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Landwirtschaft

Die Landwirtschaft ist ein besonders heiß diskutierter Sektor, wenn es um Antibiotika-Resistenz geht. Im Kern steht der massenhafte Einsatz von Antibiotika bei Tieren – und das Heranzüchten neuer Resistenzen. Doch für eine weitreichende gesundheitliche Bedrohung des Menschen, die daraus resultieren würde, gibt es noch wenige Belege. Wer sind gute Ansprechpartner, wo sind Informationen zu finden, was sind wichtige Studien? Hier bieten wir einen Überblick.

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Ansprechpartner und Berichte

European Centre for Disease Prevention and Control

Zentrale Europäische Behörde im Bereich Infektionskrankheiten.  

Hat die „Joint Interagency Antimicrobial Consumption and Resistance Analysis“ (JIACRA) veröffentlicht, ein Bericht über die Verbindung zwischen Konsum von Antibiotika und Resistenz bei Mensch und Tier.


Experten zu Keimen in der Landwirtschaft

Deutschland

Uwe Rösler, Tier- und Umwelthygiene

Institut für Tier- und Umwelthygiene
Freie Universität Berlin
Robert-von-Ostertag-Str. 7-13
Raum 144
14163 Berlin
Telefon: +49 30 8385 1830

Uwe Rösler ist Leiter des Instituts für Tier- und Umwelthygiene an der Freien Universität Berlin.  Er ist Fachtierarzt für Epidemiologie. Seit 2007 ist er Mitglied der International Society for Animal Hygiene (ISAH), seit 2011 Vertreter für Deutschland bei der ISAH und seit 2015 ist er Mitglied des Vorstands bei der ISAH. Er forscht unter anderem zu Gesundheits- und Hygienemanagement in der Schweine- und Rinderhaltung.

Annemarie Käsbohrer, Tierseuchen

Bundesinstitut für Risikobewertung
Abteilung Risikokommunikation
Fachgruppe Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Dohrn-Str. 8-10
10589 Berlin
Postanschrift: Postfach 126942, 10609 Berlin
Telefon: 030 1 8412-0

Zusammen mit Bernd-Alois Tenhagen leitet Annemarie Käsbohrer die Fachgruppe “Epidemiologie, Zoonosen und Antibiotikaresistenz” beim BfR. Dort beschäftigt sie sich unter anderem mit Resistenzen in der Tiermast und dem Einfluss von Antibiotika auf unsere Lebensmittelkette. Dazu gehört auch die mögliche Übertragung von Resistenzen bei Tieren auf Menschen.

Bernd-Alois Tenhagen, Tierseuchen

Bundesinstitut für Risikobewertung
Abteilung Risikokommunikation
Fachgruppe Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Dohrn-Str. 8-10
10589 Berlin
Postanschrift: Postfach 126942, 10609 Berlin
Telefon: 030 1 8412-0

Zusammen mit Annemarie Käsbohrer leitet Bernd-Alois Tenhagen die Fachgruppe “Epidemiologie, Zoonosen und Antibiotikaresistenz” beim BfR. Dort beschäftigt er sich unter anderem mit Resistenzen in der Tiermast und dem Einfluss von Antibiotika auf unsere Lebensmittelkette. Dazu gehört auch die mögliche Übertragung von Resistenzen bei Tieren auf Menschen. Bereits 2012 plädierte Tenhagen in einem Interview mit tagesschau.de für einen verantwortungsvolleren Umgang mit Antibiotika in der Tierhaltung.

Lothar Wieler, Infektionsforschung

Institut für Mikrobiologie und Tierseuchen
Freie Universität Berlin
Robert-von-Ostertag-Str. 7-13
14163 Berlin
Telefon: +49 30 838 51840

Lothar Wieler ist seit 2015 Präsident des Robert-Koch-Instituts und seit 1997 Fachtierarzt für Mikrobiologie. Außerdem ist er Professor an der Freien Universität Berlin, dort war er vor seiner Anstellung beim RKI Direktor des Instituts für Mikrobiologie und Tierseuchen. Seine Forschung konzentriert sich auf Zoonosen. Das sind Keime, die zwischen Menschen und Tieren übertragen werden. Dazu gehören das MERS-Coronavirus, das SARS-Virus, Ebolaviren und der Krankenhauskeim MRSA. Besonders treibt Wieler die Frage um, was bakterielle Erreger wie E.coli dazu befähigt, verschiedene, tierische und menschliche, Wirte zu infizieren.

