirksam eine Infektion zu verhindern. Überprüft haben wir zum Beispiel die falsche Behauptung, das Virus sitze im Hals und könne deshalb mit Wasser trinken oder gurgeln aufgehalten werden. Oder heißes Wasser oder Tee trinken könne es abtöten. Ebenfalls nicht richtig ist die Behauptung, heiße Bäder könnten das Virus aufhalten. 

Im Netz kursieren seit Wochen die unterschiedlichsten Angaben, bei welcher Temperatur das Virus angeblich abstirbt – in einem Kettenbrief war zum Beispiel die Rede von 27 Grad. Dazu steht fest: Die normale Körpertemperatur des Menschen liegt bei 36,5 bis 37 Grad. Das kann das Virus also locker aushalten. Deshalb kann zum Beispiel auch warmes Wetter oder Klima allein die Ausbreitung mutmaßlich nicht stoppen. Laut ersten Laborstudien erfolgt die Inaktivierung von SARS-CoV-2 erst bei einer wesentlich höheren Umgebungstemperatur wie 70 Grad (hier geht es zum Faktencheck).  

15. Verbreiten Haustiere das Coronavirus?

Medienberichten zufolge wurde in einem New Yorker Zoo ein Tiger mit dem Coronavirus infiziert. Es gab zudem Ende Februar einen Bericht aus Hongkong, nach dem ein Hund schwach positiv getestet worden sei. 

Laut Friedrich-Löffler-Institut gibt es jedoch keine Hinweise, dass Haustiere das Virus auf Menschen übertragen können. Und auch nicht, dass es auf Nutztiere übertragbar ist. Erste Versuche zeigten, dass sich weder Schweine noch Hühner infizieren lassen. 

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