Missbrauch in der katholischen Kirche: Fall in Bayern zeigt Verantwortung der Bischöfe
Das Umfeld vom ehemaligen Papst deckte jahrelang einen pädokriminellen Priester in Garching und machte sich so zum Mittäter von sexuellem Missbrauch.
Das Umfeld vom ehemaligen Papst deckte jahrelang einen pädokriminellen Priester in Garching und machte sich so zum Mittäter von sexuellem Missbrauch.
Für die katholische Kirche könnte dieser Fall noch schwere Folgen haben. Ein Opfer sexuellen Missbrauchs verklagt nicht nur den Missbrauchspriester Peter H., sondern auch Verantwortliche bis hin zum ehemaligen Papst Benedikt XVI., Joseph Ratzinger. Die Taten sind zwar verjährt, doch ein Anwalt versucht es nun mit einem juristischen Kniff. CORRECTIV, der Zeit und dem BR liegt die Klage vor.
Ein ehemaliger Priester und notorischer Missbrauchstäter soll jetzt an weiteren Taten gehindert werden. Peter H. ist seit kurzem nicht mehr unter der Aufsicht der katholischen Kirche. Nun liegt ein Betreuungsantrag bei Gericht vor.
Peter H. hat als Pfarrer seit den späten 70er Jahren mindestens 29 Jungen missbraucht. Jahrzehnte nach seiner letzten Tat entlässt die Kirche ihn aus dem Priesterstand. Seinen früheren Opfern geht dies längst nicht weit genug.
Die Erfahrung von Missbrauch ruinierte sein Leben – nun will Andreas Perr Gerechtigkeit. Mit seiner Klage setzt er nicht nur den pädokriminellen Pfarrer H., sondern weitere Kirchenobere unter Druck, bis hin zum Ex-Papst Benedikt XVI. Der Täter wehrt sich, der Ex-Papst hat eine internationale Kanzlei eingeschaltet. Aber auch Perr hat Verbündete.
Ex-Papst erklärt: Seine Unwahrheit im Missbrauchsgutachten sei Fehler seines Beraterteams gewesen. Ein Kirchenrechtler nimmt nun den Fehler auf sich. Brisant: Dieser Mann war mit dem Fall des Missbrauchspriesters H. schon 2010 befasst.
Ein Bischof sollte den pädokriminellen Priester H. überwachen. Stattdessen deckte er dessen Taten. Das Münchener Gutachten der katholischen Kirche sieht nun keine Verantwortung des Bischofs. Brisant: Er war mit dem ehemaligen Papst befreundet.
Das Gutachten zum Missbrauch in der katholischen Kirche folgt in großen Teilen den jahrelangen Recherchen von CORRECTIV zum Fall H. und bestätigt die Verantwortung der Bischöfe bis zum Papst emeritus Benedikt XVI. Bei einem Bischof allerdings kommt das Gutachten zu einem anderen Schluss und einem milden Urteil.
Die katholische Kirche sieht Joseph Ratzinger und weitere Bischöfe für das Vertuschen des sexuellen Missbrauchs in der Verantwortung. Allerdings für Handlungen, die weit zurück liegen. Interne Unterlagen, die CORRECTIV einsehen konnte, zeigen, dass die Kirche in einem Urteil gegen den Priester H. entscheidende Details wegließ.
Der Missbrauch von Jugendlichen durch einen Pfarrer wurde lange gedeckt – jetzt brechen mehrere Beteiligte ihr Schweigen. Ein Anwalt will aufgrund neuer Recherchen von CORRECTIV und BR nun die vorgesetzten Bischöfe wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit anzeigen.
Eine Recherche von CORRECTIV und frontal über einen wegen Kindesmissbrauch verurteilten Priester löste im bayerischen Garching an der Alz eine Bewegung für Aufklärung aus. Jetzt besuchte Kardinal Reinhard Marx die Gemeinde und entschuldigte sich für die Versäumnisse der Katholischen Kirche.
Wie die katholische Kirche Missbrauchsfälle bis in die höchsten Kreise vertuscht, um sich selbst zu schützen.