EU

Pierre Alexandre Beloeil, Lebensmittelsicherheit

Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit – EFSA
Via Carlo Magno 1A
43126 Parma (PR)
ITALIEN
Telefon: +39 0521 036 833

Pierre Alexandere Beloeil ist leitender Angestellter beim Referat für Biologische Gefahren und Kontaminanten der European Food Safety Authority (EFSA). Das Referat untersucht die Faktoren, die das Vorkommen von Antibiotika –Resistenzen bei Bakterien in Lebensmitteln und bei Tieren begünstigen. So gibt die EFSA regelmäßig Empfehlungen zu verantwortungsvollem Antibiotikagebrauch in der Tierhaltung heraus. Zuletzt empfahl die Behörde, den Gebrauch von Colistin bei Tieren zu verringern.

Niederlande

Dik Mevius, Tierseuchen

Faculty of Veterinary Medicine
Utrecht University
Androclusgebouw
Yalelaan 1
Room W 309
3584 CL  UTRECHT
The Netherlands
Telefon: +31 30 253 1099

Dik Mevius ist Professor für antimikrobielle Resistenzen an der Universität von Utrecht. Seit Beginn seiner Karriere beschäftigt sich Mevius mit Nutztieren, zuerst als Tierarzt für Nutztiere in Groningen und Friesland, dann promovierte er als Veterinär für Großtiermedizin in Utrecht. Vor dem Hintergrund seiner Promotion spezialisierte er sich auf den Gebrauch von Antibiotika in der Tierzucht. Seitdem untersucht er Antibiotikaresistenzen in mikrobiellen Organismen. An der Universität von Wageningen gründete er eine Expertengruppe, die sich mit antimikrobiellen Resistenzen beschäftigt. Außerdem koordiniert er das „Dutch antimicrobial resistance and usage monitoring programme (MARAN). Für die Ministerien für Wirtschaft, Landwirtschaft und Innovation und für das Ministerium für öffentliche Gesundheit arbeitet er als unabhängiger Berater.

Österreich

Antonia Griesbacher, Nahrungsmittelsicherheit

Austrian Agency for Food Safety
Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH
Spargelfeldstrasse 191
1220 Wien
Telefon: +43 5 0555-0

Antonia Griesbacher arbeitet bei der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit in Wien. Die Agentur befasst sich unter anderem mit Lebensmitteluntersuchung, der Vorbeugung und Bekämpfung von Tierkrankheiten und deren Übertragung auf den Menschen. Außerdem ist die Agentur für Infektionskrankheiten beim Menschen und für die Zulassung und Überwachung von Arzneimitteln und Medizinprodukten zuständig. Zu Griesbachers Spezialgebieten gehört der Gebrauch von Antibiotika in österreichischen Schweinefarmen und dessen Konsequenzen. Außerdem beschäftigt sie sich mit dem Nachweis von Fadenwürmern, sogenannten Trichinella-Larven, in Schweinefleisch.

Polen

Dariusz Wasyl, Tierseuchen

National Veterinary Institute
The National Veterinary Research Institute
57 Partyzantów Avenue
24-100 PUŁAWY
Telefon: +48 81 889 3000

Dariusz Wasyl hat Tiermedizin studiert und ist einer der führenden Experten Polens zum Thema Antibiotikaresistenzen in der Tiermast. Zurzeit arbeitet er im Fachbereich Mikrobiologie beim „National reference Laboratory for Salmonellosis and Antimicrobial Resistance.“ Seine Forschung konzentriert sich auf Resistenzen bei Salmonellen. Außerdem hat er in Polen die Einführung eines Sytems zur Überwachung der antimikrobiellen Empfindlichkeiten von E.coli in einem Forschungsbericht vorgeschlagen. Der Bericht konzentriert sich einerseits auf die Verbreitung von E.coli in Polen, andererseits aber auch auf den Schlachtprozess und die gesetzliche Situation zum Gebrauch von Antibiotika in der Tierzucht im Land.

Schweiz

Katrin Zurfluh, Nahrungsmittelsicherheit

Institute for food hygiene and safety
University of Zurich
Winterthurerstrasse 272
CH-8057 Zurich
Telefon: +41 44 635 86 51

Katrin Zurfluh arbeitet mit ihrem Team am Institut für Lebensmittelsicherheit- und hygiene der Universität Zürich. Im Fokus der Forschung des Instituts stehen Erreger, die über die Lebensmittelkette zum Menschen gelangen. Die Wissenschaftler forschen in drei Bereichen: Im Mittelpunkt des ersten Bereichs steht die Erkennung von Bakterien aus der Tierhaltung, ihre Charakteristika, ihr Ausbreitungsverhalten, ihre Reaktion auf Stress und ihr Verhalten in Bezug auf den Menschen. Im zweiten Forschungsbereich beschäftigen sich die Forscher mit dem Schlachtprozess und den Gesundheitsgefahren, die damit einhergehen. Drittens geht es um Mikroorganismen mit Antibiotikaresistenzen, die die Forscher entlang der Fleisch- und Milchproduktionskette isolieren konnten.


Wichtige Studien

Neue Resistenz gegen Colistin

Colistin ist ein Antibiotikum, das bei Menschen heftige Nebenwirkungen auslösen kann und daher nur im Notfall verwendet wird. Dann, wenn andere Antibiotika nicht mehr wirken. Wegen des seltenen Einsatzes haben sich bislang kaum Resistenzen gebildet.

Doch der Stoff wird in großer Menge in der Massentierhaltung eingesatzt. Das hielt man bisher für unproblematisch: Es bildeten sich zwar Resistenzen, aber man ging davon aus, dass sie nicht von Keim zu Keim springen können, weil sich die Resistenzgene auf einem nicht-mobilen Teil der DNA befanden.

Doch waren chinesische Forscher stutzig geworden, weil sie immer mehr Resistenzen gegen Colistin in der Schweinemast beobachteten. Sprang die Resistenz doch von Keim zu Keim? Ja: Die Forscher sammelten Proben und konnten im Labor nachweisen, dass es ein neues Resistenz-Gen gab, das sich auf einem mobilen Abschnitt der DNA befand. Sie tauften das Gen mcr-1.

Inzwischen wurde es auch in anderen Ländern und auch beim Menschen entdeckt. Jetzt debattiert man darüber, den Einsatz des Antibiotikums in der Tiermast einzuschränken.

Liu Y. et al. Emergence of plasmid-mediated colistin resistance mechanism MCR-1 in animals and human beings in China: a microbiological and molecular biological study. Lancet Infect Dis., 16(2):161-8 (2015)


Desinfektionsmittel können zu Resistenzen führen

Auch der Einsatz von Desinfektionsmittel kann zu Antibiotika-Resistenzen führen, haben Wissenschaftler um Mark Webber von der University of Birmingham nachgewiesen. Sie behandelten den Typhus-Keim Salmonella typhimurium mit verschiedenen Desinfektionsmitteln. Woraufhin sich Stämme bildeten, die gegen diese Desinfektionsmittel immun waren. Diese Stämme waren auch gegen Antibiotika resistent.

Ursache für die Doppelresistenz: Molekulare Pumpen, die für das Bakterium schädliche Stoffe unterschiedlicher Art aus der Zelle schleusen. Die Ergebnisse sollten zu einem vorsichtigeren Einsatz von Desinfektionsmitteln anregen, besonders zu Hause, wo sie kaum einen nachgewiesenen Nutzen haben.

Webber MA. et al. Parallel evolutionary pathways to antibiotic resistance selected by biocide exposure. J Antimicrob Chemother., 0(8):2241-8 (2015)

 

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